Mediation statt Prozess

Wie Sie gemeinsam eine Lösung finden

Verbraucher | WISO - Mediation statt Prozess

Streit vor Gericht ist nervenaufreibend. Immer mehr Deutsche suchen den Kontakt zu einem Mediator. Er vermittelt zwischen den zerstrittenen Parteien. Worauf es dabei ankommt, zeigt der WISO-Tipp.

Beitragslänge:
5 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 10.01.2017, 00:00

Streit mit dem Nachbarn, Ärger mit dem Chef oder die Trennung vom Partner steht bevor. Oft landen viele dieser Streitigkeiten vor Gericht. Aufgrund persönlicher Betroffenheit bleiben die Fronten meist verhärtet. Eine teure und Nerven aufreibende Auseinandersetzung ist die Folge. Immer mehr Deutsche suchen deshalb den Kontakt zu einem Mediator. Worauf es dabei ankommt, zeigt der WISO-Tipp.

Der Mediatior vermittelt zwischen den zerstrittenen Parteien. Gemeinsam wird versucht eine gerechte und für alle Seiten akzeptable Lösung zu finden. Im Gegensatz zu einem Gerichtsprozess werden bei einer Mediation u. a. Emotionen, persönliche Hintergründe, Interessen und Ziele der streitenden Parteien berücksichtigt.

Lösung von Konflikten

Die Mediation ist ein eigenständiges und zunehmend praktiziertes Verfahren zur Lösung von Konflikten. In einem vertraulichen und strukturierten Verfahren streben die Konfliktparteien, in Anwesenheit eines Mediators, eine freiwillige und eigenverantwortliche Lösung des Konflikts an.

Mediation ist keine Institution wie Schlichtungsstelle, Gütestelle oder ähnliches. Hier geht es nicht um die Frage nach der Schuld bei einem Konflikt. Dies wird weder psychologisch noch juristisch beurteilt.
Mediationen können in den unterschiedlichsten Bereichen stattfinden: Es gibt Familienmediation, Nachbarschaftsmediation, Mietmediation, Erbmediation, Schulmediation, Baumediation, Wirtschaftsmediation, Arbeitsmediation, etc. Viele Mediatoren haben sich deshalb auf bestimmt Bereiche spezialisiert.

Wo geeigneten Mediator suchen?

Achten Sie bei der Wahl Ihres Mediators auf eine qualifizierte Ausbildung und ausreichend Praxiserfahrung. Eine Orientierungshilfe sind beispielsweise die Berufsverbände: Deren Mitglieder müssen Qualitätsstandards bei der Ausbildung und Durchführung der Mediation erfüllen. Nutzen Sie die Mediatorensuche auf den Internetseiten der Berufsverbände. Sie können Fachgebiet, Postleitzahl und Nachnamen vorgeben: Bundesverband Mediation, Bundes-Arbeitsgemeinschaft für Familien-Mediation, Deutsche Gesellschaft für Mediation in der Wirtschaft. Die Berufsverbände empfehlen bei familienrechtlichen Konflikten ein Mediatorenpaar zu wählen mit verschiedenen Fachbereichen und männlich und weiblich besetzt. Diese Arbeitsweise hat sich in der Praxis sehr bewährt.

Haben Sie einen Mediator gefunden, entscheiden Sie erst nach einem persönlichen Gespräch, ob er Ihr Vertrauen und das der „Gegenseite“ wecken kann. Oft ist dieses Erstgespräch unverbindlich und kostenfrei bzw. kostengünstiger. Denn der Stundensatz von einer Mediation liegt in der Regel zwischen 70 Euro und 350 Euro. Je nach Art der Mediation. Eine Scheidungsmediation wird günstiger sein als eine internationale Wirtschaftsmediation.

Verhandlungsbereitschaft für Mediation

Für die Durchführung einer Mediation gibt es jedoch bestimmte Voraussetzungen. Zum Einen muss die Mediation freiwillig erfolgen. Alle Beteiligten, einschließlich des Mediators, nehmen freiwillig an einer Mediation teil und können sie auch jederzeit wieder abbrechen. Der Mediator verpflichtet sich zur Verschwiegenheit und darf sich außerhalb der Mediation nicht zu den Verfahrensinhalten äußern. Außerdem muss das Ergebnis der Mediation zu Beginn noch offen sein. Alle Konfliktparteien müssen mit Verhandlungsbereitschaft in die Mediation gehen. Eine weitere wichtige Voraussetzung ist die Allparteilichkeit des Mediators. Er verhält sich neutral und steht auf der Seite jedes Beteiligten.

Außergerichtliche Lösung finden

Das Hauptziel einer Mediation ist eine selbstbestimmte, einvernehmliche und außergerichtliche Lösung für den Konflikt zu finden. Weitere positive Nebenziele sind eine kurze Verfahrensdauer, ein unbürokratisches und flexibles Verfahren mit dem Ziel einer friedlichen Einigung, es können Interessenslagen und Emotionen berücksichtigt werden, die Verfahrenskosten können durch eine Mediation erheblich reduziert werden und in prominenten Fällen bekommt das Verfahren keine Öffentlichkeit und keine Berichte in den Medien. Die Berufsverbände geben an, dass durchschnittlich 70 – 80 Prozent aller Mediationsverfahren erfolgreich abgeschlossen werden können.

Was für eine erfolgreiche Mediation zu tun ist

Für eine erfolgreiche Mediation sollten Sie den Mediator so früh wie möglich hinzuziehen. So vermeiden Sie, dass sich die Fronten verhärten und vermeidbare Konflikte entstehen. Behandeln Sie die Inhalte Ihrer Mediation vertraulich. Meinungen von außen können sonst das Konfliktpotential vergrößern. Eine Mediation ist keine Rechtsberatung. Lassen Sie die Vereinbarungen, die Sie bei der Mediation gemeinsam getroffen haben von einem Anwalt prüfen und in eine rechtsverbindliche Form bringen. Das gilt zum Beispiel, wenn es bei einer Scheidung um den Zugewinnausgleich und den nachehelichen Unterhalt geht. Carolin Böse-Krings ist Mediatorin der interdisziplinären Trennungs- und Beratungsstelle in Bremen. Sie beantwortet Fragen rund um die Mediation.

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