Aufenthalt im Krankenhaus

Das sind Ihre Rechte

Verbraucher | WISO - Aufenthalt im Krankenhaus

Welche Rechte haben Patienten im Krankenhaus? Im welchem Umfang muss der behandelnde Arzt aufklären? Antworten im WISO-Tipp.

Beitragslänge:
6 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 01.03.2017, 20:15

Blinddarmentfernung, Herzrhythmusstörungen, Magen-Darm-Infekt – Gründe, warum Patienten ins Krankenhaus müssen, gibt es viele. Vor, während und nach der ärztlichen Behandlung im Krankenhaus kann es zu Problemen und Konflikten zwischen Patient und Arzt oder Krankenhaus kommen. Welche Rechte Patienten im Krankenhaus haben, zeigt der WISO-Tipp.

Seit 2013 gibt es für solche Fälle ein eigenes Patientenrechtegesetz. Es soll die Position von Patienten gegenüber Medizinern in Konfliktfällen stärken und bündelt die Rechte von Patienten erstmals in einem eigenständigen Gesetz. Es gilt einerseits für Patienten, auf der anderen Seite aber auch für alle Angehörigen medizinischer Berufe mit unmittelbarem Patientenkontakt wie Ärzte und Zahnärzte, Hebammen, Krankengymnasten, Psychotherapeuten oder Heilpraktiker.

Recht auf freie Krankenhauswahl

Als Patient haben Sie grundsätzlich das Recht sich ein Krankenhaus Ihrer Wahl für eine anstehende Behandlung auszusuchen. Wichtig ist, dass es sich dabei um ein öffentliches Krankenhaus handelt und nicht um eine Privatklinik. Als Patient haben Sie laut Bundesministerium für Gesundheit die Wahl unter mehr als 2000 Krankenhäusern. Doch nicht jedes Krankenhaus ist gleich auf alle Behandlungsmethoden spezialisiert.

Anhaltspunkte für den jeweiligen Eingriff können spezielle Online-Suchangebote der Krankenkassen, Patienten- und Verbraucherschutzverbände wie etwa die Weisse Liste liefern. Mit solchen Portalen können Patienten gezielt nach einem geeigneten Krankenhaus suchen und die Qualität einzelner Kliniken miteinander vergleichen, heißt es. Grundlage für die Krankenhausnavigatoren sind, laut Bundesgesundheitsministerium, die sogenannten strukturierten Qualitätsberichte, zu denen die Krankenhäuser gesetzlich verpflichtet sind. Darin werden die Anzahl der Betten, die Qualifikation der Ärzte, die geleisteten Operationen und die Komplikationsraten detailliert festgehalten. Doch Vorsicht: Diese Krankenhausnavigatoren sind umstritten.

Das Aufklärungsgespräch

Der Patient muss vor dem Eingriff umfassend und verständlich über die Behandlung informiert und aufgeklärt werden. Das heißt, vor jedem Eingriff besteht eine Aufklärungspflicht von Seiten des Behandlers. Das reicht von den Untersuchungen über die Diagnose bis zur Therapie.

Wichtig: Diese Aufklärung muss in einem persönlichen Gespräch stattfinden, das der Arzt mit dem Patienten führt. So können Patienten unmittelbar Fragen stellen. Es reicht nicht nur ein Formular zu überreichen. Sogenannte Aufklärungsbogen sollen dazu dienen, das Aufklärungsgespräch nachzuweisen. Außerdem sollen sie helfen wichtige Aspekte anzusprechen.

Über Risiken und Chancen sprechen

Zu einer umfassenden Aufklärung gehört auch, dass mit dem Patienten über Risiken und Chancen der Behandlung gesprochen wird. Kommen verschiedene Behandlungsmethoden in Frage, die jedoch mit unterschiedlichen Risiken, Belastungen und Heilungschancen verbunden sind, muss der Patient darüber aufgeklärt werden. Des Weiteren sollte darauf hingewiesen werden, wenn anstelle einer stationären Behandlung auch eine ambulante Behandlung möglich ist.

Wichtig: Das Aufklärungsgespräch darf nicht vom Pflegepersonal durchgeführt werden! Das Aufklärungsgespräch muss durch den behandelnden Arzt oder durch eine Person erfolgen, die ebenfalls dazu ausgebildet ist, die Behandlung durchzuführen.

