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Schnäppchenjagd am Black Friday

Wie stark fallen die Preise wirklich?

Verbraucher | WISO - Schnäppchenjagd am Black Friday

Er stammt aus den USA und soll auch in Deutschland Verbraucher zum Konsum anregen: der Black Friday. Aber kann man an diesem Tag wirklich Schnäppchen machen? WISO ist der Sache nachgegangen und hat über mehrere Wochen Preise von 3000 Produkten verglichen.

Beitragslänge:
4 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 19.11.2019, 04:00

Um eines gleich vorweg zu nehmen: ja, der Black Friday ist ein sehr starker Verkaufstag im Einzelhandel – sowohl online, als auch im Geschäft. Und nein, an diesem Tag lohnt es sich nicht einzukaufen. Der Black Friday ist ein Werbetag, eine Marketing-Erfindung. Ein Tag, der günstige Preise verspricht, sie aber nicht bietet. Mit anderen Worten: der Kunde soll kaufen und macht das auch – er spart nur nichts. Oder besser gesagt: nicht mehr oder weniger als an jedem anderen Tag des Jahres.

Dass das Rotstift-Spektakel schnell nach hinten losgehen kann, erlebte im vergangenen Jahr Deutschlands größter Elektronikhändler Ceconomy (Media Markt, Saturn). Einerseits war der Black Friday 2017 der umsatzstärkste Tag in der Geschichte des Unternehmens. Andererseits musste Ceconomy dafür einen hohen Preis zahlen. Denn die vorgezogenen Käufe sorgten dafür, dass das Geschäft im Dezember schlechter lief als erwartet und sich neue Geräte in den Filialen und Lagern stapelten. Am Ende machte der Elektronikhändler im Weihnachtsgeschäft deutlich weniger Gewinn als im Vorjahr.

Die WISO Preisanalyse mit mehr als 3.000 Produkten und mehr als 12 Millionen gesammelter Einzelpreise hat ergeben, dass der Black Friday günstige Preise kaum bietet. Ein paar Beispiele:

Beispiel PlayStation 4 Pro Bundle

Das PlayStation 4 Pro Bundle mit Fifa 18 und 14 tägiger PlayStation Plus – Mitgliedschaft etwa zeigte zielgenau zum Black Friday einen starken Preiseinbruch. Gleich mehrere Shops gingen mit dem vorher sehr stabilen Preis in den Angebotsmodus. Eine Preissenkung von 390 auf 333 Euro – zu schön um wahr zu sein. In diesem Fall aber wirklich schön für die Kunden. Zur Wahrheit gehört aber, dass in solchen Fällen die Hersteller den Shops einen sog. Werbekostenzuschuss zahlen. Sprich: das Produkt auf eigene Kosten günstiger machen. Das kurbelt den Konsum an. Außerdem verdienen die Anbieter von Spielekonsolen am meisten an den Spielen, die der Kunde früher oder später nachkaufen wird. Da ist ein Rabatt zum Black Friday und später auch zu Weihnachten durchaus drin.

Beispiel Krups EA8105 Kaffeevollautomat

Die Preisentwicklung beim Krups EA8105 Kaffeevollautomat zeigt, dass das beste Schnäppchen am Black Friday schon gelaufen ist. Am 18.10. – also rund einen Monat zuvor - gab es die Maschine schon für 228 Euro. Danach steigt der Preis beim bis dahin günstigsten Anbieter „Check24“ Stück für Stück weiter. Genau 2 Tage vor dem Aktionstag sinkt der Preis leicht. Wer also zu diesem Zeitpunkt in die Preisanalyse einsteigt, musste zwangsläufig annehmen: die Kaffeemaschine ist für den Black Friday günstiger geworden.

Ein Trick, der einen Rabatt um rund 10 Prozent vorgaukelt. Zum Weihnachtsgeschäft wird die Maschine dann tatsächlich wieder günstiger. Den absoluten Tiefpreis aus dem Oktober aber bekommt der Kunde nie wieder.

Beispiel Smeg TSF01REU Toaster

Eine noch deutliche Entwicklung gegen den Black Friday hat der Smeg TSF01REU Toaster genommen. Das Design-Küchengerät war bis 2 Tage vor dem Black Friday bei „Idealo.de“ für 87 Euro zu finden. Zum Black Friday aber zieht der Preis bei den bis dahin günstigsten Anbietern an. Teilweise deutlich um knapp 20 Euro. Also satte 20 Prozent Aufschlag. Der so beworbene Schnäppchentag sollte also bei diesem stark nachgefragten Toaster den Umsatz ankurbeln, nicht den Kunden glücklich machen.

Trotzdem gab es natürlich günstige Angebote. Sie waren nur nicht so leicht zu finden. Oder – davon gehen jedenfalls die WISO-Einzelhandelsexperten aus – Angebote wurden extra für den Black Friday zusammengestellt.

