Haushaltsnahe Dienstleistungen

Wie Sie Kosten vom Finanzamt zurückholen und Steuern sparen

Verbraucher | WISO - Haushaltsnahe Dienstleistungen

Putzen, Gartenarbeiten, Winterdienst oder Pflege - manche Arbeiten werden als haushaltsnahe Dienstleistungen vom Fiskus anerkannt. Wie sich diese Kosten vom Finanzamt zurückholen lassen, erklärt der WISO-Tipp.

Beitragslänge:
5 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 10.04.2018, 19:25

Haushaltsnahe Dienstleistungen lohnen sich vor allem deshalb, weil Sie die Kosten dafür direkt von der Steuer absetzen können. Sie senken dadurch nicht Ihr zu versteuerndes Einkommen und Ihren persönlichen Grenzsteuersatz, sondern direkt Ihre Steuerschuld. Wenn Sie bestimmte Punkte beachten können Sie sich inklusive Handwerkerkosten bis zu 5.710 Euro jährlich vom Finanzamt zurückholen.

Was haushaltsnah bedeutet

Die Arbeiten müssen grundsätzlich in Ihrer Wohnung oder Ihrem Haus oder auf dem dazugehörenden Grundstück erledigt werden. Um steuerlich absetzbar zu sein, muss es sich zudem um eine reine Dienstleistung handeln, die ansonsten Mitglieder Ihres Haushalts übernehmen würden. Sie können einen selbstständigen Dienstleister oder eine Firma beauftragen. Wichtig ist, dass die Tätigkeit legal und nicht in Schwarzarbeit ausgeübt wird.

Welche Dienstleistungen absetzbar sind

Zu den haushaltsnahen Dienstleistungen zählen die Reinigung der Wohnung, des Teppichs oder der Fenster, Gehwegreinigung oder Winterdienst - auch auf öffentlichen Bürgersteigen. Außerdem Hausmeisterleistungen, Gartenarbeiten innerhalb des Grundstücks, Pflegedienstleistungen im Haus oder im Heim. Auch die Versorgung und Betreuung von Kindern zu Hause und Haustieren in der eigenen Wohnung ist absetzbar.

Welche Ersparnis maximal drin ist

Pro Jahr können Sie bis zu 20.000 Euro an Lohn-, Fahrt- oder Maschinenkosten geltend machen. 20 Prozent davon mindern Ihre Steuerschuld. Macht also eine Ersparnis von bis zu 4.000 Euro. Dazu kommen noch 510 Euro für Minijobber auf 450-Euro-Basis, die zu Hause für Sie tätig sind. An Handwerkerkosten werden 1.200 Euro pro Jahr anerkannt. Macht insgesamt eine mögliche Steuerersparnis von 5.710 Euro.

Damit die Ausgaben für Minijobber steuerlich anerkannt werden, müssen Sie am so genannten Haushalts­scheckverfahren der Minijob-Zentrale teilnehmen. Wer sich privat eine Hilfe holt und dort anmeldet, darf sie sogar bar bezahlen. Für Wohnungseigentümer-Gemeinschaften oder Hilfen in Gewerberäumen kommt das Haushaltsscheckverfahren nicht infrage.

Rechnung per Überweisung zahlen

Die Steuervergünstigung gewährt der Staat vor allem, um der Schwarzarbeit Einhalt zu gebieten. Deshalb benötigen Sie eine Rechnung und müssen den Betrag immer überweisen, damit das Finanzamt die Kosten akzeptiert. Barzahlungen werden nicht anerkannt. Heben Sie deshalb nicht nur die Rechnung mindestens zwei Jahre auf, sondern auch eine Kopie Ihres Kontoauszugs, der die Zahlung belegt.

Wichtig ist außerdem, dass die Rechnung folgende Daten enthält: Erbringer der Dienstleistung (mit Name, Anschrift und Steuernummer) sowie Empfänger. Außerdem die Art der Leistung und den Inhalt, den Zeitpunkt der Leistungserstellung und das Entgelt. Das ist aufzuschlüsseln in abziehbare Lohn- und Fahrtkosten und Materialkosten. Sollte aus Ihrer Rechnung nicht klar hervor gehen, was Sie wofür zahlen, verlangen Sie eine neue Rechnung.

Welche Kosten absetzbar sind

Ansetzen können Sie vor allem die Lohnkosten für haushaltsnahe Dienstleistungen. Aber auch die Fahrtkosten Ihres Dienstleisters sowie die Kosten für die Nutzung von Maschinen wie Staubsaugern oder Gartengeräten verringert Ihre Steuerlast. Dazu zählt auch Verbrauchsmaterial wie Spül - oder Reinigungsmittel sowie das Streugut des Winterdienstes. Fallen zusätzliche Kosten an wie beispielsweise Grünschnitt beim Beschneiden der Hecke können Sie auch die Entsorgung steuerlich absetzen.

Vereinbaren Sie vor Arbeitsbeginn mit dem Dienstleister – am besten schriftlich, auch per E-Mail –, dass er die Materialkosten getrennt ausweist, und dass Sie den Betrag nicht bar, sondern per Überweisung begleichen.

