Kunst- oder Echtpelz?

Falsche Fell-Kennzeichnung an Kleidungsstücken

An vielen Winterjacken und Mützen ist wieder Fell im Einsatz. Doch vielen Verbrauchern ist nicht klar, dass oft echtes Fell verarbeitet wird und keine Kunstfasern. Denn oft werden die Kleidungsstücke nicht richtig deklariert. Wir zeigen Ihnen, wie Sie echtes Fell von künstlichem Fell unterscheiden können.

Die Pelzindustrie macht wieder Rekordumsätze. An vielen Jacken oder Mänteln ist wieder Fell zu sehen. Viele Kunden gehen aber davon aus, dass es künstlich hergestellt wurde. Die Tierschutzorganisation PETA glaubt jedoch: Viele Verbraucher sind falsch informiert, tragen echte Felle ohne es zu wissen.

Frank Schmidt, Fachreferent für Tiere in der Bekleidungsindustrie, erklärt, welche Felle erlaubt sind und welche nicht: "Also, Felle von Hunden, Katzen oder auch Robben dürfen nicht in die EU importiert und hier auch nicht gehandelt und verkauft werden. Also das wäre dann mit einem Bußgeld zu bestrafen. Allerdings ist es ganz legal, Pelze von Füchsen, Nerzen oder auch Marderhunden zu verkaufen." Die Bezeichnungen der Pelzbranche und ihre Bedeutung hat der Deutsche Tierschutzbund zusammengestellt: Deutsche Tierschutzbund (pdf)

Eine EU-Verordnung (pdf) regelt: Textilien mit Leder, Fell oder Horn müssen den Hinweis tragen: "Enthält nichttextile Teile tierischen Ursprungs". Doch halten sich Hersteller und Handel daran? Wir machen einen Test und kaufen Jacken mit Pelzbesatz ohne Kennzeichnung. Wir haben den Verdacht, dass es sich um echtes Fell handelt.

Wie Sie echtes Fell von Kunstfell unterscheiden können

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BS WISO Pelz an der Kleidung - Bild 1 - wiso_FelloderFake_ss

Ein Indiz für echtes Fell ist die Weichheit des Fells. Wenn man sich die dicken Deckhaare genau anschaut, ist bei echtem Fell eine Art Unterwolle zu sehen, die etwas fusselt. Das sind kleinere Haare die sich kräuseln. Pustet man leicht auf die Haare, dann bewegt sich Echtfell gut im Wind. Falsche Haare bleiben starr.

Eine weitere Methode für Hinweise auf Echtfell ist ein Haar anzuzünden. Riecht es wie verbranntes Haar, dann kann man davon ausgehen, dass es auch Echthaar ist.

Darüber hinaus gibt es einen weiteren wichtigen Unterschied: Unter echten Haaren zeigt sich Tierhaut, bei Kunstpelz eine Gewebeschicht.

Warum Echtfell statt Kunstfell?

Die Textilkennzeichnungverordnung wird nicht immer eingehalten. Doch warum verwenden Produzenten Echtfell statt Kunstfell, wenn viele Verbraucher das nicht wollen? Die Antwort: Gut gemachtes Kunstfell ist teurer als das Fell von Tieren.

Die meisten Felle kommen aus China. Die Tiere vegetieren in Zuchtfarmen in kleinen Boxen eingepfercht. Die Böden der Boxen haben keine zusätzliche schützende Schicht und sind nur mit nackten Gitterstäben ausgestattet.

Bis zu 70 Millionen Tiere sollen pro Jahr für die Textilindustrie unter qualvollen Bedingungen gezüchtet und getötet werden. Da solche Textilien kaum jemand haben möchte, wird die Kennzeichnung oft einfach weggelassen. Wer wirklich sicher sein will, sollte auf Pelzbesatz am besten ganz verzichten, auch wenn er gerade wieder sehr in Mode ist.

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