Das Smartphone im Auto

Schnittstellen von Apple, Google und Co.

Verbraucher | WISO - Das Smartphone im Auto

Mit speziellen Schnittstellen für die Autoradios soll das Smartphone Teil des Autos werden. Damit lässt sich richtig Geld sparen. WISO hat ausprobiert, wie das funktioniert.

Beitragslänge:
4 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 21.02.2017, 00:00

Der Mobile World Congress in Barcelona zeigt es Jahr für Jahr: Das Smartphone ist für viele das wichtigste technische Gerät – mobiles Büro, Unterhaltungszentrale, Kamera, Routenplaner und vieles mehr. Nur im Auto fristet es ein Schattendasein. Während der Fahrt ist das Anfassen ja eigentlich sogar verboten. Das ändert sich: Mit speziellen Schnittstellen für die Autoradios soll das Smartphone Teil des Autos werden. Damit lässt sich richtig Geld sparen. WISO hat ausprobiert, wie das funktioniert.

Auch große Autohersteller lassen sich auf der Handymesse in Barcelona blicken, auf der die Smartphones und Tablets ja sonst den Ton angeben. Einer etwa stellt sogar ein neues Automodell in der katalanischen Metropole vor. Die beiden Branchen bauen offenbar Barrieren ab. Und so ist es kein Wunder, dass das Smartphone auch im Auto künftig das Herzstück werden soll für Navigation, Information und Unterhaltung.

Multimedia-Einheiten mit Navi und Internet

Schnittstelle Smartphone und Auto
Das Smartphone soll Teil des Autoradios werden.

Bislang setzten alle Autohersteller auf eigene Lösungen, die mal besser, mal schlechter funktionierten, oft an der komplizierten Bedienung scheiterten und vor allem teuer waren. Mehrere tausend Euro extra kosten Multimedia-Einheiten mit Navi und Internet in der automobilen Mittel- und Oberklasse bis heute. Manch ein Hersteller sperrt sich nach wie vor gegen die neuen Schnittstellen. Es sind vor allem die Massenhersteller, die auch Kleinwagen per Carplay oder Android Auto mit dem Smartphone verbinden wollen. Aber wie unsere Umfrage unter den großen Autoherstellern zeigt, unterstützen nahezu alle namhaften Hersteller bereits die Technik oder planen die Einführung. Axel Kossel vom Computermagazin c’t hat konkret beobachtet: „Seit Herbst 2015 kommen immer mehr Modelle mit CarPlay und Android Auto auf den Markt“.

Aber wie gut klappt das? Welche Apps gibt es? Welche Vorteile bringt das dem Fahrer, welche Daten bekomme ich angezeigt? Welche Informationen fließen an die Hersteller? Das haben wir schon in Deutschland ausprobiert. Bisher ist es ja so: Wenn man das Smartphone mit dem Autoradio verbindet – per Kabel oder Bluetooth-Funk - kann man über die Autolautsprecher Musikhören und Telefonieren – das war’s dann auch schon – mehr nicht.

Smartphone wird Teil des Autoradios

Bei vielen neuen Automodellen ändert sich das jetzt. Das Smartphone soll praktisch Teil des Autoradios werden. Der Vorteil: Das Smartphone beherrscht ja viele Dinge, die im Auto wichtig sind und die man dann nicht mehr extra dazukaufen muss: Es spielt Musik ab, ist Telefon und Navigationsgerät mit aktuellen Infos aus dem Netz.

Hinter der Technik stecken Apple mit CarPlay und Google mit Android Auto, ein weiteres System heißt Mirrorlink – ein Zusammenschluss von Autoherstellern und Technikunternehmen - die Idee ist bei allen drei die gleiche: Das Smartphone ist die Schaltstelle für Multimedia im Auto. Die meisten Autohersteller bieten Radios, die die neue Technik unterstützen. WISO hat die größten Autohersteller gefragt, welche Modelle mit den Schnittstellen ausgerüstet werden. Hier die Antworten. (Keine Antworten erhielten wir von Porsche, Toyota).

Und so funktioniert‘s

Android Auto
Android Auto

Sobald ich das Smartphone anschließe, geht das Display des Smartphones aus, „CarPlay“ oder „Android Auto“ erscheint und auf dem Bildschirm des Radios werden die Symbole für die Apps angezeigt, die sich im Auto nutzen lassen. Bei „Android Auto“ werden die wichtigsten Informationen übers Wetter, die Route, Termine und etwaige Anrufe oder Nachrichten angezeigt. Unter den Apps finden sich längst nicht alle, Facebook oder Twitter zum Beispiel fehlen. Bis jetzt laufen nur ein paar Dutzend Programme im Fahrzeugmodus – bei rund einer Million Apps insgesamt ist das ziemlich wenig.

