Wenn der Wasserzähler sich verzählt

Rollensprünge können für Verbraucher teuer werden

Verbraucher | WISO - Wenn der Wasserzähler sich verzählt

Ein sogenannter Rollensprung beim Wasserzähler kann für den Verbraucher teuer werden. Das Problem für die Betroffenen: Ein Rollensprung ist nur schwer nachweisbar.

Beitragslänge:
7 min
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Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 11.07.2017, 00:00

Gemessen an etwa 14 Millionen installierten Wasserzählern in Deutschland handelt es sich mit wenigen hundert bekannten Fällen beim Rollensprung um ein seltenes Phänomen. Doch für diejenigen, deren Wasserzähler sich verzählt, kann ein Rollensprung sehr teuer werden. Denn die Betroffenen sollen dann nicht nur das angeblich verbrauchte Wasser bezahlen, sondern auch die zusätzlich anfallenden Abwasserkosten.

Tritt ein Rollensprung auf, ist eine Reklamation schwierig: Denn der Kunde muss beweisen, dass er das Wasser nicht verbraucht hat. Zwar kann er seinen Wasserzähler überprüfen lassen, doch der Nachweis ist kompliziert und aufwändig. Fachleute bemängeln, dass diese Prüfungen nicht immer so tiefgründig sind, wie sie sein sollten. Und das ist fatal: Denn wird in der Prüfung kein Fehler gefunden, muss der Kunde zahlen!

Was ist ein Rollensprung?

Wasserzähler verfügen über ein sogenanntes Rollenzählwerk, an dem der Verbrauch abgelesen werden kann. Der angezeigte Wert wird dann vom Wasserversorger für seine Abrechnung des Wasserverbrauches zugrunde gelegt. Die einzelnen Zahlenrollen sind so konstruiert, dass sie sich gegenseitig sperren. So kann sich immer nur eine Rolle drehen (Ausnahme: Beim Umschalten einer Dezimalstelle, beispielsweise von 9 auf 10, drehen sich zwei Rollen, beim Umschalten von 99 auf 100, drei Rollen).

Beim Rollensprung handelt es sich um eine unkontrollierte Drehung einer Zahlenrolle, die durch ihre Nachbarrolle mitgezogen wird. Dadurch wird ein zu hoher Wasserverbrauch angezeigt.

Andere Gründe ausschließen

Für einen unerwarteten Mehrverbrauch kann es viele Gründe geben. Bevor ein Rollensprung überhaupt in Betracht gezogen wird, sollten Schäden an der Hauswasserinstallation ausgeschlossen werden, da diese wesentlich häufiger der Grund für einen hohen Wasserverbrauch sind. Defekte Überdruckventile an der Heizanlage, undichte Spülkästen im Gäste-WC oder poröse Rohrleitungen am Gartenwasseranschluss können für den Verlust erheblicher Wassermengen verantwortlich sein. Schon ein Wasserverlust von nur einem halben Liter pro Minute führt zu einer Fehlmenge von fast 22 Kubikmeter im Monat.

Hohe Wasserrechnung – was nun?

Um einen zu hohen Wasserverbrauch schnell zu bemerken, sollte man zunächst seinen Durchschnittsverbrauch der vergangenen Jahre kennen. Gewisse Schwankungen sind normal, etwa weil in einem heißen Sommer der Rasen gesprengt werden musste. Ist der Wert aber doppelt so hoch wie der normale Jahresdurchschnittswert, sollte dem Problem auf den Grund gegangen und der Wasserversorger informiert werden. Hier lohnt im ersten Schritt eine genaue Betrachtung des Wasserzählers: Liegt ein kleines Leck vor, ist das kleine rote, sternförmige Rädchen des Zählers immer in Bewegung. Dieses sollte aber zum Stillstand kommen, sobald kein Wasser im Haus entnommen wird. Wer seine Installation von einem Sanitär-Fachmann kontrollieren lässt, ist hier auf der sicheren Seite.

Wird der Verbrauch vom Kunden angezweifelt, schlagen Wasserversorger in der Regel eine Überprüfung des Zählers im Eichamt vor. Für diese sog. „Befundprüfung“ wird nach Mess- und Eichgebührenverordnung (Stand: 24.03.2015) eine Festgebühr von 81,40 Euro erhoben. Bevor der Zähler allerdings übereilig ausgebaut wird, empfiehlt es sich, eine sogenannte „Plausibilitätsprüfung vor Ort“ durchführen zu lassen. Diese wird zusammen mit der Befundprüfung beantragt. Der Eichbeamte kann sich dabei ein Bild von der Umgebung des Zählers machen und kontrolliert, ob dieser korrekt eingebaut worden ist. Dies kann später die Beweisführung untermauern. Auch der Einfluss der gesamten Sanitärinstallation auf den Wasserzähler kann dabei ermittelt werden. Weil die Kosten hierfür nach Aufwand berechnet werden (und die Eichämter das ganz unterschiedlich handhaben), ist es wichtig, diese vorab im zuständigen Eichamt zu erfragen. Besteht der Zähler die anschließende Befundprüfung im Eichamt, trägt der Kunde nämlich die Kosten für beide Prüfungen. Wird ein Mangel am Zähler festgestellt, zahlt der Wasserversorger.

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