Private Altersvorsorge

50 Euro für die Rente

Verbraucher | WISO - Private Altersvorsorge

Das Niveau der deutschen Durchschnittsrente wird in den nächsten Jahren weiter sinken. Wie viel muss ein Durchschnittsverdiener aufwenden, um diese Versorgungslücke zu schließen?

Beitragslänge:
3 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 09.09.2017, 14:00

Reicht die Rente? Diese Frage stellt sich mindestens einmal im Jahr, wenn die Renteninfo in der Post liegt. Die Antwort lautet: Wohl kaum. Die Zahlen sind alarmierend: Arbeitnehmer werden am Ende ihres Arbeitslebens im Schnitt weniger als die Hälfte ihres Bruttogehalts als gesetzliche Rente ausbezahlt bekommen. Die Rente reicht also nicht, um den Lebensstandard von heute auch im Alter zu halten. Die private Vorsorge rückt in den Fokus. Hier unser WISO-Tipp!

Stephanie und Christian Rother sind junge Eltern. Vor acht Monaten kam ihre kleine Tochter zur Welt. Die Kleine hat das Leben ihrer Eltern komplett auf den Kopf gestellt. Noch vor einem Jahr waren Stephanie und Christian beide voll beschäftigt im Hotelgewerbe. Ihre Einkünfte reichten vollkommen aus, um die alltäglichen Ausgaben eines jungen Paares zu decken und die Miete für eine kleine Wohnung zu bezahlen.

Jetzt sind sie zu dritt und kürzlich in eine größere Wohnung gezogen. Und: Stephanie hat Elternzeit genommen, um die gemeinsame Tochter versorgen zu können. Das Einkommen sinkt, aber die Ausgaben steigen. Das hat nicht nur Auswirkungen auf heute, sondern auch auf die Zukunft. Jetzt schon wissen die beiden: Die gesetzliche Rente wird nicht reichen. Sie müssen selbst sparen, um sich im Alter den Lebensstandard ermöglichen zu können, den sie sich vorstellen. Aktuell zahlen die beiden in eine Betriebsrente des Hotelgewerbes ein. Parallel suchen sie nach einem passenden Konzept für eine private Altersvorsorge, um auch in Zeiten niedriger Zinsen ihr Geld sicher anlegen zu können.

Check: Richtig versichert?

Finanzexpertin Ina Kötter von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz rät: Bevor Sie sich um Ihre Altersvorsorge kümmern, sollten Sie einen Versicherungs-Check machen. Das bedeutet: Überprüfen Sie, ob Sie gegen mögliche Risiken abgesichert sind, die Ihnen auf dem Weg bis zum Renteneintritt begegnen könnten. Die richtige Risikoabsicherung enthält Experten zufolge folgendes Versicherungspaket:

Beratung einholen!

Der Dschungel der privaten Altersvorsorge ist dicht und undurchsichtig. Es gibt nicht nur unzählige Konzepte. Jedes dieser Konzepte wird von verschiedenen Banken und Versicherungen zu unterschiedlichen Tarifen auf dem Markt angeboten. Daher sollten Sie sich in jedem Fall ausführlich beraten lassen!

Beachten Sie jedoch: In vielen Fällen ist eine Beratung nicht unabhängig. Das bedeutet, viele Finanzberater wollen Ihnen ein bestimmtes Produkt verkaufen, weil sie für jeden abgeschlossenen Vertrag eine gewisse Provision aufrufen können. Diese wird wiederum Ihrem Vertrag zur Last gelegt. Mehr dazu können Sie auf folgender Webseite nachlesen: wegweiser-finanzberatung.de.

Persönliche Finanzberatung der Verbraucherzentralen

Wollen Sie sich hingegen unabhängig und neutral beraten lassen, können Sie sich an die Verbraucherzentralen wenden. Zur Vorbereitung des Beratungsgesprächs werden Sie in der Regel gebeten, Ihre bestehenden Verträge und einen ausgefüllten Fragebogen einzusenden.

