WISO-Tipp: Die Flexirente

Das müssen Sie wissen

Verbraucher | WISO - WISO-Tipp: Die Flexirente

Manche möchten früher schon in Rente und sich nebenbei im Minijob was dazu verdienen. Andere möchten voll weiterarbeiten. Darauf reagiert die Flexirente, die ab Juli 2017 in Kraft tritt.

Beitragslänge:
5 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 27.06.2018, 03:10

Die Regelaltersgrenze

Wer einmal ins Rentenalter gekommen ist, weiß sehr genau, dass auch die körperliche Verfassung, familiäre Umstände oder schlichtweg die eigene finanzielle Situation ausschlaggebend dafür sind, wie lange man arbeiten kann und möchte.

Generell aber gilt: Ihr Alter bleibt das entscheidende Kriterium für Ihren Renteneintritt. Das heißt: Die volle Rente erhält, wer die so genannte Regelaltersgrenze, also das reguläre Rentenalter, erreicht hat. Je nach Geburtsjahr liegt das zwischen 65 und 67 Jahren.

Senioren, die vor dem 01. Januar 1947 geboren sind, erreichen die Regelaltersgrenze mit 65 Jahren. Für Senioren, die nach dem 31. Dezember 1946 geboren sind, wird das Renteneintrittsalter schrittweise auf 67 angehoben. Auf den Internetseiten des Bundesjustizministeriums finden Sie eine Tabelle mit den genauen Angaben zum jeweiligen Regelrentenalter.

Früher in Rente

Nach wie vor können Sie auch vor Erreichen der Regelaltersgrenze in Rente gehen. Dann müssen Sie jedoch einiges beachten. Das wichtigste, was Sie bedenken sollten: Sie müssen mit weniger Rente auskommen.

Vor allem Menschen, die sich Ihre Rente mit einem Nebenjob aufbessern möchten, müssen wissen: Falls Sie die so genannte vorgezogene Altersrente beziehen – im Volksmund auch die Frührente genannt – dürfen Sie nicht einfach unbegrenzt dazu verdienen. Es gelten strikte Hinzuverdienstgrenzen.

Hinzuverdienstgrenzen

Das bedeutet: Wenn Sie vorzeitig in Rente gegangen sind, durften Sie bislang höchstens 450 Euro pro Monat dazu verdienen. Zweimal im Jahr durften Sie diesen Betrag auf 900 Euro ausweiten. Haben Sie mehr verdient, wurde Ihnen die Rente gekürzt: Entweder auf zwei Drittel, die Hälfte, ein Drittel oder auf Null.

Doch das Flexirentengesetz bringt flexiblere Hinzuverdienstgrenzen: Ab 1. Juli gilt die monatliche Grenze von 450 Euro nicht mehr. Rentner mit einer vorgezogenen Altersrente dürfen künftig pro Jahr maximal 6.300 Euro abzugsfrei dazu verdienen. Sie dürfen den Betrag flexibel auf das Jahr verteilen, also beispielsweise nur an drei Monaten im Jahr für je 2.100 Euro arbeiten.

Auch jetzt gilt: Verdienen Sie im Jahr mehr als 6.300 Euro zu Ihrer Rente hinzu, wird die Rente gekürzt. Der Betrag, der über die 6.300 Euro hinaus geht, wird Ihnen zu 40 Prozent auf die Rente angerechnet. Das heißt, die Abzüge sind deutlich geringer als bisher! Generell gilt: Informieren Sie Ihren Rentenversicherer über Ihre Erwerbstätigkeit!

In einem Rechenbeispiel wird deutlicher, wie viel Ihnen abgezogen wird: 
Wie viel wird einem vorgezogenen Altersrentner abgezogen, wenn er bspw. 7.300 € pro Jahr hinzu verdient?

Rechenbeispiel Hinzuverdienst
Hinzuverdienst 7.300 € brutto pro Jahr
Freibetrag:                         6.300 € pro Jahr
1.000 € pro Jahr zu viel verdient
Davon werden 40 % auf
die Rente angerechnet:       
400,- € pro Jahr
33,33 € pro Monat
Das bedeutet: Der Rentner erhält
33,33 Euro weniger Rente pro Monat.

