Teuer oder billig: Fischstäbchen

Verbraucher | WISO - Teuer oder billig: Fischstäbchen

Die beliebte Alternative zum Frischfisch: Fischstäbchen. Durchschnittlich essen die Deutschen davon 24 Stück im Jahr. Können die billigen mit den teuren Fischstäbchen mithalten?

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9 min
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Video verfügbar bis 10.01.2017, 00:00

Durchschnittlich essen die Deutschen 24 Stück Fischstäbchen im Jahr. Doch was steckt unter der goldgelben Kruste? Und können die billigen mit den teuren mithalten? Wir haben verglichen.

Mindestens einmal die Woche Fisch, das ist gesund. Sagen zumindest die Ernährungs-Experten. Bei frischem Fisch aber scheiden sich die Geister. Die einen mögen ihn – die anderen nicht. Die beliebte Alternative zum Frischfisch: Fischstäbchen. Durchschnittlich essen die Deutschen davon 24 Stück im Jahr. Teure und billige: 100 Gramm von Marktführer iglo kosten 63 Cent. Markenkonkurrent Frosta ist etwas günstiger: 62 Cent. Die Fischstäbchen von Landur sind noch deutlich teurer. Gekauft im Biosupermarkt für satte 1,16 Euro je 100 Gramm.

In der Discountertruhe gibt es die „Stäbchenfische“ wesentlich günstiger: 33 Cent pro 100 Gramm kosten ESKIMO von Aldi Nord. Gleicher Preis bei netto für Sea Gold und bei Lidl für Ocean Sea. Doch – können die billigen mit den teuren mithalten?

Was steckt unter der Kruste?

Was steckt wohl unter der goldgelben Kruste von Fischstäbchen? Verbraucher meinen Fischabfälle. Doch stimmt das? Am Thünen-Institut in Rostock fragen wir den Fischereibiologen Christian von Dorrien. Sein Fachgebiet: Fischerei und Umwelt. Er kann uns sagen, was tatsächlich in Fischstäbchen steckt: "Fischstäbchen bestehen nicht aus Fischabfall, sondern im Kern von Fischstäbchen ist reines Fischfilet. Der Fisch, der hierzulande in den Fischstäbchen steckt, ist im Wesentlichen Alaska-Seelachs. Das ist ein Fisch, der im Nordpazifik gefangen wird. Dort wird das Filet gleich an Bord verarbeitet und in großen Blöcken tiefgefroren. Und bei der Verarbeitung werden diese tiefgefrorenen Blöcke dann in Fischstäbchenform zersägt."

Nachhaltiger Fischfang

Bei wildgefangenem Alaska-Seelachs besteht die Gefahr der Überfischung. Dadurch nehmen die Fischbestände in den Ozeanen immer weiter ab. Wie aber wird der Fisch in unseren Stäbchen gefangen? Alle sechs Hersteller werben mit dem blauen Siegel des Marine Stewardship Council – kurz: MSC. Der zertifiziert nachhaltigen Fischfang, der Überfischung vermeidet. Das heißt: Die Fischer müssen ihre Fangmengen einschränken, wenn der Bestand in schlechtem Zustand ist.

Klingt gut. Aber - kann man diesem Label trauen? Christian von Dorrien: "Das MSC-Siegel ist das älteste und umfassendste Siegel für Meeresfischprodukte und ist aus unserer Sicht das Beste, was man zurzeit auf dem Markt im Bereich der Nachhaltigkeit finden kann."

Omega-3-Fettsäuren

Alaska-Seelachs lebt in großen Schwärmen im Ozean. Als Kaltwasserfisch frisst er jede Menge Mikroalgen. Und ist deshalb voll von Omega-3 Fettsäuren. Die wiederum sind gesund für den Menschen. Denn sie wirken entzündungshemmend und sind wichtige Zellbausteine. Wir können diese gesunden Fettsäuren allerdings nicht selbst bilden. Wir müssen den Bedarf über die Nahrung decken, sagen Ernährungswissenschaftler.