Bislang wenige Apps

Immerhin: Die Unterhaltung ist gesichert. Musikstreaming mit Spotify oder Internetradio funktioniert. Und auch Navigation ist möglich, aber nur über die Navi-Lösungen, die auf dem Smartphone vorinstalliert sind: Apple Karten bei CarPlay und Google Maps bei Android. Anbieter wie TomTom oder Navigon sind nicht dabei. Bizarr auch: Apple lässt bei seinem CarPlay-System das beliebte Google Maps nicht auf das Display, im Auto müsste man Apple Karten nutzen.

Das Urteil des Experten Axel Kossel ist denn auch eher kritisch: „Es kommen zwar allmählich mehr Apps dazu, doch leider fehlt die thematische Vielfalt“, sagt er: „Die meisten Apps machen Audio-Streaming“. Vor allem eine leistungsfähige Onboard-Navigation, bei der die Karten auf dem Smartphone gespeichert sind und auch zum Beispiel im Ausland verfügbar sind, fehle.

Totale Abhängigkeit vom Internetempfang

Bedienung funktioniert per Touch oder per Spracheingabe
Bedienung per Spracheingabe

Die Bedienung funktioniert per Touch oder per Spracheingabe. Der Vorteil: Man muss nicht mehr aufwendig tippen, und die Spracheingabe funktioniert sehr gut – vorausgesetzt, man hat Internetempfang. Denn das klappt nur mit Verbindung ins Netz. SMS oder Mails liest das Autoradio auf Wunsch vor. Im Funkloch geht auch das nicht. Das ist einer der großen Nachteile der Technik: Totale Abhängigkeit vom Internetempfang. Ohne Netz funktionieren Navigation und Sprachsteuerung nicht.

Ein Tipp: Das Smartphone lädt während der Fahrt viele Daten aus dem Netz, deshalb buchen Sie für die neue Technik besser einen Pauschalvertrag für unbegrenztes Internetsurfen – wenn Sie den noch nicht haben. Sonst wird’s teuer!

Bewegungsdaten und Surfverhalten hinterlassen Spuren

Alle Bewegungsdaten wie auch Informationen über Ihr Surfverhalten landen beim Anbieter, also etwa bei Google oder Apple. Teilweise greifen auch die Autohersteller die Daten ab. Und was ist mit Viren aus dem Internet? Können die über das Smartphone das ganze Auto lahmlegen? Nein, sagen die Hersteller, das Bordnetz sei extra geschützt.

Der große Vorteil: Wer auf die neue Technik setzt, kann sich in Zukunft die teure festeingebaute Multimedia-Einheit mit Navi im Auto für mehrere tausend Euro sparen und hat immer aktuelle Software, weil die frisch aus dem Netz kommt. Die Kosten: Spezielle Autoradios mit großem Bildschirm, die sich mit dem Smartphone verbinden, kosten ab 300 Euro Aufpreis gegenüber dem Standardradio. Dazu braucht es ein modernes Smartphone.

Dabei müssen Sie folgendes beachten: CarPlay von Apple verbindet sich nur mit iPhones. Googles Android Auto funktioniert nur mit modernen Android-Smartphones – mit Android 5.0, Version Lollipop oder Marshmallow - und das dritte System Mirrorlink arbeitet nur mit einigen Smartphones bestimmter Hersteller zusammen. Bei unserer Recherche haben wir von den bekannteren Herstellern einzelne Modelle von HTC, LG, Samsung und Sony gefunden.

Smartphone erobert das Auto

Das Smartphone wird schon nach kurzer Zeit ein ganz selbstverständlicher Teil des Autos. Die Bedienung funktioniert intuitiv, die Funktionen lassen sich leicht ansteuern und arbeiten stabil, solange der Internetempfang stabil ist. Das gilt insbesondere für Navigation und Sprachsteuerung. Bei den Apps haben wir eine ganze Menge vermisst, da muss sich was tun. Weiterer großer Wermutstropfen: Das Auto wird zum rollenden Datenlieferanten - solange wir online sind, geht das lückenlos. Das ist der Preis für vermeintlich kostenlose Dienste. Aber langfristig führt kein Weg an dieser Technik vorbei, das Smartphone erobert das Auto.

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