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Wir geben Tipps, wie Sie spezielles Mobiliar beantragen können und wie Sie selbst mit kleinen Tricks und Kniffen Ihren Büro-Arbeitsplatz gesundheitsfördernd gestalten können.

Beitragslänge:
5 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 17.01.2017, 00:00

Rund 18 Millionen Beschäftigte arbeiten Tag für Tag im Büro - das ist fast die Hälfte aller Beschäftigten überhaupt. Das bedeutet: rund ein Drittel des Tages verbringen sie im Sitzen und schauen die meiste Zeit auf einen Bildschirm. Wir geben Tipps, wie Sie spezielles Mobiliar beantragen können und wie Sie selbst mit kleinen Tricks und Kniffen Ihren Büro-Arbeitsplatz gesundheitsfördernd gestalten können.

Der menschliche Körper ist nicht darauf ausgerichtet, die meiste Zeit des Tages nur zu sitzen. Bei der reinen Schreibtischarbeit lauern also viele gesundheitliche Gefahren. Eine falsche Sitzhaltung oder die mangelhafte Büroausstattung kann zu körperlichen Beschwerden führen. Falsche Beleuchtung oder Blendungen belasten die Augen. Dies kann zu nachhaltigen körperlichen Einschränkungen, z.B. durch Fehlhaltungen, führen.  Arbeitnehmer, die im Büro beschäftigt sind, klagen deshalb oft über Rücken- und Kopfschmerzen, Augenbrennen oder Schmerzen im Handgelenk.

Einer Studie zufolge sind 21 Prozent der befragten Beschäftigten mit der Beschaffenheit ihres Sitzplatzes nicht zufrieden und 19 Prozent aller Befragten stören sich an den unzureichenden Lichtverhältnissen an ihrem Arbeitsplatz (Union Investment, 2011). Mankos, die der Arbeitgeber beheben muss. Denn in Deutschland sind die Arbeitgeber für die Ausstattung und die Sicherheit der Büroarbeitsplätze zuständig. Sie müssen für eine sichere und gesundheitsgerechte Gestaltung der Arbeitsplätze sorgen, so dass ihre Arbeitnehmer keinen gesundheitlichen Risiken ausgesetzt sind.

Richtige Ausstattung

Eine ganze Menge an Verordnungen und Paragraphen (z.B. Arbeitsschutzgesetz, Arbeitsstättenverordnung, Bildschirmarbeitsplatzverordnung) schreibt den Arbeitgebern vor allem vor, wie Schreibtische, Bürostühle, Bildschirme oder die Beleuchtung an Büroarbeitsplätzen beschaffen sein müssen. Eine Mindestausstattung nennt das Gesetz nicht. Entscheidend ist: Was der Arbeitgeber zur Verfügung stellt, muss bestimmte Kriterien erfüllen, damit gesundheitliche Risiken für die Mitarbeiter minimiert werden.

Für das Arbeitsumfeld Büro müssen vor allen Dingen die Kriterien der so genannten „Bildschirmarbeitsplatzverordnung“ eingehalten werden. Die Sicherheit und Gesundheit im Betrieb ist zwar Chefsache, doch in der betrieblichen Praxis unterstützen ihn Experten wie die Fachkräfte für Arbeitssicherheit, Arbeitsmediziner oder Ergonomieberater.

Ergonomie - Richtiges Sitzen

Wichtig bei der Ausstattung von Büros ist: Das Mobiliar und die Arbeitsmittel sollten sich an den Arbeitnehmer anpassen können, nicht umgekehrt. Die Bedingungen sollten so gestaltet sein, dass die gesundheitliche Belastung möglich gering ist. Sie als Arbeitnehmer sollten die richtige Büroausstattung allerdings auch richtig benutzen.

Dynamisch Sitzen

Achten Sie außerdem darauf, dass Ihre Kniekehlen frei blieben. Das ermöglicht die Blutzirkulation in Ihren Beinen. Ergonomisches Sitzen bedeutet zudem „dynamisches Sitzen“. Verlagern Sie immer ihren Schwerpunkt, um Ihren Körper zu entlasten! Die nächste Sitzposition ist immer die beste.

Ergonomie bedeutet nicht nur rückenfreundliches Sitzen, sondern auch, dass Arbeitsabläufe und Arbeitsinhalte arbeitnehmerfreundlich gestaltet sind – so haben Sie beispielweise auch Anspruch auf eine benutzerfreundliche Software, die auf Ihre Aufgaben zugeschnitten ist.

Auf der Homepage der gesetzlichen Unfallversicherung finden Sie diverse Broschüren, die Ihnen Hilfestellungen zur richtigen Sitzhaltung und zur richtigen Büroausstattung geben.

