WISO-Tipp: Raus aus der Schuldenfalle

Verbraucher | WISO - WISO-Tipp: Raus aus der Schuldenfalle

Konsum ist eine der Hauptursachen dafür, dass in Deutschland rund 1,7 Millionen junge Menschen unter 30 Jahre überschuldet sind. Im WISO-Tipp: Wie junge Erwachsene ihre Schuldenkarriere wieder in den Griff bekommen können und wie sich Schulden verhindern …

Beitragslänge:
5 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 06.11.2018, 19:25

Jugendliche und junge Erwachsene werden häufig als "Konsumidioten" dargestellt, die nicht mit Geld umgehen können, keine Ahnung von Finanzen haben und sich verschulden, weil sie sich alle Konsumwünsche erfüllen wollen. Was stimmt, ist, dass der Jugendalltag kostenintensiver geworden ist. Junge Menschen wollen mit Gleichaltrigen kommunizieren, soziale Beziehungen mit ihnen aufrechterhalten und an gemeinsamen Aktivitäten teilnehmen.

Das alles kostet Geld, was Konsum zur zentralen Bedeutung macht. Wer wenig finanzielle Möglichkeiten hat, ist von dieser Lebenswelt teilweise ausgeschlossen und schämt sich. Die Risiken nehmen gerade für junge Menschen aus "armen Verhältnissen" zu, die weniger "Auffangmöglichkeiten" in Form einer Unterstützung durch die Eltern oder Familie haben.

Umgang mit Geld

Schwierig ist das vor dem Hintergrund, dass Geld und der Umgang damit in Schule und Elternhaus oftmals keinen Raum haben. In diesem Zusammenhang wird häufig über ein Schulfach Geld/Finanzen diskutiert. Statt nur Wissen zu vermitteln, wäre es wichtig, sich am Lebensalltag der Jugendlichen zu orientieren, um ihnen lebensnahe Hilfe und Lösungen an die Hand zu geben.

Wege aus den Schulden

Wichtig ist zunächst einmal, dass sich Schuldner möglichst früh Hilfe holen. Denn mit der Zeit kann der Schuldenberg durch Mahngebühren und Sollzinsen weiter anwachsen und wichtige Einspruchsfristen können verstreichen. Aus Scham versuchen viele jedoch zu lange, die Situation selbst in den Griff zu bekommen.

Sie suchen nach Geldverleihern, die ohne Prüfung der Kreditwürdigkeit bei der Schufa Darlehen anbieten. Die hohen Zinsen auf solche Kredite lassen den Schuldenberg jedoch nur weiter anwachsen. Andere leihen sich immer wieder Geld bei Freunden und Verwandten. Werden solche Privatkredite jedoch dafür genutzt, immer neue finanzielle Engpässe zu überbrücken, hat das oft negative Auswirkungen auf die sozialen Kontakte.

Um Betroffenen die Kontaktaufnahme zu einer Beratungsstelle zu erleichtern, bieten viele gemeinnützige Organisationen wie Arbeiterwohlfahrt oder Caritas neben der kostenfreien Beratung vor Ort auch eine anonyme Online-Beratung an. Wer längerfristige Begleitung braucht, kommt um das persönliche Gespräch allerdings nicht herum. Weil es oft Wartezeiten bis zu einigen Monaten gibt, ist in besonders dringenden Fällen meist auch kurzfristig Hilfe möglich.

Exklusiv

Verbraucher | WISO - Auswege aus Schuldenfalle

Interview mit Schuldnerberaterin Rita Hornung.

Videolänge:
4 min
Datum:

So läuft die Schuldnerberatung ab

Im ersten Termin mit dem Schuldnerberater wird erfasst, wie groß das Problem ist und wie die Schulden entstanden sind. Der Experte verschafft sich einen Überblick über die finanzielle Situation des Schuldners: Wie hoch sind die Einnahmen? Wie hoch die Ausgaben? Wie viel Schulden hat der Betroffene? Wo gibt es Sparpotenzial?

Wenn nötig, hilft der Berater auch bei ersten Sofortmaßnahmen und veranlasst beispielsweise die Einrichtung eines Pfändungsschutzkontos und legt Widerspruch gegen Mahnbescheide ein.

Die Experten sind mit vielen sozialen Einrichtungen vernetzt und vermitteln, wenn nötig, parallel zur Schuldnerberatung auch Termine bei Familien- oder Suchtberatungsstellen sowie dem Jobcenter und Wohnungsamt. Ziel ist es, die Probleme, die zu den Schulden geführt haben, an der Wurzel zu bekämpfen, und künftiges Verschulden zu vermeiden.

