WISO-Tipp: Überstunden im Job

Was darf der Chef?

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Überstunden gehören für viele Arbeitnehmer in Deutschland zum Berufsalltag. Vergangenes Jahr leisteten sie rund 1,7 Milliarden und damit drei Prozent aller geleisteten Arbeitsstunden. Doch sind Überstunden zulässig? Darf sie der Chef einfach anordnen?

Beitragslänge:
4 min
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Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 11.09.2018, 19:25

Statt in den wohlverdienten Feierabend zu gehen, schiebt so mancher Mitarbeiter immer wieder Überstunden. Doch Arbeitnehmer müssen sich nicht alles aufbürden lassen. Der Arbeitgeber darf Mehrarbeit nur anordnen, wenn es im Arbeits- oder Tarifvertrag oder in einer Betriebsvereinbarung entsprechende Regelungen gibt. Also beispielsweise eine Formulierung wie "Der Arbeitgeber darf Überstunden anordnen".

Obergrenzen bei Überstunden

Laut Arbeitszeitgesetz dürfen Arbeitnehmer maximal acht Stunden pro Tag arbeiten. Im Einzelfall sind auch zehn Stunden erlaubt, wenn sie dafür innerhalb der nächsten sechs Monate einen Freizeitausgleich bekommen und auch mal früher gehen können.

Ausnahmen gelten für Arbeitnehmer, die eine Rufbereitschaft anbieten müssen, wie zum Beispiel Klinikpersonal oder Feuerwehrleute. Dann kann in einem Tarifvertrag die Arbeitszeit auch über zehn Stunden hinaus verlängert werden, wenn entweder ein Teil der Arbeitszeit nicht wirklich Arbeit, sondern Arbeitsbereitschaft ist oder die Regelung auf höchstens 60 Tage im Jahr beschränkt ist.

Hält sich der Arbeitgeber nicht an diese Obergrenzen, kann es teuer werden. Die Gewerbeaufsicht kann ein Bußgeldverfahren einleiten, wenn sie mitbekommt, dass regelmäßig länger gearbeitet wird.

Werk- und Feiertage

Von Arbeitnehmern kann grundsätzlich verlangt werden, auch an Samstagen zu arbeiten. Es sei denn, es ist im Arbeitsvertrag ausgeschlossen. Gewährt der Arbeitgeber dafür einen Zeitausgleich an einem anderen Wochentag, handelt es sich nicht um Überstunden, da der Samstag ein Werktag ist.

An Sonn- und Feiertagen dürfen Arbeitnehmer grundsätzlich nicht beschäftigt werden. Allerdings sieht das Arbeitszeitgesetz unter § 10 vielfältig Ausnahmen vor, zum Beispiel bei Not- und Rettungsdiensten, der Feuerwehr oder in Krankenhäusern.

Exklusiv

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Interview mit Fachanwalt Frank Labisch

Videolänge:
6 min
Datum:

Ausnahme: leitende Angestellte

Sind Sie leitender Angestellter, kann Ihr Arbeitgeber von Ihnen Überstunden erwarten. Das Arbeitszeitgesetz gilt nicht für Sie, da Sie als leitender oder höherer Angestellter meist nach der Erfüllung Ihrer Aufgaben bezahlt werden – und nicht allein nach den abzuleistenden Stunden.

Per Definition ist ein "leitender Angestellter" jemand, der Mitarbeiter einstellen und entlassen kann, Handlungsvollmacht oder Prokura hat oder sonstige Aufgaben in unternehmerischer Funktion ausführt. Es reicht, wenn eine der drei genannten Funktionen dauerhaft auf den Angestellten übertragen wurde.

Anspruch auf Überstundenzuschlag

Es gibt keinen grundsätzlichen Anspruch auf Überstundenzuschläge. Viele Tarifverträge sehen jedoch welche vor, ebenso wie Betriebsvereinbarungen oder individuelle Arbeitsverträge. Üblich sind 10 bis 25 Prozent der üblichen Vergütung. Bei Nachtarbeit schreibt das Arbeitszeitgesetz einen angemessenen Nachtzuschlag vor. Zwischen 23 und 6 Uhr hält das Bundesarbeitsgericht 25 Prozent für in Ordnung; bei Dauernachtarbeit 30 Prozent.

Bezahlung versus Freizeitausgleich

Ein gut gefülltes Überstundenkonto kann durchaus sinnvoll sein, wenn Sie als Gegenleistung dafür mehr freie Zeit bekommen. Viele Familien mit schulpflichtigen Kindern nutzen das als Möglichkeit, die Betreuung in den Ferien sicherzustellen: Sie gleichen ihre Überstunden mit Freizeit aus.

Das geht allerdings nur, wenn es - wie in vielen Tarif- und Arbeitsverträgen - so vereinbart ist. Bei Unternehmen, die mit einer elektronischen Zeiterfassung arbeiten, ist Freizeitausgleich für Überstunden üblich. Meist dürfen die Arbeitnehmer auch nur eine bestimmte Anzahl von Überstunden aufbauen und müssen diese laufend wieder abfeiern.

Fragen Sie Ihren Chef, falls es in Ihrem Tarif- oder Arbeitsvertrag an einer Vereinbarung zum Anspruch auf Freizeitausgleich fehlt. Da er nur die Alternative hat, Ihnen die Überstunden ansonsten zu bezahlen, stehen die Chancen für eine Einigung ganz gut.

Wichtige Überstunden-Urteile

Verfall von Überstunden

Häufig enthalten Verträge Verfallsfristen, nach deren Ablauf der Arbeitgeber die Überstunden nicht mehr bezahlen muss. Solche Regelungen sind nur rechtens, wenn die Frist mindestens drei Monate beträgt. Fehlen sie, gilt die allgemeine gesetzliche Verjährungsfrist von drei Jahren. Sie beginnt jeweils Ende des Jahres. Das heißt konkret: Bis Ende 2017 können Sie noch Überstunden aus den Jahren 2016, 2015 und 2014 geltend machen.

Viel gefährlicher als Verjährungsfristen sind allerdings sogenannte Ausschlussfristen. Die finden sich in nahezu jedem Arbeits- oder auch Tarifvertrag. Ausschlussklauseln führen häufig dazu, dass sämtliche Ansprüche aus dem Arbeitsverhältnis – wozu auch die Überstundenvergütung zählt – erlöschen, wenn sie nicht innerhalb einer bestimmten Frist geltend gemacht werden.

Das Tückische daran ist, dass die Ausschlussfristen wesentlich kürzer sind als die regelmäßige Verjährungsfrist von drei Jahren. Die meisten laufen bereits nach drei Monaten ab, mitunter noch früher.

Checkliste zu Überstunden

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