WISO-Tipp: Testament aufsetzen

Verbraucher | WISO - WISO-Tipp: Testament aufsetzen

Nicht selten kommt es nach dem Tod eines Angehörigen zum Streit ums Erbe. Gibt es kein Testament, greift in der Regel die gesetzliche Erbfolge. Wer sichergehen möchte, dass das Erbe in die richtigen Hände fällt, sollte frühzeitig ein Testament aufsetzen.

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5 min
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Video verfügbar bis 20.11.2018, 19:25

<strong>Wann ist ein Testament sinnvoll?</strong>

Ein Testament ist immer dann sinnvoll, wenn man von der gesetzlichen Erbfolge abweichen möchte, oder wenn man Regelungen für den Nachlass treffen möchte, die über den Tod hinaus wirken.

Das Aufsetzen eines Testaments ist auch dann wichtig, wenn größere Werte auf dem Spiel stehen, die Nachfolge eines Unternehmens geregelt werden muss oder eine unwirtschaftliche Verteilung des Nachlasses unter einer Vielzahl gesetzlicher Erben vermieden werden soll, so das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz. Auch junge Ehepaare können überlegen, wer Erbe sein soll, wenn einem der Ehegatten plötzlich etwas zustößt.

Wichtig: Ein Testament geht der gesetzlichen Erbfolge immer vor. In einem Testament bestimme der Erblasser eine oder mehrere Personen zu seinen Erben. Daneben oder auch alleine kann ein Voraus-Vermächtnis angeordnet werden, eine bestimmte Teilungsanordnung erfolgen, Ersatzerben bestimmt, Vor- und Nacherbschaft oder Schlusserbschaft geregelt werden, Auflagen erteilt und schließlich auch Testamentsvollstrecker bestimmt werden, so Becker-Knuettel.

<strong>Das eigenhändige Testament</strong>

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, das eigene Testament aufzusetzen. Eine Möglichkeit ist das eigenhändige Testament. Beim handgeschriebenen, eigenhändigen Testament muss man bestimmte Formerfordernisse beachten, da es sonst nicht rechtsgültig sein kann.

  • Die Überschrift sollte lauten: „Testament“ oder „Mein letzter Wille“.
  • Wichtig: Sie müssen das eigenhändige Testament vom ersten bis zum letzten Wort selbst handschriftlich verfassen. Ist es mit Computer oder Schreibmaschine geschrieben, ist das Testament insgesamt ungültig.
  • Achtung: Versuchen Sie eindeutig zu formulieren, wer Erbe mit welchem Anteil werden soll. Ist dies nicht der Fall, kann es zu Streitigkeiten unter den Erben kommen.
  • Geben Sie Ort und Zeit an. Denn: Durch ein neues Testament kann ein älteres Testament ganz oder teilweise aufgehoben werden. Fehlt auf einem oder auf beiden Testamenten ein Datum, ist unklar, welches Testament das jüngere und welches das ältere ist.

Zum Schluss müssen Sie Ihr Testament mit Vor- und Nachnamen eigenhändig unterschreiben. Sie können Ihr Testament in einem verschlossenen Umschlag mit „Testament“ beschriftet bei Ihren persönlichen Unterlagen aufbewahren. Bei der Aufbewahrung Zuhause besteht die Gefahr, dass das Testament nach dem Tod beiseite gebracht wird, verloren geht oder vergessen wird. Die Alternative: Sie hinterlegen es für etwa 75 Euro bei Gericht. Der Vorteil: Es wird sicher gefunden und kann garantiert "eröffnet" werden.

