Krank im Urlaub

Daran sollten Sie denken

Verbraucher | WISO - Krank im Urlaub

In den Ferien krank - und nun? Bbrauchen Sie sofort eine Krankschreibung? Wann muss der Arbeitgeber informiert werden? Verfallen die Urlaubstage? Und wer trägt die Kosten? Das erklärt der WISO-Tipp.

Beitragslänge:
5 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 14.07.2017, 15:00

Die Tage werden schöner, die Temperaturen steigen, man freut sich auf den so dringend gebrauchten Urlaub – und natürlich auf die damit verbundene Erholung. Von wegen! Plötzlich läuft die Nase, der Hals kratzt. Schlimmstenfalls gerade dann, wenn man bereits am Urlaubsort angekommen ist. Der Urlaub ist vermasselt, das schöne Wetter sieht man nur noch vom Hotelbett aus. Ein trauriges Szenario, aber das keine Seltenheit ist: Rund jeder zehnte Deutsche wird im Ausland krank.

Sich im Urlaub schlecht zu fühlen, das Bett hüten zu müssen oder sich sogar im Ausland zu verletzen – das alles ist sowieso schon ärgerlich und anstrengend genug. Sich dann auch noch über Behandlungskosten oder andere Fragen der medizinischen Versorgung Gedanken machen zu müssen umso mehr. Im Urlaub einfach so zum Arzt gehen oder sich Medikamente verschreiben lassen – geht das überhaupt? Was deckt die gesetzliche Krankenversicherung ab und was nicht? Wie gut ist man versorgt, wenn Schlimmeres passiert? Das alles sind Fragen, mit denen sich jeder Urlauber schon einmal auseinandergesetzt haben sollte – vor der Reise.

Das zahlt die gesetzliche Krankenversicherung

Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt generell nur Kosten für Schadensfälle, wenn sie sich innerhalb der EU ereignen oder in einem Land, das mit Deutschland ein Sozialversicherungsabkommen abgeschlossen hat, also Island, Liechtenstein, Norwegen, Schweiz, Montenegro, Mazedonien und Serbien. Außerhalb dieser Staaten besteht keinerlei Versicherungsschutz durch die Gesetzliche.  Falls Ihr Urlaubsziel also außerhalb dieser Staaten liegt, sollten Sie keinesfalls ohne zusätzlichen Auslandskrankenversicherungsschutz losfliegen. Denn wenn Sie im EU-Ausland aufgrund einer Erkrankung oder eines Unfalls medizinisch behandelt werden müssen, zahlen Sie die gesamte Behandlung vollständig aus eigener Tasche.

Nicht immer, aber häufig sind die Kosten einer Behandlung im Ausland höher als in Deutschland. Suchen Sie innerhalb der sogenannten „Schengen-Länder“ einen Arzt auf, erstattet die gesetzliche Krankenkasse nur die Sätze, die sie bei einer Behandlung in Deutschland auch zahlen würde. Außerdem ist die Voraussetzung für eine Kostenübernahme, dass die Behandlung medizinisch zu dem jeweiligen Zeitpunkt erforderlich gewesen sein muss. Ist dies der Fall können Sie im europäischen Ausland beim Arzt oder in öffentlichen (nicht privaten) Krankenhäusern Ihre europäische Krankenkassenkarte „EHIC“ (European Health Insurance Card) vorzeigen. Sie befindet sich auf der Rückseite des normalen Versicherungskärtchen und hat europaweit einheitliche Merkmale. So sollte sie bei jedem Arzt in jedem EU-Land erkannt und akzeptiert werden.

Achtung: Private Leistungen sind dadurch nicht abgedeckt. Längere stationäre Aufenthalte, Krankenrücktransporte oder Zahnbehandlungen werden in der Regel gar nicht bezahlt.

Die Auslandskrankenversicherung

Es empfiehlt sich daher, vor Reiseantritt zusätzlich eine Auslandskrankenversicherung abzuschließen. Sie deckt die Mehrkosten mit ab, die die gesetzliche Krankenkasse für notwendige Behandlungen im Ausland nicht übernimmt. Das Angebot der Auslandskrankenversicherer ist riesig. Die Kosten für solche Versicherungen sind in den letzten Jahren jedoch stark gesungen, liegen für Einzelpersonen mittlerweile teilweise im einstelligen Bereich pro Jahr. Rentner zahlen jedoch einen Aufschlag.

Je länger Sie verreisen, um so mehr Dinge müssen Sie hinsichtlich Ihrer Auslandskrankenversicherung beachten, und um so umfassender sollte Ihr Versicherungsschutz sein. Für kürzere Reisen reicht eine normale Reisekrankenversicherung, bei längeren Aufenthalten sollten Sie sich für eine Auslandskrankenversicherung mit Vorsorgeleistungen und Schutz bei vorübergehendem Aufenthalt in Deutschland entscheiden.

Unterschiedliche Regelungen

Für Erkrankungen, bei denen diese Abgrenzung schwierig ist, gilt von Versicherung zu Versicherung Verschiedenes: Die Allianz Global Assistance sagt zum Beispiel: „Bei uns besteht Versicherungsschutz bei akut eintretenden Krankheiten und Unfällen - auch für die Kosten der Heilbehandlung einer chronischen Erkrankung, wenn der Versicherungsnehmer nicht mit Heilbehandlung rechnen musste.“ Die Signal Iduna hingegen bietet nur Versicherungsschutz „bei einer ärztlich attestierten Behandlungsfreiheit von mindestens zwei Jahren“ und die DKV rät: „Immer Voranfrage beim Versicherer stellen, entweder unter Angabe der Vorerkrankung oder noch besser mit einem Arztbericht.“

Insgesamt gilt also: Bei Vorerkrankungen besonders, aber auch sonst sollte man sich stets im Vorhinein informieren, was welche Zusatzversicherung genau abdeckt – ganz besonders bei Reisen außerhalb der EU. Für Nicht-EU-Staaten sollten Sie sich immer individuell nach der richtigen Versicherung erkundigen. Gute Tarife beinhalten auch den Rücktransport nach Deutschland.

