WISO-Tipp: Hausnotrufsysteme

Was bei der Auswahl zu beachten ist

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Das Hausnotrufsystem ist ein elektronisches Meldesystem. Im Notfall verbindet es sich mit einer von bundesweit rund 180 einsatzbereiten Notrufzentralen. Der WISO-Tipp zeigt, was Sie beim Kauf eines Hausnotrufsystems beachten sollten.

Beitragslänge:
4 min
Datum:
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Video verfügbar bis 28.08.2018, 19:25

Insbesondere ältere Menschen leben mit gesundheitlichen Einschränkungen, einer chronischen Krankheit, sind sturzgefährdet oder haben ein hohes Bedürfnis nach Sicherheit.
Um im Notfall einen Hilferuf abzusenden, kann ein Hausnotrufsystem eine gute Möglichkeit der Absicherung sein. Denn Hausnotrufsysteme sollen garantieren, dass Menschen im Notfall nicht unbemerkt bleiben.

Der Hausnotruf kann überdies stationäre Pflegekosten sparen, indem der Aufenthalt pflegebedürftiger Personen in den eigenen vier Wänden verlängert wird.

In Deutschland gibt es mehr als 750.000 Hausnotruf-Kunden, schätzt die Initiative Hausnotruf. Das ist ein Verbund aus bundesweit tätigen Hausnotrufanbietern und Herstellern von Hausnotrufgeräten, unter anderem DRK, Malteser, Johanniter-Unfall-Hilfe, Sonotel, NEAT und Tunstall.

Wie funktioniert ein Hausnotrufsystem?

Das Auslösen des Notrufs erfolgt über einen Funksender. Den trägt der Nutzer als Kette um den Hals, als Clip an der Hose oder als Armband. Die Reichweite des Funksenders beträgt bis zu 50 Meter. Die Verbindung zur Notrufzentrale stellt in der Regel ein Notrufgerät mit Freisprechanlage her. Das kann an den Festnetzanschluss des Telefons oder – bei digitaler IP-Telefonie über den WLAN-Router – angeschlossen sein. Wichtig: Alle Notrufgeräte sind durch einen Akku gegen einen eventuellen Stromausfall von bis zu 20 Stunden geschützt.

Aktuell sind die analogen Geräte am meisten verbreitet. Sie werden an den klassischen Telefonanschluss oder einer ISDN-Anlage angeschlossen. Es wird parallel aber eine deutliche Zunahme von GSM-Geräten verzeichnet. GSM-Geräte haben eine Besonderheit: Sie gibt es sowohl in einer analogen, als auch in einer digitalen Ausführung. Bei diesen Geräten wird eine SIM-Karte in das Gerät eingebaut. Diese ermöglicht eine anschlussunabhängige Notrufübermittlung über das Mobilfunknetz.

Digitale Notrufgeräte kommunizieren über sogenannte IP-Protokolle – sie werden sich langfristig etablieren, da sie vor allem in Hinblick auf die Digitalisierung der Telefonnetze zukunftsfähig sind. Denn: Sie funktionieren prinzipiell an jedem Internetanschluss oder IP-basierten Telefonanschluss. Wichtig: Wie schnell der verfügbare Internet-Anschluss ist, spielt nur eine untergeordnete Rolle.

WISO-Tipp: Bei der Installation des Notrufsystems sollten Sie am besten von einem Fachmann testen lassen, ob ein Notruf aus allen Räumen Ihrer Wohnung und auch vom Garten und Keller aus möglich ist. Bei DSL- oder älteren ISDN-Anschlüssen sollten Sie außerdem klären, was passiert, wenn die Leitungen nicht funktionieren – zum Beispiel bei einem Stromausfall. Manche Notrufgeräte sind – gegen Aufpreis – für diesen Fall mit einer SIM-Karte ausgestattet: Sie leiten den Notruf dann über das Mobilfunknetz weiter.

Der mobile Notruf

Eine andere Variante ist der mobile Notruf. Er ist vor allem für Nutzer interessant, die gerne unterwegs sind – zum Beispiel wenn Sie im Wald alleine spazieren gehen. In der Regel wird dann über ein (spezielles) Handy ein Notruf abgesetzt.

Klarer Vorteil: Nutzer, die sich aufgrund eines Schlaganfalls nicht klar ausdrücken können, lassen sich per GPS orten. Nachteil: Der mobile Notruf kann fehlerhaft sein, sofern die Einstellungen am Gerät nicht fachgerecht vorgenommen wurden. Und: Wenn Sie Ihr eigenes Handy für den Notruf eines bestimmten Dienstes nutzen möchten, könnte es sein, dass Ihr Mobilfunkanbieter oder Ihr Gerät nicht mit dem Notrufdienst kompatibel ist.

Aber auch hier gilt: Lassen Sie sich am besten umfangreich von mehreren Anbietern und Dienstleistern beraten. Im Zuge dessen können Sie auch die Kosten für ein mobiles Notrufsystem erfragen – denn das hängt stets von Umfang und Anbieter ab. Ein Grundpaket mit Seniorenhandy und Mobilfunkvertrag sowie Notrufdienst ist im Schnitt für 40 Euro im Monat erhältlich.