Rechtsanwalt Sven-Ejnar Gregor gibt zu bedenken: „Es ist schnell erstellt und günstig. Zu etwaigen Vorfragen kann man sich gezielt selbst informieren oder rechtlich beraten lassen. Im Erbfall muss in der Regel die Erteilung eines Erbscheins beantragt werden. Von Laien ohne Beratung selbst verfasste Testamente münden dann leider oft in langwierigen und teuren gerichtlichen Verfahren, da ihnen insbesondere bei mehreren bedachten Personen der Wille des Erblassers meist nicht eindeutig oder vollständig zu entnehmen ist. Insbesondere, wenn ein Erblasser bestimmte Gegenstände zwischen den Bedachten nur verteilt, sind Probleme vorprogrammiert.“

<strong>Das öffentliche Testament</strong>

Eine weitere Möglichkeit, das eigene Testament zu errichten: Das öffentliche Testament, auch notarielles Testament genannt. Der letzte Wille wird mündlich gegenüber einem Notar erklärt oder selbst schriftlich verfasst und anschließend dem Notar übergeben. Beim öffentlichen Testament sind Notare verpflichtet, den Erblasser bei der Abfassung des Testaments zu beraten und ihm bei der Formulierung zu helfen. Das öffentliche Testament wird immer amtlich verwahrt. Allerdings fallen beim öffentlichen Testament Notarkosten an. Das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz gibt hierfür folgende Werte an:

Notarkosten
Wert des Vermögens Gebühr
10.000 Euro 75 Euro
20.000 Euro 107 Euro
50.000 Euro 165 Euro
100.000 Euro 273 Euro

Wichtig: Hinzukommen kommen noch Auslagen, in der Regel sind das etwa 20 Euro, und Mehrwertsteuer auf die Gesamtsumme. Die Gebühren verdoppeln sich, wenn ein Erbvertrag oder ein gemeinschaftliches Testament beurkundet wird. Hinzukommen außerdem noch Kosten für die amtliche Verwahrung des Testaments. „Bei einem notariell verfassten Testament sind unklare oder unwirksame Formulierungen nahezu auszuschließen.

Mit der Notarin oder dem Notar kann in der Regel auch alles Wissenswerte besprochen und alle Fragen geklärt werden. Das notarielle Testament ersetzt auch in der Regel den Erbschein, so dass den Erben, die einen entsprechenden Erbnachweis führen müssen, diese Kosten erspart werden“, erklärt Gregor Becker-Knuettel.

Patchwork-Familien

Immer mehr Familien in Deutschland leben in Patchwork-Familien. Allerdings ist das deutsche Erbrecht auf klassische Familien ausgerichtet. Im Todesfall kann das zu Problemen führen.

„Bei Patchwork-Familien muss zunächst sehr genau geklärt werden, was bei gesetzlicher Erbfolge einträte und was eventuell abweichend geregelt werden soll“, empfiehlt Gregor Becker-Knuettel. „Soll das Stiefkind gleichbehandelt werden oder nicht? Soll das familiäre Vermögen möglicherweise vom Ehemann selbst ererbt werden, im gleichen Familienstamm bleiben, oder soll es darauf nicht ankommen?“

<strong>Worauf sollten Unternehmer achten?</strong>

Hinterlässt ein Unternehmer weder Testament noch Erbvertrag, tritt die gesetzliche Nachfolge ein. Das bedeutet: Jeder Erbe ist entsprechend der Erbquote auch an einem zum Nachlass gehörenden Unternehmen beteiligt. Experten empfehlen deshalb, dass Unternehmer frühzeitig bestimmen sollten, welcher der Erben das Unternehmen übernehmen soll. Das kann beispielsweise durch eine sogenannte Teilungsanordnung geregelt werden. Wichtig ist auch zu bedenken, ob eine Umstrukturierung des Unternehmens bereits zu Lebzeiten oder erst nach dem Tod Sinn hat.

Wichtig: Ist der Unternehmer nicht Alleinunternehmer, sondern Gesellschafter einer Personengesellschaft, müssen die Regelungen des Gesellschaftsvertrages geprüft werden. Denn darin ist in der Regel festgehalten, ob die Unternehmensnachfolge im Testament geregelt werden kann, und ob der Gesellschaftsvertrag eine Beteiligung der Nachkommen zulässt, wie man es sich vorstellt.

