Hydraulischer Abgleich

Wie Sie die Heizung optimal einstellen

Verbraucher | WISO - Hydraulischer Abgleich

Der Staat will helfen, Heizkosten zu sparen. Das tut er seit August mit einem neuen Programm zur Heizungsoptimierung. 30 Prozent der Kosten gibt es als Zuschuss für den hydraulischen Abgleich. So können Hausbesitzer doppelt sparen.

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Video verfügbar bis 07.11.2017, 19:25

Langsam wird es kühl in Deutschland, bei den meisten läuft die Heizung schon wieder. So wie bei Familie Flach. Scheinbar funktioniert die Heizungsanlage gut und alle Räume werden warm: „Ja, es wird warm, das ist ja meistens die Hauptsache. Und wenn mal ein Heizkörper nicht ganz warm wird, entlüften wir ihn eben oder müssen ihn höher drehen“, erklärt Hausbesitzer Georg Flach.

Gluckern und Entlüften von Heizkörpern

Jeder kennt das: Dieses Gluckern und Entlüften von Heizkörpern, die nur zur Hälfte warm werden. Und auch der Energieberater der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz, Hans Kitzerow, beobachtet das bei seinen Hausbesuchen immer wieder. Das sei ein weit verbreitetes Problem – das Verbraucher viel Geld kostet: „Heizungsanlagen sind selten optimal auf die Bedürfnisse der Verbraucher und deren Tagesablauf eingestellt. Viel mehr ins Geld geht aber, dass es keine Berechnung gibt, wie groß die Heizlast der einzelnen Räume ist, also vereinfacht gesagt die Frage, wie viel Wärme in den einzelnen Raum strömen muss.“ Die meisten Anlagen und Heizkörper könnten besser eingestellt werden. Locker 5 bis 10 Prozent der Heizkosten ließen sich durch optimale Einstellung sparen.

Kaum bekannt ist aber eine Maßnahme, an deren Sinn kaum ein Experte zweifelt: Der hydraulische Abgleich. Das Problem kennen viele, die eine Heizungsanlage haben: Die Heizkörper werden unterschiedlich schnell warm, manche heizen stark, andere kaum. Hinzu kommt ein Rauschen oder Gluckern. Hier hilft der hydraulische Abgleich, denn jeder Heizkörper soll mit dem richtigen Druck arbeiten. Das erreicht der Installateur, indem er an den einstellbaren Thermostatventilen den Durchfluss regelt. Dann verteilt sich die Wärme optimal, und die Heizung arbeitet effizient.

Im Haus der Familie Flach legt Energieberater Kitzerow sofort los. Er berechnet die Rohrdurchmesser und die Heizlast, also die nötige Wärme angesichts einer bestimmten Raumgröße. So entsteht ein genaues Modell des Hauses mit exakten Daten. Die wiederum bespricht er mit dem Heizungsbauer Sascha Ott, der alle nötigen Einstellungen vornimmt. So arbeiten Energieberater und Heizungsbauer-Meister Hand in Hand beim hydraulischen Abgleich.

Wieso hydraulischer Abgleich?

Warmes Heizungswasser verteilt sich in den meisten Fällen über das Rohrleitungsnetz gleichmäßig im Haus - so die Theorie. Aber Wasser sucht sich immer den kürzesten Weg zurück zum Ausgangspunkt, also zur Heizungsanlage. Daher werden vom Heizzentrum entfernte Räume, etwa im Dachgeschoss, oft nicht richtig warm, so die Experten des Energie-Infoportals „co2online“. Hingegen werden Heizkörper, die nah am Heizkessel liegen, meist zu heiß. Teure Heizenergie gehe auf diese Weise verloren: 1,6 Milliarden Euro im Jahr verpuffen so überflüssig, schätzen Experten wie Prof. Dieter Wolff von der Ostfalia-Hochschule Wolfenbüttel.

Was geschieht beim hydraulischen Abgleich?

Die optimale Einstellung des Heizsystems durch einen hydraulischen Abgleich der Heizung stelle sicher, dass die Wärme optimal im Haus verteilt wird, so das Portal „co2online“. Dazu werden alle Komponenten der Heizungsanlage - vom Heizkessel bis zur Heizungspumpe - richtig dimensioniert und auf den Energiebedarf des Hauses abgestimmt. An den Thermostatventilen wird durch Voreinstellung die Durchflussmenge des Heizwassers am Heizkörper exakt reguliert und an den erforderlichen Bedarf des Raumes angepasst. Das Ergebnis: In der Heizung ist stets die richtige Wassermenge mit der richtigen Temperatur zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Die Wärme wird gleichmäßig und effizient im Haus verteilt. Hinzu komme, so Energieberater Kitzerow, natürlich auch ein Blick auf die richtige Dämmung der Heizungsrohre, damit nicht zu viel wertvolle Energie auf dem Weg zu den Heizkörpern verloren geht.

Was ist nötig?

Voraussetzung für das optimale Einstellen der Heizanlage sind voreinstellbare Thermostatventile oder Rücklaufverschraubungen an den Heizkörpern, heißt es weiter bei „co2online“. Die Kosten der Maßnahme rechneten sich oft schnell. Und nötig ist auch ein Heizungsbauer, der den hydraulischen Abgleich durchführt.

Was kostet die Maßnahme?

