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#service: Tipps bei Minuszinsen

Höhere Kontogebühr, Verwahrentgelte: Banken reichen Strafzinsen weiter

von Dagmar Deilmann-Werra/ Claudia Krafczyk

Banken die ihr Geld bei der Europäische Zentralbank sicher parken wollen, müssen Strafzinsen zahlen. Immer mehr Banken versuchen diese an ihre Kunden weiterzureichen. Wer betroffen ist: und wie Häuslebauer sogar von Minuszinsen profitieren können.

Beitragslänge:
2 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 02.12.2020

Was sind Minuszinsen?

Negativzinsen - oder Minuszinsen genannt - sind Zinsen, die unter die Nulllinie und damit in den negativen Zinsbereich gesunken sind. Im Interbankenhandel werden seit 2014 Minuszinsen fällig. Sie werden von der Europäischen Zentralbank (EZB) erhoben, wenn Kreditinstitute ihr Geld dort sicher parken wollen. Zunächst wurden 0,4 Prozent und seit September 2019 0,5 Prozent der eingelegten Summe verlangt.

Mit den Minuszinsen soll verhindert werden, dass die Institute ihr Geld zur EZB tragen. Denn eigentlich soll deren Niedrigzinspolitik dazu führen, dass Banken das Geld als günstige Kredite an Verbraucher und Unternehmen weitergeben, um damit die Wirtschaft anzukurbeln. Seit geraumer Zeit versuchen Kreditinstitute, diese „Strafzinsen“ an ihre Kunden weiterzugeben. Zunächst waren nur vermögende Kunden mit Einlagen über 100.000 Euro betroffen. Jetzt werden auch kleinere Sparer mit einem sogenannten „Verwahrentgelt“ zur Kasse gebeten.

Aufpassen beim Girokonto

Banken dürfen nicht doppelt abkassieren - Wer für sein Girokonto schon Kontoführungsgebühren bezahlt, darf für ein Guthaben nicht auch noch mit Minuszinsen bestraft werden (LG Tübingen, Urt. v. 25.05.2018, Az. 4 O 225/17). Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg rät Kunden deshalb, wachsam zu sein und sich zu beschweren. Denn manche Banken versuchen auch, über einen neuen Preisaushang Negativzinsen einzuführen oder sie erhöhen einfach die Kontogebühren. Da hilft im Zweifel nur ein Anbieterwechsel. Dabei muss das alte Institut die Daten innerhalb von zehn Tagen an das neue übertragen.

Auf Vergleichsportalen im Internet wie FMH.de, check24 oder Biallo.de kann man die Entgelte von Kreditinstituten für Girokonten vergleichen. Eine Auswahl mit Banken und Sparkassen, die Negativzinsen erheben, hat das Finanzportal Biallo.de (siehe PDF) für WISO zusammengestellt: Liste (pdf). „Bislang zählen wir 52 Banken und Sparkassen, die für Privatkunden Negativzinsen erheben, bei Firmenkunden sind es 147“, sagt Sebastian Schick von biallo.de. Die Dunkelziffer dürfte natürlich höher liegen. "Wir durchforsten zwar fortlaufend die Internetseiten, Preisaushänge und Entgeltinformationen von 1.300 Banken und Sparkassen. Allerdings stoßen wir immer wieder auf Hindernisse bei unseren Recherchen. Laut Schick wiesen viele Geldhäuser ihr "Verwahrentgelt" nicht aus.

Verbraucherschützer Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg ergänzt: „Es ist nicht erlaubt, einfach einen neuen Preisaushang in die Filiale zu hängen und damit die Einführung von Negativzinsen auf Anlagekonten zu beschließen.“ Darunter falle auch das Sparbuch. Die Zinsen darauf reichten zwar nicht, um die Inflationsrate auszugleichen, aber sicher vor „Verwahrentgelten“ sei es damit schon.

Ist das Sparen am Ende?

