WISO-Tipp: Mit dem Smartphone auf Reisen

In offenen WLAN-Netzen den eigenen Datenverkehr absichern

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Wer im Urlaub in Cafés oder Hotels offene WLAN-Netze nutzen will, sollte den eigenen Datenverkehr absichern. Gerade bei E-Mails, Einkäufen oder beim Onlinebanking ist Vorsicht geboten. Wie Sie sich schützen können.

Beitragslänge:
5 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 19.06.2018, 19:25

Wenn Sie über einen öffentlichen und damit unsicheren WLAN-Hotspot surfen, können Angreifer die darin versendeten Daten abfangen und auslesen. Das liegt unter anderem daran, dass nicht alle E-Mail-Dienste oder Käufe per SSL (HTTPS) verschlüsselt sind. Theoretisch können in einem ungeschützten WLAN-Netz Hacker den Datenverkehr mitschneiden und so Kreditkartendaten oder Passwörter abgreifen. Daher müssen Sie selbst für die nötige Sicherheit sorgen.

Tunnel durchs Internet

Ein so genanntes Virtuelles Privates Netzwerk - kurz VPN - ist dabei die beste Wahl. Damit bauen Sie für Ihre Daten eine Art verschlüsselten Tunnel, der sich nur schwer knacken lässt. Das Funktionsprinzip: Über eine verschlüsselte Verbindung - VPN-Tunnel genannt - schickt der Internetnutzer seine Anfrage an den Server des VPN-Dienstes. Der leitet diese Anfrage an die Zielseite im Internet weiter und verpasst Ihnen als Nutzer eine neue, anonyme IP-Adresse.

Der große Vorteil: Alle Daten, die von Ihrem Rechner abgehen, fließen in diesem sicheren Tunnel und sind von außen nicht einsehbar. Somit ist ein virtuelles, privates Netzwerk bestens geeignet, um auch im offenen WLAN eines Cafés, Hotels oder am Flughafen zu surfen.

So richten Sie ein VPN ein

Fast jeder größere VPN-Anbieter hat neben Mac- und PC-Versionen inzwischen Apps für Android und iOS-Betriebssysteme im Angebot. Viele VPN-Dienste sind testweise kostenlos, andere dauerhaft kostenfrei nutzbar. Es lohnt sich, mehrere kostenlose VPN-Apps auf das Smartphone oder Tablet herunterzuladen und auszuprobieren, um die individuell am besten geeignete zu finden.

Sie als Smartphone-Nutzer müssen sich für einen VPN-Dienst entscheiden und die entsprechende App auf Ihr Gerät laden. Anschließend gilt es, ein Konto beim Anbieter anzulegen und dann mit diesen Kontodaten in den Einstellungen des Smartphones eine VPN-Verbindung einzurichten. Nach dem Start der App können Sie über einen Assistenten ein Profil sowie die dazugehörigen Zertifikate installieren. Im nächsten Schritt wird das VPN aktiviert.

Nach der Aktivierung verbindet sich das Smartphone mit dem VPN und zeigt den Status als „Verbunden“ an. Die Verbindung zu einem VPN ist leider nicht immer stabil und schnell, dafür aber häufig kostenlos und sicher.

Kostenlose VPNs

Über die App "SurfEasy VPN" können Sie beispielsweise schnell und einfach Verbindungen zu VPN-Servern aufbauen, um sicher in öffentlichen WLAN-Netzen zu surfen. Sinnvoll ist die App auch zum Verbinden mit Cloud-Diensten.

"Hotspot Shield VPN" gehört zu den bekanntesten Diensten, wenn es um eine sichere Verbindung zum Internet über VPN geht. Auch IP-Sperren lassen sich damit problemlos umgehen.

"Opera VPN" ist der mobile Ableger des Browser-Herstellers Opera. Damit surfen Sie - laut Hersteller - ohne Speed-Limit und limitiertes Datenvolumen. Der Deal im Fall Opera: Nutzer übermitteln anonymisiert Daten zu ihrem Surfverhalten, die an Unternehmen verkauft werden.

VPN über Heimrouter

Nutzen Sie zu Hause eine Fritzbox neueren Datums als Router, können Sie sich auch darüber einen VPN-Tunnel einrichten. Wie die Einrichtung eines VPN-Fernzugangs auf welchem Router-Modell funktioniert, wird auf der Herstellerseite beschrieben. Praktischer Nebeneffekt eines Fernzugangs zum Heimrouter: Bei einer Fritzbox können Sie mithilfe der "Fritz-App Fon" auch auf Reisen über Ihren Festnetzanschluss telefonieren.

Ein Fernzugang zum Heimrouter ist laut Michael Gundall, Telekommunikations-Experte bei der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz, dann sinnvoll, "wenn der Internetanschluss zu Hause genügend Bandbreite hat, insbesondere einen größeren Upload". Ganz nebenbei lässt sich mit einem VPN zum Heimrouter auch Geoblocking umgehen. Sprich: Sie können sich beispielsweise auch im Ausland Videos in der ZDF-Mediathek ansehen, die sonst wegen Urheberrechten blockiert sind.  Das ist gerade für diejenigen interessant, die auch im Urlaub heimische TV-Serien oder Fußballspiele sehen wollen.

