Familienpflegezeit

So vereinbaren Sie Job und Pflege

Verbraucher | WISO - Familienpflegezeit

Seit 2015 ist es Berufstätigen möglich, zur Pflege ihrer Angehörigen eine Familienpflegezeit zu nehmen. Doch worauf müssen sie dabei achten? Was passiert mit Gehalt, Versicherungen und Finanzierung?

Beitragslänge:
4 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 04.05.2017, 12:00

Ein Pflegefall kann von einem Tag auf den anderen eintreten. Schätzungsweise gibt es derzeit in Deutschland rund 2,6 Millionen Menschen, die pflegebedürftig sind. In vielen Fällen werden die Pflegebedürftigen zuhause von berufstätigen Angehörigen gepflegt. Dies ist eine große Belastung für die Angehörigen, die den Spagat zwischen Job und Pflege aushalten müssen. Eine Erleichterung für pflegende Berufstätige soll die sogenannte Familienpflegezeit bringen – eine kurzfristige Auszeit vom Job. Das Gesetz zur Familienpflegezeit wurde 2015 beschlossen und soll zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Pflege führen.

Im Rahmen der Familienpflegezeit haben Arbeitnehmer die Möglichkeit, sich für bis zu 24 Monate teilweise von ihrer Arbeit freistellen zu lassen, um einen Angehörigen zu pflegen. So können Sie während der Familienpflegezeit Ihre Arbeitszeit auf bis zu 15 Stunden pro Woche reduzieren.

Voraussetzung: Die bestehende Pflegebedürftigkeit des Angehörigen wurde durch die Pflegekasse oder durch den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) nachgewiesen und bei dem Angehörigen wurde mindestens Pflegestufe 1 festgestellt. Wurde noch keine Pflegestufe festgestellt, muss der MDK eine Begutachtung durchführen. Und: Die Familienpflegezeit können nur Arbeitnehmer in Anspruch nehmen, die bei Arbeitgebern mit mehr als 25 Beschäftigten tätig sind.

Versicherungen und Co.

Während der Familienpflegezeit werden, trotz des reduzierten Gehalts, Arbeitslosen-, Kranken-, Renten- und Unfallversicherung weiterbezahlt. Da Sie während der Familienpflegezeit Ihre Berufstätigkeit beibehalten und nur auf Teilzeit reduzieren, bleibt grundsätzlich die Versicherungspflicht bestehen. Die Sozialversicherungsbeiträge berechnen sich während der Familienpflegezeit aus dem insgesamt gezahlten reduzierten Gehalt.

Das könnte zum Beispiel bewirken, dass wegen des niedrigen Einkommens im Bedarfsfall auch da Arbeitslosengeld und Krankengeld niedriger sind oder für die spätere Rente weniger Entgeltpunkte angerechnet werden könnten. Allerdings haben Pflegende die Möglichkeit, zusätzliche Beiträge zur Rentenversicherung über die Pflegekasse zu beantragen.

"Kurzzeitige Arbeitsverhinderung" im Notfall

Wird ein naher Angehöriger plötzlich zum Pflegefall oder tritt eine akute Pflegesituation auf, können Sie eine kurzzeitige Auszeit von der Arbeit nehmen. In der Regel sind das bei der sogenannten kurzzeitigen Arbeitsverhinderung bis zu zehn Arbeitstage. Voraussetzung: Es liegt eine akute Pflegesituation vor, also eine außergewöhnliche, abweichende Krisensituation, in der eine bedarfsgerechte pflegerische Versorgung auf Dauer organisiert und sichergestellt werden muss, zum Beispiel nach einem Schlaganfall oder bei einer vorzeitigen Entlassung aus dem Krankenhaus. Diese Zeit dient vor allem dafür, die Pflege zu organisieren und sicherzustellen. Dazu zählt zum Beispiel auch, sich über Pflegeangebote zu informieren, Behördengänge oder die nötigen Schritte einzuleiten, damit eine Pflege zu Hause möglich ist.

