Früher in Rente - so geht’s

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Mehr Zeit für Familie, Freunde, Freizeitaktivitäten. Worauf Sie achten sollten, wenn Sie früher in Rente gehen wollen.

Beitragslänge:
5 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 13.12.2017, 03:15

Mehr Zeit für Familie, Freunde und Freizeitaktivitäten. Oder einfach die Seele baumeln lassen.  Aber erst mit 65 oder 67 Jahren? Für viele Arbeitnehmer ist das anscheinend nicht attraktiv, denn die Deutschen gehen im Schnitt wieder früher in Rente. Allein 2015 waren es 60,5 Prozent aller Rentenzugänge. Dabei betrug das Durchschnittsalter 64 Jahre.

Die Altersgrenzen sind in den vergangenen Jahren für Altersrenten schrittweise angehoben worden. Wer ohne Abschläge in den Ruhestand gehen möchte, muss auf eine bestimmte Altersgrenze achten. Diese Altersgrenze steigt stufenweise seit 2012 von 65 Jahren auf 67 Jahre an. Und: Wer eine Regelaltersgrenze bezieht, kann ohne Anrechnung auf die Rente unbegrenzt dazuverdienen.

35 oder 45 Versicherungsjahre auf dem Buckel

Allerdings gibt es für Arbeitnehmer die Möglichkeit Altersrenten vor dem Erreichen der regulären Altersgrenze in Anspruch zu nehmen. Doch müssen Arbeitnehmer dabei in der Regel Abschläge in Kauf nehmen. Für diese Möglichkeit gibt es zwei Modelle: Zum einen gibt es die Altersrente für langjährig Versicherte und die Altersrente für besonders langjährig Versicherte. Für beide Renten müssen 35 oder 45 Versicherungsjahre vorgelegt werden. Die Altersgrenze hängt vom Geburtsjahr ab.

Altersrente für besonders langjährig Versicherte

Bei der Altersrente für besonders langjährig Versicherte gilt: Wer vor dem 01. Januar 1953 geboren wurde und 45 Jahre mit Pflichtbeiträgen für eine versicherte Beschäftigung, Tätigkeit oder Berücksichtigungszeiten vorweisen kann, der kann bereits mit 63 Jahren abschlagsfrei die Altersrente in Anspruch nehmen.

Wichtig: Zu den 45 Jahren Pflichtbeitragszeiten zählen auch Pflichtbeiträge aus Kindererziehung, nicht erwerbsmäßiger Pflege, Krankengeldbezug sowie Wehr- und Zivildienst. Außerdem werden auch Zeiten aus Minijobs angerechnet, Zeiten für die Erziehung eines Kindes bis zum vollendeten 10. Lebensjahr sowie Zeiten der nicht erwerbsmäßigen Pflege von Januar 1992 bis März 1995.

Für Versicherte, die ab 1953 geboren sind, wird die Altersgrenze von 63 Jahren wie folgt angehoben:

Anhebung der Altersgrenzen
Versicherte
Geburtsjahrgang
Anhebung um
... Monate
auf Alter
1953 2 63 Jahre 2 Monate
1954 4 63 Jahre 4 Monate
1955 6 63 Jahre 6 Monate
1956 8 63 Jahre 8 Monate
1957 10 63 Jahre 10 Monate
1958 12 64 Jahre
1959 14 64 Jahre 2 Monate
1960 16 64 Jahre 4 Monate
1961 18 64 Jahre 6 Monate
1962 20 64 Jahre 8 Monate
1963 22 64 Jahre 10 Monate

Für die Jahrgänge ab 1964 beträgt die Altersgrenze für diese Rentenart dann 65 Jahre. (Quelle: Deutsche Rentenversicherung)
Allerdings: Die Altersrente für besonders langjährig Versicherte kann nicht vorzeitig in Anspruch genommen werden – auch nicht mit Abschlägen.

Altersrente für langjährig Versicherte

Antragssteller müssen hierfür auf 35 Versicherungsjahre kommen, dann können sie mit 63 Jahren in Altersrente gehen. Neben den eigenen Beitragszeiten werden auch Zeiten aus einem Versorgungsausgleich, aus einem Rentensplitting unter Ehegatten oder eingetragenen Lebenspartnern aus Minijobs sowie Anrechnungs- und Berücksichtigungszeiten mitgezählt, so die Deutsche Rentenversicherung. Anrechnungszeiten seien Zeiten, in denen Antragssteller aus persönlichen Gründen keine Rentenversicherungsbeiträge zahlen können, zum Beispiel wegen Krankheit, Schwangerschaft, Arbeitslosigkeit, Schulausbildung und Studium.

Allerdings erfolgt diese Altersrente mit Abschlägen: Für jeden Monat, den die Betreffenden vor der regulären Regelaltersgrenze in Rente gehen, gibt es einen Abschlag von 0,3 Prozent.  

Wie viel darf ich hinzuverdienen?

Für beide Altersrenten gibt es die Möglichkeit die Haushaltskasse aufzubessern. Doch es gibt Grenzen des Hinzuverdienstes: Wenn ein Rentner vor Erreichen der Regelaltersgrenze eine Vollrente bezieht, darf er momentan monatlich bis 450 Euro hinzuverdienen. Verdient ein Rentner mehr als die 450 Euro, reduziert sich die Rente bislang in Stufen auf zwei Drittel, die Hälfte oder ein Drittel der vollen Rente.

