WISO-Tipp: In Teilzeit arbeiten

Das müssen Sie beachten

Verbraucher | WISO - WISO-Tipp: In Teilzeit arbeiten

Mehr Zeit für die Kinder, mehr Freizeit oder Zeit für die Pflege eines Angehörigen – es gibt viele Gründe, warum Arbeitnehmer ihre Arbeitszeit verringern und Teilzeit arbeiten möchten.

Beitragslänge:
5 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 30.05.2018, 03:15

Nach Angaben des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in Nürnberg waren im vergangenen Jahr rund 15,3 Millionen Menschen in Teilzeit beschäftigt. Vor 20 Jahren betrug die Zahl nur rund 8,3 Millionen. Grundsätzlich hat jeder Arbeitnehmer einen Anspruch darauf, in Teilzeit zu arbeiten. Voraussetzung dafür: Das Arbeitsverhältnis muss mehr als sechs Monate bestehen und der Arbeitgeber muss in der Regel mehr als 15 Arbeitnehmer beschäftigen. Dazu gehören alle Arbeitnehmer, die regelmäßig vom Arbeitgeber beschäftigt werden, unabhängig von der Höhe der Arbeitszeit. Es gibt mehrere Teilzeitmodelle:

  • „Teilzeit Classic“: Das klassische Teilzeitmodell. Dabei wird die tägliche Arbeitszeit stundenweise reduziert. Durch die regelmäßige Verteilung der Wochenarbeitsstunden ist „Teilzeit classic“ wohl die für Arbeitgeber am einfachsten umzusetzende Form von Teilzeit.
  • „Teilzeit Classic Vario“: Das ist die variable Variante des Teilzeit-Classic-Modells. Die wöchentliche Arbeitszeit wird hier auf 2-5 Tage verteilt. Dabei kann die tägliche, wöchentliche oder monatliche Stundenzahl variieren.
  • „Teilzeit Jobsharing“: Hierbei teilen sich zwei Arbeitnehmer eigenverantwortliche eine Vollzeitstelle. So können Mitarbeiter, die in Teilzeit arbeiten, auch Vollzeitprojekte übernehmen und leiten. Wichtig: Es muss eine regelmäßige Abstimmung und ein Informationsaustausch erfolgen.
  • „Teilzeit Invest“: Der Arbeitnehmer arbeitet unverändert Vollzeit, bekommt aber ein Teilzeit-Gehalt. Die Differenz wird als Zeit- oder Geldguthaben auf einem Wertguthaben oder Langzeitkonto angespart. Auf diese Weise werden mehrmonatige Freistellungsphasen wie zum Beispiel Sabbaticals oder die vorgezogene Rente möglich. Denn das Gehalt wird weitergezahlt.
  • „Teilzeit Team“: Der Arbeitgeber gibt vor, wie viele Mitarbeiter in bestimmten Zeitabschnitten anwesend sein müssen. Die Mitarbeiter besprechen und planen im Team die jeweilige persönliche Arbeitszeit. Kurzfristige Änderungen sind bei diesem Modell jederzeit möglich.
  • „Teilzeit Saison“: Bei diesem Modell werden Arbeitnehmer in Hochphasen Vollzeit beschäftigt. Ist die Auslastung niedriger, haben sie frei. Die Arbeitnehmer erhalten ganzjährig ein monatliches Grundgehalt. Der Sozialversicherungsschutz ist in der Regel durchgehend gewährleistet.
  • „Teilzeit Home“: Hierbei arbeiten die Arbeitnehmer in Teilzeit von Zuhause aus. Die Arbeitszeiten müssen vereinbart sein, um die Erreichbarkeit des Mitarbeiters zu sichern.

Antragstellung

Laut Gesetz müssen Arbeitnehmer den Wunsch in Teilzeit zu arbeiten spätestens 3 Monate vor deren Beginn geltend machen. Das sollten Arbeitnehmer am besten schriftlich machen - per Brief oder per Mail. Dabei sollten sie auch angeben, um wie viele Wochenstunden die Arbeitszeit verringert werden soll. Ein Grund muss nicht angegeben werden. Einen gesetzlichen Anspruch auf die gewünschte Arbeitszeit und deren Verteilung hat der Arbeitnehmer nicht. Nach dem Gesetz muss der Arbeitgeber mit dem Arbeitnehmer Einvernehmen über die Verringerung der Arbeitszeit und über die Verteilung der Arbeitszeit erzielen.

Ist der Arbeitgeber einverstanden, muss er den Arbeitsvertrag entsprechend anpassen. Wichtig: Der Arbeitgeber muss dem Arbeitnehmer spätestens einen Monat vor dem gewünschten Teilzeitbeginn schriftlich mitteilen, ob er dem Teilzeitwunsch des Arbeitnehmers zustimmt oder nicht. Unterlässt er dies, verringert sich die Arbeitszeit automatisch in dem vom Arbeitnehmer gewünschten Umfang. Und: Wer schon einmal die Stunden verringert hat, kann erst wieder nach Ablauf von zwei Jahren verlangen, noch weniger zu arbeiten.