Gespräch vor der Behandlung

Das Aufklärungsgespräch sollte rechtzeitig vor einer Behandlung stattfinden. Der Zeitpunkt richtet sich in der Regel nach Art und Dringlichkeit des Eingriffs. Patienten sollten Zeit haben, Fragen stellen zu können und die Entscheidung zu überdenken. Ein Aufklärungsgespräch darf nicht dann durchgeführt, wenn dem Patienten bereits Schmerz- und Beruhigungsmittel verabreicht worden sind.

Recht auf Selbstbestimmung – Die Einwilligung

Außer bei Notfällen haben Patienten das Recht ihre Einwilligung zu einer Behandlung abzugeben. Das heißt, ob und wie Patienten sich behandeln lassen, ist grundsätzlich allein deren Entscheidung. Hier gilt das Recht auf Selbstbestimmung. Ohne die Einwilligung des Patienten darf keine Behandlung durchgeführt werden.

Das gilt für eine einfache Blutentnahme, aber auch für größere Operationen. Die Einwilligung ist nur dann wirksam, wenn der Patient vorher umfassend, verständlich und rechtzeitig aufgeklärt worden ist. Wichtig: Patienten können ihre Einwilligung jederzeit und ohne Angabe von Gründen widerrufen.

Recht auf Einsicht in die Patientenakte

In einer Patientenakte wird die Behandlung eines Patienten dokumentiert. In der Patientenakte sollten alle patienten- und behandlungsrelevanten Informationen festgehalten werden. Das bedeutet laut Bundesgesundheitsministerium, dass alle für eine Behandlung wichtigen Umstände in der Patientenakte zeitnah, sorgfältig und vollständig aufgezeichnet werden müssen. Dazu zählen: Die Krankengeschichte, Diagnosen, Untersuchungen und die Ergebnisse, Befunde, medikamentöse Therapien und ihre Wirkungen.

Laut Gesetz haben Patienten das Recht jederzeit ihre vollständigen Behandlungsunterlagen einzusehen. Außerdem können Patienten Kopien ihrer Patientenakte verlangen – entweder in Papierform oder als Dateien auf einem Datenträger. Für entstehende Kosten muss dabei der Patient aufkommen. Bei Behandlungsfehlern kann die Patientenakte ein wichtiges Beweismittel sein. Hat ein Arzt beispielsweise eine Untersuchung oder eine medizinisch notwendige Maßnahme nicht dokumentiert, wird zu seinen Lasten vermutet, dass die Untersuchung bzw. die Maßnahme nicht erfolgt ist, so das Bundesministerium für Gesundheit.

Was tun bei Problemen und Konflikten?

Viele Krankenhäuser haben ein sogenanntes Beschwerdemanagement eingerichtet. Dort können Patienten ihre Kritik äußern und Probleme ansprechen. Außerdem gibt es in vielen Krankenhäusern sogenannte Patientenfürsprecher. Sie sind Ansprechpartner bei allen Beschwerden des Patienten über Ablauf oder Personal der Klinik. Patientenfürsprecher sind unabhängig und unterstehen nicht der Klinikleitung, sind also nicht an deren Weisungen gebunden. Patientenfürsprecher arbeiten ehrenamtlich und vermitteln zwischen Patient und Krankenhaus.

Beweislast liegt beim Patienten

Wichtig: Die Beweislast bei Behandlungsfehlern liegt grundsätzlich beim Patienten! Ausnahme: Es liegt ein grober Behandlungsfehler vor. Dann muss der Patient nicht mehr beweisen, dass die fehlerhafte Behandlung Ursache für den erlittenen Gesundheitsschaden ist. Ein grober Behandlungsfehler kann zum Beispiel dann vorliegen, wenn der Arzt besonders schwerwiegend gegen medizinische Standards verstoßen hat.

Für Schadenersatz- und Schmerzensgeldansprüche gibt es eine Verjährungsfrist. Diese beträgt in der Regel drei Jahre. Da Gesundheitsschäden manchmal erst lange nach einer fehlerhaften Behandlung auftreten, beginnt die Verjährungsfrist erst mit Ende des Jahres, in dem der Patient von einem möglichen Behandlungsfehler erfahren hat oder hätte erfahren können, so das Bundesministerium für Gesundheit. Nach spätestens 30 Jahren verjährt der Anspruch dann vollends.

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