WISO-Tipp: Mieterselbstauskunft

Was der Vermieter fragen darf und was nicht

Verbraucher | WISO - WISO-Tipp: Mieterselbstauskunft

Wer in München oder in Berlin eine Wohnung sucht, muss sich auf bis zu 600 Mitbewerber einstellen. Vermieter verlangen oft eine Mieterselbstauskunft. Müssen Sie dafür angeben, welche Musik Sie hören und wie häufig Sie Besuch erhalten?

Beitragslänge:
5 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 19.09.2018, 02:55

Die Bewerbung um eine Mietwohnung gleicht der um eine begehrte Arbeitsstelle. So ist es inzwischen Usus, dass Mietinteressenten eine umfassende Mappe mit Unterlagen abgeben, in der sie sich als perfekte künftige Mieter präsentieren. Dazu gehört auch: Die so genannte Mieterselbstauskunft. Es handelt sich um einen Fragebogen, in dem der Vermieter die finanzielle Situation des Interessenten und persönliche Daten abfragt.

In einigen Regionen ist dieser Fragebogen wichtiger denn je. Einige Vermieter entscheiden in erster Instanz allein auf Basis der Mieterselbstauskunft und der angeforderten Nachweise wie zum Beispiel Schufa-Auskunft, wer die Wohnung bekommt – und wer nicht.

Vermieter wollen mithilfe der Mieterselbstauskunft ausschließen, dass sie ihre Wohnung an Mietnomaden vermieten. Verständlich. Allerdings: Viele dieser Fragen gehen entschieden zu weit und sind zu privat oder zu intim. Generell gilt: Sie sind nicht verpflichtet, eine Selbstauskunft auszufüllen. In der Praxis haben sie ohne Selbstauskunft aber kaum Chancen.

Zulässige und unzulässige Fragen

Grafik: Zulässige und unzulässige Fragen für Mieterselbstauskunft
Quelle: ZDF

Beachten Sie: Angaben, die für das Mietverhältnis wichtig sind, müssen Sie wahrheitsgemäß beantworten.

Dazu gehört, wer Mieter ist, wie viele Menschen einziehen werden und die Angaben zu Ihrer finanziellen Situation: Sie müssen Ihr Nettoeinkommen, Ihren Beruf und Ihren Arbeitgeber preisgeben und beantworten, ob ein Insolvenzverfahren oder eine Räumungsklage gegen Sie läuft. Wenn Sie hier lügen, machen Sie sich strafbar.

Private oder intime Fragen sind hingegen nicht zulässig. Hier dürfen Sie die Antwort wählen, die der Vermieter hören möchte. Dazu gehören: Fragen ob Sie rauchen, welche Musik Sie hören, welcher Religion oder Partei Sie angehören. Auch Ihre sexuelle Orientierung, weitere Familienplanung oder Vorstrafen gehen den Vermieter nichts an.

Schufa-Auskunft

Anhand der Schufa-Auskunft möchte sich der potentielle Vermieter ein Bild über Ihre Bonität machen. Kurz gesagt: Er möchte versichert bekommen, dass Sie im Stande sind, Ihre Miete zu bezahlen. Auch hier gilt: Laut dem Landesbeauftragten für Datenschutz Nordrhein-Westfalen ist eine undifferenzierte Forderung nach einer solchen Auskunft eigentlich erst zulässig, wenn Sie kurz vor Abschluss eines Mietvertrags stehen. Dennoch: Wenn Sie mit 20 anderen um eine Wohnung konkurrieren und 19 eine Schufa-Auskunft abgeben, ist die Wahrscheinlichkeit recht hoch, dass Sie den Zuschlag nicht erhalten.

Die Schufa ist eine so genannte Auskunftei, die Daten über Ihre Kreditwürdigkeit und Ihr Zahlungsverhalten sammelt. Die Schufa Holding ist aktuell Marktführer unter den deutschen Auskunfteien.

Bonitätsscore

Aus all den Daten, die die Auskunfteien über Sie gesammelt haben, wird der so genannte Bonitätsscore berechnet. Er gibt an, mit welcher Wahrscheinlichkeit Sie – laut der jeweiligen Auskunftei – geforderte Zahlungen begleichen. Wie sich dieser Score genau berechnet, ist Geschäftsgeheimnis der jeweiligen Auskunftei. Ein Bonitätsscore wird in Prozent angegeben. 100 Prozent ist der Spitzenwert. Je höher Ihr Score, desto wahrscheinlicher zahlen Sie Ihre Rechnungen.

Datenübersicht nach § 34 Bundesdatenschutzgesetz

Die Auskunfteien sind dazu verpflichtet, Ihnen einmal pro Jahr Auskunft über die von Ihnen gespeicherten Daten zu geben. Dabei handelt es sich um die so genannte „Datenübersicht nach § 34 Bundesdatenschutzgesetz“. Jede Auskunftei bezieht ihre Daten von unterschiedlichen Quellen. Es kann also durchaus sinnvoll sein, die Auskunft von mehreren Auskunfteien gleichzeitig anzufordern, um sich einen breiten Überblick zu verschaffen.

Überprüfen Sie alle Angaben und setzen Sie sich mit der jeweiligen Auskunftei in Verbindung, falls Sie Fehler finden. Falsche Angaben können schließlich weitreichende Folgen für Sie haben, bspw. wenn Sie einen Kredit beantragen wollen.