Mehr dazu auch in den Podcasts der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg: Hier beantwortet Niels Nauhauser wichtige Fragen zu den Auswirkungen der niedrigen Zinsen: Ist das Sparen am Ende? Wie kam es eigentlich zur Niedrigzinsphase? Hat sich das Thema Sparen damit erledigt? Oder wie sollten Verbraucher jetzt vorgehen, wenn sie Geld für später zurücklegen möchten? Können Kreditnehmer mit fester Zinsbindung trotzdem von den Niedrigzinsen profitieren?

Müssen Banken wegen der Zinspolitik der EZB sogenannte Negativzinsen von Verbrauchern nehmen? Verbraucherschützer sagen Nein, das müssen sie nicht. Und sie dürfen es auch gar nicht: Warum Negativzinsen Unsinn sind.

Günstige Bauzinsen

Mehr rausholen fürs Eigenheim: So günstig wie jetzt waren die Darlehenszinsen für Baugeld noch nie: Innerhalb der vergangenen zehn Jahre sind sie von über 4% auf unter 0,5 % gesunken, so eine Statistik der Deutschen Bundesbank. Und die Zinsen könnten noch weiter sinken, sogar unter die Null-Prozent-Linie. Bei der KfW-Bank gibt es zwar noch kein Darlehen mit Negativzinsen, doch können Häuslebauer mit einem bewilligten Antrag auf Förderung schon jetzt über den sogenannten Tilgungszuschuss von den Minuszinsen profitieren. Das heißt, wer sich Geld leiht, muss am Ende der Laufzeit weniger zurückzahlen, als er aufgenommen hat. Das kann bei einem 100.000-Euro-Darlehen satte 17.500 Euro ausmachen.

„In der Tat sind die Effektivzinsen in den KfW-Förderprogrammen mit hohen Tilgungszuschüssen heute schon negativ“, schreibt die KfW Bankengruppe auf WISO-Anfrage. Zum Beispiel liege in den „Energieeffizienz Bauen- und Sanierungsprogrammen“ der Effektivzins bei den typischen langen Darlehenslaufzeiten und einem Tilgungszuschuss von 27,5 Prozent zwischen -6 Prozent und -7 Prozent, bei kurzen Darlehenslaufzeit von 4 Jahren im Extremfall sogar bei -13,2 Prozent.

Die Verbraucherzentralen warnen trotzdem vor einer übereilten Entscheidung zur Immobilienfinanzierung. Denn die Zinsen können am Ende der Zinsbindung deutlich höher liegen als heute und bei der Anschlussfinanzierung zu unerwartet hohen Darlehenskosten führen.

Strafzins trifft Tagesgeld

Minus-Zinsen auch beim Tagesgeldkonto - was tun?

Minus-Zinsen auch beim Tagesgeldkonto - was tun? Einige Kreditinstitute wälzen die Minuszinsen, die die EZB von Banken verlangt, auf ihre Kunden mit Tagesgeldkonten ab. Zunächst waren davon nur Firmenkunden betroffen. Jetzt verlangt eine Volksbank das Verwahrentgelt bereits ab dem ersten Cent, auch von Privatanlegern. Das neue Entgelt betrifft nur Neukunden. Bestandskunden müssen über solche Vertragsänderungen informiert werden, haben dann ein Sonderkündigungsrecht und können mit ihrer Einlage zu einem anderen Anbieter ohne Verwahrentgelt wechseln.

Das Tagesgeld abheben und im Schließfach lagern, ist keine gute Lösung. Die Kosten für ein Bankschließfach liegen zwischen 40 und 200 Euro pro Jahr, ermittelte die Zeitschrift Börse online. Damit liegen die Kosten oft höher, als ein möglicher Minuszins. Außerdem ist Bargeld im Schließfach bei vielen Banken nicht versichert.

Tipps der Verbraucherzentralen für die Geldanlage:

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