Ablehnung des Antrages auf Teilzeit

Der Antrag auf Teilzeit kann vom Arbeitgeber abgelehnt werden, wenn sogenannte betriebliche Gründe vorliegen. Einfach Nein sagen kann er nicht. Betriebliche Gründe liegen dann vor, wenn die Verringerung der Arbeitszeit die Organisation, den Arbeitsablauf oder die Sicherheit im Betrieb wesentlich beeinträchtigt oder unverhältnismäßige Kosten verursacht. Lehnt der Arbeitgeber ab, kann der Arbeitnehmer vor dem zuständigen Arbeitsgericht klagen. Dann muss der Arbeitgeber nachweisen, dass tatsächlich betriebliche Gründe vorliegen!

Auswirkungen von Teilzeitarbeit

Wer seine Arbeitszeit reduziert, verdient weniger! Deshalb sollten Arbeitnehmer ausrechnen wie sich die Teilzeitarbeit auf ihr Nettogehalt auswirken würde, bevor sie den Antrag auf Teilzeitarbeit stellen. Und: Wer weniger verdient, zahlt auch weniger in die gesetzliche Rentenkasse ein. Auch hier gilt: Arbeitnehmer sollten vorher von der Rentenversicherung beraten lassen und ausrechnen lassen, welche Folgen die Teilzeitarbeit auf ihren Rentenanspruch hat.

Urlaubsanspruch in Teilzeit

Der Urlaubsanspruch bezieht sich grundsätzlich auf die Arbeitstage und nicht auf die Arbeitsstunden. Sind Teilzeitbeschäftigte werktäglich tätig, haben sie ebenfalls Urlaubsansprüche wie vollzeitbeschäftige Arbeitnehmer. Wenn sie dagegen nicht werktäglich beschäftigt sind, muss der Arbeitgeber den Urlaubsanspruch umrechnen. Hierfür wurde folgende Formel entwickelt: Nominale Anzahl der Urlaubstage mal Anzahl der Arbeitstage des Teilzeitbeschäftigten mal tatsächliche Arbeitstage pro Woche.

Ein Beispiel: Arbeitet ein Mitarbeiter an 5 Tagen der Woche jeweils 4 Stunden und besteht der Urlaubsanspruch bei Vollzeit 30 Tage, ergibt sich folgende Beispielrechnung: 30 x 5 : 5 = 30 Urlaubstage. Weiteres Beispiel: Arbeitet der Arbeitnehmer an 4 Tagen der Woche jeweils 5 Stunden und hat ein Vollzeitbeschäftigter Anspruch auf 30 Tage Urlaub im Unternehmen, so stehen dem Teilzeit-Mitarbeiter 24 Tage Urlaub zu. Möchte der Arbeitnehmer 2 Wochen in den Urlaub gehen, so muss er lediglich 8 Tage Urlaub beantragen, da er an den restlichen Tagen ohnehin nicht arbeitet.

Teilzeit in der Elternzeit

Auch Mitarbeiter, die sich in der Elternzeit befinden, können einen Antrag auf Teilzeit stellen. Beginn, Umfang und Verteilung der Arbeitszeit müssen dem Arbeitgeber fristgerecht, 7 Wochen vor Beginn der Arbeitszeitverringerung, schriftlich mitgeteilt werden. Wichtig: Beide Parteien haben die Möglichkeit, sich über den Umfang und die Verteilung der Arbeitszeit zu einigen. Allerdings: Mindestens 15 Stunden und maximal 30 Stunden pro Woche dürfen die Mütter oder Väter während der Elternzeit arbeiten. Nach Ende der Elternzeit gilt wieder die im Arbeitsvertrag vereinbarte Wochenarbeitszeit. Eine Teilzeit, die bis zur Vollendung des dritten Lebensjahres des Kindes ausgeübt werden soll, kann vom Arbeitgeber nur innerhalb von vier Wochen aus dringenden betrieblichen Gründen schriftlich abgelehnt werden.

Eine Teilzeitarbeit, die zwischen dem dritten Geburtstag und der Vollendung des achten Lebensjahres des Kindes geplant ist, kann der Arbeitgeber nur innerhalb von acht Wochen aus dringenden betrieblichen Gründen schriftlich ablehnen. Unterlässt der Arbeitgeber innerhalb dieser Fristen schriftlich abzulehnen, wird dies als Zustimmung entsprechend den Wünschen des Arbeitnehmers gewertet. Grundsätzlich können Arbeitnehmer während der Elternzeit zweimal eine Reduzierung der Arbeitszeit beantragen.

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