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Arbeitsbedingungen osteuropäischer Lkw-Fahrer

Knochenjob und karges Nomadenleben für wenig Geld

von Karen Grass (Film), Violetta Heise, dpa (Artikel)

Lkw-Fahrer aus osteuropäischen Ländern, die in Deutschland be- oder entladen, bekommen oft nicht den deutschen Mindestlohn, obwohl sie darauf Anspruch haben. Sie bekommen viel niedrigeren Grundlohn und müssen ein karges Nomadenleben führen.

Beitragslänge:
5 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 29.04.2020

Hoffnung für Lkw-Nomaden?

Wäsche trocknen zwischen Lkw, kochen auf dem Gaskocher, schlafen in engen Kabinen: Der Arbeitsalltag vieler Fernfahrer in Europa ist belastend. Die EU will gegensteuern, kam aber bislang nur langsam voran. Das EU-Parlament hat jetzt für neuen Schwung gesorgt.

Sie sind wahre Arbeitsnomaden der Straße: Lkw-Fahrer, die zum Teil wochen- oder monatelang quer durch Europa unterwegs sind, ohne je ihre Heimat zu sehen. Dazu kommen eine oft schlechte Bezahlung, miserable Übernachtungsmöglichkeiten auf dem Weg und extremer Zeitdruck.

EU-Parlament will neue Fernfahrer-Regeln

Eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen der rund zwei Millionen Fernfahrer auf EU-Ebene ließ bislang auf sich warten. Doch jetzt ist es damit einen entscheidenden Schritt vorangegangen.

Das EU-Parlament stimmte in Brüssel mit teils knapper Mehrheit für ein ganzes Paket an möglichen Maßnahmen. Bevor neue Vorgaben jedoch in Kraft treten können, muss ein Kompromiss mit den Mitgliedstaaten gefunden werden - Zeitplan bislang unklar.

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Verbesserungen lange überfällig

Aus Sicht des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) sind Verbesserungen lange überfällig. Stanislava Rupp-Bulling vom DGB-Projekt "Faire Mobilität" berät regelmäßig Fernfahrer aus Osteuropa auf Rastplätzen rund um Stuttgart zu ihren Rechten. "Es ist beschämend, was man dort sieht", sagt sie. "Viele Fahrer hausen unter menschenunwürdigen Bedingungen."

Weil sie sich das Essen in den Raststätten nicht leisten könnten, bereiteten viele sich notdürftig ihre Mahlzeiten auf Gaskochern zu, erzählt Rupp-Bulling. Wochen- oder monatelang sähen manche Fahrer ihre Familien nicht. "Sie leben in ihren Lkw-Kabinen." Es fehle an Platz auf den Rasthöfen, weshalb Transporter oft auf Seitenstreifen parkten - gefährlich, nicht nur für die Fahrer.

Diebstahl wird vom Lohn abgezogen

Noch dazu machten osteuropäische Speditionen regelmäßig die Fahrer dafür verantwortlich, auf die Ladung aufzupassen. Schlügen Diebe zu, werde das vom ohnehin kärglichen Lohn abgezogen. "Die meisten Fahrer sagen: Ich bin nicht zufrieden mit meiner Situation, aber ich muss es machen, um meine Familie zu ernähren", sagt Rupp-Bulling.

Lkw-Fahrer dürfen alle vier Wochen nach Hause zurückkehren

Gegen eine ganze Reihe dieser Probleme will nun auch das EU-Parlament vorgehen. Nach erbitterten Debatten und diversen Versuchen vor allem von osteuropäischen Abgeordneten, die Abstimmung noch zu verhindern, steht ein Kompromiss.

Er sieht vor, dass Lkw-Fahrer mindestens alle vier Wochen nach Hause zurückkehren dürfen sollen. Ihre reguläre wöchentliche Ruhezeit von 45 Stunden sollen sie zudem nicht mehr in der Kabine verbringen dürfen.

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Regeln für den Mindestlohn

Auch die Regeln für den Mindestlohn sollen sich ändern. Dabei schlägt das Parlament Ausnahmen vor. So soll es zwar erlaubt sein, dass Fahrer etwa bei Direkttransporten zwischen zwei Ländern weniger verdienen als Kollegen aus dem Zielland.

Aber sobald ein Lkw zum Beispiel Lieferungen innerhalb eines fremden Markts übernimmt - also bei der umstrittenen Kabotage - soll der Fahrer den dortigen Mindestlohn bekommen.

Kabotage nur unter Auflagen

Kabotage soll außerdem nur unter Auflagen erlaubt bleiben. Kritiker sehen diese Praxis bisher als Wettbewerbsverzerrung und fürchten Lohndumping. Zum Beispiel sind auf deutschen Straßen oft Lkw-Fahrer aus Osteuropa unterwegs, die nach den dortigen niedrigeren Löhnen bezahlt werden.

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Auf deutschen Straßen fahren täglich hunderttausende Lkw. Viele Fahrer kommen aus Osteuropa. Sie bringen Waren und Rohstoffe von A nach B - oft zu miserablen Bedingungen.

Viel Streit um Lkw-Fahrer

Doch warum sorgt das Thema für so viel Streit? Sollten sich nicht alle darauf einigen können, dass Lastwagenfahrer anständige Arbeitsbedingungen brauchen - und sei es nur, weil übermüdete Fahrer ein Sicherheitsrisiko darstellen?

Hinter dem Konflikt stecken vor allem die gegensätzlichen Interessen verschiedener Mitgliedstaaten. Während Länder wie Frankreich, Deutschland und Belgien erreichen wollen, dass der Mindestlohn durchgesetzt wird, fürchten Länder wie Rumänien, Bulgarien und Polen um die Wettbewerbsfähigkeit ihrer Logistikunternehmen.

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