Wann Leistungen von Familienmitglieder absetzbar sind

Leistungen, die Ehepartner füreinander oder unterhaltsberechtigte Kinder für Ihre Eltern erbringen, können grundsätzlich nicht in einem Vertrag geregelt werden, den das Finanzamt anerkennt. Wenn Sie Ihrem Sohn oder Ihrer Tochter monatlich 20 Euro für die Hilfe beim Rasenmähen zahlen, können Sie die Summe möglicherweise trotzdem absetzen. Das geht aber nur, wenn Ihre Angehörigen nicht in Ihrem Haushalt leben. Zudem muss der Vertrag zivilrechtlich korrekt zustande gekommen und so ausgestaltet sein, wie Sie ihn auch mit Fremden schließen würden - und schließlich muss die vereinbarte Leistung auch tatsächlich erbracht werden.

Wer Dienstleistungen absetzen kann

Haushaltsnahe Dienstleistungen können Sie als Eigentümer, Mieter oder Teil einer Wohnungseigentümer-Gemeinschaft steuerlich absetzen. Darunter fallen Ausgaben für Gartenarbeiten, den Hausmeister, den Putzdienst oder den Winterdienst. Die kompletten Schornsteinfegerkosten lassen sich dagegen als Handwerkerkosten absetzen. Sie können die Kosten anteilig in der Steuererklärung geltend machen, wenn sie in Ihrer Jahresrechnung detailliert aufgeführt und Ihnen klar zuzuordnen sind. Lassen Sie sich notfalls von Ihrem Vermieter eine entsprechende Bescheinigung ausstellen.

Alleinstehende Steuerpflichtige, die zusammen in einem Haushalt wohnen, können den Steuerabzug für haushaltsnahe Dienstleistungen insgesamt nur einmal in Anspruch nehmen. Deshalb müssen Sie den Namen Ihres Partners sowie sein Geburtsdatum in der Einkommensteuererklärung angeben. Achten Sie darauf, dass beide Partner die Aufträge an Dienstleister vergeben und auch die Rechnungen begleichen. So können Sie die Steuervergünstigung vollständig ausschöpfen.

Was für Zweitwohnungen gilt

Für den Fall, dass Sie eine Zweitwohnung im EU-Ausland haben, erstattet Ihnen das Finanzamt auch einen Teil dieser Kosten. Zum Beispiel den Hausmeisterdienst, den Sie mit der Pflege der Immobilie beauftragen. Das gilt für alle Ferien- oder Zweitwohnungen, sofern sie innerhalb der 28 EU-Staaten sowie Liechtenstein, Norwegen oder Island als Mitglieder im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) liegen. Allerdings gilt auch hier: Sie müssen die Immobilie selbst nutzen. Haben Sie sie vermietet, können Sie die Kosten als Werbungskosten ansetzen.

Wie oft Sie etwas geltend machen können

Was Sie schon als Sonderausgaben oder außergewöhnliche Belastungen geltend gemacht haben, können Sie nicht noch einmal als haushaltsnahe Dienstleistung ansetzen. Dennoch ergeben sich Spielräume bei einigen Tätigkeiten, für die Sie wahlweise auch Vergünstigungen für Handwerkerarbeiten nutzen können. Prüfen Sie genau, was Sie wo geltend machen, um Ihren Steuerabzug vollständig zu nutzen.

Welche Handwerkerkosten absetzbar sind

Haushaltsnahe Dienstleistungen überschneiden sich teilweise mit den Arbeiten von Handwerkern, die Sie mit Arbeiten in Ihrer Wohnung oder Ihrem Haus beauftragen. Diese können Sie ebenfalls steuerlich geltend machen. Sie haben Anspruch auf beide Vergünstigungen. Einen Posten mehrfach anzusetzen, ist allerdings nicht möglich.

Handwerkerarbeiten, zu denen übrigens auch Wartungsarbeiten zählen, werden bis maximal 1.200 Euro pro Jahr angerechnet. Das entspricht 20 Prozent von 6.000 Euro Gesamtausgaben für Lohn-, Fahrt- und Maschinenkosten. WISO-Tipp: Bauherren können sich die Steuervorteile für Handwerker sichern, wenn sie so früh wie möglich in ihr neues Heim umziehen. Das Amt spielt nur mit, wenn das Haus vor dem Umzug schon so weit fertiggestellt ist, dass Türen, Fenster, Treppen, Geländer, Innenputz, Estrich, Heizung und Bad vorhanden, Strom und Wasser angeschlossen sind.

Sie sollten am besten, bevor Sie den Auftrag vergeben, mit dem Handwerker schriftlich eine Aufteilung der Material-, Lohn- und Fahrtkosten vereinbaren. Selbst im Nachhinein können Sie den Handwerker auffordern, die Kosten aufzuteilen oder nachträglich zu erläutern.

Wenn es Probleme gibt

Sehr penibel schauen die Beamten hin, ob Arbeiten tatsächlich im Haushalt durchgeführt wurden. Wird beispielsweise ein Teppich abgeholt und extern in einer Wäscherei gereinigt, gibt es keinen Abzug. Gleiches gilt für den Service „Essen auf Rädern“. Für den Fall, dass das Finanzamt Kosten ablehnt, sollten Sie innerhalb eines Monats Einspruch einlegen. Das ist zwar keine Garantie, aber der Versuch kann sich lohnen. Wenn Sie bei Ihrem Einspruch bleiben, muss ein Spezialist den Fall prüfen. Nach der endgültigen Entscheidung müssen Sie abwägen, ob Sie klagen wollen oder den Einspruch zurücknehmen

Urteile zu haushaltsnahen Dienstleistungen

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