Beispiel Apple iPad Wifi

Das Apple iPad Wifi mit 128Gb war zum Black Friday 2017 ein stark nachgefragtes Gerät. Die große Anzahl an Händlern, die das Tablet verkauften, zeigt das. In der Zeit vor dem Black Friday bleiben die Preise relativ stabil. Vor dem Black Friday versuchen einige Shops auszuloten wie die Mitbewerber auf Preissenkungen reagieren. Allerdings ziehen die Preise zum eigentlichen Verkaufstag wieder an. Kurz nach dem Black Friday aber, so als wollten die Shops ihre Kunden ärgern, gibt es die wirklich guten Angebote: das iPad sinkt im Preis auf 433 Euro – 2 Tage nach dem Black Friday. So günstig wird das Tablet auch nicht wieder im Weihnachtsgeschäft. Wer also auf die Werbung zum Black Friday vertraut hat, hat mehr bezahlt.

Die Preisanalyse dieses Tablets hat übrigens einen Betrüger überführt: die „KKG-Technik“ war deshalb so günstig, da von dort nie geliefert wurde. Der Fake-Shop soll seine Kunden um sechs Millionen Euro geprellt haben.

Beispiel Samsung S8

Mehr die Konkurrenz als die Gewinnspanne hatte sicher auch Samsung im Sinn. Das S8 gab es in der Woche zum Black Friday für 499 Euro bei Amazon. Mehr als 30 Euro günstiger als bei der Konkurrenz. Auch hier steckt wohl ein Zuschuss des Händlers dahinter. Denn so günstig wie zum Black Friday wurde das Smartphone erst wieder Mitte Februar. Zu der Zeit allerdings kam das Nachfolgemodell auf den Markt. Das drückt den Preis des - dann nicht mehr - Topmodels ohnehin nach unten. Auch hier konnte der Kunde ein gutes Angebot finden, aber nur für kurze Zeit und nur bei einem Anbieter. Am Black Friday selber war der Preis allerdings schon wieder gestiegen. Wer nämlich bis zum eigentlichen Aktionstag wartete, zahlte rund 40 Euro mehr – Amazon hatte zu der Zeit nämlich keine Geräte mehr im Angebot.

Fazit: Schnäppchen finden ist Glückssache

Schnäppchen am Black Friday zu finden ist Glückssache. Wie eigentlich immer. Das belegt eindeutig der Blick auf die Gesamtzusammenfassung der mehr als 12 Millionen Preise. Eine Messung von September 2017 bis in den Juni 2018 hinein.

Das Ergebnis liest sich so: der Black Friday ist die Null-Linie – also genau die Mitte der Grafik. Die Zahlen nach links geben die Produkte wieder, die vor dem Black Friday günstiger (Minus-Prozente), gleich teuer (0-Prozent) oder teurer waren (Plus-Prozente).

Interessant ist der Blick nach rechts, also auf die Zeit nach dem Black Friday: welche Produkte waren danach teurer (nach oben schauen) oder günstiger (nach unten). Sprich: War das Angebot am Black Friday gut oder nicht.

Preisänderungen am Black Friday
Verteilungen von Preisabweichungen gegenüber Blackfriday-Woche vom 20. bis 24. Nov. 2017
Quelle: preishoheit.de

Der Blick auf die Zeit nach dem Tag zeigt: 2.086 von den 3.068 Produkten sind im Preis gleich geblieben. Der Black Friday hatte also auf 2/3 (67,9 Prozent) aller untersuchten Produkte gar keinen Einfluss. 

446 Produkte (14,5 Prozent) wurden 10 Prozent teurer, was einer normalen Preisschwankung beim Online-Kauf entspricht. Man könnte also zusammenfassen: 82,4 Prozent aller Produkte wurden gar nicht oder sogar 10 Prozent teurer - waren also am Black Friday keine "Schnäppchen".

Rabatte von 20 Prozent gab es am Black Friday nur bei 3,7 Prozent der beobachteten Produkte, Rabatte von 30 Prozent sogar nur bei 1,9 Prozent der 3068 beobachten Produkte – also bei knapp 60 Artikeln. Echte Schnäppchen von 40 Prozent und mehr gab es gerade mal bei 15 Produkten – das sind weniger als 1 Prozent.

Mehr Produkte im Überblick

Und hier können Sie Preisanalyst spielen. Klicken Sie sich durch eine Auswahl aller beobachteten Produkte und schauen Sie sich die Preisentwicklung aus den unterschiedlichsten Kategorien an. Nutzen Sie das Pull-Down-Menü, um die einzelnen Produkte anwählen zu können.

Vielleicht lässt sich etwas daraus ableiten, dass Ihnen beim nächsten Einkauf etwas Geld spart.

Mit Material von dpa

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