„Bei ungeklärter Erbfolge und uneinigen Miterben droht einem Unternehmen im schlimmsten Fall Handlungsunfähigkeit und ein Erliegen seines Geschäftsbetriebs“, merkt Sven-Ejnar Gregor an. „Der Unternehmer sollte sichergestellt haben, dass die Fortführung seines Unternehmens oder bei fehlender Nachfolge dessen zeitnahe Abwicklung durch den Alleinerben oder bei mehreren Erben auch durch einen Testamentsvollstrecker – auch tatsächlich – durch das Testament gewährleistet wird. Wenn der Unternehmer zugleich Gesellschafter ist, muss auch der Gesellschaftsvertrag auf diesen Fall hin abgestimmt worden sein.“

<strong>Der Erbvertrag – wann ist er sinnvoll?</strong>

Wer beispielsweise sein Vermögen einem Erben überlassen möchte, dafür aber eine Gegenleistung vor seinem Tod erwartet, kann sich über einen Erbvertrag absichern. Ein Erbvertrag ist neben dem Testament eine weitere Möglichkeit, seinen Nachlass zu regeln. Er ist eine Art Kombination aus letztwilliger Verfügung und einem Vertrag. Beim Testament bestimmt der Erblasser, wer was zu welchen Teilen erhält. Diese Entscheidung kann vom Erblasser jederzeit widerrufen oder geändert werden.

Bei einem Erbvertrag dagegen kann der Erblasser den Nachlass durch einen Vertrag regeln, der mit einer anderen Person abgeschlossen wird. Der Unterschied zu einem Testament: Bei einem Erbvertrag müssen beide Parteien zustimmen, also der Erblasser und derjenige, der was bekommen soll, dafür aber möglicherweise eine Gegenleistung erbringen soll. Ein Erbvertrag kann nicht wie ein Testament alleine aufgesetzt werden. Für einen Erbvertrag wird noch eine weitere Person benötigt. Der Erblasser geht mit Vertragsschluss eine Bindung ein.

In einem Erbvertrag kann geregelt werden, wer Erbe sein soll oder wer einen Gegenstand als Vermächtnis bekommt. Oder es kann festgelegt werden, wer eine Bedingung oder eine Auflage erfüllen muss.

Testierfähig und voll geschäftsfähig

Wichtig: Bei einem Erbvertrag muss der Erblasser nicht nur testierfähig sein, sondern auch voll geschäftsfähig. Außerdem muss ein Erbvertrag notariell beurkundet werden und der Erblasser kann den Erbvertrag nur persönlich schließen. Der Notar wird über Inhalt und Wirkung des Erbvertrages beraten. Und er veranlasst in der Regel die amtliche Verwahrung des Erbvertrags. Dafür fallen Notarkosten an.

Ein Erbvertrag darf nicht von einem der beiden Vertragspartner einseitig aufgekündigt oder geändert werdet. Allerdings lassen sich mit entsprechenden Klauseln Ausstiegs- und Änderungsmöglichkeiten einarbeiten. Wer sich also binden möchte, kann dies mit einem Erbvertrag tun. Wer aber flexibel bleiben möchte und glaubt, dass sich an der privaten Situation noch etwas ändern könnte, der sollte möglicherweise eher mit einem Testament den Nachlass regeln.

Option Erbvertrag

Sinnvoll ist ein Erbvertrag zum Beispiel dann, wenn ein Erblasser sichergehen möchte, dass ohne sein Wissen und seine Mitwirkung grundsätzlich nichts an den Vereinbarungen, die er mit einer anderen Person getroffen hat, geändert werden kann. Oder: Wenn der Vater das eigene Unternehmen auf den Sohn übertragen möchte und der Sohn sich im Gegenzug verpflichtet, in der Firma zu arbeiten.

Auch für unverheiratete Paare ist ein Erbvertrag eine mögliche Option: „Ein Erbvertrag kann beispielsweise zwischen Partnern einer nichtehelichen Lebensgemeinschaft, die kein gemeinschaftliches Testament errichten können, oder unter Geschwistern sinnvoll sein, wenn bindende, wechselseitige Verpflichtungen für den Erbfall getroffen werden sollen“, erklärt Rechtsanwalt Gregor Becker-Knuettel.

