Unfallversicherung abschließen

Das sollten Sie beachten!

Verbraucher | WISO - Unfallversicherung abschließen

Ob beim Freizeitsport, im Haushalt oder im Verkehr - Unfälle passieren. Für wen lohnt sich grundsätzlich eine Unfallversicherung? Und was ist dabei zu beachten? Das verrät der WISO-Tipp!

Beitragslänge:
4 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 22.07.2017, 00:00

Ob in der Freizeit, im Haushalt oder im Verkehr – Unfälle passieren schnell. In vielen Fällen laufen sie glimpflich ab, aber ein Sturz kann auch zu dauerhaften körperlichen Beeinträchtigungen und zu einem finanziellen Problem führen. In solchen Fällen sollen private Unfallversicherungen greifen, versprechen die Versicherer und zum Beispiel bei folgenschweren Unfällen, die zu einer dauerhaften Invalidität führen, dabei helfen das Haus oder die Wohnung barrierefrei umzugestalten oder Einkommensverluste auszugleichen.

Die private Unfallversicherung ist laut Verbraucherzentrale vor allem für Kinder, Schüler, Studenten oder Personen mit hohem Unfallrisiko ein wichtiger Versicherungsschutz. Zu den Risikogruppen gehören zum Beispiel Motorradfahrer, Rennradfahrer, Mountainbiker, Ski- oder Snowboardfahrer sowie alle Extremsportler. Beim durchschnittlichen Freizeitsportler hält sich das Risiko eines schweren Unfalls dagegen in Grenzen. Tipp: Es gibt Versicherer, die in einigen Fällen besonders gefährliche Freizeitaktivitäten aus dem Schutz ausschließen oder einen Extra-Risikozuschlag fordern. Verbraucher sollten sich deshalb vorab informieren, ob ihr Hobby mitversichert ist.

Was leistet die Unfallversicherung?

Eine private Unfallversicherung zahlt in der Regel eine vereinbarte versicherte Leistung bei einer unfallbedingten, nicht aber bei einer krankheitsbedingten Invalidität, so die Verbraucherzentrale. Im Allgemeinen wird allerdings das Risiko eines schweren Unfalls mit einer daraus folgenden schweren Behinderung überschätzt. Schätzungen zufolge gehen nur zwei Prozent aller Schwerbehinderungen auf Unfälle zurück, die Mehrheit auf Krankheiten.

Außerdem sollten sich Verbraucher bewusst sein, dass eine Unfallversicherung in erster Linie schwere Unfälle abdeckt, die bleibende gesundheitliche Schäden zur Folge haben. Für einen Beinbruch nach einem Fahrradsturz gibt es von einer privaten Unfallversicherung in der Regel keine Leistungen. Laut Verbraucherzentrale kann „eine Unfallversicherung nie als echte Alternative zu einer Berufsunfähigkeitsversicherung angesehen werden“. Eine Voraussetzung für die Zahlung eines einmaligen Geldbetrages: Durch einen Unfall ist es zu einer dauerhaften Beeinträchtigung der körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit der versicherten Person gekommen. Die Höhe der Entschädigungssumme richtet sich grundsätzlich nach dem Grad der Invalidität und der Höhe der vertraglich vereinbarten Invaliditätssumme.

Gefahrengruppe A oder B?

Von einer dauerhaften Beeinträchtigung wird ausgegangen, wenn die Unfallfolgen voraussichtlich für länger als drei Jahre bestehen bleiben. Die Unfallversicherung sollte vor allem Kapitalbedarf sichern, der nach einem Unfall besteht, so der Bund der Versicherten. Dazu gehören zum Beispiel: Ausgleich des unfallbedingten Lohnausfalls, vor allem wenn keine Berufsunfähigkeitsversicherung abgeschlossen werden kann, Umbau von Auto oder Wohnung, zusätzliche Hilfsmittel oder Therapien, die die Krankenkasse oder der Rentenversicherungsträger nicht übernehmen, Hilfe im Haushalt oder bei der Kinderbetreuung. „Wer diese Kosten selbst schultern kann, benötigt keine Unfallversicherung“, so der Bund der Versicherten.

Auch macht der Bund der Versicherten darauf aufmerksam, dass die Prämie der Unfallversicherung von der Einteilung in Gefahrengruppen abhängt. So gibt es etwa eine sogenannte Gefahrengruppe A. Diese umfasst Berufe ohne körperliche Tätigkeit. Des Weiteren gibt es eine Gefahrengruppe B. Diese deckt Berufe mit körperlicher und gefährlicher Tätigkeit ab und ist entsprechend teurer.

