Wenn Kinder Elternunterhalt zahlen

Wie viel muss man tatsächlich zahlen?

Verbraucher | WISO - Wenn Kinder Elternunterhalt zahlen

Kinder pflegebedürftiger Eltern sind gesetzlich dazu verpflichtet, im Rahmen ihrer finanziellen Möglichkeiten für einen Teil der Heim- und Pflegekosten aufzukommen. Wann Kinder zahlen müssen.

Beitragslänge:
4 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 04.04.2017, 00:00

Kinder pflegebedürftiger Eltern sind gesetzlich verpflichtet im Rahmen ihrer finanziellen Möglichkeiten für einen Teil der Heim- und Pflegekosten aufzukommen. Doch die Kosten dafür sind hoch. Das Sozialamt springt zwar zunächst ein, aber ob Sie überhaupt für Ihre Eltern unterhaltspflichtig sind, hängt von Ihren finanziellen Verhältnissen ab.

Im Dezember 2013 waren in Deutschland 2,63 Millionen Menschen pflegebedürftig. Mehr als zwei Drittel aller Pflegebedürftigen wurden zu Hause versorgt – privat und mit Hilfe von sozialen Diensten. Über 750.000 Menschen leben in Pflegeheimen. Ob ambulant oder stationär – die Pflege ist teuer. Ein Heimplatz für Menschen mit Pflegestufe III kostet im Durchschnitt 3000 Euro. Ein Teil davon bezahlt die gesetzliche Pflegeversicherung, der Rest muss privat bezahlt werden.

Nach Prognosen des Statistischen Bundesamtes könnte die Zahl der Pflegebedürftigen in Deutschland bis zum Jahr 2030 auf rund 3,4 Millionen Menschen ansteigen. Das ist dann auch mit einem immensen Anstieg der Kosten verbunden. Das Institut der deutschen Wirtschaft warnt bereits: Schon 2030 könnten – je nach Entwicklung der Pflegeausgaben – zwischen 1,7 und vier Milliarden Euro fehlen. 2050 könnten es bis zu 16 Milliarden Euro sein.

Trotz Pflegestärkungsgesetz hohe Kosten

Mit dem „Ersten Pflegestärkungsgesetz“, das zum 1. Januar 2015 in Kraft getreten ist, erhalten Pflegebedürftige und ihre Angehörigen bessere Leistungen. Trotzdem reichen die gesetzlichen Leistungen nicht, um die gesamten Kosten der Pflege zu decken. Betrachtet man beispielsweise die Kosten für eine Heimunterbringung, wird dies schnell deutlich. Laut aktuellen Zahlen des Verbands der Privaten Krankenversicherung liegen die Kosten für eine vollstationäre Versorgung in Pflegestufe III im Bundesdurchschnitt bei 3.437,34 Euro pro Monat. Legt man nun die Leistungen aus der Pflegepflichtversicherung von 1.612 Euro zu Grunde, bleibt eine Versorgungslücke von knapp 1.825 Euro. Sie muss aus der eigenen Tasche gezahlt werden. Was die gesetzliche Pflegeversicherung zahlt, lesen Sie hier in dem ausführlichen WISO-Tipp: Absicherung für den Pflegefall.

Wer muss zahlen?

Wenn das Vermögen und die Rente der Betroffenen nicht ausreichen um die Lücke zu schließen, springt zunächst das Sozialamt ein. Haben die Pflegebedürftigen Kinder, versucht das Amt sich das Geld von diesen zu holen: Denn Kinder pflegebedürftiger Eltern sind gesetzlich dazu verpflichtet, im Rahmen ihrer finanziellen Möglichkeiten ebenfalls für einen Teil der Heimkosten aufzukommen.

Rein rechtlich gesehen haften die Schwiegerkinder nicht für den Unterhalt der Schwiegereltern. Aber die Rechtssprechung berücksichtigt zur Berechnung des Elternunterhalts auch die Einkünfte der Schwiegerkinder. Das Schwiegerkind ist gegenüber dem unterhaltspflichtigen Ehepartner zum sogenannten Familienunterhalt verpflichtet. Aufgrund dieser Unterhaltsverpflichtung werden die Einkünfte des Schwiegerkindes bei der Ermittlung der Leistungsfähigkeit des unterhaltspflichtigen Ehepartners herangezogen.

