Früchtemüsli: Teuer oder billig

Verbraucher | WISO - Früchtemüsli: Teuer oder billig

Jeder vierte Deutsche isst mindestens einmal in der Woche Müsli. In unserem teuer-oder-billig-Vergleich testen wir drei teure Fertigmüslis und drei günstige. Welches Müsli überzeugt?

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10 min
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Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 20.03.2017, 00:00

Das Frühstück ist für viele Ernährungsexperten die wichtigste Mahlzeit. Dabei isst jeder vierte Deutsche mindestens einmal in der Woche Müsli. In unserem teuer-oder-billig-Vergleich testen wir drei teure Fertigmüslis und drei günstige. Welches Müsli überzeugt?

Gerade zum Start in den Tag sollte man besonders ausgewogen essen. Ist das Müsli als Frühstück eine gute Wahl?, fragen wir Ernährungsexpertin Susanne Umbach von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz: "Ein gutes Frühstück, das füllt die Energiespeicher auf mit möglichst lang sättigenden Kohlenhydraten. Vollkorn, also Getreideflocken im Müsli sind super, weil sie den Körper zusätzlich mit Ballaststoffen, Mineralstoffen und Vitaminen versorgen. Das gilt auch für das möglichst frische Obst. Die Milchprodukte liefern Eiweiß, daraus wird eine vollwertige Mahlzeit." Getreidemüsli mit frischen Früchten ist also gesund. Weil morgens aber meist keine Zeit zum Schnippeln bleibt, greifen viele zum Fertigmüsli aus dem Supermarkt.

Wir testen drei teure und drei günstige Mischungen mit Trockenfrüchten, die meistverkaufte Variante. Die Traditionsmarke Kölln kostet 50 Cent pro 100 Gramm. Auch Dr. Oetker macht Müsli. Vitalis heißt es, im Supermarkt-Durchschnitt gleicher Preis wie Kölln. 40 Cent zahlt man für das Seitenbacher Vollkorn-Früchte Müsli. Wesentlich günstiger sind die Eigenmarken von Discountern und aus Supermärkten: Knusperone von Aldi Süd: nur 16 Cent pro 100 Gramm. Noch günstiger: tip von real: 15 Cent. Lidls Crownfield kostet dagegen mit 23 Cent etwas mehr. Lohnt sich der Griff zur teuren Müslimischung?

Inhaltsstoffe: Ist drin, was drauf steht?

Müsli
Müsli mit Obst

Lust auf Frucht machen große Bilder von frischem Obst auf vielen Packungen. Glaubt man den Bildern, steckt viel davon drin. Die Klarsichttüten beim günstigen Müsli von real und beim teureren Seitenbacher bieten volle Transparenz! Hier verhüllen keine schmückenden Bilder den Blick auf den Inhalt.

Innen sehen alle ähnlich aus. Frisches Obst findet der Kunde in keinem Fertigmüsli. Nur Trockenfrüchte sind lange haltbar. Wie viel Frucht ist also drin in unseren Test-Müslis? Die meisten Hersteller geben lediglich den Gesamt-Fruchtanteil an. Am wenigsten hat Seitenbacher mit nur 15 Prozent. Am meisten bietet Lidl: 43 Prozent. Aber ist ein hoher Fruchtanteil gleichbedeutend mit besser?

Gewichtsanteil der Früchte

Keiner der Anbieter macht exakte Angaben zum Gewichtsanteil aller enthaltenen Früchte. Deshalb lassen wir die einzelnen Zutaten je einer handelsüblichen Probe im Labor auswiegen. Das Ergebnis: Die Anteile an teuren Früchten wie vor allem Himbeeren, Äpfeln, Birnen oder Pflaumen sind verschwindend gering. Wenig Vielfalt also. Stattdessen: massenweise Rosinen. Die teuren Müslis schneiden etwas besser ab. Um 30 Prozent und damit die meisten Rosinen enthalten zwei der günstigen Mischungen, besonders viele bei tip von real.

Wie viel ungesunder Zucker ist drin?

Rosinen enthalten viel Zucker. Eigentlich gilt Früchtemüsli als Mahlzeit für Gesundheitsbewusste. Wie viel ungesunder Zucker ist also drin? Susanne Umbach schaut sich die Nährwerttabelle an: "Der Aufdruck ohne Zuckerzusatz weckt die Erwartung, dass kein Zucker enthalten ist. Dem muss nicht so sein. Von Natur aus bringen die Trockenfrüchte jede Menge an Fruchtzucker mit. Fruchtzucker ist aber nicht gesünder als Haushaltszucker. Wir nehmen viel zu viel Zucker auf. Sinnvoll ist es an beiden Zuckersorten zu sparen."

Fast alle Müslis enthalten mindestens zwanzig Prozent Gesamtzucker. Negativer Spitzenreiter ist Vitalis mit 26 Prozent. Nur etwas besser ist das Lidl Müsli mit 24 Prozent. Dass es auch anders geht, zeigt Seitenbacher: hier ist nur 10 Prozent Zucker drin. Andererseits auch wenig Frucht.

Pestizide im Müsli

Im Labor lassen wir die Müslis auf Pestizide testen. Denn in Getreide, Trockenfrüchten und Nüssen können Rückstände aus Pflanzenschutzmitteln stecken, die gerade in der konventionellen Landwirtschaft zum Einsatz kommen. Dabei werden in der EU zugelassene Pestizide und nicht zugelassene Pestizide getestet. Das Labor ermittelt anhand der Stichprobe die Belastung des gesamten Lebensmittels. Nach den einzelnen Bestandteilen wird nicht unterschieden. Schließlich fällt morgens auch alles zusammen in eine Schüssel. Sind die Müslis also belastet? Sushila Glocker, Lebensmittel-Expertin: "Wir haben Pestizide gefunden, hatten aber keine Grenzwertüberschreitungen. Überwiegend haben wir Fungizide gefunden, was typisch ist für den Weinanbau oder Traubenanbau. Wir haben aber auch ein paar Insektizide gefunden, das kann unter Umständen auch aus einer Lagerhaltung kommen. Nachdem alles innerhalb oder bzw. noch unterhalb des Grenzwertes liegt, sind die Müslis alle verkehrsfähig und rechtlich einwandfrei."

Auf Einhaltung der Grenzwerte berufen sich auch die Hersteller. Dennoch gibt`s Unterschiede. Fast frei von Wirkstoffen: das Vitalis Müsli. Die meisten unterschiedlichen findet das Labor in den Proben von Aldi, Lidl und auch im teuren Kölln-Müsli: gleich sechs verschiedene Pestizide.

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