Teuer oder billig: Handcreme

Verbraucher | WISO - Teuer oder billig: Handcreme

Unsere Hände sind täglich im Einsatz. Nirgendwo wird die Haut so stark strapaziert. Handcremes sollen pflegen. Doch sind teure Produkte besser als billige?

Beitragslänge:
10 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 20.02.2018, 19:25

Große Preisunterschiede

Bei Aldi Süd gibt es 100 Milliliter Handcreme der Eigenmarke Lacura schon für 68 Cent. Ähnlich günstig sind 100 Milliliter der Edeka-Eigenmarke Elkos für 71 Cent. Dieselbe Menge Balea von DM kostet 85 Cent. Für die Marken muss man teils mehr als doppelt so viel ausgeben. Jeweils 100 Milliliter kosten bei Florena 1,25 Euro und bei Nivea 1,95 Euro. Wesentlich teurer ist die Granatapfel Regenarationshandcreme von Weleda: 100 ml kosten hier stolze 14,90 Euro.

Die Pflegewirkung

Feder auf Hand
Hautcremes sollen die Haut geschmeidig halten. Quelle: ZDF

Die Kosmetikexperten der Universität Hamburg testen für uns, wie gut die Handcremes pflegen. „Eine gute Handcreme sollte in jedem Fall die Haut rückfetten, geschmeidig machen und der Haut Feuchtigkeit zurückgeben. Das macht die Oberfläche geschmeidig, das stärkt die epidermale Barriere. Das heißt, es verhindert auch, dass Keime wie Pilze oder Bakterien durch kleine Lücken in der epidermalen Barriere in die Haut eindringen können“, erklärt die Dermatologin Prof. Martina Kerscher.

Zehn Probanden haben acht Tage lang entsprechende Hautareale mit den drei teuren und den drei billigen Handcremes eingecremt. Der Hautzustand wurde jeweils vor und nach der achttägigen Anwendung gemessen. Zwischen den teuren und den billigen Cremes zeigten sich kaum Unterschiede in der Pflegewirkung: „Alle Produkte, die getestet wurden, haben die Haut dahingehend verbessert, dass sich die Feuchtigkeit deutlich erhöht hat, dass die Barriere stabil blieb und dass sich die Hautgeschmeidigkeit, das Hautoberflächenrelief, deutlich verbessert hat“, so Prof. Kerscher.  Hier gehts zum Labortest der Pflegewirkung (pdf).

Konservierungsstoffe

In den Inhaltsstofflisten auf den Creme-Tuben stehen Zungenbrecher, die kaum ein Verbraucher versteht. Hinter einigen Begriffen stecken Konservierungsstoffe. Hersteller müssen ihre Handcremes haltbar machen, damit sich keine Keime darin vermehren.

Zwei der Handcremes enthalten Parabene zur Konservierung. Parabene sind in Verruf geraten, weil sie das Hormonsystem beeinflussen sollen. Elkos von Edeka etwa enthält Methyl- und Ethylparaben. „Methyl- und Ethylparabene sind eben Konservierungsmittel, die im Reagenzglas ähnlich wie weibliche Hormone wirken, aber sehr sehr schwach. Für die haben wir eine gute toxikologische  Datenbasis und da können wir ziemlich sicher sagen, dass in den üblichen Konzentrationen wir keine Gesundheitsgefahren zu befürchten haben“, sagt Dr. Marike Kolossa vom Umweltbundesamt. Anders sei dies bei Propylparaben: „Da haben wir so wenig Wirkungsdaten, dass wir gar nicht sicher sagen können, ob es gesundheitliche Auswirkungen hat.“ Propylparaben enthält nur eine der sechs Cremes, nämlich die Marke Florena.

Hautareale werden im Labor gemessen
Messung der Haut Quelle: ZDF

In fünf der sechs Handcremes steckt der Konservierungsstoff Phenoxyethanol. „Phenoxyethanol ist ein Stoff, der sensibilisierend, also allergieauslösend, wirken kann. Im Tierversuch schädigt er die Leber und auch die Fortpflanzungsfähigkeit“, erklärt Marike Kolosaa. Der wissenschaftliche Ausschuss der Europäischen Kommission für Verbrauchersicherheit (SCCS) ist jedoch inzwischen zu dem Schluss gekommen, dass die Verwendung des Konservierungsstoffs in Kosmetika generell bis zu einer Konzentration von ein Prozent sicher ist. Dennoch gibt Marike Kolossa zu bedenken: „Die EU hat die Anwendung speziell und nur in Kosmetika bewertet und entsprechend dieser Bewertung ist es für die Anwendung in einer bestimmten Konzentration unschädlich. Allerdings kann man mit Phenoxyethanol auch aus anderen Quellen belastet werden und das wird dabei natürlich unterschätzt.“

Duftstoffe

Alle sechs Produkte enthalten „Parfüm“. Welche Duftstoffe genau in den Kompositionen stecken, müssen die Hersteller nicht angeben. Es gibt allerdings 26 Duftstoffe, die als besonders allergieauslösend gelten und daher  auf der Verpackung stehen müssen. „Duftstoffe sind in den Top Ten der allergieauslösenden Stoffe ganz weit oben. Duftstoffallergien sind sehr weit verbreitet, nehmen mit steigendem Lebensalter zu und sind wirklich für viele Leute ein großes Problem“, warnt Marike Kolossa. Allerdings müssen die Hersteller die 26 allergenen Duftstoffe bei Produkten wie Handcremes erst ab einer Konzentration von 0,001 Prozent angeben. Liegt die Konzentration darunter, erfahren Verbraucher nicht, dass diese enthalten sind. Schlecht für Allergiker, die schon auf geringe Mengen reagieren können. Alle Handcremes im Test enthalten allergene Duftstoffe, allerdings in unterschiedlichen Konzentrationen. Nicht immer sind sie gekennzeichnet. Denn teils liegt die Konzentration laut Hersteller unterhalb der Kennzeichnungspflicht.

Insgesamt sind rund 3000 Duftstoffe im Einsatz. „Von denen sind vielleicht 100 toxikologisch so gut untersucht, dass wir überhaupt beurteilen können, ob sie schädlich sind oder nicht“, so Marike Kolossa.

Deklarationspflicht für allergene Duftstoffe

Für folgende 26 allergene Duftstoffe gilt laut Kosmetikverordnung eine Deklarationspflicht, wenn ihre Konzentration in Kosmetika, die auf der Haut verbleiben, 0,001 Prozent und in Kosmetika, die abgespült werden, 0,01 Prozent übersteigt:

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