Die Kosten für die Heizungsoptimierung und den hydraulischen Abgleich können stark voneinander abweichen, je nachdem, ob beispielsweise die Thermostatventile an den Heizkörpern einstellbar sind oder ob die ausgetauscht werden müssen. Die Experten von „co2online“ nennen drei Szenarien:

Der große Vorteil: Mit der neuen Förderung und den Zuschüssen vom Staat rechnet sich die Optimierung nochmal deutlich schneller.

Wie läuft das mit der Förderung?

Das neues Förderprogramm speziell für Bestandsgebäude läuft gerade an: Für die Heizungsoptimierung wie den hydraulischen Abgleich oder für eine neue Heizungspumpe gibt es einen Zuschuss. 30 Prozent der Nettokosten für Material und Arbeitskosten sind drin. Netto heißt: Die Mehrwertsteuer wird von dem zu bezuschussenden Betrag abgezogen. Beispiel: Bei Gesamtkosten von 833 Euro sind 19 Prozent Mehrwertsteuer abzuziehen. Dann werden 210 Euro von den verbleibenden 700 Euro Nettokosten übernommen. Der Förderhöchstbetrag liegt bei 25.000 Euro.

Antrag vor Maßnahme stellen

Wichtige Voraussetzung: Der Antrag muss vor der Maßnahme beim zuständigen Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) gestellt werden. Nicht nur Privatpersonen, auch Unternehmen und Vereinigungen können den Antrag stellen. Aber die Förderung gilt nur für Bestandsimmobilien, nicht für Neubauten. Hierfür gibt es andere Fördermaßnahmen. Nach der Registrierung erhält man eine Vorgangsnummer. Nun hat man sechs Monate Zeit, die Maßnahme durch einen Fachbetrieb durchführen zu lassen. Eigenleistung wird nicht gefördert, das Material, etwa die Pumpe, muss neu sein. Anschließend reichen die Verbraucher die Rechnung zusammen mit dem ausgefüllten Antragsformular beim BAFA ein. Das BAFA weist darauf hin, dass die Rechnung nur förderfähige Maßnahmen enthalten sollte; andere Dinge seien separat abzurechnen. Der Zuschuss wird nach der Bewilligung direkt aufs Konto überwiesen. Die Förderung läuft bis zum 31.12.2020 beziehungsweise so lange, wie Haushaltsmittel verfügbar sind.

Ansprechpartner für diese „Förderung der Heizungsoptimierung durch hocheffiziente Pumpen und hydraulischem Abgleich“ ist das BAFA. Die Experten sind telefonisch erreichbar unter 06196 908-1001. Auf der Website des BAFA gibt es Merkblätter zum Förderprogramm und die wesentlichen Informationen.

Ziel: Zwei Millionen Heizungspumpen austauschen

Seit August läuft das Programm. Auf WISO-Anfrage heißt es zwar aus dem Wirtschaftsministerium: „Die Nachfrage ist in den letzten Wochen stetig angestiegen.“ In drei Monaten habe man 24.100 Antragsteller gezählt. Aber bei rund 60 Millionen Gebäuden mit Wohnraum in Deutschland ist noch Luft nach oben. Die Bundesregierung hat zum Ziel, bis 2020 jährlich zwei Millionen Heizungspumpen austauschen zu lassen und 200.000 hydraulische Abgleiche zu fördern. Davon ist die Branche deutlich entfernt.

Das Problem ist auch beim zuständigen Zentralverband bekannt. Heizungsoptimierung und hydraulischer Abgleich seien eher sperrige Themen im Kundengespräch, erklärt Andreas Müller vom Zentralverband Sanitär, Heizung, Klima (ZVSHK): „Unsere Handwerker müssen immer noch ein wenig Überzeugungsarbeit leisten, welcher Aufwand für die Optimierung der Anlage und den hydraulischen Abgleich nötig ist. Hierzu bieten wir aber als ersten Schritt einen so genannten Heizungscheck an, der die meisten Heizungsbesitzer überzeugt, mit wie viel oder wenig Aufwand sie ihre Heizkosten senken können“, so Müller.

Vom Installateur zum Energiesparberater

Aber der Wandel des Heizungsbauers vom Installateur zum Energiesparberater ist nicht ganz einfach. Die Verbraucherschützer berichten von Fällen, in denen der Heizungsbauer oft lieber zum Einbau neuer Gerätschaften rät als eine aufwendige Berechnung von Rohrdurchmessern und Heizlasten sowie den hydraulischen Abgleich anzubieten. Zudem sind nach Angaben des Verbands rund 5000 Mitgliedsbetriebe bis heute geschult - bei 25.000 Betrieben insgesamt.

Nach rund drei Stunden hat Heizungsbauer Sascha Ott seine Arbeit erledigt. Und Hausbesitzer Georg Flach kann sich über eine satte Ersparnis freuen und eine optimal eingestellte Heizung. Für ihn macht das rund 100 Euro im Jahr aus: „Die Ersparnis freut mich natürlich, aber vor allem bin ich froh, wenn ich das Gefühl habe, dass die Heizung perfekt läuft. Das ist angenehm, jetzt zu Beginn des Winters.“

Wichtige Links zur Heizungsoptimierung: Informationen des zuständigen Bundesamtes BAFA, Angebot für Energiechecks der Verbraucherzentralen, viele Informationen zur Heizungsoptimierung und zur Förderung: co2online, baufoerderer.

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