Smartphone-Diät

Weniger online und trotzdem glücklich

Verbraucher | WISO - Smartphone-Diät

Mit dem Smartphone kommen wir schnell und bequem an Informationen. Sind immer erreichbar. Mehr Online-Pausen würden uns allerdings gut tun – was sind die Wege zu weniger Smartphone Nutzung?

Beitragslänge:
7 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 17.01.2017, 00:00

Musik hören, Fotos machen, Nachrichten lesen wann und wo man will: So ein Smartphone ist ganz schön praktisch und für viele ein allgegenwärtiger Begleiter. Manch einer kann das Gerät aber gar nicht mehr weglegen – und lässt sich ständig ablenken.

Schon der erste Griff des Tages geht für viele zum Smartphone: erst den Wecker ausstellen, dann kurz die Nachrichten checken. 45 Millionen Deutsche nutzen mittlerweile ein Smartphone – Tendenz steigend. Doch woran merken wir, dass wir zu sehr am Smartphone hängen? Dass nicht wir das Smartphone nutzen, sondern dass es uns regelrecht beherrscht?

Bert te Wildt, Psychotherapeut an der Uniklinik Bochum, beschäftigt sich seit Jahren mit Internet- und Computersucht. Früher wurde Internetabhängigkeit vor allem bei Männern diagnostiziert, die wegen Onlinespielsucht oder einer Sucht nach Cybersex behandelt wurden, berichtet der Experte. Mittlerweile habe sich die digitale Welt so sehr verändert, dass eine Abhängigkeit von sozialen Netzwerken oder Smartphones ein immer größeres Thema sei: „Zu uns kommen zunehmend junge Frauen, die an einer Abhängigkeit von sozialen Netzwerken leiden.“

Kein Problembewusstsein

Ob jemand abhängig ist, lässt sich nicht alleine daran festmachen, wie lange man sein Smartphone jeden Tag nutzt. „Entscheidend ist: Gibt es einen Leidensdruck, ist ein Lebensbereich von meinem Verhalten beeinträchtigt?“, beschriebt te Wildt den Kernpunkt. Ein Anzeichen sei zum Beispiel, wenn Freundschaften oder die Beziehung wegen der Smartphone-Nutzung leiden. Problematisch wird es auch, wenn man sich nicht mehr auf die Arbeit oder das Studium konzentrieren kann. Manche Patienten haben auch körperliche Beschwerden, zum Beispiel eine Sehnenscheidenentzündung vom vielen Tippen.

Wie bei den meisten Suchterkrankungen erkennen auch bei Online- oder Smartphone-Sucht die Angehörigen das Problem oft vor dem Betroffenen. „Erkrankte lassen sich meist nur behandeln, wenn Druck aufgebaut wird. Wenn Menschen dann zu uns kommen, geht es im Erstkontakt darum, ein Problembewusstsein aufzubauen“, so te Wildt.

Nicht mehr bei der Sache

Die ständige Ablenkung durch das Smartphone führt dazu, dass man sich schlechter konzentrieren kann. „Wer immer wieder in andere Sphären abtaucht, um die es gerade eigentlich nicht geht, könnte auf Dauer verlernen, sich längere Zeit auf eine Sache zu konzentrieren“, erläutert der Psychotherapeut. Besonders problematisch könne es werden, wenn Kinder und Jugendliche durch die Smartphone-Nutzung gar nicht mehr lernen, sich längere Zeit auf eine Sache zu konzentrieren. Bestenfalls sollte jeder gesunde Mensch sein Nutzungsverhalten steuern können. Te Wildt rät zu einer Bestandsaufnahme: Wie viel Zeit verbringe ich mit meinem Smartphone? Was möchte ich wirklich machen? Häufig stellt man dann fest, dass man eigentlich doch lieber Sport gemacht oder Freunde getroffen hätte, als sich von Facebook und Co. vereinnahmen zu lassen.

Es klingt fast paradox, kann aber hilfreich sein: Bei einer besseren Kontrolle der eigenen Smartphone-Nutzung können Apps – wie "Menthal" oder "Offtime" – helfen. „Durch die Programme kann man sich bewusster machen, wie häufig man sein Smartphone benutzt. Und man kann Voreinstellungen wählen, um die Nutzung einzuschränken“, erklärt te Wildt. Auch bei Kindern und Jugendlichen sei es sinnvoll, mit Programmen zu arbeiten, die Zeitkontingente begrenzen. Eine App oder ein Gerät kann dann nur für eine gewisse Zeit genutzt werden.

Kinder und Smartphones

Mädchen telefoniert mit einem Smartphone
Smartphones für Kinder? Nicht ohne Sicherung! Quelle: imago

Ab welchem Alter Kinder Smartphones nutzen sollten, dazu gibt es bislang keine wissenschaftlichen Untersuchungen. Allerdings: „Erst ab einem Alter von acht Jahren können Kinder virtuelle und reale Welt unterscheiden. Einem jüngeren Kind ein Smartphone zu geben, halte ich für sehr problematisch“, mahnt te Wildt. Danach sei es Ermessenssache. Ein Filter oder eine Kindersicherung sind empfehlenswert. „Wenn ein Zehnjähriger absolut frei ist in seiner Smartphone- oder Internetnutzung, sich also alles angucken und nutzen kann, dann ist das absolut fahrlässig. Kinder und Jugendliche müssen peu à peu an die virtuelle Welt herangeführt werden“, so seine Einschätzung. Ist es den Eltern wichtig, dass ein Kind erreichbar ist, zum Beispiel wegen einer Erkrankung oder eines langen Schulwegs, tut es auch ein normales Handy.

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