Einfach glücklich dank "Hygge"?

Glücksformel aus Skandinavien?

Verbraucher | WISO - Einfach glücklich dank "Hygge"?

Wie geht Glück? Die Skandinavier machen es uns vor, regelmäßig führen sie die Liste der glücklichsten Länder an. Hygge gilt als eines ihrer Geheimnisse. Es steht auch für Gemütlichkeit.

Beitragslänge:
1 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 19.11.2019, 19:25

Aber was macht uns glücklich? Und wie können wir dem Glück auf die Sprünge helfen? Das haben wir den Neurowissenschaftler und Glücksforscher Christof Kessler gefragt:

Was ist Glück?

Neurowissenschaftler und Glücksforscher Christof Kessler
Neurowissenschaftler und Glücksforscher Christof Kessler

Christof Kessler: Es gibt in unserem Gehirn das „mesolimbisches System“ welches bei positiven Ereignissen stimuliert wird und die Ausschüttung des Botenstoffes Dopamin bewirkt. Hierdurch wird ein Glücksgefühl erzeugt, zum Beispiel bei wichtigen positiven Ereignissen: der Entgegennahme  eines Zeugnisses, die Geburt eines Kindes,  einer liebevolle Begegnung. Aus der Sicht der Hirnforschung hängen diese Glücksgefühle sehr eng mit Motivation und Belohnung zusammen. In dem Moment, indem wir uns glücklich fühlen, werden wir zu neuen Anstrengungen motiviert, um diesen Augenblick des Glücks zu wiederholen und um erneut zu erleben. Das Glücksgefühl ist somit immer mit einem Schub an Motivation verbunden. Das Gehirn ist also darauf geeicht, Glück zu empfinden. Leider stellt dies auch die Grundlage von Sucht da, einschließlich der Esssucht.

 Von diesen momentanen Glücksgefühlen wird das allgemeine Empfinden von Zufriedenheit und Ausgeglichenheit unterschieden.  Dies ist die Funktion des Serotonins eines weiteren Botenstoffes. Serotonin ist an der Modulation der Grundstimmung beteiligt. Je aktiver das Serotonin- System ist, desto besser die Stimmung des Menschen, Serotoninmangel resultiert in Traurigkeit und Depression. Selbstverständlich spielen äußere Faktoren wie Gesundheit, ein intaktes Beziehungsfeld und wirtschaftliche Sicherheit ebenfalls eine wichtige Rolle.  

Was macht uns glücklich?

Kessler: Alltägliche Erfolgserlebnisse, die uns ein Gefühl von Glück und Zufriedenheit bescheren, machen uns glücklich. Es müssen keine wissenschaftliche Höchstleistungen oder Meisterwerke der Kunst sein: Eine Wanderung, eine Hecke beschneiden, ein schöner Abend im Kreise der Familie. Ganz wesentlich ist die Erkenntnis, dass Glück auch durch unsere  Lebensweise gefördert wird. Zum Beispiel stimuliert  regelmäßiger Sport und eine gesunde Ernährung die Produktion der Glücks-Hormone.

 Wie können wir dem Glück auf die Sprünge helfen?

Kessler: Der Mensch ist so angelegt, dass sein Gehirn niemals still steht, man kann nicht „nichts“ denken. Wenn wir zur Ruhe kommen und nichts machen wollen, resümiert das Gehirn ohne unser Zutun Vergangenes und plant Zukünftiges. Dieses Grübeln ist eng verbunden mit dem Gefühl des Unglücklichseins. Was können wir dagegen tun? Wir können unser Gehirn  zur Ruhe bringen. Wir lenken unsere gesamte Aufmerksamkeit auf einen Gegenstand, einen Baum, eine Blume zum Beispiel. Diese Achtsamkeit beginnt auch dort wo wir bewusst Musik hören, nicht nur als Hintergrund, oder ein Buch lesen.

Hygge steht für Glück und Gemütlichkeit – welches Geheimnis steckt dahinter?

Kessler: Das Wort „Hygge“ stammt ursprünglich aus dem Norwegischen und leitet sich von „hug“ ab, was „Umarmung“ bedeutet. Die Fähigkeit zum Kuscheln und zur Gemeinschaft wird durch einen weiteren Botenstoff vermittelt, dem Oxytocin. Dieses wird zum Beispiel  freigesetzt, wenn das Neugeborene der Mutter auf den Bauch gelegt wird, dadurch entsteht eine lebenslange Bindung. Man kann durch körperliche Nähe den Oxytocinspiegel erhöhen, es heißt, man soll mindestens sechsmal am Tag einen Menschen umarmen. Das steigert die Empathiefähigkeit und emotionale Stabilität.

Warum sind Skandinavier glücklicher als wir Deutsche?

Kessler: Darüber kann man nur spekulieren. Im neuen Wissenschaftszweig der Metagenetik gibt es Belege, dass traumatische Erlebnisse von einer Generation zur nächsten vererbt werden können. Die Deutschen haben die Traumata von zwei fürchterlichen Weltkriegen hinter sich gebracht, Verbunden mit Diktaturen, dem Holocaust und  der Teilung des Landes. Hingegen blicken die Skandinavier auf eine lange Zeit in Frieden und Wohlstand zurück. Ich glaube, dass dies einen elementaren Unterschied ausmacht und die unterschiedliche Fähigkeit glücklich zu sein erklärt.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Die Website verwendet Cookies, um Ihnen ein bestmögliches Angebot zu präsentieren. Nähere Informationen und die Möglichkeit, die Verwendung von Cookies einzuschränken finden Sie hier.

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.