Zurück in den Job

So klappt die Wiedereingliederung

Verbraucher | WISO - Zurück in den Job

Von null auf 40 Stunden pro Woche - das ist für viele Arbeitnehmer kurz nach einer Krankheit nicht möglich. Wie funktioniert die Rückkehr in den Job am besten? So klappt die Wiedereingliederung.

Beitragslänge:
4 min
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Video verfügbar bis 23.09.2017, 00:00

Ob Burn-Out, die Folgen eines schweren Autounfalls oder Krebs: Viele Krankheiten führen dazu, dass Arbeitnehmer wochen- oder sogar monatelang nicht arbeiten können. Stattdessen geht es darum, gesund zu werden und Kraft zu tanken. Wann ein Arbeitnehmer an seinen Arbeitsplatz zurückkehrt, entscheidet der behandelnde Arzt. Aber wie funktioniert die Rückkehr in den Job am besten? Unser WISO-Tipp!

Nach einer langen Krankheit wieder Fuß im Arbeitsleben zu fassen, ist schwierig. Wie belastungsfähig bin ich schon? Wie lange kann ich mich konzentrieren? Wie komme ich auf den neusten Informationsstand? Schaffe ich es überhaupt auf Anhieb, meine Aufgaben vollumfänglich erledigen zu können? Der Schritt zurück in den alten Job ist begleitet von vielen Fragen und Unsicherheit. Dank der so genannten stufenweisen Wiedereingliederung müssen Sie diesen Schritt „von null auf hundert“ nicht auf einmal gehen.

Stufenweise Wiedereingliederung

Die stufenweise Wiedereingliederung besteht in der Regel aus einem schrittweisen Anstieg der Arbeitszeit. Das heißt, Sie beginnen mit wenigen Stunden pro Tag und steigern die Arbeitszeit und die Arbeitsbelastung kontinuierlich an. Sie ist für Arbeitgeber und Arbeitnehmer freiwillig. So eine Wiedereingliederung dauert individuell zwischen sechs Wochen und sechs Monaten.

Währenddessen bleiben Sie krank geschrieben. Das heißt: Sie müssen mit weniger Geld rechnen. In der Regel erhalten Sie Krankengeld von der Krankenkasse. Das sind 70 Prozent Ihres Bruttogehalts. Beginnen Sie die Wiedereingliederung innerhalb von vier Wochen nach einer Reha-Maßnahme, erhalten Sie Übergangsgeld von der Rentenversicherung anstatt Krankengeld von der Krankenkasse. Das ist erheblich weniger!

Beachten Sie: In handwerklichen Berufen oder im Schichtbetrieb können Arbeitgeber die stufenweise Wiedereingliederung oft nicht ermöglichen. Das liegt daran, dass Handwerker in der Regel körperlich komplett fit sein müssen, um wieder eingesetzt werden zu können. In Betrieben, in denen beispielsweise im Akkord gearbeitet wird, ist es ebenfalls schwierig, einen Mitarbeiter langsam zu integrieren, da sonst beispielsweise Schichten geteilt werden müssten. Tipp: Sprechen Sie mit Ihrem Vorgesetzten und fragen Sie nach innerbetrieblichen Alternativen. Gibt es diese nicht, bleiben Sie so lange krank geschrieben, bis Sie wieder gesund sind.

Der Stufenplan

Grundlage der Wiedereingliederung ist ein Stufenplan. Den erstellt in der Regel Ihr behandelnder Arzt in Absprache mit dem Arbeitgeber und in vielen Fällen mit dem Betriebsarzt. Ihr Arzt reicht den Plan beim zuständigen Kostenträger ein – etwa der Krankenkasse oder der Rentenversicherung. Der Plan legt genau fest, in welchen Stufen Sie Ihre tägliche und wöchentliche Arbeitszeit verlängern und welche Belastungen Sie vermeiden sollen.

Bleiben Sie während der Wiedereingliederung in ständigem Kontakt mit Ihrem behandelnden Arzt. Falls Sie merken, dass die Belastung zu hoch ist, können Sie den Wiedereingliederungsplan jederzeit verändern. Wichtig: Sie können die Wiedereingliederung jederzeit abbrechen. Und: Da Sie krank geschrieben bleiben, sind Sie nicht dazu verpflichtet, eine bestimmte Arbeitsleistung zu erbringen.

Urlaub und Krankheit

Viele Arbeitnehmer, die lange erkrankt und arbeitsunfähig sind, fragen sich: Was passiert mit meinem Urlaub, wenn ich so lange nicht arbeite? Während Sie krankgeschrieben sind, können Sie Ihren Urlaub nicht nehmen. Ihr Urlaubsanspruch verfällt aber nicht! Der Urlaub, den Sie aufgrund einer Erkrankung nicht nehmen, wird auf Ihrem Urlaubskonto gesichert und kann auch ins nächste Jahr mitgenommen werden. Er verfällt also nicht – wie sonst üblich – bis zum Ende des laufenden Kalenderjahres.

