WISO-Tipp: Koffer weg auf Flugreisen

Was Sie dann tun sollten und welche Ansprüche Sie haben

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Die Flugnummer auf der Anzeigetafel stimmt, das Gepäckband auch – doch der Koffer will nicht vom Band rollen. Dann sollte man schnellstens den Schalter „Lost and Found“ aufsuchen. Worauf es noch ankommt, zeigt der WISO-Tipp.

Beitragslänge:
5 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 03.07.2018, 19:25

Ungefähr jeder hundertste Koffer geht verloren. Doch es gibt eine gute Nachricht: Die meisten Gepäckstücke tauchen innerhalb der ersten 48 Stunden wieder auf. Dennoch teilen hunderttausende Fluggäste erst mal das gleiche Schicksal: Sie sitzen ohne Kleidung und Kosmetika am Flughafen fest, weil ihr Koffer verschollen ist.

Erste Schritte

Wenn Sie feststellen, dass Ihr Gepäck nicht auf dem Zielflughafen angekommen ist, sollten Sie sich sofort am Lost & Found-Schalter, also dem Gepäckermittlungsschalter, melden. Dort füllen Sie eine Verlustmeldung aus. Dafür ist die Gepäckregistrierungsnummer notwendig, daher sollten Sie diese bereithalten. Die Gepäckregistrierungsnummer wird in der Regel auf die Boardingkarte geklebt. Die Verlustmeldung enthält unter anderem Personen- und Flugdaten, sowie Angaben zum Gepäck. Wichtig: Sie sollten in jedem Fall die Verlustmeldung aufheben! Denn auf der Verlustmeldung ist eine Referenznummer verzeichnet, die Sie für den weiteren Suchverlauf benötigen.

Die Verspätung Ihres Gepäcks sollten Sie auch schriftlich der Fluggesellschaft mitteilen. Am besten per Einschreiben oder per Fax, sonst erlischt möglicherweise Ihr Schadensersatzanspruch. Denn Schadensersatz müssen Sie innerhalb von 21 Tagen nach Erhalt des Gepäcks geltend machen. Bei endgültigem Verlust haben Sie zwei Jahre Zeit.

Erkundigen Sie sich, ob Ihr Gepäck zu Ihrem Hotel oder nach Hause geliefert wird, sobald es auftaucht. Stellt Ihnen die Airline das verspätete Gepäck nicht zu, können Sie sich die Fahrtkosten zum Flughafen erstatten lassen.

Mit dem Nötigsten ausstatten

Wenn Sie am Lost & Found-Schalter erfahren, dass das Gepäck gerade nicht auffindbar ist oder erst einige Tage später nachgeliefert werden kann und Sie ohne Kleidung und Kosmetikartikel am Urlaubsort sind, dürfen Sie sich auf Kosten der Fluggesellschaft mit dem Nötigsten ausstatten. Informieren Sie sich aber bei der Fluggesellschaft wie sie Fluggäste bei verspätetem Gepäck unterstützt! Denn es gibt keine einheitliche Regelung. Einige bieten eine Tagespauschale an, andere erstatten nur zu 50 Prozent die gekauften Artikel.

„Wenn man von der Fluggesellschaft gar nichts erfährt, dann kann man auch selbständig seine Noteinkäufe vornehmen", erklärt Reiseexperte Holger Hopperdietzel. "Aber man sollte darauf achten, dass man nicht allzu großzügig mit den Kosten umgeht, sondern ersetzt wird im Grunde nur das, was tatsächlich notwendig ist. Das heißt, eine Erstausstattung für Toilettenartikel und notwendige Kleidungsstücke. Das ist üblicherweise Freizeitkleidung. Nicht jedoch bei Geschäftsreisenden, diese müssen sich natürlich auch einen Anzug kaufen.“, so Hopperdietzel.

Wichtig: Heben Sie alle Kaufbelege auf! Die benötigen Sie für Ihren Schadensersatzanspruch! Bei Gepäckverspätung sieht das Montrealer Übereinkommen eine Frist vor: Man muss innerhalb von 21 Tagen seine Schadenanzeige schriftlich bei der Fluggesellschaft eingereicht haben!

Ansprüche bei Gepäckverlust

Wenn ihr Gepäck sich verspätet oder Ihnen mitgeteilt wird, dass Ihr Gepäck endgültig verloren gegangen ist, besteht Anspruch auf Schadensersatz. Im Montrealer Übereinkommen ist die Höhe der Ansprüche festgesetzt. Die Höchstgrenze bei Schadensersatz beträgt derzeit rund 1.400 Euro pro Person. Allerdings ist sie leichten Schwankungen unterworfen, was bedeutet, dass die Höchstgrenze auch niedriger sein kann. Und: Ersetzt wird nicht der Neuwert, sondern nur der Zeitwert. Das ist der tatsächliche Wert, den die gebrauchten Gegenstände im Koffer noch haben.

