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(Welt-)Handelsmacht China 2025?

Verbraucher | WISO - (Welt-)Handelsmacht China 2025?

Die EU erhebt seit Dienstag Strafzölle auf chinesische E-Bikes, damit mehr europäische Räder gekauft werden. Mit Strafzöllen angefangen hat Trump. Jetzt denkt jede Handelsmacht an sich. Welche Rolle die Chinesen dabei einnehmen.

Beitragslänge:
4 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 23.07.2019, 19:25

„Wir haben die besten Zeiten gesehen“

Interview mit Prof. Rolf J. Langhammer zu Strafzöllen, Handelsbarrieren und dem Brexit. Der Professor für internationale Wirtschaftsbeziehungen ist Handelsexperte am Institut für Weltwirtschaft Kiel (IfW) und war lange Jahre dessen Vizepräsident. Zudem war er als Berater für die Bundesregierung sowie für internationale Institutionen wie die EU, die Weltbank und die OECD tätig. Er erforscht und analysiert intensiv die Handelspolitik der EU gegenüber Nichtmitgliedern und die Bedeutung der Welthandelsorganisation WTO.

ZDF: USA und China liegen im Handelsstreit. Wie gefährlich ist das für die Weltwirtschaft?

Prof. Langhammer: Wenn zwei Elefanten sich streiten, leidet das Gras, heißt es. In diesem Fall leidet die Weltwirtschaft. Denn je mehr globale Verflechtungen es gibt, desto schwieriger ist das für einen Staat. Oder anders ausgedrückt: diejenigen Länder, die am wenigsten integriert sind, leiden auch am wenigsten unter den Turbulenzen auf den Weltmärkten.

ZDF: Und wenn zwei sich streiten freut sich der Dritte, sagt ein Sprichwort. Welche Länder könnten vom Streit profitieren?

Prof. Langhammer: Profitieren ist das falsche Wort. Hier geht es um Schadenbegrenzung. Wir haben die besten Zeiten gesehen. Jetzt befinden wir uns in der Risikozone eines Investitionsattentismus. Das heißt, Unternehmen halten sich aus Unsicherheit über die handelspolitische Lage mit Investitionen zurück. Niemand weiß, ob der Streit eskaliert. Im Moment geht es nur um Warenströme, aber der Streit könnte sich auf den Dienstleistungssektor ausweiten, etwa wenn man Strafzölle nicht mehr mit eigenen Strafzöllen vergelten kann. Das ist dann der Fall, wenn die eigenen Importe niedriger sind als die Exporte, so wie bei China gegenüber den USA.

ZDF: Wie kann sich Deutschland und die EU gegen die Turbulenzen schützen?

Prof. Langhammer: Am besten ist es, wenn die EU mit Ländern eigene Abkommen schließt, wie mit Canada „Ceta“ und mit Japan „Jefta“. Auch die südamerikanischen Länder (Argentinien, Brasilien, Paraguay, Uruguay) wollen als „Mercosur“-Gruppe ein Abkommen mit der EU unterzeichnen und Zölle streichen. Mit solchen Abkommen kann man mittelfristig ein Gegengewicht zur Politik von US-Präsident Trump aufbauen, etwa wenn der Weg zur erstbesten Lösung - ein globales Abkommen - verbaut ist.

ZDF: Könnten andere EU-Handelspartner, asiatische Staaten außerhalb Chinas oder Russland den Konflikt zu ihren Gunsten wenden?

Prof. Langhammer: In Russland könnte man sich die Hände reiben, weil die „teile und herrsche“ Strategien sein Geschäftsmodell geworden ist. Doch wirtschaftlich schafft das Land nicht den Weg weg vom Energielieferanten und hin zu mehr international wettbewerbsfähiger Wertschöpfung. Das gilt auch für das rohstoffabhängige Afrika und für Indien. Dort verbauen unsichere bzw. über die Maßen bürokratische und unternehmenshemmende Institutionen den Weg zu einem, für die EU-Konsumenten leistungsfähigen Angebot.

ZDF: Was soll Europa Ihrer Meinung nach tun?

Prof. Langhammer: Europa bzw. die EU sollte den Mut haben, mit gleichgesinnten Partnern in der Welt  eine Initiative zu starten unter der Zielsetzung: „Wer rettet mit uns die multilateralen Beziehungen?“ Damit könnte man eine eigene Strategie entwickeln und der „First My Country “-Politik von Trump etwas Wirkungsvolles entgegensetzen.

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