Wege aus der Zahlungsunfähigkeit

Wenn Verbraucher zahlungsunfähig sind, gibt es zwei Möglichkeiten, um sich von den Schulden zu befreien:  
Außergerichtliche Schuldenregulierung: Dafür erarbeitet der Schuldner zusammen mit einem Schuldnerberater einen Schuldenbereinigungsplan. Darin ist festgelegt, welche Forderungen er in welchem Zeitraum bezahlen kann. Gläubiger können im Rahmen eines solchen Plans eine Einmalzahlung oder feste Raten erhalten, wenn sie dafür einen Teil der Schulden erlassen. Diesem Plan müssen alle Gläubiger zustimmen. Meldet sich nur einer der Gläubiger nicht, platzt der Deal. Einigen sich alle Beteiligten, wird der Vergleich schriftlich festgehalten, und der Betroffene ist schuldenfrei, nachdem er den Plan umgesetzt hat.

Privat- oder Verbraucherinsolvenz: Kommen Schuldner und Gläubiger nicht überein, bleibt nur diese Möglichkeit, die Schulden loszuwerden. Dafür müssen sie während der „Wohlverhaltensphase“ (dauert längstens sechs Jahre an) den pfändbaren Anteil ihres Einkommens an einen Treuhänder zahlen und dürfen keine neuen Schulden machen. Allerdings fallen für das Verfahren zusätzliche Kosten an.

Auswahl des Schuldnerberaters

Für die meisten Überschuldeten ist der Gang zu einer gemeinnützigen, kostenfreien Schuldnerberatungsstelle die beste Option. Daneben gibt es zahlreiche kommerzielle Anbieter, weil der Begriff „Schuldnerberater“ in Deutschland nicht gesetzlich geschützt ist. Diese kontaktieren gezielt Schuldner und bieten „Schuldenhilfe“ oder „Finanzsanierung“ an.

Wer sich dort beraten lassen möchte, sollte in jedem Fall den Beratungsvertrag vorab genau prüfen. Schließt der Anbieter darin eine Rechtsberatung aus, sollten Verbraucher die Finger davon lassen. Berater ohne sogenannte Rechtsdienstleistungsbefugnis können keine wirksame Schuldnerberatung leisten. Sie kooperieren zwar häufig mit Anwälten, den Schuldnern entstehen so aber doppelte Kosten – für Dienstleister und Anwalt.

Wichtig ist außerdem, dass der Berater eine Bescheinigung nach der Insolvenzordnung ausstellen kann. Dazu sind beispielsweise Anwälte oder gemeinnützige Beratungsstellen berechtigt. Die Bescheinigung ist eine wichtige Voraussetzung dafür, dass der Schuldner in das Insolvenzverfahren gehen kann. Mit ihr belegt der Betroffene, dass er sich um eine Einigung mit den Gläubigern bemüht hat.

Vor- und Nachteile einer Privatinsolvenz

Die Privatinsolvenz ermöglicht es dem Schuldner, nach einer gewissen Zeit von seinen Rückständen befreit zu werden. Die Schulden werden also gelöscht, obwohl er sie nicht vollständig begleichen konnte. Während des gesamten Verfahrens drohen keine Abgabe einer eidesstattlichen Versicherung, kein Besuch vom Gerichtsvollzieher und keine Konto- oder Gehaltspfändung.

Vorteile

  • Schuldenfreiheit nach einer Wohlverhaltensphase von sechs, fünf oder drei Jahren. Ohne Privatinsolvenz können Gläubiger 30 Jahre aus einem Schuldtitel pfänden.
  • Keine Konto- oder Lohnpfändungen ab Eröffnung der Privatinsolvenz.
  • Keine Besuche vom Gerichtsvollzieher, da Schulden und Vermögen vom Insolvenzverwalter oder Treuhänder verwaltet werden.
  • Existenzminimum ist gesichert. Seit dem 1. Juli 2017 liegt die Pfändungsgrenze bei 1.133,80 Euro, sofern der Schuldner keine Unterhaltsverpflichtungen hat.
  • Chance auf Neustart. Schulden werden gelöscht, ebenso wie Negativeinträge bei der Schufa. Letztere allerdings erst drei Jahre nach Erteilung der Restschuldbefreiung.

Nachteile

  • Es dauert lange, bis Sie die Schulden los sind und aufatmen können.
  • Arbeitgeber weiß Bescheid, da die Lohnbuchhaltung den pfändungsfreien Teil an den Treuhänder überweisen muss.
  • Keine teuren Neuanschaffungen mehr. Ratenkaufverträge und Kreditkarte sind passé.
  • Wohnungswechsel schwierig. Ein Schufa-Eintrag wegen der Privatinsolvenz erschwert die Suche nach einem neuen Vermieter.
  • Vertragswechsel kaum möglich. Schufa-Eintrag verhindert Wechsel des Strom-, Gas- oder Telefonanbieters.
  • Kosten: Durch die Privatinsolvenz fallen Kosten für das Gericht, den Treuhänder und eventuell für einen Schuldnerberater an.
  • Unterhalts- und Steuerschulden bleiben bestehen und müssen seit Juli 2014 trotz Restschuldbefreiung weiter gezahlt werden.

Wie sich Schulden verhindern lassen

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