Invaliditätssumme, Progession und Gliedertaxe

Die Invaliditätssumme ist die wichtigste Leistung einer Unfallversicherung und sollte daher möglichst hoch sein. Die Summe sollte mindestens 100.000 Euro betragen. Denn wenn ein schwerer Unfall passiert, kann das große finanzielle Folgen haben: Sie können nicht mehr Vollzeit arbeiten, Sie müssen Ihr Haus/Ihre Wohnung behindertengerecht umbauen lassen oder zusätzliche Folgekosten zahlen. Der Bund der Versicherten gibt für die Ermittlung der Invaliditätssumme eine Faustformel an. Für Berufstätige nach Alter und Einkommen:
30 Jahre = das sechsfache Bruttojahreseinkommen, 40 Jahre = das fünffache Bruttojahreseinkommen, 50 Jahre = das vierfache Bruttojahreseinkommen.

Sinnvoll kann es sein, einen Tarif mit einer Progression zu wählen. Die Progression sorgt dafür, dass Sie bei schweren Behinderungen eine ansteigende Leistung ausgezahlt bekommen. Die Progression bestimmt, wieviel Prozent der Versicherungssumme Sie bei welchem Grad der Invalidität erhalten. Wenn Sie zum Beispiel eine Progression von 350 Prozent bei einer Grundinvaliditätssumme von 100.000 Euro wählen, könnten Sie bei einer Vollinvalidität etwa 350.000 Euro ausgezahlt bekommen. (100.000 Euro x 350% = 350.000 Euro). Nachteil: Je höher die Progression, desto höher die monatlichen Prämien.

Ein weiteres wichtiges Merkmal für einen guten Tarif ist die Gliedertaxe. Sie bestimmt, wieviel Geld Sie bei Funktionsverlust eines bestimmten Körperteils erhalten. Eine Faustregel: Je höher die Gliedertaxe, desto höher fällt in der Regel der Tarif aus.

Melde-Fristen zur Invalidität

In der Regel wird eine Invalidität nur dann anerkannt, wenn sie innerhalb eines Jahres nach dem Unfall eingetreten ist und binnen 15 Monaten vom Arzt schriftlich festgestellt und der Versicherung mitgeteilt wird. Jedoch kann es in einigen Fällen länger dauern, bis feststeht, ob ein Unfallschaden dauerhaft ist und bleibt oder bis der Arzt eine entsprechende Diagnose stellt. Gute Verträge bzw. Tarife verlängern diese Fristen für Feststellung und Meldung.

Vorsicht, Beitragsrückgewähr!

Bei der Beitragsrückgewähr sollen Versicherte am Ende der Laufzeit Geld zurückbezahlt bekommen. Hört sich gut an, aber Verbraucherschützer sehen darin eine Mogelpackung: Oft erhöhen sich die Beiträge um ein Vielfaches als bei einer reinen Unfallversicherung. Außerdem ist die Rendite in solchen Fällen häufig schlecht. Denn: Diese Tarife sind mit einem schlecht verzinsten Sparvorgang verbunden. Der Bund der Versicherten warnt: „Unfallversicherungen mit Beitragsrückgewähr sollten gekündigt oder beitragsfrei gestellt werden...Es gibt keine 'Versicherung zum Nulltarif' oder eine Versicherung „bei der Sie die Beiträge mit Gewinnbeteiligung zurückbekommen“. Sie erhalten nur die zusätzlich zu den Unfallversicherungsbeiträgen gezahlten Sparanteile Ihrer Prämien zurück – mit schlechter Verzinsung.“

Von Versicherern werden viele Extras angeboten, wie zum Beispiel Krankentagegeld, Krankenhaustagegeld, Genesungsgeld, kosmetische Operationen oder Bergungskosten. Doch Vorsicht: Diese Leistungen werden nur bei einem unfallbedingten Ereignis gezahlt. Stattdessen kann es sinnvoller sein, beispielsweise zur Absicherung möglicher Einkommensverluste eine private separate Krankentagegeld-Versicherung abzuschließen. Diese deckt sowohl Unfälle als auch Krankheitsfälle ab. Zur Absicherung des Todesfallrisikos empfiehlt die Verbraucherzentrale eine eigenständige Risiko-Lebensversicherung. In Bezug einer Unfallversicherung sollten Sie daher eine geringe Summe für den Fall des Unfalltodes wählen.