Generell gilt: „Das Montrealer Übereinkommen sieht vor, dass der materielle Schaden ersetzt wird, dazu gehören die Kosten für die Ersatzeinkäufe, möglicherweise Taxifahrten zu den Einkäufen, aber einen Verlust an Urlaubsfreude, den kriegt man nicht erstattet.“, sagt Rechtsanwalt Holger Hopperdietzel.

Brief an Fluggesellschaft senden

Für Ihre Schadensersatz-Meldung bei Gepäckverlust sollten Sie einen Brief an die Fluggesellschaft senden – am besten per Einwurf-Einschreiben. Fügen Sie Kopien Ihrer Quittungen bzw. Ihrer Nachweise bei. Wenn möglich: Eine detaillierte Inhaltsliste des verschwundenen Koffers, bei der Sie auch die einzelnen Werte aufführen. So kann man herausfinden, was der ungefähre Wert der Inhaltsstücke zum Zeitpunkt des Verlustes war.

„Das sollte man schon alles auflisten, denn die Fluggesellschaft will auch Anhaltspunkte dafür haben, was denn wirklich der Wert des verloren gegangenen Gepäckstücks ist. Wenn ich der Fluggesellschaft überhaupt nichts konkretes sage und einfach nur behaupte, der Wert war 1000 Euro und die hätte ich gerne ersetzt, dann wird man damit keinen Erfolg haben“, so Holger Hopperdietzel.

Die meisten Airlines verlangen einen Nachweis über den Wert des Gepäckinhalts. Die Beweislast liegt dabei beim Fluggast. Er muss beweisen, dass die verloren gemeldeten Inhaltsstücke tatsächlich im Koffer waren und die entsprechenden Werte hatten. Hilfreich können bei der Ermittlung des Wertes Kaufbelege sein oder Fotos.

Wichtig: Bei Gepäckverspätung und bei Gepäckverlust gilt eine Klagefrist von zwei Jahren nach Beendigung des Fluges.

Was tun bei einer Pauschalreise?

Bei einer Pauschalreise hat der Reisende die Möglichkeit seine Ansprüche entweder bei seinem Reiseveranstalter anzumelden oder bei der Fluggesellschaft.

„Ich halte es für günstiger, wenn man die Ansprüche beim Reiseveranstalter geltend macht, denn dann hat man seinen Vertragspartner, hat vielleicht auch das Reisebüro, über das man die Reise gebucht hat. Das kann auch noch behilflich sein. Vorteil ist, man hat einen inländischen Vertragspartner und man muss sich nicht mit einer ausländischen Fluggesellschaft herumärgern, das ist insgesamt einfacher“, so Reiseexperte Holger Hopperdietzel.

Teil des Reisepreises zurückverlangen

Die Verbraucherzentrale weist daraufhin, dass Pauschalreisende bei Gepäckverspätung einen Teil des bereits gezahlten Reisepreises zurückverlangen können. Denn kommt das Gepäck nicht oder mit großer Verspätung am Urlaubsort an oder ist es beschädigt, liegt in aller Regel ein Reisemangel vor. Für jeden Urlaubstag, den der Urlauber ohne Gepäck verbringen muss, steht dem Reisenden ein Nachlass anteilig am Reisepreis zu. Wird die Reise durch den Gepäckverlust erheblich beeinträchtigt, kann der Reisende auch Schadensersatz wegen entgangener Urlaubsfreude geltend machen.

Außerdem: Der Reisende darf sich die nötigste Ausstattung auf Kosten des Reiseveranstalters bzw. der Fluggesellschaft anschaffen. Allerdings müssen Sie auch hier auf die Kosten bei Noteinkäufen achten. „Warten Sie länger als einen Tag auf Ihr Gepäck, sollten Sie dies unverzüglich dem Reiseveranstalter anzeigen – am besten in Anwesenheit von Zeugen. Lassen Sie sich die Kenntnisnahme der Mängelanzeige schriftlich bestätigen. Es reicht aus, wenn der örtliche Reiseleiter ein ‚zur Kenntnis genommen‘ auf die schriftliche Mängelanzeige setzt“, rät die Verbraucherzentrale.

Bei einer Pauschalreise gelten die gleichen Fristen wie bei einer reinen Flugreise.

Beschädigungen am Koffer

Wenn der Koffer beschädigt ist, hat der Fluggast ebenfalls Anspruch darauf, dass der Schaden in irgendeiner Form ersetzt wird. Das bedeutet: Wenn er zu reparieren ist, dann muss die Fluggesellschaft die Reparaturkosten erstatten. Ist der Koffer nicht mehr reparabel, muss die Fluggesellschaft den Zeitwert des Koffers ersetzen. „Bei der Gepäckbeschädigung ist allerdings ganz wichtig: Es gelten ganz besonders knappe Fristen: Da muss man nämlich sofort die Beschädigung anzeigen. Man muss innerhalb von längstens sieben Tagen eine schriftliche Schadensanzeige bei der Fluggesellschaft einreichen. Macht man das nicht, verliert man alle Ansprüche“, erklärt Holger Hopperdietzel.

Exklusiv

Verbraucher | WISO - Verspätetes oder fehlendes Gepäck

Welche Ansprüche Sie geltend machen können, sagt Holger Hopperdietzel.

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