Kostenfalle App: Worauf Sie achten sollten

Verbraucher | WISO - Kostenfalle App: Worauf Sie achten sollten

Ob "In-App-Käufe" oder Werbebanner, die mit Abos verknüpft sind: In vielen vermeintlich kostenlosen Apps verbergen sich Kostenfallen.

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5 min
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Video verfügbar bis 05.02.2019, 19:25

Ein Smartphone ohne eine App ist mittlerweile fast schon unvorstellbar. Apps sind beliebt. Sie liefern Nachrichten, Bahn- und Flugverbindungen oder wandeln das Smartphone zu einer Spielekonsole um. Vor allem Spiele-Apps sind populär. Eine Umfrage zeigt das deutlich: 42 Prozent aller Deutschen ab 14 Jahren sollen beim Spielen bereits mit von der Partie sein. Auch viele Erwachsene haben sie auf den Handys. Viele Apps und Spiele sind kostenlos – vermeintlich. Denn das kostenfreie Vergnügen kann schnell zur Kostenfalle werden!

Dazu gehören vermeintlich simple Werbeeinblendungen. Denn dahinter können Abo-Fallen stecken. Allein durch das Wegklicken oder durch das unbeabsichtigte Tippen auf ein solches Banner wird eine Zahlungspflicht ausgelöst, schlimmstenfalls ein kostenpflichtiges Abo aktiviert. Diese Zahlungen ziehen die Mobilfunkanbieter im Auftrag der Drittanbieter über die normale monatliche Mobilfunkanbieterrechnung ein. Erst über diese Rechnung erfahren viele Verbraucher über den vermeintlichen Vertragsabschluss.

Leider ein bekanntes Problem

Oliver Buttler von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg kennt das Problem: „Indem die Angebote der Drittanbieter über die Mobilfunkabrechnung mit dem Kunden abgerechnet werden, verdienen diese mit. Teilweise kaufen Telekommunikationsanbieter die Forderungen im Gesamten oder sie berechnen nur die Dienste für Dritte. In beiden Fällen verdient der Anbieter mit.“

Das Problem: In der Regel verweisen die Mobilfunkanbieter an den Drittanbieter, der sitzt oftmals im Ausland oder ist nur der Zahlungsdienstleister und verweist auf weitere Anbieter, die ebenfalls im Ausland sitzen. Möchte man sein Geld zurück, muss man einen hohen Aufwand betreiben – im Verhältnis zu oftmals vermeintlich kleinen Beträgen.

Kontrolle ist besser!

Beachten Sie daher folgendes: Kontrollieren Sie regelmäßig und genau Ihre Rechnungen. So erkennen Sie ungewollte Abos oder Mehrwertdienste, die Sie aktiviert haben. Legen Sie beim Mobilfunkanbieter gegen die entsprechenden Rechnungsposten Widerspruch ein - am besten per Einwurfeinschreiben. Damit Sie Ihr Geld zurückbekommen, veranlassen Sie eine sogenannte Rücklastschrift. Überweisen Sie die normalen Gebühren abzüglich der strittigen Abo-Rechnung.

Oliver Buttler erklärt: „Sobald einer unberechtigten Forderung widersprochen wurde, liegt kein Verzug vor. Betroffene sollen daher den gesamten Lastschriftbetrag zurückholen und gleichzeitig den unstrittigen Rechnungsbetrag an den Anbieter überweisen. Hier bietet es sich an, den Mobilfunkanbieter bei einem Widerspruch gegen die Rechnung darauf hinzuweisen, dass eine Überweisung der unstrittigen Beiträge erfolgt (ist). Für bestrittene Forderungen darf in diesem Fall kein Schufaeintrag erfolgen.“

Exklusiv

Verbraucher | WISO - "Drittanbietersperre sehr wichtig!"

Interview mit Rechtsanwältin Coletta Lehmenkühler zu Kostenfalle Apps

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Zur Vorbeugung!

Als Verbraucher können Sie die Abrechnung solcher Dienste über die Mobilfunkrechnung unterbinden – mit einer sogenannten Drittanbietersperre. Diese können Sie bei Vertragsabschluss, aber auch danach noch beim Mobilfunkanbieter beantragen. „Sobald eine Drittanbietersperre eingerichtet wurde, kann keine Abrechnung von Zusatzdiensten über die monatliche Handyrechnung mehr erfolgen. Diese Sperre ist kostenlos und kann jederzeit beim Mobilfunkanbieter eingerichtet werden. Hierzu muss dieser nur informiert werden, dass eine Drittanbietersperre gewünscht ist. Manche Anbieter ermöglichen es sogar, dass nur bestimmte Angebote gesperrt werden.“, erklärt Oliver Buttler.

Drittanbietersperre einrichten: So funktioniert es!

Nur vermeintlich kostenfrei!