Eine persönliche Beratung findet dann zu einem bestimmten Termin in den Räumlichkeiten der Verbraucherzentrale in Ihrer Nähe statt. Das Gespräch dauert in der Regel zwischen anderthalb und zwei Stunden und kostet zwischen 150 Euro und 225 Euro. Das ist von Bundesland zu Bundesland verschieden und variiert auch, je nachdem ob Sie als Paar oder alleine zur Beratung kommen. Welche Verbraucherzentrale in Ihrer Nähe eine solche Beratung anbietet, erfahren Sie hier: verbraucherzentrale.de

Honorarberatung

Eine unabhängige Finanzberatung führen auch Honorarberater durch. Wie der Name vermuten lässt, wird die Beratung nicht durch die Provision finanziert, die durch den Kauf eines bestimmten Produkts erzielt wird. Sondern der Berater ruft ein bestimmtes Honorar auf, das er pauschal pro Beratungsstunde verlangt. In der Regel sind das rund 150 Euro pro Stunde. Somit steht die Beratung im Vordergrund und nicht das Produkt. Bevor Sie einen Honorarberater beauftragen, sollten Sie sich vorab eingängig im Internet über den Berater informieren.

Die betriebliche Altersvorsorge

Stephanie und Christian Rother haben bereits eine betriebliche Altersvorsorge. Das bedeutet: Ihr Arbeitgeber zahlt regelmäßig einen gewissen Betrag in einen Vertrag zur Altersvorsorge ein. Dabei gibt es verschiedene Modelle: Entweder zahlt der Arbeitgeber die Beiträge komplett oder aber Sie als Arbeitnehmer steuern einen Teil Ihres Bruttolohns bei. Letzteres bezeichnet man als so genannte Entgeltumwandlung. Darauf hat jeder Arbeitnehmer einen gesetzlichen Anspruch.

Die betriebliche Altersvorsorge wird durch den Betrieb organisiert. Das bedeutet: Der Arbeitgeber wählt das Produkt, bzw. den Vertrag. Auch hier gibt es unterschiedliche Modelle: die Direktversicherung, die Pensionskasse, ein Pensionsfonds, die Direktzusage oder über eine Unterstützungskasse.

Experten warnen vor sehr teuren Produkten. WISO-Tipp: Bestehen Sie auf Einsicht in die Vertragsmodalitäten und in eine Tarifbroschüre! Beachten Sie außerdem: Bei guten Produkten können Sie wählen, ob Sie eine lebenslange Rente oder die gesamte angesparte Summe auf einmal ausbezahlt bekommen möchten.

Die deutsche Rentenversicherung hat eine Broschüre publiziert, die ausführlich über die verschiedenen Durchführungswege informiert und erläutert, was passiert, wenn Sie beispielsweise den Arbeitgeber wechseln möchten: Broschüre (pdf)

Sparen mit staatlicher Förderung: Riester

Seit 2002 gibt es eine staatlich geförderte Form der privaten Altersvorsorge: Riester. Experten raten hier ganz besonders, auf die Bedingungen des jeweiligen Riester-Modells und die Kosten des jeweiligen Produkts zu achten und sich nicht allein von den staatlichen Förderungen beeindrucken zu lassen. Denn als Riester-Sparer erhalten Sie zu Ihren eigenen Beiträgen jährlich Zulagen vom Staat.

Je nach Höhe Ihres Einkommens, der erhaltenen Zulagen und der von Ihnen eingezahlten Beiträge können Sie zudem Steuervorteile erlangen.