Taschengeld für Elternunterhalt

Wenn der unterhaltspflichtige Ehegatte nicht seine gesamten eigenen Einkünfte für den sogenannten Familienunterhalt aufwenden muss, kann er, das was übrig bleibt, für den Elternunterhalt aufwenden. Erzielt der unterhaltspflichtige Ehepartner überhaupt keine Einkünfte, dann ist er auch nicht zur Zahlung von Elternunterhalt verpflichtet. Aber es gibt eine Ausnahme: Die Taschengeldregelung.
Der Bundesgerichtshof geht davon aus, dass der nicht-erwerbstätige Ehepartner gegen den anderen Ehepartner einen Anspruch auf Taschengeld hat, Teile davon muss er gegebenenfalls für den Elternunterhalt einsetzen. Dieser Anspruch beläuft sich auf etwa 5 bis 7 Prozent des Familienunterhalts und dieses Taschengeld wird vom Sozialamt bei den Berechnungen mit einbezogen.

Bei unverheirateten Paaren mit Kindern gibt es einen weiteren Punkt, der bei der Berechnung einbezogen wird. Der sogenannte "Betreuungsunterhalt". Der entsteht wenn sich ein Elternteil um die Kinder kümmert und zu Hause bleibt, während das andere Elternteil das Familieneinkommen verdient. Der Betreuungsunterhalt wird angerechnet, so dass eine Zahlungspflicht gegenüber den eigenen Eltern nur dann besteht, wenn überhaupt noch weiteres Einkommen verfügbar ist.

Müssen Sie überhaupt zahlen?

Ob Sie überhaupt für Ihre Eltern unterhaltspflichtig sind, dass hängt von Ihren finanziellen Verhältnissen ab. Zunächst wird ihr monatliches Nettoeinkommen bereinigt. Das heißt, Verbindlichkeiten, Kredite und Versicherungen werden abgezogen. Auch die Kosten für Ihre unterhaltspflichtigen Kinder werden abgezogen. Wenn Sie voll berufstätig sind und alleinstehend, sind Ihnen 1800 Euro im Monat sicher. Da kommt das Sozialamt nicht ran. Bei Paaren sind es 3240 Euro. Doch auch Ihr Vermögen wird vom Sozialamt unter die Lupe genommen.

Voll eingerechnet in Ihr Vermögen werden in der Regel auch Bargeld, Sparbücher, Wertpapiere oder wertvoller Schmuck. Aber: Die selbst genutzte Immobilie oder der selbst genutzte Pkw sind geschützt.

Liegen Sie unter der Grenze des Selbstbehalts und übersteigt Ihr Vermögen auch nicht die Spargrenzen, müssen Sie sich keine Sorgen machen, wenn der Brief vom Sozialamt kommt. Und auch Ihr selbstgenutztes Haus wird Ihnen niemand wegnehmen.
Grundsätzlich gilt:

Im Interview beantwortet Fachanwältin für Sozialrecht Claudia Ostarek wichtige Fragen zum Elternunterhalt.

Was bringen private Pflegeversicherungen?

Wenn Sie im Alter Ihre Kinder vor hohen Zahlungen schützen möchten, gibt es private Pflegeversicherungen auf dem Markt. Private Pflegezusatzversicherungen versprechen Hilfe. Sie sollen die Versorgungslücke schließen.

Bei der Auswahl einer Zusatzversicherung sollten möglichst viele der folgenden Bedingungen für eine gute private Pflegeversicherung erfüllt sein:

Alternative: Selbst für das Alter sparen

Überlegen Sie sich gut, ob sich in Ihrem Fall eine private Pflegezusatzversicherung lohnt. Als Alternative haben Sie immer noch die Möglichkeit selbst für Ihr Alter vorzusorgen. Sparen Sie fürs Alter, denn für den Fall, dass Sie pflegebedürftig werden, entstehen hohe Kosten.

Der Verband der Privaten Krankenversicherung geht aktuell davon aus, dass man für eine Betreuung im Heim in Pflegestufe III fast 22.000 Euro jährlich aus eigenen Mitteln aufbringen muss. Der Barmer GEK Pflegereport 2012 kam zu dem Ergebnis, dass über alle Pflegestufen hinweg Männer etwa 21.000 Euro Eigenanteile zu ihren Pflegekosten leisten müssen, Frauen sogar 45.000 Euro. Zudem steigen die Pflegeheimkosten von Jahr zu Jahr. Die Fachanwältin für Sozialrecht Claudia Ostarek empfiehlt daher jedem fünf Prozent seines Bruttoeinkommens zu sparen.

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