Multicopter privat nutzen

Was ist erlaubt, was ist verboten?

Verbraucher | WISO - Multicopter privat nutzen

Mit Multicoptern ist vieles möglich, aber längst nicht alles erlaubt. Die Gesetze für den Einsatz sollen verschärft werden. WISO erklärt umfassend, worauf Hobbypiloten achten müssen.

Beitragslänge:
5 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 25.04.2017, 00:00

Beim Thema „Flugdrohne“ denken viele zunächst an militärische Einsätze oder Spionage. Doch inzwischen sind die wendigen Multicopter günstig zu haben. Mehr als 300.000 Freizeitpiloten gibt es bislang in Deutschland. Tendenz: stark steigend! Bis zu einem Gewicht von fünf Kilogramm braucht es keinen speziellen Copter-Führerschein. Um aber beim Fliegen und Filmen rechtlich nicht anzuecken oder gar gefährliche Unfälle zu riskieren, gilt es einiges zu beachten.

Noch vor zwei Jahren gab es in Deutschland praktisch keinen Privatmarkt für Multicopter (umgangssprachlich Drohnen). Dann purzelten die Preise für die wendigen Fluggeräte und das Geschäft fing an zu boomen. „Die Verkaufszahlen gingen durch die Decke wie ein Quadrocopter“, sagt Willy Fischel, Geschäftsführer des Bundesverbands Technik des Einzelhandels (BVT), im WISO-Gespräch. BVT-Schätzungen zufolge hat der Einzelhandel in Deutschland im vergangenen Jahr 300.000 Stück verkauft. Tendenz: stark steigend!

Das Recht am eigenen Bild gilt auch für Luftaufnahmen

Aktuell brauchen Freizeitpiloten von bis zu fünf Kilogramm schweren Multicoptern keinen Führerschein. Bevor sie das Fluggerät aufsteigen lassen, sollten die Privatnutzer jedoch eine besondere „Haftpflichtversicherung für Flugmodelle“ abschließen und gegebenenfalls schriftliche Aufstiegsgenehmigungen einholen.

Die Genehmigungen sind vor allem wichtig, wenn der Multicopter mit einer Film- oder Kamerafunktion ausgestattet ist. Dabei gilt generell: Achten Sie auf das Recht am eigenen Bild. Das heißt: Immer, wenn Menschen auf Ihren Aufnahmen eindeutig zu identifizieren sind, müssen diese Personen die Aufnahmen genehmigen. Egal, ob Sie das Bildmaterial privat nutzen oder veröffentlichen wollen.

Spionieren mit Multicopter-Kamera

„Um sich kostspielige Abmahnungen zu ersparen, sollten Sie gerade vor dem Veröffentlichen etwaiger Beiträge bei Facebook, Twitter und Co. die Zustimmung der abgebildeten Personen schriftlich haben“, rät Fachanwalt Tim Hoesmann Multicopter-Piloten. Gleichzeitig warnt der Experte: „Ebenso können Aufnahmen unter bestimmten Umständen auch strafrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen.“

Wer mit so einem Gerät fremde Grundstücke überfliegen möchte, braucht „grünes Licht“ der Grundstückseigentümer. Juristen empfehlen Privatpiloten in der Regel, das Überfliegen und Filmen von Nachbargrundstücken generell zu unterlassen! Der Grund: Zu leicht können dabei Persönlichkeitsrechte verletzt werden. Etwa durch Aufnahmen „aus dem höchstpersönlichen Lebensbereich einer Person“ – worunter zum Beispiel der Garten der sich sonnenden Nachbarin fällt. Das kann Ärger vor Gericht einbringen und teuer werden. Generell gilt: Wer Menschen in ihrem Haus oder Garten heimlich fotografiert oder filmt, macht sich strafbar nach Paragraph 201a des Strafgesetzbuches (StGB).

Vorsicht auch bei Aufnahmen von Gebäuden

Fachanwalt Hoesmann macht auf einen weiteren Aspekt aufmerksam: „Befinden sich hierauf private Gebäude, bedarf es unter besonderen Umständen vor der Veröffentlichung ebenso der Einwilligung des Architekten. Für öffentliche Gebäude sind dagegen Behörden zuständig. Ob hier das Argument der Panoramafreiheit Anwendung findet, wird im Einzelfall erst vor Gericht entschieden.“

Doch nicht nur beim Fotografieren oder Filmen von privaten Gebäuden kann es für den Multicopter-Piloten Ärger geben. Macht er die Aufnahmen im Internet zugänglich, kann er in Konflikt mit dem Urheberrecht des Architekten geraten. „Die Panoramafreiheit gilt nur für Fotos, die das Bauwerk zeigen, wie es von der Straße zu sehen ist“, erklärt Michaela Zientek, Juristin der D.A.S. Rechtsschutzversicherung. „Bei Luftaufnahmen, die auch Rückseite und Innenhof erkennen lassen, droht eine Abmahnung.“

Unvorsichtigen Multicopter-Piloten drohen Freiheitsstrafen

Für das Filmen einer öffentlichen Veranstaltung gilt: Sie brauchen eine Genehmigung des Veranstalters. Der Grund: Die Filmaufnahmen unterliegen dem Hausrecht des Veranstalters.

Mann steuert Multicopter
Hobbypiloten haben ihre Freude, doch rechtlich gibt es einiges zu beachten. Quelle: ZDF

Generell verboten ist das Überfliegen und Filmen von Sicherheitsbereichen wie Militäranlagen, Haftanstalten, Kraftwerken. Achtung: Das gilt in besonderem Maße für die Kontrollzonen deutscher Flughäfen im Umkreis von anderthalb Kilometern. Hier drohen schwere Bußgelder in Höhe von bis zu 25.000 Euro. Stört der Aufstieg eines Multicopters den Flugbetrieb, so kann dies als Straftat gewertet werden. Für die Verfolgung ist dann die Staatsanwaltschaft zuständig. Liegt zum Beispiel ein gefährlicher Eingriff in den Luftverkehr (§ 315 StGB) vor, so kann hier eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zehn Jahren verhängt werden.

Im Zweifelsfall helfen die Landesluftfahrtbehörden

Problemlos können Mitglieder von Modellflugvereinen ihre Multicopter dagegen auf den Vereinsflugplätzen aufsteigen lassen und dort Filmaufnahmen machen. In der Regel gilt auch, dass jeder auf dem eigenen Grundstück einen Multicopter fliegen lassen darf.

Komplizierter wird es, wenn Sie Ihr Fluggerät in der Stadt nutzen möchten. Denn die meisten Städte haben entsprechende Sonderbestimmungen. WISO-Tipp: Erfragen Sie deshalb beim Ordnungsamt, wo Sie in Ihrer Stadt im öffentlichen Raum den Multicopter aufsteigen lassen dürfen!

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