Urlaub richtig beantragen

Verbraucher | WISO - Urlaub richtig beantragen

Was müssen Arbeitnehmer beim Einreichen des Urlaubs beachten? Darf der Chef einen schon genehmigten Urlaub zurücknehmen? Diese und weitere Fragen beantwortet der WISO-Tipp.

Beitragslänge:
4 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 20.12.2016, 00:00

Jahr für Jahr beginnt vor der Ferienzeit in vielen Firmen der Streit darüber, ob, wann und wie Mitarbeiter ihren Jahresurlaub nehmen können. Immer wieder gibt es Überraschungen: Hier hat der Kollege schon gebucht, da ist die Auftragslage extrem hoch und im schlimmsten Fall herrscht in der Firma zusätzlich Personalmangel. Resultat: Der Chef lehnt den Antrag Fall ab. Und jetzt...?

Zunächst einmal die wichtigste Nachricht: Jeder Arbeitnehmer hat Recht auf Urlaub. Denn Urlaub dient der Erholung! Und genau das ist gesetzlich durch das Bundesurlaubsgesetz (BurlG) geregelt. Es wurde 1963 verkündet. Der Urlaub ist damit ein elementares Recht. Er soll den Arbeitnehmer vor allem vor gesundheitsschädlicher Überarbeitung schützen. Arbeitnehmer sollen außerdem Zeit für Familie, Freunde und zur Erledigung privater Angelegenheiten haben. „Deswegen ist der Erholungsurlaub dem Arbeitnehmer prinzipiell störungsfrei zu gewähren. Die Freistellung von der Arbeitsleistung dient nämlich der Erholung des Arbeitnehmers, damit er im Anschluss wieder seine volle Leistung erbringen kann.“, bestätigt auch Katharina Gerstmann. Sie ist Anwältin für Arbeitsrecht.

Laut Bundesurlaubsgesetz gilt: Nach sechs Monaten in einem Unternehmen haben Mitarbeiter vollen gesetzlichen Urlaubsanspruch. Wer fünf oder sechs Tage pro Woche arbeitet, hat Anspruch auf mindestens vier Wochen Urlaub, das Bundesurlaubsgesetz gibt 24 Werktage vor - zählt aber auch den Samstag als Werktag. Wer also fünf Tage die Woche arbeitet, hat gesetzlichen Anspruch auf 20 Tage Erholungsurlaub. Je nach Vertrag sind es in der Regel bis zu 30 Tage Urlaub.

Dieser  gesetzliche Mindesturlaub kann durch etwaige Regelungen im Arbeitsvertrag, in einer Betriebsvereinbarung oder im Tarifvertrag (sog. Tarifurlaub) erweitert, aber niemals beschränkt werden. Nach § 7 Absatz 1 BUrlG ist es grundsätzlich Sache des Arbeitnehmers, wann er seinen Urlaub nehmen möchte – einzige Ausnahme: Betriebsferien.

Soweit, so gut. Doch was, wenn der Chef den Urlaubsantrag gar nicht erst genehmigt? „Das darf er nur Ausnahmefällen“, erklärt Gerstmann. „Denn es gibt klare Gründe, warum der Chef den Erholungsurlaub verweigern oder ablehnen kann.“ Das kann der Fall sein, wenn...
•    ein großer Auftrag pünktlich fertig werden muss
•    der Krankenstand enorm hoch ist
•    personelle Engpässe in Saisonzeiten bestehen
•    plötzliche Produktionsnachfragen kommen
•    oder Kollegen unter sozialen Gesichtspunkten bevorzugt werden – etwa Eltern in den Schulferien.

Recht auf Freizeit

Wichtig: Der Chef muss bei solchen Entscheidungen aber immer im Blick haben, dass dem Arbeitnehmer das Recht auf Freizeit zusteht. Heißt: „Um einen Urlaubsantrag abzulehnen, muss der Arbeitgeber diese Gründe auch klar nennen und nachweisen. Sie dürfen auch nicht Dauerzustand sein“, so Gerstmann.

Zwar legt laut Bundesurlaubsgesetz der Chef die Urlaubszeit fest – und muss gleichermaßen die Wünsche des Arbeitnehmers berücksichtigen. Praktisch ist es aber andersherum. Im Prinzip entscheidet nämlich der Arbeitnehmer, wann er Urlaub nehmen mag. „Es handelt sich schließlich um Ihren Urlaubsanspruch“, erklärt Katharina Gerstmann. „Ihren Urlaubswunsch teilen Sie dem Arbeitgeber mit und der hat Ihnen den Urlaub auch zu gewähren. Das ist gesetzlich geregelt.“

Arbeiten im Urlaub

Ist der Urlaub genehmigt und die Reise gebucht, gilt für die meisten Arbeitnehmer: entspannen, Sonne tanken, Zeit mit der Familie verbringen, Akku laden. Doch dann passiert vielleicht das, was man jetzt man wenigsten braucht - der Chef ruft an: „Können Sie sich bitte um unseren Kunden kümmern? Der braucht noch ein – zwei Infos...geht auch ganz schnell...“ Ein kleiner Auftrag mit weitreichenden Folgen.

Immerhin jeder fünfte deutsche Arbeitnehmer arbeitet im Urlaub. Dabei fallen pro Jahr rund 260 Millionen zusätzliche Arbeitsstunden an. Generell gilt: Je mehr ein Angestellter verdient, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass er im Urlaub arbeitet. „Moderne Kommunikationsmittel wie Smartphone oder Laptop bergen die Gefahr, dass Arbeitnehmer immer erreichbar sind – auch dann, wenn er sich eigentlich erholen sollte“, sagt Katharina Gerstmann. Sie ist Anwältin für Arbeitsrecht. „Dabei gilt das Recht auf Erholung!“

Aber wie reagieren Arbeitnehmer, wenn der Chef im Urlaub anruft – oder sogar darauf besteht den Urlaub abzubrechen, weil es betrieblich erforderlich ist? „Auch da gibt es klare Grenzen und gesetzliche Regelungen“, sagt Anwältin Gerstmann. Denn egal, ob Urlaub am Baggersee oder weit weg auf einer Karibik-Insel.

Schadensersatz bei Mehrkosten

Das bestätigt auch Katharina Gerstmann: „Ein Schadensersatz bei möglichen Mehrkosten stehen dem Mitarbeiter auf jedem Fall zu. Der Chef muss für zusätzliche Kosten komplett aufkommen.“ Wen der Chef im Notfall aus dem Urlaub zurück holt, muss er außerdem gut begründen können. „Es sollten im Zweifelsfall immer Mitarbeiter ausgewählt werden, die weniger betroffen sind“. Anwältin Gerstmann weiter: „Ein Beispiel: Sind zur gleichen Zeit ein Vater von zwei Kindern und kinderloser Kollege im Urlaub, dann würde die Wahl wahrscheinlich auf letzteren fallen.“

Damit Sie weder auf eine Mail noch einem Anruf von Ihrem Chef reagieren müssen, sollten Sie Ihren Urlaubsantritt vorher gut planen.

Bleibt festzuhalten: Jeder Arbeitnehmer hat Recht auf Urlaub – und damit auf Erholung. Das ist gesetzlich geregelt. Weitere Fragen rund ums Thema Urlaub gibt es bei Verdi (pdf). Antworten gibt's auch im Videointerview von Rechtsanwältin Katharina Gerstmann:

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