Taschentücher: Teuer oder billig

Verbraucher | WISO - Taschentücher: Teuer oder billig

Wir wollten wissen, welche Taschentücher besonders gut sind und machen den Markencheck: teuer gegen billig. Welches Taschentuch wird überzeugen?

Beitragslänge:
9 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 31.01.2017, 00:00

Taschentücher haben zurzeit viele auf dem Einkaufszettel. Wir wollten wissen, welche Taschentücher besonders gut sind und machen den Markencheck: teuer gegen billig. Welches Taschentuch wird überzeugen?

Die Verbraucher haben die Qual der Wahl: Teuer oder billig, welches kaufen sie am liebsten? Markentaschentücher kosten ordentlich: Für zehn Tempo-Taschentücher zahlt man durchschnittlich zehn Cent. Gleicher Preis bei Regina Softis. Etwas teurer: ein Pack Recyclingtücher Mach mit! smart von Wepa.

Günstiger sind die Eigenmarken: je sechs Cent kosten zehn Taschentücher Soft & Sicher Recycling aus dem Drogeriemarkt dm und die Discountermarken Floralys von Lidl sowie kokett von Aldi Süd. Alle Taschentücher im Test haben die gleichen Voraussetzungen. Sie haben vier Lagen und sind nicht parfümiert.

Umweltauswirkungen der Produktion

Taschentuch
Zerknüllte Taschentücher

Beim Umweltbundesamt ist Almut Reichart die Expertin in Sachen Zellstoff – dem Rohstoff von Papiertaschentüchern. Sie hat einige Kritikpunkte an der Herstellung. Reichart:" Bei Taschentüchern ist die Zellstoffgewinnung aus dem Holz sehr umweltbelastend, sehr energie- und wasserintensiv. Dabei entstehen Emissionen, die kritisch sind. Die Alternative wäre, Taschentücher aus Altpapier zu verwenden. Dabei ist der Produktionsprozess deutlich weniger umweltbelastend."

Taschentücher aus recyceltem Altpapier sind also besser für die Umwelt. Zwei haben wir im Test: günstige von dm und teure von Wepa. Beide sind außerdem mit dem Umweltzeichen Blauer Engel zertifiziert. Reichart: "Der blaue Engel betrachtet nicht nur den Rohstoff sondern auch die Produktionsprozesse. Es dürfen keine optischen Aufheller eingesetzt werden. Es dürfen auch viele andere Hilfsstoffe in der Produktion nicht eingesetzt werden, die irgendwie aus Umweltsicht oder Gesundheitssicht kritisch sind."

Kritischer Stoff Chlor

Ein kritischer Stoff ist Chlor. Chlor kann beim Bleichen der Frischfaser-Tücher im Einsatz sein und belastet unsere Gewässer. Bleichen mit reinem Chlor ist wegen der Umweltbelastung mittlerweile verboten. Die sogenannte Elementar-Chlor freie Bleiche, kurz: ECF arbeitet stattdessen mit Chlordioxid.

Wir fragen alle sechs Hersteller an – wie bleichen sie? Elementar-Chlor frei oder total chlorfrei? Überraschend: alle günstigen Produkte sind total chlorfrei gebleicht. Ebenso das teure Wepa. Ein Bonuspunkt aus Sicht des Umweltbundesamts gegenüber Softis und Tempo, die nur Elementar-Chlor frei bleichen. Aus Umweltsicht doppelt punkten können also die Recycling-Tücher.

"Berstfestigkeits-Test"

Wie alltagstauglich sind die Taschentücher? Das testet für uns Dr. Heinz-Joachim Schaffrath an der Technischen Universität in Darmstadt. Im Labor prüft er die Belastbarkeit der Taschentücher. Als erstes soll ein sogenannter Berstfestigkeits-Test zeigen, wie schnell sie reißen.

Beim Rohstoff habe der Zellstoff die höhere Festigkeit, so Schaffrath. Denn dieser bestehe im Wesentlichen aus Zellulose, während im Recyclingpapier auch noch andere Bestandteile der Holzfaser, nämlich das Lignin mit enthalten seien. Das habe nicht so hohe Festigkeiten, so Schaffrath.

So läuft der Test ab

Die Taschentücher werden befeuchtet und nach deutschen und internationalen Normen getestet. Jede Sorte mindestens zehnmal. Während des Tests wird das eingespannte nasse Taschentuch so lange bearbeitet, bis es reißt. Je länger ein Schnupftuch dem Druck standhält – desto reißfester ist es also. Unsere Gesamtbilanz aus den Tests: Sieger: das teure Tempo. Überraschend gut aber auch die beiden günstigen Produkte aus den Discountern. Das Recycling-Produkt von Wepa liegt im Mittelfeld. Noch vor den Softis aus reinem Zellstoff. Die Recycling-Tücher von dm reißen zwar am Schnellsten. Sind aber aus Expertensicht immer noch ok.

Wie saugfähig sind die Taschentücher?

Unser nächster Check: die Saugfähigkeit. Dabei testen die Papier-Experten der TU Darmstadt, wie viel Flüssigkeit die Taschentücher aufnehmen können. Dafür kommen sie in einen kleinen Käfig. Der wird zu Wasser gelassen. Jetzt kann das Taschentuch seine maximale Wasseraufnahmekapazität ausschöpfen. Ist es vollgesogen, wird gewogen und verglichen. Das Ergebnis: Alle Taschentücher lagen auf dem gleichen Niveau und waren gleich gut. Alle Laborergebnisse gibt es hier als pdf: Laborergebnisse

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