Ab dem 01.07.2017 soll sich das mit dem „Flexirentengesetz“ ändern: Dann sollen Rentner vor Erreichen der regulären Altersgrenze bis zu 6300 Euro im Jahr hinzuverdienen dürfen – ohne dass die Rente reduziert wird. Ist die Summe aus der gekürzten Rente und dem Hinzuverdienst höher als das bisherige Arbeitseinkommen, gilt: Der darüber liegende Hinzuverdienst wird zu 100 Prozent auf die verbliebene Rente angerechnet. Dabei wird das höchste Einkommen der letzten 15 Kalenderjahre zugrunde gelegt, heißt es bei der Deutschen Rentenversicherung.

Freiwillige Sonderzahlung gegen Abschläge

Abschläge, die aus einem vorgezogenen Ruhestand resultieren, können Antragssteller mit einer freiwilligen Sonderzahlung ausgleichen. Dies geht mit einer Einmalzahlung oder mit mehreren Zahlungen. Bei einer einmaligen Ausgleichszahlung an die Rentenkasse kommen schnell mehr als 20.000 Euro zusammen. Diese Höhe des Ausgleichsbetrages können Antragssteller bei der Rentenversicherung anfragen. Momentan können diese Ausgleichszahlungen frühestens ab dem 55. Lebensjahr bei der Rentenkasse bezahlt werden. Ab 01.07.2017 wird diese Grenze durch das Flexirentengesetz auf 50 Jahre gesenkt. 

Darüber hinaus gibt es noch weitere Möglichkeiten früher aus dem Arbeitsleben auszuscheiden. Viele Arbeitgeber bieten betriebliche Modelle an, mit denen die Mitarbeiter aus dem Beruf aussteigen können.

Das Lebensarbeitszeitkonto

Der Arbeitgeber richtet hierbei für den Arbeitnehmer ein Lebensarbeitszeitkonto ein. Hier werden zum Beispiel Weihnachtsgeld, Sonderzahlungen oder der Wert von Überstunden festgehalten. Das angesparte Geld bekommen Arbeitnehmer dann als eine Art Lohn ausgezahlt, wenn sie vorzeitig in den Ruhestand gehen sollten. Vorteil: Der Arbeitsverhältnis besteht auch dann fort und der Arbeitnehmer bleibt sozialversichert. Ob ein Lebensarbeitszeitkonto zusteht, hängt vom Arbeitgeber ab.

Des Weiteren gibt es die sogenannte Altersteilzeit. Dabei arbeiten Arbeitnehmer bis zu ihrem gewünschten Rentenbeginn nur noch die Hälfte Ihrer bisherigen Arbeitszeit. Über die gesamte, vereinbarte Zeit bekommen sie ein halbes Gehalt plus eine Aufstockung durch den Arbeitgeber. Vorteil: In der gesamten Zeit werden vom Arbeitgeber weiter Rentenversicherungsbeiträge bezahlt.

Vollständiges und aktuelles Versicherungskonto

Für jeden Versicherten führt die Deutsche Rentenversicherung ein Versicherungskonto. Darin werden alle Daten, die für die Gewährung und Berechnung einer Rente bedeutend sind, geführt. Also rentenrechtliche Zeiten wie etwa Beitrags-, Schul-, Arbeitslosigkeits-, Krankheits- und Kindererziehungszeiten.

Doch die gespeicherten Zeiten sind nicht immer lückenlos. So gibt es meist einige Lücken in der Versicherungsbiografie. So sollten zum Beispiel die Anerkennung von Schulzeiten oder Kindererziehungszeiten beantragt werden, denn diese Zeiten werden maschinell nicht gemeldet. Außerdem können Fehler bei der Datenvermittlung auftreten, die Grund für das Fehlen bestimmter Daten auf dem Konto sind. Des Weiteren besteht die Möglichkeit, dass Zeiten vor 1972 aufgrund der damals noch nicht vorhandenen Datenübermittlung noch nicht auf dem Konto gespeichert sind. 

Nur ein vollständiges und aktuelles Versicherungskonto ist eine Grundlage für aussagekräftige Rentenauskünfte und Renteninformationen.

Die Deutsche Rentenversicherung betont: Im Leistungsfall kann der Rentenanspruch nur dann geprüft und die Rente in richtiger Höhe berechnet werden, wenn der Rentenversicherung alle dafür relevanten Daten bekannt sind!

Kontenklärung vornehmen

Wichtig: Sie sollten eine Kontenklärung vornehmen! Man kann jederzeit Auskunft über den Stand des Versicherungskontos bekommen. Bei der Kontenklärung prüft der entsprechende Rentenversicherungsträger die bisher erfassten Daten und informiert über bestehende Lücken.

Den Versicherungsverlauf erhält man beim zuständigen Rentenversicherungsträger, bei einer der Auskunfts- und Beratungsstellen oder über das Internetangebot der Deutschen Rentenversicherung. Ab dem 55. Lebensjahr bekommen Antragssteller nach einem Abschluss des Kontenklärungsverfahrens eine Rentenauskunft. Darin werden zusätzlich noch Aussagen zur voraussichtlichen Rentenhöhe auf der Grundlage der bis dahin zurückgelegten Zeit gegeben. Weitere Informationen gibt es bei der Deutschen Rentenversicherung (pdf).

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