Wichtig: Es handelt sich um einen nahen Angehörigen wie zum Beispiel Großeltern, Eltern, Lebenspartnern, Geschwister oder Kinder. Der nahe Angehörige muss pflegebedürftig sein, das heißt: beim pflegebedürftigen Angehörigen muss mindestens Pflegestufe I festgestellt worden sein oder die Voraussetzungen für die Pflegestufe 1 voraussichtlich erfüllen. Zudem müssen Sie Ihren Arbeitgeber unverzüglich informieren, ob Sie sich für zehn Tage oder weniger freistellen lassen möchten. Ihr Arbeitgeber kann eine ärztliche Bescheinigung über die voraussichtliche Pflegebedürftigkeit des Angehörigen und die Erforderlichkeit der Arbeitsbefreiung verlangen.

Rechtsanspruch und Lohnfortzahlung?

Der Rechtsanspruch besteht einmalig für jede pflegebedürftige Person. Teilen sich mehrere Pflegepersonen die Versorgung, können die insgesamt bis zu zehn Tagen auch auf mehrere Personen verteilt werden. Die kurzzeitige Arbeitsverhinderung kann unabhängig von der Betriebsgröße in Anspruch genommen werden.

Aus dem Pflegezeitgesetz selbst ergibt sich keine Pflicht zur Entgeltfortzahlung. Der Arbeitgeber ist zur Fortzahlung der Vergütung nur dann verpflichtet, wenn dies zum Beispiel in einem Tarifvertrag oder in einer Betriebsvereinbarung festgehalten wurde.

Pflegezeit bis zu sechs Monaten

Beschäftigte haben im Rahmen der Pflegezeit einen Anspruch darauf für bis zu sechs Monate teilweise oder ganz aus dem Job auszusteigen, um einen pflegebedürftigen nahen Angehörigen in häuslicher Umgebung zu pflegen. Die Pflegezeit kann zwar für weniger als sechs Monate beansprucht werden, kann aber nicht auf mehrere Zeiträume verteilt werden, sondern muss am Stück genommen werden. Haben Sie die Pflegezeit anfangs für einen kürzeren Zeitraum beantragt, können Sie den Zeitraum bis zur Höchstdauer verlängern – sofern der Arbeitgeber zustimmt.

Wer die Pflegezeit in Anspruch nehmen möchte, muss dies zehn Arbeitstage vor Beginn Pflegezeit dem Arbeitgeber schriftlich mitteilen. Außerdem sollten Sie ihrem Arbeitgeber auch die Dauer und den Umfang der gewünschten Freistellung erklären.

Soziale Absicherung

Grundsätzlich gilt: Wer einen nahen Angehörigen in häuslicher Umgebung für mindestens 14 Stunden pro Woche nicht erwerbsmäßig pflegt, ist eine Pflegeperson im Sinne der Pflegeversicherung. Für Pflegepersonen zahlt die Pflegeversicherung Beiträge zur Rentenversicherung, wenn Sie neben der Pflege nicht mehr als 30 Stunden arbeiten. Die Höhe des Rentenversicherungsbeitrages hängt vom Schweregrad der Pflegebedürftigkeit und vom Umfang der Pflegetätigkeit ab. Darüber hinaus leistet die Pflegekasse auch Beiträge zur Arbeitslosenversicherung. Außerdem sind Pflegepersonen während der Pflegetätigkeiten und bei allen Tätigkeiten, die unmittelbar mit der Pflege zu tun haben, gesetzlich unfallversichert

Ist die Pflegeperson ganz aus dem Job ausgestiegen, ist kein Kranken- und Pflegeversicherungsschutz mehr gegeben. In diesem Fall kann die Pflegeperson im Rahmen der Familienversicherung abgesichert werden. Ist dies nicht möglich, muss eine freiwillige Weiterversicherung abgeschlossen werden. Dafür zahlt die Pflegekasse in der Regel einen Beitragszuschuss in Höhe des Mindestbeitrages zur Kranken- und Pflegeversicherung.

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