Büro-Computer privat nutzen

In welchem Rahmen ist die private Nutzung erlaubt?

Verbraucher | WISO - Büro-Computer privat nutzen

Am Büro-Computer schnell einmal die Facebook-Seite checken, den privaten Kontostand prüfen oder Urlaubsfotos einscannen. Ist es erlaubt, den Computer im Büro privat zu nutzen?

Beitragslänge:
5 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 19.08.2017, 14:00

Am Büro-Computer mal schnell auf facebook surfen, den Kontostand checken oder schauen, was abends im Kino läuft? Am Arbeitsplatz ein Backup vom Privathandy erstellen, Urlaubsfotos einscannen oder die Steuererklärung ausdrucken? Ist es erlaubt, den Computer im Büro privat zu nutzen? Mehr dazu in unserem WISO-Tipp.

Lesen Sie diesen Text gerade in Ihrem Büro? Nutzen Sie dafür Ihren Firmenrechner oder Ihr privates Smartphone? Und: Haben Sie gerade Pause? Computer mit Zugang zum Internet sind aus Büros des 21. Jahrhunderts nicht mehr wegzudenken. Viele Arbeitsprozesse sind inzwischen digitalisiert und was täten wir alle ohne E-Mails? Gleichzeitig kann einen der Computer im Büro aber auch dazu verführen, eine private E-Mail zu verschicken, den Wetterbericht zu checken oder schnell mal was für zuhause auszudrucken.

Was ist erlaubt?

Aber dürfen Sie das überhaupt? Generell gilt: Ob – und in welchem Rahmen – Sie Ihren Firmenrechner privat nutzen dürfen, entscheidet Ihr Arbeitgeber. Grundsätzlich sind Sie durch Ihren Arbeitsvertrag dazu verpflichtet, während der Arbeitszeit zu arbeiten und Ihr Arbeitsgerät für Ihre Arbeit zu verwenden.

Wenn Sie während der Pausen mit Ihrem privaten Smartphone über das Mobilfunknetz im Internet surfen, darf Ihr Chef Ihnen dies nicht untersagen. Anders sieht es aus, wenn Sie während der Pausen über den Firmenrechner ins Internet gehen. Denn dann nutzen Sie das Betriebseigentum. Und das muss Ihnen erlaubt werden. Sie könnten beispielsweise Viren ins Firmennetzwerk einschleusen.

Auf Dienstvereinbarungen achten

Immer mehr Arbeitgeber schaffen daher verbindliche Vereinbarungen und Rahmenbedingungen für die private Nutzung von Büro-Computern. Und die sollten Sie als Arbeitnehmer auf jeden Fall kennen!

Beachten Sie: Viele Unternehmen haben verschiedene Regelwerke. So kann es sein, dass es in Ihrem Unternehmen verschiedene Dokumente gibt, die über die private Nutzung des Internets, den Gebrauch privater Smartphones am Arbeitsplatz oder privater Datenträger wie USB-Sticks an Firmenrechnern Auskunft geben.

Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Dr. Bert Howald rät: Sobald Unklarheiten auftreten und Sie sich als Arbeitnehmer unsicher sind, welche Regeln bei Ihnen gelten, suchen Sie das Gespräch mit Ihrem Arbeitgeber, dem Betriebsrat oder dem Datenschutzbeauftragten Ihres Unternehmens und informieren Sie sich! Arbeitgebern rät Dr. Howald, klare und verbindliche Regeln einzuführen.

Erlaubnis oft nur eingeschränkt

Wenn die private Nutzung im Rahmen einer Dienstvereinbarung erlaubt ist, geht sie häufig mit Einschränkungen einher. Das bedeutet, dass die Nutzung beispielsweise zeitlich beschränkt ist, zum Beispiel auf die Pausen oder auf eine halbe Stunde pro Tag. Manche Arbeitgeber gestatten aber auch nur das Surfen auf bestimmten Webseiten, verbieten aber beispielsweise die Nutzung Sozialer Medien oder das Verschicken privater Mails über den dienstlichen Account.

Stillschweigende Duldung

Schwierig ist die stillschweigende Duldung der privaten Nutzung von Computern, bzw. des Internets am Arbeitsplatz durch den Arbeitgeber. „Nur weil der Arbeitgeber noch nie etwas dagegen unternommen hat, heißt das nicht, dass er die private Nutzung erlaubt. Besser ist es, sich als Arbeitnehmer abzusichern: Nutzen Sie den PC nicht privat, solange Sie nicht genau wissen, ob der Arbeitgeber etwas dagegen hat oder nicht“, rät Fachanwalt Dr. Howald. Informieren Sie sich daher beispielsweise beim Betriebsrat, wie die private Nutzung in Ihrem Unternehmen gehandhabt wird oder sprechen Sie direkt mit Ihrem Vorgesetzten.

