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Pflegekind aufnehmen - Pflegeeltern werden

Voraussetzungen, finanzielle Unterstützungen und Pflichten

von Nina Suweis

Knapp 240.000 Kinder in Deutschland können nicht bei ihren leiblichen Eltern aufwachsen, weil diese nicht für sie sorgen können. Diese Kinder werden von Jugendämtern in Pflegefamilien untergebracht. Rechte und Pflichten der Pflegeeltern.

Beitragslänge:
5 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 05.08.2020

Grundsätzlich können sowohl verheiratete als auch nicht verheiratete Paare, Alleinstehende und gleichgeschlechtliche Paare in Deutschland ein Pflegekind aufnehmen. Dabei wird unterschieden zwischen Bereitschaftspflege, in der Kinder kurzfristig für eine begrenzte Zeit aufgenommen werden. Und der Vollzeitpflege, bei der das Kind dauerhaft in der Pflegefamilie bleibt.

Das kommt vor Aufnahme des Pflegekinds

Wer ein Pflegekind aufnehmen möchte, muss sich beim örtlichen Jugendamt oder dem Träger der Jugendhilfe bewerben. Nach einem ausführlichen Beratungsgespräch, werden die möglichen Pflegeeltern geprüft:

  • Diese müssen ihre finanzielle Situation und ihre Arbeitsverhältnisse offenlegen.
  • Es finden monatliche Treffen mit dem Pflegekinderdienst statt, auch Hausbesuche.
  • Darüber hinaus müssen sie einen Lebensbericht schreiben, ein Gesundheitsattest und ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegen.
  • Zusätzlich müssen sie an regelmäßigen Workshops des Pflegekinderdienst teilnehmen. Das sind in der Regel zwischen drei und fünf Seminare, bei denen es um die rechtlichen Grundlagen und den Umgang mit den leiblichen Eltern geht.

Die Zeitspanne, in der die potentiellen Pflegeeltern eine Rückmeldung zu einem möglichen Pflegekind erhalten, variiert teilweise stark. Es kann schon während des Prüfungsprozesses soweit sein (in der Regel neun bis zwölf Monate) oder kann auch länger dauern.

Kennenlernen mit leiblichen Eltern

Wenn der Anruf kommt, ist der erste Schritt ein Kennenlernen mit den leiblichen Eltern. Denn die entscheiden darüber, ob das Kind in diese Pflegefamilie darf. Erst wenn sie ihr Okay geben, findet ein erstes Treffen mit dem Kind statt.

Und erst wenn alle Parteien sicher sind, dass eine Pflegesituation funktioniert, wird zusammen mit dem Jugendamt, dem Pflegekinderdienst, den leiblichen Eltern und den Pflegeeltern ein Pflegevertrag aufgesetzt, der bis ins kleinste Details alle Rechte und Pflichten der Pflegeeltern regelt.

Kinder, die in eine Pflegesituation geraten, sind oftmals traumatisiert, haben psychische Probleme und Defizite oder sind sogar körperlich beeinträchtigt.

  • Auch deshalb werden Pflegeeltern eng vom Pflegekinderdienst betreut.
  • Einmal im Jahr finden so genannte Hilfeplangespräche statt.
  • In diesen wird festgelegt, welche Förderung das Pflegekind braucht, welche Unterstützung die Pflegeeltern benötigen und wie der Umgang mit den leiblichen Eltern konkret aussehen soll.

Gewöhnlich sehen Pflegekinder ihre leiblichen Eltern alle sechs bis acht Wochen. Auch deshalb, weil der Gesetzgeber sich eine Rückkehr der Kinder zu den leiblichen Eltern wünscht. Realistisch kehren aber nur fünf Prozent aller Pflegekinder wieder zu ihrer Ursprungsfamilie zurück. Vor allem, weil sich an der Situation der leiblichen Eltern oftmals nichts ändert und sie nicht in der Lage sind, sich selbst wieder um ihr Kind zu kümmern, auch wenn sie das Sorgerecht nicht abgeben.

Pflegefamilien werden vom Staat unterstützt

Da sie aber ansonsten jegliche Verantwortung abgeben – auch die finanzielle – werden Pflegefamilien vom Staat unterstützt.

  • Rund 500 Euro erhalten Pflegeeltern im Monat. Je nach Alter und Pflegebedarf des Kindes, zum Teil auch erheblich mehr.
  • Im Pflegegeld enthalten sind Unterhaltskosten und ein so genannter Beitrag zur Erziehung.
  • Auf Antrag können Pflegeeltern auch Zusatzleistungen für Erstausstattung, Mobiliar oder Sonderausstattung erhalten.
  • Es besteht auch Anspruch auf Kindergeld.
  • Zudem können Pflegekinder steuerlich geltend gemacht werden.

Pflegekind bestmöglich fördern

Das Geld ist auch dazu da, um das Kind bestmöglich zu fördern. Hilfe finden Pflegeeltern bei ihrem Kinderarzt und den sozialpädiatrischen Zentren in Deutschland. Hier werden die Kinder von Kinderärzten mit sozialpädiatrischer Expertise, Kinderneurologen, Kinder- und Jugendpsychiatern und Psychologen mit Psychotherapieausbildung sowie Therapeuten und Sozialarbeitern behandelt. Auf Basis der Untersuchungsergebnisse werden dann konkrete Therapien empfohlen.

Wer bezahlt die Therapien?

Bezahlt werden Untersuchungen und Therapien von der Krankenkasse. In der Regel sind Pflegekinder bei den leiblichen Eltern mitversichert und die Pflegeeltern haben die Chipkarte. Wer möchte, kann das Kind auch in seine eigene Krankenversicherung mit aufnehmen. Das geht bei der gesetzlichen Krankenkasse, wenn die leiblichen Eltern einverstanden sind, problemlos durch einen Anruf.

Bei Privatversicherten übernimmt auf Antrag und nach Absprache das Jugendamt die Kosten für die Mitgliedschaft des Pflegekindes in der privaten Krankenversicherung. Bei wichtigen medizinischen Entscheidungen – wie einer Impfung oder einer größeren OP – müssen die Pflegeeltern Rücksprache mit den leiblichen Eltern halten. Aber an ein gewisses Maß an Öffentlichkeit sollte sich, wer ein Pflegekind hat oder aufnehmen möchte, gewöhnen. Denn zwangsläufig haben immer mehrere Parteien ein Mitspracherecht.

Hilfe und Informationen für Pflegeeltern oder solche, die es werden wollen, gibt es unter anderem bei den örtlichen Jugendämtern oder Trägern der Jugendhilfe. Außerdem beim Bundesverband der Pflege- und Adoptivfamilien e.V. oder der Bundesgemeinschaft für Kinder in Adoptiv- und Pflegefamilien e.V.

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