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Sportwetten außer Kontrolle

Die schönste Nebensache als Sucht

Verbraucher | WISO - Sportwetten außer Kontrolle

Wer auf Saudi-Arabien als Weltmeister wettet, kann damit viel Geld verdienen - für 100 Euro gibt es bis zu 150.000 Euro. Allerdings: so reizvoll das ist, so gefährlich sind diese Sportwetten auch - wenn man davon nicht mehr loskommt.

Beitragslänge:
4 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 11.06.2019, 19:25

100.000 Euro Verlust: Die Sucht nach Sportwetten und Glücksspiel kostet einen jungen Mann fast die Existenz. „Man kann einfach nicht aufhören“, erzählt er und kritisiert den fehlenden Spielerschutz. Das Problem: Es gibt in Deutschland keine eindeutigen Regeln für Sportwetten. Jetzt will Kanzlerin Merkel mit den Ländern über den Glücksspielstaatsvertrag sprechen.

Am Ende kann Felix (Name geändert) nicht mehr schlafen. Er zockt Tag und Nacht, am PC und auf dem Handy setzt er die nächste Sportwette. „Fußball, Tennis, Hockey - die Sportart ist irgendwann völlig egal. Man will einfach nur das verlorene Geld wieder bekommen“, erzählt der 29-Jährige. Er ist süchtig nach Sportwetten. Und damit kein Einzelfall. Rund 300.000 Menschen in Deutschland zeigen bei Sportwetten ein auffälliges oder sogar pathologisches Spielverhalten, so die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.

Regulierungschaos statt Spielerschutz

„Wir brauchen endlich vernünftige Regeln zum Spielerschutz“, fordert Ilona Füchtenschnieder vom Fachverband Glücksspielsucht. „Ich sage es mal ganz drastisch: Wir haben das Gefühl, dass man die Bevölkerung den Glücksspielunternehmen quasi zum Fraß vorwirft.“

In Deutschland gibt es keine eindeutigen Regeln für Sportwetten. Theoretisch stehen sie im Glücksspielstaatsvertrag. Doch ob der gilt, ist unter Juristen umstritten. Zuständig für eine Neuregelung sind die Bundesländer, allerdings können die sich seit Jahren nicht einigen, die Anbieter werden geduldet. „Im Ergebnis haben wir einen unregulierten Sportwettbereich, insbesondere Online, wo die Anbieter sich mehr oder weniger frei von staatlichen Restriktionen bewegen können“, erklärt der Jurist Jörg Ennuschat von der Ruhr-Universität in Bochum.

Tausend Euro pro Monat – zu viel oder zu wenig?

Auf der Strecke bleibt dabei der Spielerschutz, kritisieren Betroffene und Beratungsstellen. Besonders umstritten ist die monatliche Einsatzgrenze von Tausend Euro. Sie steht im aktuellen Glücksspielstaatsvertrag. Doch die Anbieter halten sich nicht daran, berufen sich auf ihre gültigen Lizenzen aus Malta oder anderen EU-Staaten. „Im Januar habe ich einmal 7.000 Euro und im Februar nochmal 13.000 Euro verspielt“, erzählt Felix. „Das ist doch keine Prävention“, kritisiert Ilona Füchtenschnieder vom Fachverband Glücksspielsucht. Sie findet die Grenze viel zu hoch: „1.000 Euro oder mehr pro Monat zu verspielen - seien wir mal ehrlich, wer kann sich das leisten.“

Den Anbietern hingegen ist die Grenze viel zu niedrig. Ihr Argument: Das starre 1.000-Euro-Einsatzlimit unterscheide nicht nach den unterschiedlichen finanziellen Verhältnissen der Kunden. In einer schriftlichen Stellungnahme an das ZDF argumentiert der Deutsche Sportwettenverband: „Spieler, die nicht bereit sind, das starre Einsatzlimit zu akzeptieren, werden in den Schwarzmarkt abwandern, der im digitalen Zeitalter stets nur einen Mausklick entfernt ist. Damit konterkariert der Glücksspielstaatsvertrag sein eigenes Kanalisierungsziel.“

„Für den Spielerschutz wird nichts getan!“

Felix beobachtet die öffentliche Diskussion kritisch. „Was den Spielerschutz betrifft, wird überhaupt nichts getan“, sagt er. „Sie können so viel einsetzen wie Sie möchten. Und ruckzuck ist man in einer Schuldenfalle.“ Erst als er seine Verluste zusammen rechnet, wird Felix klar: So kann es nicht weitergehen. 100.000 Euro hat er in acht Jahren verzockt. Er erzählt seinem besten Freund von der Spielsucht, teilt seine Erfahrungen im anonymen Forum des Fachverbandes Glücksspielsucht (Link) und geht zu einer Beratungsstelle der Caritas. Inzwischen hat er sich bei verschiedenen Anbietern sperren lassen. Und hofft auf eine politische Neuregelung.

Zumindest gibt es Hoffnung auf einen neuen Anlauf. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat Vertreter der Bundesländer ins Kanzleramt geladen. Auf der Agenda: Der Glücksspielstaatsvertrag.

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