Verbraucherschützer warnen vor allem vor kostenfreien Apps. Hier ist Vorsicht geboten, da der Hersteller in irgendeiner Form verdienen möchte. Die Gefahr: Das grundlegende Programm kann zwar gratis heruntergeladen werden, doch wer den kompletten Umfang nutzen möchte, muss innerhalb der App Geld bezahlen. Vor allem Kindern fällt es schwer, sogenannten „In-App“-Käufen in Spiele-Apps zu widerstehen.

„Im Spielesektor werden häufig kostenfreie Apps oder Demoversionen angeboten. Möchte man nun aber ohne Unterbrechungen oder Werbeeinblendungen und in vollem Nutzungsumfang spielen, so kostet dies Geld. Auch lassen sich viele Spieleziele erst durch den Erwerb von Avataren oder Bonuspunkten durch In-App-Käufe erreichen. Vorsicht ist hier zudem geboten, da einige Angebote kostspielige Abos enthalten. Selbst wenn es tatsächliche Gratis-Angebote sind, muss der Nutzer zumindest mit seinen gesammelten und gespeicherten Daten zahlen. Diese Daten werden gewinnbringend weitervermarktet“, erklärt Oliver Buttler.

"Schnupper-Ware"

Viele kostenfreie Programme sollen zum Testen animieren, damit Sie dann die Vollversion erwerben. Durch die In-App-Käufe entstehen dann sehr hohe Kosten, die nicht ausreichend gekennzeichnet sind. Deshalb ist es wichtig, dass Sie sich vor dem Installieren einer App darüber informieren, „welche Funktionen die App in der kostenlosen Variante bietet und ob kostenpflichtige Zusatzoptionen für den Anwender überhaupt von Nutzen sind. Ein Blick in die Nutzungsbedingungen vor der Installation ist insofern nötig“, rät Oliver Buttler.

„Hier bietet es sich an, genau zu prüfen, was für Zugriffsrechte ein App überhaupt benötigen soll. Sicherlich ist es für eine Spiele-App nicht zwingend nötig, Zugriff auf das persönliche Telefonbuch, auf Fotoalben oder den Standort zu erhalten. Daneben benötigen kostenfreie Apps keine näheren Nutzerangaben wie Handynummer, Adresse oder Bank- und Kreditkartendaten. Insofern sollte es vermieden werden, ein Nutzerkonto mit entsprechenden Daten anzulegen, da ein unbeabsichtigter In-App-Kauf leicht durch einen Finger-Tipp oder Wischen über das Display aktiviert werden kann.“

In-App-Käufe ausschließen!

Wichtig: Auf einigen Smartphones kann man In-App-Käufe komplett deaktivieren. Bei anderen können Passwörter für jeden einzelnen Kauf eingerichtet werden.

Bei iOS etwa erfolgt das über die „Einstellungen“. Dort gibt es den Menüpunkt „Allgemein“, dann wählen Sie „Einschränkungen aktivieren“. Hier kann man die In-App-Käufe ausschalten oder unter „Kennwort erforderlich“ die Option „sofort“ auswählen. Bei jedem Einkauf, muss dann das zuvor eingegebene Passwort eingetippt werden. Für manche Apps wird im Apple-Store unter „Details“ der Punkt „Top In-App-Käufe“ angeboten. Dort ist aufgezählt, welche In-App-Käufe getätigt werden können und was diese kosten. Dabei handelt es sich in den meisten Fällen um Zusatzfunktionen für die entsprechende App.

Bei Windows lassen sich In-App-Käufe durch das „Einrichten der Kinderecke“ verhindern. Durch diese Schutzeinstellungen, können Eltern dort die Anwendungen freigeben, auf die das Kind Zugriff haben darf. So ist es dem Kind nicht mehr möglich, In-App-Käufe zu tätigen.

Bei Android lassen sich In-App-Käufe nicht grundsätzlich verhindern. Aber es ist möglich, ein Passwort für jeden einzelnen Kauf einzurichten. Diese Möglichkeit ist zu finden unter: Google Play Store „Einstellungen“. Dann auf „Nutzersteuerung“ und „Passwort“ klicken. Bei „Passwort für Beschränkung von Käufen“ einen Haken setzen und ein Passwort auswählen.

Was, wenn man in die Falle getappt ist?

Sollten Sie oder Ihr Kind unbewusst einen Zusatzservice gekauft haben oder einen In-App-Kauf getätigt haben, dann sollten Sie gegen die Rechnung beim Anbieter Widerspruch einlegen. Fordern Sie einen Nachweis darüber, wie und zu welchen Bedingungen der Vertrag zu Stande gekommen sein soll, rät Oliver Buttler von der Verbraucherzentrale.

„Hier sollte Widerspruch gegen den Zusatzservice erhoben werden. Haben Minderjährige den vermeintlichen Vertrag abgeschlossen, sollten die Erziehungsberechtigten dem Anbieter mitteilen, dass der Vertrag unwirksam ist und nicht genehmigt wird. Dazu stellt die Verbraucherzentrale kostenlose Musterbriefe zur Verfügung.“, so Oliver Buttler.

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