Unfallversicherung für Senioren

Einige Punkte sprechen für den Abschluss einer Unfallversicherung für Senioren. So sind viele Rentner sehr aktiv und fahren Ski, unternehmen Fahrradtouren oder betreiben andere sportliche Aktivitäten. Damit steigt auch die Unfallgefahr. Und: Da die meisten Unfälle im Haushalt und in der Freizeit passieren, sind auch Senioren davon nicht ausgenommen.
Allerdings gibt es auch Aspekte, die gegen einen Abschluss sprechen. So erklärt der Bund der Versicherten: „Eine finanzielle Lücke im Sinne einer Einkommensbuße kann nicht mehr entstehen, da die Rentenzahlung von einem Unfall nicht betroffen wird.“ Außerdem: Die Leistung einer Unfallversicherung kann geringer ausfallen. Denn „altersbedingte Gebrechlichkeit wird nicht selten erheblich mit ursächlich sein für den Grad der Invalidität nach einem Unfall“, so der Bund der Versicherten. Dieser Punkt kann zu Konflikten zwischen Versicherern und Versicherten führen.

Bei Senioren-Unfallversicherungen gibt es Angebote mit speziellen Hilfsleistungen bei bestimmten Krankheiten wie Herzinfarkt, Schlaganfall, Krebs oder nach einem Unfall. In einigen Fällen erhalten Versicherte auch schon bei einem Oberschenkelhalsbruch die Auszahlung der versicherten Leistung.

So rät der Bund der Versicherten Verbrauchern, die sich im Rentenalter für eine Unfallversicherung entscheiden, auf folgende Punkte zu achten:
- Der Vertrag sollte unbedingt Kürzung der Leistung wegen Vorschäden erst ab einem Mitwirkungsanteil von 50 Prozent vornehmen.
- Die Unfallversicherung tritt im Falle eines Falles mit einer monatlichen Rentenzahlung oder einer einmaligen Kapitalzahlung ein. Die Unfallversicherung sollte Ihnen die Wahl lassen, selbst festlegen zu können, ob die Leistung als einmalige Kapitalzahlung oder als Rente erfolgen soll.
- Der Vertrag sollte nicht in einem bestimmten Alter enden
- Auf eine Progression kann verzichtet werden, denn die Rente sichert den täglichen Finanzbedarf auch nach einem Unfall.
- Die Versicherungssumme muss nicht sehr hoch angesetzt werden. Bereeits etwa 100.000 Euro ohne Progression reichen in der Regel.

- Außerdem warnt der Bund der Versicherten vor Verträgen, die Leistungen erst ab einer Invaliditätsstufe von 50 Prozent zahlen.

Unfallversicherung für Kinder

Eine private Kinder-Unfallversicherung versichert in der Regel Unfälle, die sich im Verkehr, im Haushalt und Garten oder beim Sport oder Spielen ereignen. Die Versicherung springt dann ein, wenn die geistige und körperliche Leistungsfähigkeit des Kindes dauerhaft beeinträchtigt ist. Der Bund der Versicherte rät: „Wenn ein Kind als Folge eines Unfalls sein Leben lang nicht arbeiten kann, müssen seine Eltern möglicherweise bis zu ihrem Tode für den Unterhalt aufkommen. Allerdings sind Unfälle bei der Entstehung schwerer Behinderungen äußerst selten, nur etwa 0,6 Prozent aller schwerbehinderten Kindern sind aufgrund eines Unfalls in diese Lage geraten.“

Entscheiden Sie sich für eine Unfallversicherung für Ihr Kind, dann sollte die Versicherungssumme für den Invaliditätsfall so bemessen beziehungsweise so hoch sein, dass im Falle einer dauernden Invalidität zumindest zu einem gewissen Teil der Lebensunterhalt bestritten werden kann. So sollte die Invaliditätssumme für ein Kind mindestens 200.000 Euro betragen. Experten raten zum Abschluss einer Progression. Sinnvoll wäre zum Beispiel eine Progression von 225 Prozent. Außerdem sollten Sie darauf achten, dass eine geringe Todesfallsumme mitversichert wird. Diese sollte zwischen 10.000 und 15.000 Euro liegen. Versicherungsexperten raten davon ab, eine Kinder-Unfallversicherung mit Beitragsrückgewähr abzuschließen. Ebenfalls raten sie von Extras wie Unfall-Tagegeld, Krankenhausgeld und Genesungsgeld ab.

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