Betriebsrente – worauf achten?

Verbraucher | WISO - Betriebsrente – worauf achten?

Die gesetzliche Rente wird immer geringer werden. Umso wichtiger wird es, zusätzlich selbst vorzusorgen - zum Beispiel mit einer Betriebsrente. Der WISO-Tipp verrät, worauf man dabei achten muss.

Beitragslänge:
5 min
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Video verfügbar bis 09.05.2018, 03:05

Die Rente ist sicher - auch in Zukunft. Was jedoch auch sicher ist: Die gesetzliche Rente wird immer geringer werden. Wer heute in Rente geht, bekommt immerhin noch knapp die Hälfte des Durchschnittslohns als Rente, nämlich 48 Prozent. 2030 werden nur noch 43 Prozent ausgezahlt werden.

Umso wichtiger ist es, zusätzlich selbst vorzusorgen. Die „älteste, wichtigste und kostengünstigste Zusatzversorgung im Alter“ ist die Betriebsrente, so Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles im März 2017. Im Jahr 2016 hatten allerdings nur 57 Prozent der Beschäftigten eine solche betriebliche Altersvorsorge abgeschlossen.

Was lohnt sich?

Entscheidend bei der betrieblichen Altersvorsorge: Der Arbeitgeber bestimmt das Produkt. In der Regel haben Sie als Arbeitnehmer nur wenig Mitspracherecht bei der Wahl. Wenn Ihr Arbeitgeber alleine in die Betriebsrente einzahlt, sollten Sie das Angebot auf jeden Fall annehmen. Hier können Sie nichts verlieren!

Falls Sie beide einzahlen, gilt die Faustformel: Der Anteil Ihres Arbeitgebers sollte mindestens 20 Prozent von Ihrem Anteil betragen. Wenn Sie also 100 Euro von Ihrem Bruttogehalt einzahlen, sollte Ihr Arbeitgeber mindestens 20 Euro drauflegen.

Für den Fall, dass sich Ihr Arbeitgeber nicht an der Einzahlung beteiligt, sollten Sie prüfen lassen, ob sich andere Geldanlagen mehr lohnen.

Worauf achten?

Bevor Sie eine Betriebsrente abschließen, sollten Sie die Vertragsbedingungen genau prüfen! Lassen Sie sich vom Arbeitgeber eine Broschüre und die Vertragsbedingungen aushändigen.
Fragen Sie nach, wie und wo Ihr Geld angelegt wird. Ein gutes Produkt zeichnet sich in der Regel durch die Investition in möglichst global gestreute Aktien und niedrige Abschluss- und Betriebskosten aus. Erkundigen Sie sich, ob die Betriebsrente im Alter als monatliche Rente oder in Form einer Einmalzahlung ausbezahlt wird.

Beachten Sie, dass Sie den Vertrag möglichst lange beitragsfrei stellen lassen können, falls Sie aufgrund von Arbeitslosigkeit oder Elternzeit die Einzahlungen unterbrechen müssen. Lassen Sie sich beraten und die Vertragsbedingungen von einem neutralen Experten prüfen! Wenden Sie sich an die Verbraucherzentralen oder unabhängige Honorarberater, die als Rentenberater tätig sind.

Die fünf Modelle der betrieblichen Altersvorsorge

Für die betriebliche Altersvorsorge gibt es fünf verschiedene Modelle: Direktversicherung, Pensionskasse, Pensionsfonds, Direktzusage/Pensionszusage und Unterstützungskasse. Welches der Modelle von Ihrem Arbeitgeber angeboten wird, ist tariflich und/oder betrieblich geregelt.

Was tun beim Arbeitgeberwechsel?

In den seltensten Fällen bleiben Sie ein Leben lang beim selben Arbeitgeber. Ihre betriebliche Altersvorsorge ist aber zunächst komplett an Ihren Arbeitgeber gebunden. Schließlich ist er der Vertragsnehmer. Was passiert also mit Ihrem angesparten Geld? Und was passiert mit Ihrem Vertrag?

Unverfallbarkeit des Guthabens

Bei einem Arbeitgeberwechsel spielt das Prinzip der Unverfallbarkeit eine wichtige Rolle. Unverfallbar bedeutet, dass Ihr Guthaben, das Sie aus der Entgeltumwandlung heraus angespart haben, nie verfallen kann. Alles, was Sie selbst bis zum Arbeitgeberwechsel eingezahlt haben inklusive der Zinsen, die Ihnen bis Rentenbeginn zustehen, werden Sie ausbezahlt bekommen.

Anders verhält es sich unter Umständen mit dem Anteil, den Ihr Arbeitgeber beigesteuert hat. Hier sollten Sie Ihre Vertragsunterlagen prüfen:

  • Bei Verträgen, die seit Januar 2009 geschlossen wurden, gilt: Wenn Sie bei Verlassen des Unternehmens über 25 Jahre alt sind und mindestens fünf Jahre im Betrieb tätig waren, kann das durch den Arbeitgeber angesparte Geld der betrieblichen Altersvorsorge nicht mehr verfallen.
  • Bei Verträgen, die vor Januar 2009 geschlossen wurden, müssen Sie bei einem Arbeitgeberwechsel das 30. Lebensjahr vollendet haben und fünf Jahre Teil des Unternehmens gewesen sein, damit Ihre Ansprüche der betrieblichen Altersvorsorge unantastbar werden.

Was passiert mit dem Vertrag?

Wie bereits erläutert, ist der Arbeitgeber der Vertragsnehmer Ihres betrieblichen Altersvorsorge-Produkts. Wenn Sie den Arbeitgeber wechseln, endet also eigentlich nicht nur der Arbeitsvertrag, sondern auch der für die betriebliche Altersvorsorge.