Beachten Sie: Diese Auskunft enthält alle Daten, die die jeweilige Auskunftei über Sie gespeichert hat. Sie ist eigentlich nicht zur Weitergabe gedacht! Falls Sie eine dieser Auskünfte als so genannte „Schufa-Auskunft“ potentiellen Vermietern weitergeben möchten, sollten Sie Angaben wie Kontonummern oder Kreditverträge schwärzen, um sich vor Datenmissbrauch zu schützen.

Auskunft anfordern

Eine Auskunft nach § 34 Bundesdatenschutzgesetz können Sie bei der jeweiligen Auskunft online anfordern oder per Post. Die Verbraucherzentrale NRW stellt hierfür ein Musterschreiben zur Verfügung. Anbei einige Auskunfteien, bei denen Sie die Datenübersicht nach § 34 Bundesdatenschutzgesetz anfordern können:

Einkommensnachweis

Häufig reicht Vermietern auch eine Schufa-Auskunft nicht mehr aus. Als Einkommensnachweis gilt ein formloses Schreiben Ihres Arbeitgebers mit Angabe Ihres Nettoeinkommens. Viele Vermieter wollen aber lieber Lohnabrechnungen oder Steuerbescheide sehen. Beachten Sie: Schwärzen Sie alle Angaben, die den Vermieter nichts angehen, wie bspw. ihre Krankenkasse, Konfession oder eine Betriebsrente. Wichtig ist nur die Höhe Ihres Nettoeinkommens.

Mietschuldenfreiheitsbescheinigung

Oftmals wird zusätzlich eine so genannte Mietschuldenfreiheitsbescheinigung gefordert. Die soll bezeugen, dass Sie im letzten Mietverhältnis regelmäßig und vollständig Ihre Miete beglichen haben. Allerdings: Laut eines BGH-Urteils (Az. VIII ZR 238/08)  ist Ihr ehemaliger Vermieter nicht dazu verpflichtet, Ihnen eine solche Bescheinigung auszustellen. Falls sie dennoch verlangt wird: Weisen Sie regelmäßige Mietzahlungen anhand Ihrer Kontoauszüge nach!

Diskriminierung bei der Wohnungssuche

„Sind Sie deutsch?“ Laut dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz, das seit 2006 in der Bundesrepublik in Kraft ist, darf die Antwort auf diese Frage bei der Vergabe einer Wohnung keine Rolle spielen. Denn: Niemand darf „aus Gründen der Rasse oder wegen der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität“ benachteiligt werden (www.gesetze-im-internet.de).  Wohnungssuchende dürften also nicht aufgrund eines Migrationshintergrunds abgelehnt werden.  

Die Praxis ist eine andere. Wie nicht nur die Erfahrung unserer Protagonisten Ewgeny und Rebecka zeigt; sondern auch eine groß angelegte Studie der Datenjournalisten des Spiegel und des Bayerischen Rundfunks. Menschen mit einem ausländischen Namen haben es bei der Wohnungssuche schwerer als Menschen mit einem deutschen Namen. Vor allem Männer mit einem türkisch oder arabisch klingenden Namen werden bei der Wohnungssuche benachteiligt. Die ausführliche Studie finden Sie unter folgendem Link: www.hanna-und-ismail.de

Sich zur Wehr setzen

Sich gegen eine derartige Diskriminierung zur Wehr zu setzen, ist jedoch sehr schwierig; v.a. weil schwer nachzuweisen ist, ob, bzw. dass einer Entscheidung Diskriminierung zugrunde liegt.

In sehr wenigen Fällen gab es bereits Prozesse, in denen Wohnungssuchende geklagt haben, die sich diskriminiert gefühlt haben. In einem Fall entgegnete eine Hausmeisterin bei der Wohnungsbesichtigung einem dunkelhäutigen Paar, die Wohnung werde nicht an „Neger“ vermietet. In einem langwierigen Prozess wurde schließlich die Hausverwaltung zur Zahlung von Schadenersatz und Schmerzensgeld verurteilt (vgl. OLG Köln, 19.01.2010, 24 U 51/09).

In Hamburg wurde eine Wohnungsbaugesellschaft zu Entschädigungszahlungen verurteilt. Hier konnte nachgewiesen werden, dass sieben Interessenten mit deutsch klingendem Namen zur Besichtigung eingeladen wurden, wohingegen sieben weitere Interessenten mit türkisch klingendem Namen abgewiesen wurden. Ihnen teilte man mit, die Kapazitäten für die Besichtigung seien erschöpft.

Antidiskriminierungsstelle des Bundes

Falls Sie sich bei der Wohnungssuche – oder in anderen Bereichen – bspw. aufgrund eines Migrationshintergrunds, Ihrer sexuellen Identität oder einer Behinderung diskriminiert fühlen, können Sie sich an die Antidiskriminierungsstelle des Bundes wenden. Hier wird geprüft, ob Sie nach dem AGG benachteiligt wurden. Falls ja, wird eine außergerichtliche Einigung angestrebt. Außerdem können Sie eine Beratungsstelle in Ihrer Nähe weitergeleitet werden.

Kontakte

Antidiskriminierungsstelle
Beratungsstellensuche
Beratungstelefon: 030 18555 1865 (Mo. bis Fr. 9–12, 13–15 Uhr). Der Anruf kostet den üblichen Ortstarif. Die Beratung ist kostenlos, unparteiisch und voraussetzungsfrei.

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