Urlaubstage retten...

Was viele nicht wissen: Wenn man als Arbeitnehmer im Urlaub krank wird, ist zwar die erholsame Zeit verloren, nicht aber zwangsläufig auch die genommenen Urlaubstage. Wenn Sie es richtig machen, können Sie Ihre Urlaubstage retten und diese später erneut nehmen. Dafür müssen Sie allerdings Ihren Arbeitgeber unverzüglich über ihre Erkrankung informieren. Holen Sie sich während Ihres Urlaubs am besten schon für den ersten Tag der Krankheit ein Attest, auch wenn Sie ansonsten laut Vertrag erst am dritten Krankheitstag Ihrem Arbeitgeber den Nachweis vorlegen müssten. Dann sind Sie auf der sicheren Seite. Denn rein arbeitsrechtlich kann der Arbeitgeber eine Krankschreibung auch schon am ersten Tag der Erkrankung verlangen. Einen Grund dafür muss er nicht benennen. Schicken Sie die Bescheinigung umgehend an Ihren Arbeitgeber, per Email, Fax oder zur Not auch als Handy-Fotografie.

Für eine Bescheinigung aus dem Ausland gelten dieselben Bestimmungen, wie für Atteste, die in Deutschland ausgestellt werden – sie muss den Namen der erkrankten Person sowie die voraussichtliche Krankheitsdauer aufführen. Wichtig ist, dass nicht nur die bloße Erkrankung, sondern eine tatsächliche Arbeitsunfähigkeit bescheinigt wird! Dies muss im Wortlaut entsprechend korrekt aufgeführt sein. Sollten Sie im Ausland krank werden, hat der Arbeitgeber außerdem einen Anspruch darauf, Ihre Urlaubsadresse genannt zu bekommen. Allerdings müssen Sie ihn nicht ungefragt über ihren Aufenthaltsort informieren. Die Mitteilungspflicht besteht nur, sofern der Arbeitgeber ausdrücklich nach dem Aufenthaltsort fragt. Die Kosten, die aufgrund der Mitteilung aus dem Ausland zum Beispiel durch ein Telegramm oder Telefonat entstehen, hat der Arbeitgeber zu tragen.
Denken Sie auch daran, Kontakt zu Ihrer Krankenkasse aufzunehmen. Auch ihr gegenüber sind Sie meldepflichtig, daher informieren Sie diese ebenfalls umgehend über Ihre Erkrankung und die Dauer der Krankschreibung.

Wer schon vor Beginn des Urlaubs krank wird und diesen erst gar nicht antreten kann, kann den Urlaub mit seinem Arbeitgeber neu festlegen. Der Urlaub gilt als nicht verbraucht.

Die „Leisure-Sickness“ oder auch „Freizeit-Krankheit“

Ein nicht mehr allzu neues Phänomen hat mittels einer Studie der niederländischen Tilburg Universität einen Namen bekommen: „Leisure-Sickness“, die „Freizeit-Krankheit“. Diese tritt vor allem in der arbeiteten Bevölkerung auf, aber auch bei Hausfrauen oder anderweitig stark geforderten Menschen. Der Sachverhalt ist klar und leider wohl sehr vielen von uns auch nicht unbekannt: Kaum fällt der große Druck von Job oder Haushalt von den Schultern, macht der Körper nicht mehr mit und meldet sich krank.

Besonders anfällig sind offenbar Menschen, die eine hohe Arbeitsbelastung haben, sehr ehrgeizig sind und im Job ein hohes Maß an Verantwortungsgefühl zeigen, sagt die Studie der Uni. Rund 3,5 Prozent der befragten Männer und etwa 3 Prozent der Frauen fanden sich in dem Krankheitsbegriff wieder. Die Uni lieferte damit die Zahlen zu einer Entwicklung, die Psychologen schon lange wahrnehmen.

Symptome und Ursachen

Typische Symptome der „Leisure-Sickness“ sind allgemeine Kraftlosigkeit, diffuse Schmerzen, fiebriger Husten, Schnupfen oder Migräne. Die Ohio State University belegte, dass sich sowohl unter akutem als auch unter chronischem Stress das Immunsystem verändert. Stress macht somit einerseits anfälliger, beispielsweise für Infektionen, unterdrückt aber andererseits über das Stresshormon Kortisol auch die direkte Immunantwort. Fällt die Belastung dann von einem ab und der Kortisolspiegel sinkt, legt das Immunsystem richtig los. Und wenn man Pech hat, genau am schönsten Strand im Traumurlaub.

Für den Ursprung der „Leisure Sickness“ gibt es mehrere Erklärungsansätze: So sei zum einen die eigene Körperwahrnehmung im Urlaub verändert. Im Liegestuhl schenke man seinen Wehwehchen einfach mehr Aufmerksamkeit als im stressigen Arbeitsalltag, wird vermutet. Andere glauben, unterbewusste Schuldgefühle könnten dem Körper übel mitspielen – die Psyche sei also Schuld an den körperlichen Schwierigkeiten. Eine weitere These: Das bis zum letzten Arbeitstag wacker kämpfende Immunsystem streiche nach dem Stress schlicht die Segel.

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