Wie Sie im Ausland günstig surfen

Die meisten wollen auch auf Reisen ihr Smartphone wie gewohnt nutzen. Möglich macht das das so genannte Roaming. Dass man so einfach innerhalb der europäischen Mobilfunknetze telefonieren kann, ist der Tatsache geschuldet, dass ausländische Mobilfunkbetreiber auf eine Art Teilnehmerregistrierung im heimatlichen Netz des Handynutzers zugreifen.

Sie als Handynutzer bekommen davon nichts mit, wenn Sie im Ausland unterwegs sind. Sie bekommen nur eine SMS mit den wichtigsten Preisinformationen für Telefonate, SMS und mobiles Internet. Außerdem sehen Sie gegebenenfalls auf Ihrer Handyrechnung, dass die Preise von Ihrem gängigen Tarif abweichen. In der Vergangenheit wurden zahlreiche Handynutzer nach der Rückkehr von horrenden Rechnungen überrascht.

Wegfall der EU-Roaming-Gebühren

Deshalb hat die EU-Kommission reagiert und Roaming-Gebühren für Mobilfunknutzer innerhalb der EU abgeschafft. Seit dem 15. Juni 2017 können Urlauber ohne zusätzliche Kosten im europäischen Ausland mobil telefonieren und im Internet surfen. Vertragskunden können dann europaweit mit ihrem bestehenden Handyvertrag telefonieren, simsen und im Internet surfen. Das gilt auch für Prepaidkunden, die monatlich für ein Datenpaket bezahlen.

Angebote mit Haken

Weil den Anbietern durch die Neuregelung wichtige Einnahmequellen wegfallen, haben einige allerdings seit kurzem Tarife im Portfolio, die die Auslandsnutzung beschränken oder komplett ausschließen. Auch manche netzinterne Flatrates gelten im Ausland nicht. Daher sollten Sie bei Vertragsabschluss unbedingt auf das Kleingedruckte achten.

Auch nach der Abschaffung der Roaminggebühren in der EU können Mobilfunkanbieter Endkunden Roamingaufschläge in Rechnung stellen, sofern der Nutzer eine festzulegende Fair-Use-Grenze überschreitet. Mit dieser Maßnahme sollen eine missbräuchliche Nutzung und das Dauer-Roaming unterbunden werden – beispielsweise der Kauf einer günstigeren SIM-Karte im Ausland und Nutzung dieser SIM-Karte im Inland oder wenn der Kunde sich dauerhaft im Ausland aufhält, aber einen in seinem und für sein Heimatland abgeschlossenen Vertrag nutzt.

Während Flatrates für Telefonate und SMS auch im EU-Ausland gelten, können Anbieter eine Obergrenze für die Internetnutzung festlegen. Überschreiten die Kunden diese Grenze, dürfen Anbieter Aufschläge erheben. Sie müssen allerdings vorab mitteilen, wenn das erlaubte Datenvolumen erreicht wird.

Auslandspakete

Auch, wer bereits ein Auslandspaket gebucht hat, kommt in den Genuss der neuen EU-Regelung. Die Provider waren nämlich verpflichtet, vor dem 15. Juni bei ihren Kunden nachzufragen, ob sie ihren Auslandstarif behalten möchten. Nur wer das explizit bestätigt, nutzt sein Handy nicht nach den neuen EU-Roaming-Richtlinien. Alle anderen werden automatisch auf den neuen Tarif umgestellt.

Die Regelung greift auf alle 28 Mitgliedsstaaten der EU sowie für Länder, die sich der EU-Roaming-Verordnung angeschlossen haben. Dazu zählen (vorerst) Liechtenstein, Norwegen und Island. In der Türkei, Serbien, Albanien, Kosovo, Mazedonien, San Marino und Monaco und in der Schweiz fallen weiterhin Roaminggebühren an. Genauso wie für Amerika, Asien, Afrika und Australien.

Immerhin gilt: Die Mobilfunkbetreiber verschicken immer eine SMS mit den Preisen, die für aus- und eingehende Anrufe, SMS und Datenvolumen gelten. Nach dem Brexit könnte Großbritannien die geltende EU-Roaming-Verordnung aussetzen lassen, womit Gebühren anfallen würden.

Worauf Sie achten müssen

An den EU-Außengrenzen könnte sich Ihr Handy versehentlich in ein fremdes Netz einwählen. Ein Beispiel: Wer sich in Griechenland auf der Ägäis aufhält, muss aufpassen, dass sich das Handy nicht in das Netz eines türkischen Anbieters einwählt. Gleiches gilt für den Aufenthalt in Italien. Hier könnten Gespräche und Nachrichten über albanische Betreiber laufen. Hilfreich ist es in diesem Fall, die automatische Netzauswahl auszuschalten.

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