Anspruch auf Vorsorgeuntersuchung

Wenn Sie zu den rund 18 Millionen Beschäftigten gehören, die hauptsächlich im Büro und vor dem Bildschirm arbeiten, haben Sie Anspruch auf eine Vorsorgeuntersuchung durch einen Arbeitsmediziner oder Ihren Betriebsarzt. Deren Kosten trägt Ihr Arbeitgeber.

Rechtliche Grundlage bildet die Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge (ArbMedVV) sowie die arbeitsmedizinische Regel (AMR) 14.1 „Angemessene Untersuchung der Augen und des Sehvermögens“, die viele noch als G37 „Bildschirmarbeitsplatz“ kennen. Im Rahmen dieser Untersuchung werden Ihre Augen und Ihr Sehvermögen untersucht. Zudem informiert sich der Mediziner über ihre Arbeitsbedingungen. Unter Umständen wird Ihnen dann eine spezielle Brille für die Arbeit am Computerbildschirm verordnet.

Außerdem findet im Zusammenhang mit dieser Untersuchung die Begutachtung des Arbeitsplatzes statt. Somit kann der Arbeitsmediziner feststellen, ob Sie richtig sitzen und Ihnen gegebenenfalls bei der richtigen Einstellung Ihres Bürostuhls und Monitors helfen.

Gesundheitsfördernde Büromöbel

Viele Beschäftigte leiden an chronischen Krankheiten oder körperlichen Einschränkungen, die ein längeres Sitzen am Büroarbeitsplatz unerträglich oder sogar unmöglich machen. Um jedoch weiterhin arbeiten zu können, empfehlen Fachärzte spezielle Büromöbel wie höhenverstellbare Schreibtische oder medizinische bzw. orthopädische Bürostühle.

Diese sind noch individueller einstellbar oder aus speziellen Materialien gefertigt, um bspw. die Schmerzen beim Sitzen abzufedern. Bei diesen Hilfsmitteln handelt es sich um Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben, kurz LTA, und sollen dazu beitragen, die Erwerbstätigkeit zu erhalten, bzw. wiederherzustellen. Diese Leistungen sind jedoch nicht auf spezielle Diagnosen beschränkt.

Die Kosten für solche Hilfsmittel werden zum Teil von Kostenträgern übernommen. Welcher Kostenträger für Sie zuständig ist, ist abhängig von Ihrer Beschäftigung und der Art Ihrer Beeinträchtigung.

Servicestellen für Rehabilitation

Deutschlandweit gibt es so genannte „Gemeinsame Servicestellen für Rehabilitation“. Unter folgendem Link finden Sie auch eine Stelle in Ihrer Nähe, wo Sie Rat in allen Fragen der Rehabilitation und im Besonderen zu gesundheitsfördernden Büromöbeln finden. Außerdem können Sie dort erfragen, welcher Kostenträger für Sie zuständig ist: reha-servicestellen.de.

Kosten der Möbel

Wichtig ist, dass Ihr behandelnder Facharzt Ihnen attestiert, dass Sie gesundheitsfördernde Büromöbel benötigen, um die Arbeitsfähigkeit an Ihrem Arbeitsplatz erhalten zu können. Diese müssen Sie selbst anschaffen: Lassen Sie sich dazu in einem Fachgeschäft beraten und verlangen Sie zunächst einen Kostenvoranschlag! Dieser wird von manchen Kostenträgern benötigt.

Ihr Kostenträger erstattet meist nur einen Teil des Kaufpreises. Die Höhe der Förderung hängt immer vom Einzelfall ab. Gesetzliche Höchstgrenzen für die Kostenübernahme gibt es keine. Die Deutsche Rentenversicherung Bund gibt jedoch an, dass sie in der Regel orthopädische Bürostühle mit maximal rund 400 Euro bezuschusst, höhenverstellbare Schreibtische mit maximal 800 Euro. WISO-Tipp: Fragen Sie Ihren Arbeitgeber, ob er den Rest übernimmt und kaufen Sie das Mobiliar erst, wenn Ihr Antrag erstattet wurde!

Antrag stellen

Reichen Sie Ihr Attest und den Kostenvoranschlag zusammen mit dem Antrag auf Erstattung beim Kostenträger ein. WISO-Tipp: Rehaberater oder Betriebsärzte können Ihnen beim Ausfüllen des Antrags helfen. Antragsformulare erhalten Sie ebenfalls in den „Gemeinsamen Servicestellen Rehabilitation“, bei der Rentenversicherung, bei den gesetzlichen Krankenkassen oder bei Versicherungsämtern. Unter folgenden Links können Sie sich die beiden Dokumente herunterladen, die für den Antrag notwendig sind.

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