Prof. Stefan Lorkowski ist Ernährungswissenschaftler der Universität Jena: "Insbesondere bei Kindern sind Omega-3 Fettsäuren wichtig für die Entwicklung, gerade im Bereich der Entwicklung des Gehirns, so dass auch bei Kindern, die unterversorgt sind Konzentrations- und Sprachschwierigkeiten auftreten können. Wir sollten etwa 250 Milligramm bis 500 Milligramm täglich an marinen Omega-3 Fettsäuren zu uns nehmen und da liegen wir weit unter den empfohlenen Mengen." Besonders Kinder brauchen also marine Omega-3-Fettsäuren aus dem Fisch. Iglo wirbt: der Alaska-Seelachs sei eine natürliche Quelle für Omega-3.

Wie viel enthalten die Fischstäbchen?

Wir wollen wissen: wie viel der wertvollen Fettsäuren enthalten die Fischstäbchen in unserem Test? Im Labor von Ernährungswissenschaftler Stefan Lorkowski an der Uni Jena lassen wir die Fettsäuren in den Fischstäbchen analysieren. Lorkowski: "Insbesondere die Produkte von Frosta und iglo haben einen Gehalt von etwa 160 Milligramm pro Portion – das sind etwa vier Fischstäbchen, während andere Produkte wie von der Firma Landur nur etwa 60 Milligramm pro Portion haben. Alle drei Produkte wären aber nicht in der Lage, den Tagesbedarf zu decken, sie können lediglich einen Beitrag zur Versorgung mit Fischfettsäuren leisten."

Das Ergebnis: die meisten marinen Omega-3-Fettsäuren enthalten die beiden Marken-Fischstäbchen iglo und Frosta. Bio lohnt sich hier nicht – denn da ist am wenigsten drin. Die Discounter liegen im Mittelfeld.

Schadstoffe im Fett

Neben guten Fettsäuren können aber auch Schadstoffe im Fett stecken. Und zwar vor allem in der Panade. Die ist nämlich vorfrittiert. In Pflanzenfetten. Darin enthalten: sogenannte 3-MCPD- und Glycidyl-Fettsäureester. Lorkowski: "Diese Verbindungen stehen im Verdacht, krebserregend und organschädigend zu sein. Aus diesem Grund sollten die Zufuhrmengen möglichst niedrig gehalten werden."

Das heißt: so wenig wie möglich! Im Labor lassen wir die Panade auf beide Schadstoffe hin prüfen. Den höchsten Gehalt finden wir in den Fischstäbchen von Aldi Nord.
Für Erwachsene ist der Wert nicht bedenklich. Kinder aber nehmen mit einer Portion von drei Fischstäbchen aus unserer Probe von Aldi Nord schon drei Viertel der maximalen Tagesdosis auf.

Aldi Nord kommt in der eigenen Qualitätsprüfung auf geringere Werte, versichert aber: „Wir stehen diesbezüglich in engem Kontakt mit unseren Lieferanten und haben bereits verschiedene Maßnahmen ergriffen, um den 3-MCPD Wert in unseren vorgebratenen Produkten zu reduzieren.“ Positiv sticht das Markenprodukt von iglo heraus: Hier sind fast keine Schadstoffe drin.

In der Pfanne oder im Backofen zubereiten?

Wegen des Fetts in der Panade sind Fischstäbchen keine kalorienarme Mahlzeit! Vor allem, wenn sie in Öl in der Pfanne gebraten werden. Wie viel Fett man spart, wenn man die Stäbchen im Backofen zubereitet – das haben wir mal getestet. Eine Probe bereiten wir in der Pfanne zu. Und eine im Backofen. Unsere Experten in Jena messen den Fettgehalt. Was ergibt der Vergleich? Lorkowski: "Abhängig von der verwendeten Menge des Fettes beim Braten kann sich der Fettgehalt verdoppeln im Vergleich zum Backofen, wo der Fettgehalt annähernd gleich bleibt." Wer Fischstäbchen aus dem Backofen isst, spart also gegenüber der Bratpfanne jede Menge an Fett.

Unser Fazit: Teuer oder billig – Nachhaltig gefischt werden alle, das erkennt man am MSC-Siegel. Beim Labortest sticht besonders iglo hervor: viel gutes Omega-3, so gut wie keine Schadstoffe. Insgesamt liegen also die Marktführer iglo und Frosta vorn. Teuer lohnt sich also. Zumindest bei den Fischstäbchen in unserem Test.

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