WISO-Tipp: Geben Sie Ihre eingezahlten Riesterbeiträge immer als Sonderausgaben in Ihrer Steuererklärung an! Füllen Sie dazu die Anlage AV Ihrer Einkommensteuererklärung aus! Um alle Vorteile, also die Zulagen und den Steuervorteil, nutzen zu können, müssen Ihre jährlichen Beiträge mindestens vier Prozent Ihres Brutto-Jahres-Einkommens betragen - maximal 2100 Euro. Je mehr Zulagen Sie erhalten, desto weniger müssen Sie aus eigener Tasche beisteuern – mindestens jedoch 60 Euro pro Jahr. Dies ist der so genannte Sockelbeitrag. Aufgrund der Werterhaltungsgarantie können Sie kein Geld verlieren. Der Anbieter muss zum Renteneintritt zumindest die Summe Ihrer Beiträge und Zulagen garantieren.

Weitere Infos rund um das Thema Riester finden Sie ebenfalls in einer Broschüre der deutschen Rentenversicherung: Broschüre (pdf) Im Juli 2016 hat die Stiftung Warentest verschiedene Riester-Sparformen getestet. Hier kommen Sie zu dem Ergebnis: test.de

Fonds-Sparpläne

Mit Fonds-Sparplänen investieren Sie Ihr Geld an der Börse. Sie zahlen in regelmäßigen Intervallen Beträge in einen Investmentfonds ein. Das ist in der Regel bereits ab 50 Euro monatlich möglich.  Vorteil: Sie bleiben flexibel, können jederzeit Kapital aus Ihrem Sparvermögen entnehmen, Ihre Raten verändern und frei wählen, wann und wie viel Sie sich auszahlen lassen wollen. Bei einer langen Ansparphase können Sie eventuelle kurzfristige Verluste wieder ausgleichen. Nachteil: Sie brauchen ein bisschen Mut, um sich auf das Risiko einzulassen und Marktschwankungen auszuhalten.

Beachten Sie: Es gibt zahlreiche Anbieter und diverse Fonds, in die Sie einzahlen können. Bei vielen Direktbanken können Sie Fonds-Sparpläne sogar kostenlos erstellen. Beachten Sie jedoch die unterschiedlichen Gebühren verschiedener Anbieter! Lassen Sie sich in jedem Fall beraten!

Immobilien zur privaten Altersvorsorge

Eine Immobilie im Alter: Das berühmte „Betongold“. Als Rentner mietfrei in der eigenen Immobilie wohnen zu können, nimmt einen Großteil der Sorgen. Insofern ist die Finanzierung einer Immobilie nach wie vor eine attraktive Möglichkeit, um für das Alter vorzusorgen. Aber auch hier gilt: Verlassen Sie sich nie auf nur eine Möglichkeit der Altersvorsorge. Auch, wenn eine Immobilie für Sie die interessanteste Variante ist, sollten Sie sie immer mit einer weiteren kombinieren.

Die aktuelle Zinslage ermöglicht derzeit günstige Optionen der Bau- bzw. Immobilienfinanzierung. Beim Abschluss eines solchen Kredits ist zunächst die Höhe des Eigenkapitals entscheidend. Je mehr Eigenkapital Sie einbringen, desto günstiger wird das Darlehen. Außerdem interessant: Die staatlichen Zulagen, die es für Baufinanzierungen gibt, wie Wohnbauprämien oder Wohnriester. Weitere Infos zur Baufinanzierung finden Sie zum Beispiel hier: finanztip.de. Beim Kauf einer Immobilie sollten Sie jedoch nicht nur den eigentlichen Wert des Hauses oder der Eigentumswohnung betrachten. Machen Sie sich eingehend Gedanken über die Lage und die Wertentwicklung der Immobilie. Zudem sollten Sie auch die Kosten, die durch den Erwerb der Immobilie anfallen, im Blick behalten: Dazu gehören u.a. Makler-, Grundbuch und Notarkosten.

Falls Sie mit dem Gedanken spielen, die Immobilie gewinnbringend verkaufen zu wollen, um den Erlös als Altersvorsorge nutzen zu können, sollten Sie die angefallenen Kosten in jedem Fall mit einberechnen. Bei kurzfristigen Verkäufen müssen Sie gegebenenfalls mit Verlusten rechnen.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet