Gemeinsam versichern ohne Trauschein

Verbraucher | WISO - Gemeinsam versichern ohne Trauschein

Immer mehr Paare leben zusammen, ohne dass sie verheiratet sind. Für sie ist es trotzdem interessant, sich um gemeinsame Versicherungen Gedanken zu machen. Dabei lässt sich nämlich viel Geld sparen.

Beitragslänge:
4 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 20.05.2017, 11:00

Immer mehr Paare leben zusammen, ohne dass sie verheiratet sind. Für sie ist es trotzdem interessant, sich um gemeinsame Versicherungen Gedanken zu machen. Dabei lässt sich nämlich viel Geld sparen. Diesen Vorteil können auch Sie nutzen. Was es beim gemeinsamen Versichern zu beachten gibt, erfahren Sie in unserem WISO-Tipp.

Sie planen eine gemeinsame Zukunft, doch an Hochzeit denken Sie aktuell nicht - 2014 traf dies auf die Lebenssituation von etwa 2,8 Millionen Paaren in Deutschland zu, die in einem gemeinsamen Haushalt lebten. Auch die Versicherungen haben diesen Trend erkannt. Manche bieten bereits den gleichen Schutz für unverheiratete Paare wie für Ehepaare an, aber es gibt auch Nachteile.

Welche Versicherungen lohnen sich finanziell?

Bei der Haftpflichtversicherung, der Hausratversicherung und der Rechtsschutzversicherung gibt es für Paare großes Potenzial, Kosten zu sparen. Prüfen Sie Ihre Versicherungen, ob ein gemeinsamer Vertrag für Sie in Frage kommt. Ziehen Sie mit Ihrem Partner zusammen in einen gemeinsamen Haushalt, reicht bei der Hausratversicherung eine Police aus, um den Hausrat wie Möbel, Elektronikgeräte oder Bücher abzusichern. Wichtig: Der Vertrag muss in der Regel an die neue Wohnsituation und den gestiegenen Wert des Hausrates angepasst werden. Auch bei der Rechtsschutzversicherung genügt eine Police: Hier ist der (uneheliche) Lebenspartner ohne Zusatzbeitrag eingeschlossen. Wichtig: Er muss namentlich genannt werden.

Bei der privaten Haftpflichtversicherung reicht ebenfalls ein Vertrag. Achtung: Bei einem gemeinsamen Vertrag sind Schäden am Eigentum des Partners nicht abgesichert. Wichtig: Unverheiratete Paare sollten Regressansprüche von Sozialversicherungsträgern oder dem Arbeitgeber explizit mitversichern. Der Grund: Verletzt ein Partner den anderen versehentlich schwer, sind Ansprüche von Krankenkasse und Arbeitgeber des Verletzen gegenüber dem Partner abgesichert.

Nachteile bei den Sozialversicherungen

Für unverheiratete Paare gibt es nicht nur Sparpotenzial, sondern auch Lücken, die Sie beachten müssen. Beispielsweise sind diese bei den Sozialversicherungen deutlich schlechter gestellt als Ehepartner. Die gesetzliche Rentenversicherung bietet unverheirateten Paaren keinen Hinterbliebenenschutz, das heißt, es wird keine Witwenrente gezahlt, wenn einer der Partner stirbt.

Ein weiterer Risikoschutz ist die gesetzliche Unfallversicherung. Hier gewähren einige Versicherer einen Paarbonus, wenn sie neu abgeschlossen wird. Aber: Sparen lässt sich dabei im Vergleich zu Einzelversicherungen meist kaum. Auch bei der gesetzlichen Krankenkasse gibt es für Ehepaare noch Vorteile gegenüber Paaren ohne Trauschein.

Bei Ehepaaren kann ein Partner beitragsfrei mitversichert werden. Voraussetzung hierfür: Ein Partner darf bis maximal 450 Euro verdienen (geringfügige Beschäftigung) oder seine sonstigen Einkünfte dürfen 415 Euro nicht überschreiten. Unverheiratete Paare brauchen in jedem Fall zwei getrennte Krankenversicherungen, da eine beitragsfreie Mitversicherung in der gesetzlichen Krankenversicherung des Partners nicht möglich ist. Das heißt, für unverheiratete Paare fallen in dieser Situation höhere Kosten an.

Gemeinsame Altersvorsorge

Unverheiratete Paare haben vor allem noch Nachteile, was die Absicherung für das Alter betrifft. Wir empfehlen Ihnen, sich auf jeden Fall gemeinsam mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Verschaffen Sie sich einen Überblick über Ihre Rentenansprüche, um besser einschätzen zu können, welche private Vorsorge für Sie als Paar geeignet ist.

Paare ohne Trauschein müssen selbst aktiv werden, was ihre gemeinsame Absicherung betrifft. Dies gilt für die gemeinsame Vorsorge für das Alter oder die Absicherung für die Zukunft, falls es zu einer Trennung kommt: Generell ist es wichtig, dass Sie sich als Paar absprechen und nicht nebeneinander her sparen. Gemeinsam kann man besser vorsorgen, selbst wenn Sie "nur" in verschiedene Absicherungen investieren und dadurch das Verlustrisiko minimieren. Unser Tipp: Holen Sie sich dabei immer fachlichen Rat ein und schließen Sie Verträge nicht überstürzt ab. Sie sollten besonders darauf achten, dass die Vertragsbestimmungen auch explizit für unverheiratete Paare gelten.

Private Rentenversicherung

Eine Möglichkeit der gemeinsamen Altersvorsorge ist es, eine private Rentenversicherung abzuschließen. Unser Tipp: Achten Sie darauf, dass Sie selbst bestimmen können, wer im Todesfall der Begünstigte ist. So können Sie Ihren unverheirateten Partner mit absichern.

Wohneigentum als Altersvorsorge

Wenn Sie sich für eine gemeinsame Immobilie als Geldanlage entscheiden, achten Sie als unverheiratetes Paar besonders auf die Formalitäten. Beide Partner sollten im Grundbuch eingetragen werden, um die gleichen Rechte und auch Pflichten zu haben. Wir empfehlen: Schließen Sie gemeinsam einen Gesellschaftsvertrag ab, um die Finanzierung des Hauses schriftlich festzuhalten und festzulegen, in welchem Fall diese Gesellschaft wieder aufgelöst wird. Lassen Sie sich hierbei am besten von einem Fachanwalt beraten.

Lebensversicherung

Kommt für Sie eine Lebensversicherung in Frage, ist eine Risiko-Lebensversicherung für beide sinnvoll, um auch den Partner im Notfall abzusichern. Ratsam ist es, diese “über Kreuz“ abzuschließen, sodass im Todesfall der Hinterbliebene abgesichert ist. Wenn der Begünstigte auch der Versicherungsnehmer ist, fällt keine Erbschaftssteuer an. Achtung: Bei einer Trennung kann nur der Versicherungsnehmer über den Vertrag entscheiden.

Partnerschaftsverträge

Viele Paare treffen wichtige Entscheidungen zusammen. Betreffen diese die finanzielle Absicherung in der Zukunft, im Falle des Todes oder einer Trennung, ist es ratsam, diese Entscheidungen auch schriftlich festzuhalten. Um Streitigkeiten vorzubeugen und die Verarmung eines Partners in der Zukunft zu vermeiden, ist ein Partnerschaftsvertrag zu empfehlen. Dies ist besonders ratsam, wenn die wirtschaftlichen Verhältnisse von beiden sehr unterschiedlich sind. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn ein Partner nur Teilzeit arbeitet.

In einem Partnerschaftsvertrag können Sie vieles schriftlich regeln: Was passiert mit dem gemeinsamen Konto? Wie sind die Besitzverhältnisse von gemeinschaftlich erworbenen Gütern geregelt, falls es zur Trennung kommt? Sie sollten sich informieren, welche dieser Vereinbarungen notariell beurkundet werden müssen. Unser Tipp: Um den finanziell schlechter gestellten Partner zu unterstützen, können Sie über eine Schenkung nachdenken (bietet sich in höherem Alter an) – so können Sie die Erbschaftssteuer umgehen.

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