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Online-Spielsucht bei Jugendlichen

Zocker wieder ins echte Leben zurückholen

von Michael Bisping

Sechs Prozent der Jugendlichen zwischen 12 und 25 in Deutschland gelten als computerspielsüchtig. Dann kommen sie gar nicht mehr los von den digitalen Fantasie- und Spielwelten. Wo liegt die Grenze zwischen gesundem Spielspaß und krankhafter Sucht?

Beitragslänge:
5 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 19.08.2020

Wie beliebt Computerspielen gerade bei Jugendlichen ist, zeigt in dieser Woche wieder die Gamescom, die weltweit größte Computer- und Videospiele-Messe. Allein im letzten Jahr strömten 370.000 nach Köln. Wenn die Gamescom vom 20. bis 24. August auch dieses Jahr wieder öffnet, werden ähnlich viele Besucher erwartet.

Online-Zocken kann zur Sucht werden

Computerspiele sind ein ganz normales Stück Jugendkultur, doch zu viel Zocken kann süchtig machen. Der Verband der Deutschen Gamerbranche schätzt, dass 34 Mio. Deutsche Computer- und Videospiele spielen. Unter einem Prozent spiele exzessiv.

Gerade bei Online-Spielen besteht die Gefahr einer Abhängigkeit, da hier keinerlei zeitliche Grenzen gesetzt sind: Irgendwo auf der Welt ist immer gerade jemand online, mit den man spielen kann. Das heißt, mit dem Zocken muss nie Schluss sein, es kann immer weitergehen.

Dass Daddeln süchtig machen kann, hat gerade erst die WHO, die Weltgesundheitsorganisation, offiziell anerkannt: Seit Mai diesen Jahres stuft sie Online-Computer-Spielsucht offiziell als Krankheit ein.

Online-Spielsucht Symptome

Man kann nicht pauschal definieren, ab wann (etwa ab wie viel täglichen oder wöchentlichen Spielstunden) Computerspielen noch als normal gilt und ab wann man süchtig ist. Doch die WHO hat Kriterien genannt, an denen Online-Spielsucht erkennbar ist:

  1. Den Spielern entgleitet bei Dauer und Häufigkeit die Kontrolle über das Spielen
  2. Das Spielen wird wichtiger als alle anderen (Alltags-) Aktivitäten
  3. Der Spieler ist unfähig, das Spielen zu stoppen, selbst bei negativen Konsequenzen

Im Alltag bedeutet das, dass die meist jugendlichen Spieler über einen längeren Zeitraum keinerlei andere Interessen mehr pflegen als das Spielen. Sie gehen nicht mehr raus, treffen sich nicht mehr mit Freunden, vernachlässigen ihre Familien, ihre Wohnzung/ihr Zimmer, oft sogar die Körperhygiene und die Schule bis hin zum Schulboykott.

Online-Spielsucht bekämpfen

Wenn Jugendliche viel zu viel zocken, gibt es fast immer Spannungen mit den Eltern, die oft völlig hilflos sind. Was können Eltern tun?

  • Viele Eltern wollen ihrem Kind den Rechner am liebsten ganz wegnehmen, doch Experten raten von solchen radikalen Maßnahmen ab, da sie das Problem eher verschlimmern und eskalieren lassen. Die Gefahr, dass ein Jugendlicher dann erst recht zumacht, wird dann sehr groß, und genau das darf nicht passieren!
  • Deshalb lautet die wohl wichtigste positive Regel: Verlieren Sie nicht den Anschluss zum Kind! Halten Sie die Beziehung offen! Nehmen Sie also Anteil an allem, was Ihr Kind macht. Interessieren Sie sich insbesondere auch für das Spielen selbst, immerhin ist es ein ganz normales, wichtiges Stück Jugendkultur und dem Kind offenbar wichtig. Und erkennt der Jugendliche, dass sich die Eltern für das interessieren, was er macht und ihm wichtig ist, so verringert das die Gefahr erheblich, dass es zumacht, sich von den Eltern abschottet und vollkommen in die Phantasiewelt des Spielens flüchtet.
  • Stellen Sie feste Regeln auf, und zwar am besten gemeinsam mit dem Kind. Erarbeiten Sie gemeinsam die Kriterien dafür, was das Kind wann wie lange spielen darf. Diese Regeln sind dann aber auch unbedingt einzuhalten. Ehemals süchtige Jugendliche berichten oft davon, dass sie sich genau das gewünscht hätten: Feste Regeln, die ihnen vorgeben, wo es langgeht und die ihnen eine Richtung und somit auch psychische Stabilität hätten verleihen können. Auch die Jugendlichen leiden schließlich unter ihrer Sucht.

Online-Spielsucht Therapie

Gute erste Anlaufstationen, um sich Rat zu holen, sind

  • Suchtberatungsstellen
  • Familienberatungsstellen
  • Öffentliches Jugendamt
  • Online-Hilfeseiten

Online-Spielsucht Hilfe

erstehilfe-internetsucht.de (Adressdatenbank für Hilfsangebote)
fv-medienabhängigkeit.de (Fachverband für Medienabhängigkeit)
onlinesucht-ambulanz.de (Informationsseite)
die-letzte-Quest.de (Selbsthilfegruppe)

Spielsucht

Hände, die Geld zählen

Verbraucher | Volle Kanne - Süchtig nach Glücksspielen

Schätzungsweise mehr als 500.000 Menschen sind in Deutschland spielsüchtig.

Videolänge:
8 min
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