Tiere in der Mietwohnung

So vermeiden Sie Ärger mit dem Vermieter!

Verbraucher | WISO - Tiere in der Mietwohnung

Hund, Katze und Co. - viele tierische Mitbewohner erfreuen ihre Halter. Allerdings nur, wenn der Vermieter kein Problem mit ihnen hat. WISO erklärt, worauf man achten sollte, um Ärger zu vermeiden.

Beitragslänge:
4 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 30.06.2017, 11:00

Die Liebe zum eigenen Haustier ist eine schöne Sache. Sie kann aber zum Problem werden – nämlich genau dann, wenn der Vermieter mit der Haltung des Tieres nicht einverstanden ist. Was können Mieter in solch einem Fall machen?

Hund, Katze, Maus oder Wellensittich – Tiere in der Mietwohnung sorgen nicht selten für Zoff zwischen Mieter und Vermieter. Mögliche Gründe: Allergien, Dreck, Lärm, verärgerte Nachbarn und Schäden in der Mietwohnung. Kommt es zum Streit, ist oft keine Einigung in Sicht.

„Es gibt keine grundsätzliche gesetzliche Regelung, was die Haltung von Tieren in der Mietwohnung betrifft“, sagt Sven Kutzner. Er ist Fachanwalt für Mietrecht. „Ist im Mietvertrag nichts geregelt, kann der Vermieter erst einmal nicht mitreden, was die Haltung von Tieren betrifft. Ganz egal, ob Maus, Katze, Hund oder Wellensittich. Der Vermieter muss immer einen triftigen Grund haben, ein Haustier in der Mietwohnung nicht zu erlauben.“ Einigen sich Mieter und Vermieter nicht, müssen beide Parteien am Ende des Tages doch das Gericht bemühen. Das sollte aber – wie so oft – das allerletzte Mittel sein.

Wer darf einziehen, wer muss draußen bleiben?

Bei Haustieren wird unterschieden zwischen sogenannten Kleintieren und anderen Tieren. Kleintiere sind solche, die meist in Käfigen, Terrarien oder Aquarien gehalten werden.
Dazu zählen u. a. Hamster, Kaninchen, Meerschweinchen, Wellensittiche, Zierfische, kleine und ungiftige Schlangen und ähnliche Tiere. Kleintiere sind in der Mietwohnung grundsätzlich immer erlaubt, egal was zwischen Mieter und Vermieter mündlich vereinbart wurde (BGH Urt.v. 20.1.1993, VIII ZR 10/92). Wichtig: Das gilt auch, wenn der Mietvertrag in einer Klausel das uneingeschränkte Verbot jeglicher Tierhaltung beinhaltet.

Heißt: „Die Haltung von Kleintieren gehört zum vertragsgemäßen Gebrauch der Wohnung“, so Anwalt Kutzner. Allerdings: „Dutzende von Wellensittichen, die durch die Wohnung fliegen, sind im Zweifel nicht erlaubt. Sie können zum Beispiel zu viel Dreck und Lärm verursachen“.

Hund, Katze, Schlange?

Etwas komplizierter wird es bei Hunden und Katzen. Generell verbieten dürfen Vermieter Hunde und Katzen in der Mietwohnung nicht – selbst wenn eine entsprechende Klausel im Mietvertrag stehen sollte. Das bestätigte im März 2013 auch der Bundesgerichtshof (Az.: VIII ZR 168/12). Allerdings: Die Richter sagen auch, dass ein Mieter nicht ohne Rücksicht auf andere – also Vermieter oder Nachbarn – einen Hund oder eine Katze halten darf.

Exotische und gefährliche Tiere wie etwa Gift- und Würgeschlangen oder Alligatoren zählen nicht zu den gewöhnlichen Haustieren. Hier ist die Genehmigung des Vermieters nötig. Außerdem brauchen Besitzer von solch ungewöhnlichen Tieren zusätzlich eine Halteerlaubnis nach Vorschrift des Landesstraf- und Verordnungsgesetzes.

Mietverträge und Klauseln

Das Mietrecht regelt nicht im Gesetz die Tierhaltung in einer Mietwohnung. Sondern es kommt in erster Linie auf die Vereinbarung im Mietvertrag selbst an. Allerdings – und hier wird es etwas komplizierter: Ein generelles Tierhaltungsverbot im Mietvertrag ist per se unwirksam. Denn: Ein solches Verbot würde nach Ansicht der Richter am Bundesgerichtshof den Mieter unangemessen benachteiligen. „Im Zweifelsfall muss immer im Einzelfall geprüft werden, ob die Tierhaltung in der Mietwohnung vertragsgemäß ist – oder eben nicht“, bestätigt auch der Deutsche Mieterbund (DMB).

„Der Vermieter kann nicht ohne triftigen Grund die Zustimmung zur Tierhaltung widerrufen. Für einen Widerruf müssen erhebliche Beeinträchtigungen des Vermieters oder der Nachbarn vorliegen“, so Anwalt Kutzner.

Verbot begründen

Vielmehr muss der Vermieter sachliche Argumente vortragen, um eine vom Mieter gewünschte Tierhaltung zu verbieten. Pauschale Argumente und die Lebenserfahrung reichen nicht aus. Auch reicht es nicht aus, auf eine mögliche Verschmutzung des Hauses oder die übermäßige Abnutzung der Wohnung zu verweisen. „Vielmehr muss der Vermieter darlegen, dass und in welcher Weise das Treppenhaus, die Wohnung, der Garten oder andere Mieter durch das jeweilige Tier beeinträchtigt werden können", erklärt Sven Kutzner weiter. Unterm Strich läuft es daher in vielen Streitfällen auf eine Einzelentscheidung hinaus.

Immerhin: „Inzwischen gibt es zahlreiche Gerichtsurteile, die Richtlinien vorgeben“, sagt der Anwalt. Heißt: Die Interessen von Mieter und Vermieter müssen im konkreten Fall von den zuständigen Gerichten abgewogen werden – und zwar unter anderem nach folgenden Kriterien (BGH Urt.v.14.11.2007, VIII ZR 340/06):

Die BGH-Rechtsprechung zur Tierhaltung sagt zusammen gefasst: Ein pauschales und grundsätzliches Tierhaltungsverbot ist unabhängig von der Vereinbarung im Mietvertrag unangemessen und damit nicht erlaubt.

So vermeiden Sie Ärger!

Wollen Sie sich also ein Haustier in der Mietwohnung halten und Ärger im Nachhinein vermeiden, dann sollten Sie folgendes tun:

- Sprechen Sie zunächst mit Ihrem Vermieter und sagen ihm, was für ein Tier Sie anschaffen wollen - das gilt besonders für Hunde, Katzen und exotische Tiere wie Spinnen oder Schlangen.
- WISO-Tipp: Lassen Sie von Ihrem Vermieter nachträglich den Mietvertrag ändern - und zwar um eine entsprechende Vereinbarung über die Haltung des Haustieres. Dann gehört die Tierhaltung zum vertragsgemäßen Gebrauch Ihrer Mietwohnung.

- Können Sie sich mit Ihrem Vermieter nicht einigen, holen Sie sich zunächst Rat bei den örtlichen Verbraucherzentralen oder dem Deutschen Mieterbund.
- Bleiben die Fronten verhärtet und Sie müssen vor Gericht, benötigen Sie einen Fach-Anwalt mit Spezialgebiet Mietrecht.

Fazit

Kommunikation ist alles! Und im Zweifelsfall muss man sich auf bestehende Urteile berufen. Denn eine generelle gesetzliche Regelung gibt es nicht.


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