WISO-Tipp: Im Grundpaket sollte die Wartung der Geräte und Reparaturen enthalten sein. Und: Eine Anpassung an eine veränderte Situation sollte ohne Wartezeit möglich und der Vertrag innerhalb kurzer Zeit kündbar sein.

Basis-, Komfort- oder Premium-Pakete

Verschiedene Dienstleister bieten Basis-, Komfort- und sogar Premium-Pakete an. Sie unterscheiden sich in Umfang und damit auch im Preis.

Basis-Pakete bieten in der Regel Geräte-Installation und Beratung durch Fachpersonal vor Ort durch. Zu den Grundleistungen zählen außerdem die Vermittlung von Hilfeleistungen durch Rettungsdienste, Not- oder Hausarzt sowie Kontaktpersonen wie nahe Verwandte oder Bekannte. Einige Dienstleister bieten eine sogenannte Regelabfrage im 12- oder 24-Stundentakt an. Gute Basispakete enthalten außerdem die regelmäßige technische Überprüfung der Teilnehmerstation inklusive Handsender – und bei Defekten die umgehende Reparatur oder gar ein kompletter Geräteaustausch.

Zusätzliche Serviceleistungen

Zusätzliche Serviceleistungen im Rahmen einen Komforts- oder Premiums-Pakets können sein: die Schlüsselhinterlegung in einem Depot bei Einsatz eines Rettungs- und/oder Pflegedienstes oder beim Hausbesuch eines Arztes. Darüber hinaus wird die Vermittlung weiterer Sozial-, Pflege- und Fahrdienste angeboten. Außerdem einen Weckdienst, die Erinnerung an Medikamenteneinnahmen sowie der Anschluss von Einbruch-, Feuer-, Bewegungs-, Kontakt- und Gasmelder.

WISO-Tipp: Vergleichen Sie immer die Angebote verschiedener Dienstleister. Und buchen Sie nur die Geräte und Dienste, die Sie tatsächlich benötigen. Außerdem kann die Nutzung eines regionalen Anbieters von Vorteil sein, weil Helfer im Notfall schneller vor Ort sein können.

Kosten ohne und mit Pflegegrad

Hausnotrufsysteme sind unterschiedlich teuer – die Preise variieren abhängig von Region, System, Installation und Vertragslaufzeiten. Die Kosten liegen zwischen 15 und 50 Euro monatlich. Hinzu kommen einmalige Anschlusskosten von bis zu 80 Euro.

Höhere Kosten können durch Notfalleinsätze, Schlüsselaufbewahrung und andere Zusatzleistungen entstehen. Sie werden bei jedem Anbieter sehr unterschiedlich berechnet.

WISO-TIPP: Zusatzleistungen sollten an den Nutzer individuell angepasst werden. So können zu hohe Kosten durch nicht notwendige Funktionen vermieden werden. Und: Sie können den Hausnotruf von der Steuer absetzen, denn er ist als haushaltsnahe Dienstleistung anerkannt.

Anerkanntes Pflegemittel

Hat der Nutzer einen Pflegegrad und lebt alleine in einer Wohnung, werden für die Grundleistung für Pflegebedürftige 18,36 Euro monatlich von der Pflegekasse übernommen. Der Hausnotruf ist nämlich ein anerkanntes Pflegehilfsmittel. Zur Anschlussgebühr werden in der Regel 10,49 Euro erstattet. Liegt der Preis des Anbieters für das Basispaket über diesem Betrag, müssen Pflegebedürftige die Differenz bezahlen. Alle anderen Leistungen müssen ebenfalls selbst übernommen werden. In vielen Einrichtungen des Betreuten Wohnens ist die Gebühr übrigens für ein Hausnotrufsystem in der Grundpauschale enthalten.

Wichtig: Sie müssen den Übernahmeantrag bei der Pflegekasse vor Anschaffung des Hausnotrufsystems stellen, damit auch die Kosten für die Anschaffung übernommen werden. Bei Hilfebedürftigkeit kann das Sozialamt die Kosten übernehmen.

Vertragliches

Der Vertrag sollte ausführlich erklärt werden: Darunter fällt zum Beispiel die Aufnahme über persönliche Informationen des Kunden zu seinem Gesundheitszustand, mögliche Kontaktpersonen und einer besonderen Zugangsbeschreibung zur Wohnung oder zum Haus.

WISO-Tipp: Lassen Sie im Vertrag immer alle Basis- und Zusatzleistungen aufschlüsseln. Und klären Sie mit dem Anbieter, wer für die Kosten bei einem unabsichtlich abgesetzten Notruf aufkommt. So vermeiden Sie Kostenfallen. Außerdem: Das Gerät sollte bei Mängeln unverzüglich repariert oder ausgetauscht werden. Die Wartung bei Mängeln der Geräte sollte kostenlos erfolgen.

Und: Stirbt der Nutzer, sollten die Angehörigen unter Vorlage der Sterbeurkunde (Kopie) die Möglichkeit zur fristlosen Kündigung haben.

Verbraucher | Volle Kanne - Hausnotruf - das sollten sie beachten!

Verena Querling von der Verbraucherzentrale NRW klärt auf.

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6 min
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