Sie sind hier:

Zu hohe Kfz-Steuern wegen WLTP?

Softwareprobleme bei Zulassungstellen

Verbraucher | WISO - Zu hohe Kfz-Steuern wegen WLTP?

Falsche CO2-Werte, die von den Zulassungsstellen zugrundegelegt werden, können zu fehlerhaften Versicherungsberechnungen führen. Ein Softwareproblem könnte die Ursache sein. Was Autofahrer machen können.

Beitragslänge:
1 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 03.12.2019, 19:25

Wer ab September 2018 einen Neuwagen (Diesel oder Benzin) gekauft hat , muss sich auf höhere Abgaben einstellen. Denn durch das anspruchsvollere Tesverfahren WLTP ( Worldwide harmonized Light vehicles Test Procedure) steigen die offiziellen Emissionswerte. Diese bilden die Grundlage für die Berechnung der Kfz-Steuer. Wie der ADAC errechnet hat, könnte die Steuer bei Autos, die nach dem 1. September zugelassen werden, um bis zu 70 Prozent gegenüber gleichen, aber vorher zugelassenen Autos steigen. Im Schnitt geht es um einen zweistelligen Euro-Betrag pro Jahr.

Es gibt jedoch Fälle, die das Dreifache zahlen sollen. Oder sogar 2600 Euro für eine Golfklasse. Das Problem sind die CO2-Werte, die sich die Zulassungstellen neuerdings selbst zusammensuchen müssen. Offensichtlich haben einige Zulassungsstellen falsche CO2-Werte eingetragen. Wie WISO-Recherchen ergeben haben, gab es ein Problem bei der Softwareumstellung. WISO hat einige Zulassungstellen angefragt und sie haben uns versichert, den Fehler zu korrigieren.

Antworten der Zulassungstellen

Das für München zuständige Kreisverwaltungsreferat äußerte sich WISO gegenüber so: "Zum Umstellungszeitpunkt (01.09.2018) gab es ein Softwareproblem bei der Übermittlung des korrekten "Kombinierten CO2-Wertes" (WLTP). Nachdem die Zulassungsstelle davon Kenntnis erlangte, wurde die Softwareentwicklung zur Fehleranalyse beauftragt. Von dort konnten nach umfangreicher Prüfung alle 1.112 betroffenen Fälle identifiziert und korrigiert an das Hauptzollamt übermittelt werden. Die Halter wurden von dort entsprechend unterrichtet und erhielten einen neuen Bescheid. Die Software wurde sofort entsprechend korrigiert. Vereinzelt kann es zu Erfassungsfehlern (Zahlendrehern, z.B. "291" statt "219") kommen, die in der Folge - trotz programmtechnischer Plausibilisierung - zu einer fehlerhaften Steuerberechnung führen können. Es sind uns 3 Fälle einer erhöhten Steuerberechnung bekannt, die selbstverständlich sofort korrigiert wurden und über das Hauptzollamt zu einem neuen Kfz-Steuerbescheid geführt haben."

Von der Senatsverwaltung in Berlin kam diese Antwort (Auszüge): „In der Tat gibt es auch in Berlin Fälle nötig gewordener Korrekturen von Fahrzeugpapieren.(…) Bei der raschen Einführung der entsprechenden Software in den Zulassungsbehörden kam es teils zu fehlerhaften Übermittlungen und Eintragungen, die im Kraftfahrtbundesamt registriert und bei den Zulassungsstellen rückgefragt wurden. Die Angaben wurden daraufhin korrigiert. Wie viele solcher Fälle es in Berlin gibt, können wir Ihnen leider nicht mitteilen, weil sie nicht eigens erhoben werden. Entsprechende Korrekturen von Fahrzeugdaten lösen dann schriftliche Mitteilungen der Zulassungsstelle an die Kfz-Halter aus, dass ihre Papiere zu aktualisieren seien."

Aus Wiesbaden erhielt WISO vom Dezernat des Bürgermeisters diese Antwort: "Die Panne, die ich bestätigen kann, geht auf einen Softwarefehler zurück. Die Fahrerlaubnis- und Zulassungsbehörde geht aktuell von schlimmstenfalls 626 Betroffenen aus. Diese werden nun angeschrieben und auf den fehlerhaften Steuerbescheid hingewiesen.  Weiterhin wird das Zollamt über die betroffenen Kennzeichen informiert, so dass von dort keine Mahnungen verschickt werden. Zudem werden natürlich alle Schritte eingeleitet, die eine korrekte Berechnung der KFZ-Steuer ermöglichen."

Was können Autobesitzer machen?

Wenn Sie unsicher sind, ob Sie für Ihren Neuwagen zu viel Kfz-Steuer bezahlt haben könnten, schauen Sie lieber selbst einmal in Ihre Unterlagen, so geht es:

  • Es gilt nur für Kfz-Zulassungen nach WLTP-Verfahren ab 1.9.2018
  • Man sieht in die Zulassungsbescheinigung Teil I (früher: Fahrzeugschein) in das Feld V.7
  • Man geht auf die Homepage des Herstellers und sucht den CO2-Wert für sein Fahrzeug. Der Wert muss nicht komplett identisch sein, da ab 1.9.2018 auch Ausstattungsvarianten den CO2-Wert beeinflussen können. Wichtig: Nur bei großer Abweichung gibt es Handlungsbedarf. Findet man den Wert nicht, gibt es diesen beim Händler oder Hersteller.
  • Bei großer Abweichung sollte man sich beim Händler/Hersteller die „COC-Dokumente“ bzw. die EG-Übereinstimmungsbescheinigung für sein Fahrzeug geben lassen. Maßgeblich ist der „gewichtet kombinierte“ CO2-Wert.
  • Weicht dieser Wert vom Wert im Feld V.7 ab, sollte man in der Kfz-Zulassungsstelle eine korrigierte Zulassungsbescheinigung beantragen, da nach diesem Wert die Kfz-Steuer berechnet wird.
Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Die Website verwendet Cookies, um Ihnen ein bestmögliches Angebot zu präsentieren. Nähere Informationen und die Möglichkeit, die Verwendung von Cookies einzuschränken finden Sie hier.

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.