Kommt es zum Streit mit Ihrem Arbeitgeber, müssen Sie als Arbeitnehmer beweisen, dass Ihr Arbeitgeber von der privaten Nutzung gewusst und dies geduldet hat. Und das kann durchaus schwierig werden. Im Zweifel könnte die stillschweigende Duldung vor Gericht wie ein Verbot gewertet werden.

Was dürfen Chefs?

Hat Ihr Vorgesetzter Anhaltspunkte, dass Sie gegen ein Verbot oder die Regularien verstoßen, darf Ihr Chef zum Beispiel Ihren Browserverlauf oder gezielt einzelne E-Mails kontrollieren lassen. Eine permanente Überwachung durch den Arbeitgeber ist jedoch nicht erlaubt.

Selbst wenn die Regularien die private Nutzung des Firmenrechners erlauben,  enthalten diese Regularien häufig eine Klausel, die besagt, dass der Arbeitgeber stichprobenhaft kontrollieren darf, ob sich der Arbeitnehmer an die Regularien hält. Also auch, wenn die private Nutzung mit Einschränkungen erlaubt ist, dürfen Arbeitgeber unter Umständen Stichproben durchführen.

Fristlose Kündigung

In der Vergangenheit gab es jedoch sogar fristlose Kündigungen aufgrund des privaten Surfens am Arbeitsplatz. Hier wurde erheblich gegen geltendes Recht oder die Pflichten im Arbeitsvertrag verstoßen, weil beispielsweise das private Surfen so viel Zeit in Anspruch genommen hat, dass für die eigentliche Arbeit kaum mehr Zeit blieb.

So hat ein Arbeitnehmer an mehreren Arbeitstagen ca. 90 bis 130 Minuten privat im Internet verbracht. Ein anderer hat an mehreren Arbeitstagen jeweils über 100 private Mails von seinem Arbeitsplatz aus verschickt. In beiden Fällen haben die entsprechenden Gerichte die fristlose Kündigung anerkannt. Ebenfalls fristlos gekündigt wurde einem Arbeitnehmer, der an seinem Betriebs-Computer illegal Musik-Dateien heruntergeladen und damit gegen das Urheberrecht verstoßen hat.

Vor dem Frankfurter Arbeitsgericht wurde ein Fall verhandelt, in dem einer Arbeitnehmerin fristlos gekündigt wurde, weil sie trotz eines schriftlichen Verbots private Mails geöffnet hatte. Der Arbeitgeber hatte Angst vor einem Virenbefall im Firmennetzwerk. Der Richter sah die fristlose Kündigung jedoch als unwirksam an, da es zuvor keine Abmahnung gegeben hatte.

Vorsicht bei Sozialen Medien

Seien Sie nicht nur umsichtig bei der Nutzung des Internets an Ihrem Arbeitsplatz – auch die Inhalte, die Sie während Ihrer Freizeit ins Internet stellen, können negative Auswirkungen auf Ihr Arbeitsverhältnis haben und Sie im schlimmsten Fall Ihren Job kosten.

Posten Sie daher keine Firmeninterna in Sozialen Netzwerken wie xing, facebook, twitter oder instagram! Selbst wenn Sie sich enorm über Ihren Vorgesetzten ärgern: Veröffentlichen Sie keine negativen Aussagen über Ihren Arbeitgeber in Sozialen Netzwerken! Selbst, wenn Sie die Äußerung so tätigen, dass nur ein gewisser Personenkreis sie lesen kann: Sobald sich unter Ihren „Freunden“ ein Arbeitskollege befindet, könnte dies Auswirkungen auf den Betriebsfrieden haben. Sie dürfen Ihrem Arbeitgeber mit Ihren Äußerungen nicht schaden. Das bedeutet, Sie riskieren einen Verstoß gegen Ihren Arbeitsvertrag und damit eine Abmahnung.

Was weiß das Internet?

Immer mehr Arbeitgeber überprüfen die Profile ihrer Bewerber im Internet und auf Sozialen Netzwerken. Wenn Sie sich also gerade um einen neuen Job bemühen, sollten Sie vorsichtshalber Ihren Namen in eine Suchmaschine eingeben und überprüfen, was über Sie im Netz zu finden ist. Dies ist sozusagen Ihre virtuelle Visitenkarte.

Und die sollte im besten Fall den Angaben in Ihrem Lebenslauf und Ihrer Bewerbung nicht wiedersprechen. Auch hier sind negative Aussagen über ehemalige Arbeitgeber oder Kollegen in Sozialen Netzwerken nicht gern gesehen. Einen guten Eindruck machen hingegen Fotos, die auf vielfältige Interessen und Reisen hinweisen.

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