Am besten wäre jetzt natürlich, wenn Sie Ihren alten Vertrag einfach mitnehmen und zu den alten Bedingungen fortführen könnten. Dann müsste der neue Arbeitgeber aber auch dasselbe Produkt anbieten. Wenn das möglich ist: Machen Sie das!

Übertragung des Guthabens in neuen Vertrag

Eine Alternative wäre, das alte Guthaben auf einen neuen Vertrag zu übertragen. Bei Verträgen, die nach 2005 und als Direktversicherung, Pensionskasse und Pensionsfonds abgeschlossen wurden, haben Sie einen Rechtsanspruch auf die so genannte Portabilität, also die Möglichkeit, das Guthaben zu übertragen.

Aber Achtung: Da Sie einen neuen Vertrag abschließen, fallen in der Regel Übernahme- und Anschlusskosten an. Außerdem kann es sein, dass die Vertragsbedingungen hinsichtlich Zusatzversicherungen, Garantiezins und Versorgungsumfang schlechter sind als beim alten Arbeitgeber, bzw. beim alten Vertrag. Prüfen Sie die neuen Versicherungsbedingungen genau!

Alten Vertrag behalten

Sollten die Kosten unverhältnismäßig sein, kann es günstiger für Sie sein, den Vertrag Ihres alten Arbeitgebers beitragsfrei zu stellen oder mit eigenen Beiträgen fortzuführen und somit Ihre bisherigen Leistungen dort zu verwahren.

Fragen Sie bei Ihrem alten Arbeitgeber und Ihrem Versicherungsberater nach, wie die Konditionen dafür genau aussehen und lassen Sie sich errechnen, welche Variante sich für Sie am meisten lohnt, damit Sie im Alter von den Ersparnissen profitieren!

Elternzeit und betriebliche Altersvorsorge

Wenn junge Arbeitnehmer Eltern werden, wirkt sich das in der Regel auf alle Bereiche des Lebens aus – selbstverständlich auch auf die Arbeitswelt, die Finanzen und die Altersvorsorge. In diesem Fall auch auf die betriebliche Altersvorsorge.

Elterngeld und Entgeltumwandlung

Eine betriebliche Altersvorsorge durch Entgeltumwandlung hat Auswirkungen auf Ihr Elterngeld. Denn: Sobald Sie in Elternzeit gehen, bekommen Sie keinen Lohn mehr von Ihrem Chef, sondern Lohnersatzleistungen vom Staat: Das Elterngeld. Das Elterngeld berechnet sich nach dem zu versteuernden Einkommen. In der Regel sind es 67 % Ihres so genannten Steuer-Brutto, maximal 1800 Euro pro Monat.

Der Steuervorteil der Entgeltumwandlung wirkt sich hier also negativ aus. Denn: Aufgrund der Entgeltumwandlung wird das zu versteuernde Einkommen gesenkt. Gleichzeitig wird aber auch die Berechnungsgrundlage für das Elterngeld gesenkt – und somit das Elterngeld. Die Entgeltumwandlung kann sich übrigens genauso negativ auf die Höhe des Krankengelds und des Arbeitslosengelds auswirken. Beide Leistungen werden ebenfalls nach der Höhe des zu versteuernden Einkommens berechnet.

Einzahlungen während der Elternzeit

Werden die Beträge der betrieblichen Altersvorsorge durch Ihren Arbeitgeber finanziert, ist in Ihrem Vertrag festgehalten, ob diese Zahlungen während der Elternzeit weiterlaufen. Rechtlich unterscheidet man dabei zwischen dienstzeitunabhängigen und dienstzeitabhängigen Leistungszusagen der betrieblichen Altersvorsorge.

  • Dienstzeitunabhängige Zahlung: Beiträge sind unabhängig von Ihrer geleisteten Arbeit. In der Elternzeit werden auch weiterhin Beiträge vom Arbeitgeber bezahlt.
  • Dienstzeitabhängige Zahlung: In Zeiten, in denen Sie keine Arbeit leisten, zahlt der Arbeitgeber auch keine Beiträge; sie werden während der Elternzeit ausgesetzt.

Anders verhält es sich bei einer betrieblichen Altersvorsorge durch Entgeltumwandlung. Da Sie während der Elternzeit keinen Lohn erhalten, sondern Leistungen vom Staat bekommen, ist die steuer- und sozialabgabenfreie Entgeltumwandlung nicht mehr möglich. Allerdings gibt es verschiedene Möglichkeiten wie Sie mit Ihrer betrieblichen Altersvorsorge während der Elternzeit umgehen können.

Zahlungen ruhen lassen

Wie auch bei privaten Rentenversicherungen können Sie sich für die Dauer der Elternzeit von den Beitragszahlungen freistellen zu lassen. Wenn Sie nach der Elternzeit wieder in Ihren Job zurückkehren, können Sie Ihre betriebliche Altersvorsorge innerhalb der ersten drei Monate zu den alten Bedingungen wiederaufnehmen. Beachten Sie: Eine Beitragsfreistellung wirkt sich negativ auf die Höhe Ihrer Betriebsrente im Rentenalter aus.

Eigene Beiträge einzahlen

Bei den Modellen der Direktversicherung, der Pensionskasse und den Pensionsfonds können Sie Ihre Beiträge aus eigener Tasche weiterzahlen. Beachten Sie hierbei: Die Beiträge zahlen Sie dann aus Ihrem bereits versteuerten Einkommen. Wenn Sie also privat weiterzahlen, sparen Sie weder Steuern noch Sozialabgaben in der Ansparphase während der Elternzeit.

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