Es gibt jedoch einiges zu beachten: Zum einen: Sie können Ihren Urlaub, den Sie während der Erkrankung angesammelt haben - sofern es keine anderen Regelungen in Ihrem Unternehmen gibt - nicht unbegrenzt ansammeln. Es gibt einen so genannten Übertragungszeitraum. Das bedeutet: Bis 15 Monate nach Ablauf des Urlaubsjahres können noch Ansprüche geltend gemacht werden. Ihr Urlaubsanspruch entfällt erst am 31. März des übernächsten Kalenderjahres.

Und: Sie sollten Ihren angesparten Urlaub nach der Rückkehr ins Unternehmen zeitnah nehmen. Sobald Sie wieder gesund sind, erlischt Ihr Anspruch auf den angesparten Urlaub bis zum Jahresende.

Drei-Tage-Woche

Viele Arbeitnehmer, die nach langer Krankheit wieder ins Arbeitsleben zurückkehren, teilen sich ihre angesammelten Urlaubstage so ein, dass sie nach einer stufenweisen Wiedereingliederung zunächst eine Drei- oder Vier-Tage-Woche machen. So bauen sie pro Woche ein oder zwei Tage des angesammelten Urlaubs ab und können dadurch die langsame Wiedereingliederung etwas verlängern. Tipp: Sprechen Sie mit Ihrem Vorgesetzten, ob das auch für Sie eine Option sein könnte.

Gesundheitsförderndes Büromöbel

Grundsätzlich gilt: Für die richtige Ausstattung von Büroräumen sorgen in Deutschland die Arbeitgeber. Dabei muss vor allem ergonomisches Sitzen möglich sein, damit die Gesundheit der Mitarbeiter erhalten bleibt. Um jedoch nach einer langen Krankheit oder einem Unfall weiterhin arbeiten zu können, empfehlen Fachärzte spezielle Büromöbel wie höhenverstellbare Schreibtische oder medizinische bzw. orthopädische Bürostühle. Diese sind noch individueller einstellbar oder aus speziellen Materialien gefertigt, um bspw. die Schmerzen beim Sitzen abzufedern. Bei diesen Hilfsmitteln handelt es sich um Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben, kurz LTA, und sollen dazu beitragen, die Erwerbstätigkeit zu erhalten, bzw. wiederherzustellen. Diese Leistungen sind nicht auf spezielle Diagnosen beschränkt.

Kosten übernehmen Kostenträger

Die Kosten für solche Hilfsmittel werden zum Teil von Kostenträgern übernommen. Welcher Kostenträger für Sie zuständig ist, ist abhängig von Ihrer Beschäftigung und der Art Ihrer Beeinträchtigung.

Deutschlandweit gibt es so genannte „Gemeinsame Servicestellen für Rehabilitation“. Unter folgendem Link finden Sie auch eine Stelle in Ihrer Nähe, wo Sie Rat in allen Fragen der Rehabilitation und im Besonderen zu gesundheitsfördernden Büromöbeln finden. Außerdem können Sie dort erfragen, welcher Kostenträger für Sie zuständig ist: reha-servicestellen.de. Die Kostenträger unterscheiden sich wie folgt voneinander:

Beachten Sie: Falls Sie Ihren Antrag an einen Kostenträger geschickt haben, der doch nicht für Sie zuständig ist, wird Ihr Antrag intern an den richtigen Kostenträger weitergeleitet. Das kann die Bearbeitung Ihres Antrags allerdings deutlich verzögern.

So stellen Sie einen Antrag

Wichtig ist, dass Ihr behandelnder Facharzt Ihnen attestiert, dass Sie gesundheitsfördernde Büromöbel benötigen, um die Arbeitsfähigkeit an Ihrem Arbeitsplatz erhalten zu können. Diese müssen Sie selbst anschaffen: Lassen Sie sich dazu in einem Fachgeschäft beraten und verlangen Sie zunächst einen Kostenvoranschlag! Dieser wird von manchen Kostenträgern benötigt.

Ihr Kostenträger erstattet meist nur einen Teil des Kaufpreises. Die Höhe der Förderung hängt immer vom Einzelfall ab. Gesetzliche Höchstgrenzen für die Kostenübernahme gibt es keine. Die Deutsche Rentenversicherung Bund gibt jedoch an, dass sie in der Regel orthopädische Bürostühle mit maximal rund 400 Euro bezuschusst, höhenverstellbare Schreibtische mit maximal 800 Euro.
Reichen Sie Ihr Attest und den Kostenvoranschlag zusammen mit dem Antrag auf Erstattung beim Kostenträger ein. Tipp: Reha-Berater oder Betriebsärzte können Ihnen beim Ausfüllen des Antrags helfen.

Antragsformulare erhalten Sie ebenfalls in den „Gemeinsamen Servicestellen Rehabilitation“, bei der Rentenversicherung, bei den gesetzlichen Krankenkassen oder bei Versicherungsämtern. Unter folgenden Links der Deutschen Rentenversicherung können Sie sich die beiden Dokumente herunterladen, die für den Antrag notwendig sind: Antragformular G0100, Antragformular G0132.

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