Für viele Menschen ist die digitale Welt ein wichtiger Bestandteil des Lebens geworden. Das Internet gehört zum Alltag. Es werden E-Mails geschrieben, Geschäfte online getätigt, Profile bei sozialen Netzwerken angelegt, auf kostenpflichtigen Portalen wird gespielt oder man geht auf Partnersuche. Im Todesfall stehen Angehörige vor einer schwierigen Aufgabe, denn der digitale Nachlass gehört zur Erbschaft.

„In diesem Bereich ist noch vieles ungeklärt, meiner Meinung nach empfiehlt es sich nicht unbedingt, Informationen hierzu ins Testament aufzunehmen, weil diese Aktivitäten einem steten Wandel unterliegen. Grundsätzlich gehören die zum digitalen Nachlass gerechneten Rechtspositionen zur Erbschaft. Sie gehen im Wege der Gesamtrechtsnachfolge auf den Erben über. Umstritten und noch nicht abschließend geklärt ist der Umfang mit Profilen in sozialen Netzwerken, ebenso der Zugriff auf E-Mail Konten oder Chats“, erklärt Gregor Becker-Knuettel.

Tipps der Verbraucherzentrale zum digitalen Erbe

  • Kümmern Sie sich schon zu Lebzeiten um Ihren digitalen Nachlass.
  • Fertigen Sie eine Übersicht aller Accounts mit Benutzernamen und Kennwort an.
  • Speichern Sie die Übersicht am besten auf einem verschlüsselten oder zumindest mit einem Kennwort geschützten USB-Stick, den Sie an einem sicheren Ort deponieren.
  • Bestimmen Sie eine Person Ihres Vertrauens zu Ihrem digitalen Nachlassverwalter! Legen Sie in einer Vollmacht für diese Person fest, dass sie sich um Ihr digitales Erbe kümmern soll! Regeln Sie in der Vollmacht detailliert, wie mit Ihrem digitalen Nachlass umgegangen werden soll: Welche Daten gelöscht werden sollen, wie die Vertrauensperson mit Ihrem Account in einem sozialen Netzwerk umgehen und was mit im Netz vorhandenen Fotos passieren soll!
  • Die Vollmacht müssen Sie handschriftlich verfassen, mit einem Datum versehen und unterschreiben. Unabdingbar ist außerdem, dass sie "über den Tod hinaus" gilt.
  • Übergeben Sie die Vollmacht an Ihre Vertrauensperson und informieren Sie Ihre Angehörigen darüber, dass Sie Ihren digitalen Nachlass auf diese Weise geregelt haben!
  • Teilen Sie Ihrer Vertrauensperson ebenfalls mit, wo Sie die Zugangsdaten zu Ihren Accounts findet, wo Sie zum Beispiel den USB-Stick deponiert haben!

Tipps vom Bundesministerium

  • Verschaffen Sie sich zunächst einen Überblick über Ihre Online-Aktivitäten und überlegen Sie sich, was im Todesfall damit passieren soll. Wer soll beispielsweise Zugang zu ihrem E-Mail-Postfach erhalten? Sollen Ihre Profile in sozialen Netzwerken oder Ihre digitale Fotosammlung gelöscht werden? Welche Verträge müssen gekündigt werden?
  • Dokumentieren Sie Ihre Entscheidung. Sofern möglich, können Sie auch eine Person Ihres Vertrauens zu einer Art digitalen Nachlassverwalter oder Vorsorgebevollmächtigten bestimmen, der sich um die Abwicklung Ihres digitalen Erbes kümmern soll. Denken Sie in diesem Fall daran, die Person mit einer entsprechenden Vollmacht auszustatten.
  • Bei einigen Online-Diensteanbietern besteht die Möglichkeit, Vorsorgemaßnahmen zu treffen. Am besten informieren Sie sich bei den jeweiligen Anbietern über die Bedingungen und Gestaltungsmöglichkeiten im Todesfall und setzen diese entsprechend um.
  • In den meisten Fällen werden Ihre Erben, um Zugang zu Ihren Daten zu erhalten, Ihre Passwörter benötigen. Es empfiehlt sich daher, Ihre Zugangsdaten und Passwörter zu dokumentieren und sowohl die Passwörter als auch die Dokumentation in regelmäßigen Abständen zu aktualisieren und so aufzubewahren, dass sie im Erbfall auffindbar sind.

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