Übrigens: Wenn Sie die Regelaltersgrenze erreicht haben, dürfen Sie wie bisher nebenher unbegrenzt dazu verdienen, ohne dass deshalb Ihre Rente gekürzt wird.

Senioren als Minijobber

Die Statistik der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg bestätigt: Immer mehr Menschen sind auch im Rentenalter berufstätig. Über eine Million Minijobber in Deutschland sind mittlerweile älter als 65 Jahre. Die Zahl hat sich in den vergangenen zehn Jahren fast verdoppelt, seit der Jahrtausendwende gar nahezu verdreifacht.

So finden Sie als Rentner einen Nebenjob

Viele Rentner wollen oder müssen im Alter arbeiten gehen. Doch bereits die Jobsuche kann hierbei zur ersten Herausforderung werden. Die klassische Zeitungs-Annonce wird von Unternehmen kaum noch genutzt. Die meisten Jobs werden heutzutage im Internet angeboten – auch für Senioren.

Inzwischen gibt es eigens für den Senioren-Arbeitsmarkt spezielle Portale. Beim "Deutschen Seniorenportal" finden Sie neben zahlreichen Tipps zur Freizeitgestaltung und einem Internetwegweiser für Dienstleistungen einen umfangreichen Stellenmarkt mit Jobs für Senioren und Rentner.

Bei "Rent a Rentner" haben Sie die Möglichkeit, sich zu registrieren und ein eigenes Profil zu erstellen. Damit können Sie sich und Ihre Fähigkeiten vorstellen, sich beispielweise als Betreuungskraft für Kleinkinder, Hausmeister oder Fahrer zur Verfügung stellen. Unternehmen und Privatpersonen, die Unterstützung suchen, können dann direkt mit Ihnen in Kontakt treten. Dieser Service ist für Sie vollkommen kostenlos.

Tipp! Falls Sie jemanden kennen, der keinen Zugang zum Internet hat, aber auf der Suche nach einem Minijob ist: Empfehlen Sie ihm oder ihr, sich an das Berufsinformationszentrum der Arbeitsagentur zu wenden. Die Computer dort haben Internetzugang, so dass man sowohl auf das Jobportal der Arbeitsagentur als auch auf andere Stellenmärkte im Internet zugreifen kann. Dort werden zahlreiche Minijobs auch für Rentner angeboten. Die Mitarbeiter im BIZ bieten dabei ihre Unterstützung an. Unter folgendem Link finden Sie die Adressen der Berufsinformationszentren in Deutschland: arbeitsagentur.de

Arbeiten über die Regelaltersgrenze hinaus

Die Statistik der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg gibt nicht nur Auskunft über Minijobber im Rentenalter. Wir erfahren auch: 260.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte sind über 65 Jahre alt – Senioren gehen also nicht nur Minijobs nach. Viele arbeiten auch in ihrem alten Job weiter. Auch in diesem Bereich bietet das neue Flexirentengesetz neue Möglichkeiten. Denn, wer länger arbeitet, soll künftig auch mehr Rente erhalten.

Wenn Ihr Arbeitgeber einverstanden ist, können Sie auch nach Erreichen Ihrer Regelaltersgrenze weiter arbeiten. Wenn Sie die Rente dann beispielweise erst ein Jahr später in Anspruch nehmen, erhöht allein das Ihre Rente um 6 Prozent - ohne zusätzliche Beitragszahlungen.

Alternativ können Sie nach der Regelaltersgrenze weiter arbeiten, aber gleichzeitig schon Rente beziehen. Wenn Sie parallel weiter Rentenbeiträge einzahlen, erhöht auch das Ihre Rente. WISO-Tipp: Lassen Sie sich von Ihrem Rentenversicherer ausrechnen, welche Variante für Sie besser ist und sprechen Sie in jedem Fall mit Ihrem Arbeitgeber!

Exklusiv

Verbraucher | WISO - Früher in Rente

Wilhelm Schild, Rentenberater vom DRV, beantwortet Fragen zur Rente.

Videolänge:
4 min
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