Urlaubsandenken mitbringen

Ein Smartphone aus den Vereinigten Staaten, ein Andenken von der chinesischen Mauer, Zigaretten aus der Türkei. Bringt nicht jeder gerne Souvenirs aus dem Urlaub oder günstige Mitbringsel für die Lieben zuhause mit? Grundsätzlich ist dagegen nichts einzuwenden – doch alles hat seine Grenzen! Wie Sie Ihren Urlaub stressfrei zu Ende bringen und Steuerhin-terziehung vermeiden – in unserem WISO-Tipp.

Gerade zu Fußball-Europa- oder Weltmeisterschaften liegen sie hoch im Kurs: Nachgeahmte Trikots bekannter Fußball-Mannschaften oder Nationalteams. Für einen Bruchteil des Originalpreises kann man sie auf den Märkten und Basaren in der Türkei, in Thailand oder in Ägypten kaufen. Inzwischen sind die Kopien sogar täuschend echt. Selbst die Logos der Sportartikelhersteller sind perfekt nachgeahmt. Doch ist das überhaupt legal? Dürfen Sie Plagiate von bekannten Marken- oder Designerklamotten kaufen und nach Deutschland mitbringen?

Für den Zoll ist allerdings entscheidend, ob Sie die so genannte Reisefreigrenze überschritten haben. Innerhalb der EU dürfen Sie für Ihren persönlichen Bedarf einkaufen, so viel Sie möchten. Lediglich bei Tabakwaren, Kaffee und Alkohol gibt es Beschränkungen.

Sie sollten also immer genau wissen, wie viel Sie im Ausland eingekauft haben und wie viel Sie dafür bezahlt haben. Denn das müssen Sie dem Zoll gegenüber beweisen können. Selbst, wenn Sie nichts zu verzollen haben, darf der Zoll Sie nach Ihrer Rückreise im Zollbereich des Flughafens jederzeit kontrollieren. Achtung: Die Reisefreigrenze gilt pro Person. Das heißt: Eine Uhr im Wert von 800 Euro kann zum Beispiel nicht auf zwei Personen umgelegt werden.

Roter und grüner Ausgang

Am Flughafen gibt es einen roten und einen grünen Ausgang. Wenn Ihre Einkäufe die Reisefreigrenze übersteigen, müssen Sie den roten Ausgang nehmen und Abgaben bezahlen. Tun Sie das nicht, machen Sie sich unter Umständen strafbar!

Daher rät Dirk Pohl, Fachanwalt für Steuerrecht in Frankfurt am Main: „Dadurch, dass Sie mit Ihrer Ware im grünen Bereich erscheinen, sagen Sie – ohne es auszusprechen – ich habe nichts zu verzollen! Wenn Sie sich unsicher sind, sollten Sie sich unbedingt an den roten Bereich wenden und versuchen, dort einen Zöllner anzutreffen, um ihm Ihre Fragen zu stellen.“

Achtung Souvenirs!

Jedes Land bestimmt selbst, welche Kulturgüter und Souvenirs Sie von dort mitnehmen dürfen. Beachten Sie die geltenden Zollvorschriften Ihres Urlaubslandes! In vielen Ländern drohen Haftstrafen, wenn Sie nur Sand oder Steine mitnehmen!

Kein Sand für Zuhause!

Eine beliebte Urlaubserinnerung ist das Gläschen Sand vom Lieblingsstrand. Viele Urlauber hoffen so, schöne Urlaubserinnerungen konservieren zu können. Doch Vorsicht! Nicht in allen Ländern ist es erlaubt, eine Prise vom Strand einzupacken und nach Hause mitzunehmen. Besonders in Sardinien: Werden Sie bei der Rückreise mit Sand im Gepäck erwischt, drohen horrende Geldstrafen von mehreren tausend Euro. Auch in der Türkei oder in Griechenland sollten Sie besser keine Steine vom Boden aufheben und mitnehmen. Es könnte sich zum Beispiel um Fossilien handeln. In so einem Fall verstehen türkische und griechische Beamte keinen Spaß. Sie könnten Ihren Urlaub unter Umständen in Untersuchungshaft beenden und nur gegen Zahlung einer hohen Kaution entlassen werden.

Ähnlich kann es Ihnen in Ägypten ergehen. Hier lautet eine Zollvorschrift, die Ausfuhr antiker Gegenstände sei strengstens verboten. Was die ägyptischen Behörden genau darunter verstehen, ist nicht bekannt. Daher sollten Sie auch hier genau darauf achten, keine Steine oder ähnliches mitzunehmen. Es könnten zum Beispiel Bestandteile alter Pyramiden oder Bauwerke sein.

Keine Tiere mitbringen!

Zahlreiche Tiere und Pflanzen stehen weltweit unter Artenschutz. Bringen Sie daher generell keine lebenden Tiere oder Pflanzen wie Orchideen oder Korallen als Souvenir mit! Beachten Sie: Auch Taschen, Lebensmittel oder Schnitzereien könnten aus geschützten Tier- oder Pflanzenarten hergestellt sein. Erkundigen Sie sich vor Ihrer Reise beim Bundesamt für Naturschutz, welche Arten geschützt sind, oder verzichten Sie komplett auf Tiererzeugnisse!

Vorsicht auch bei Arzneimitteln, die Sie im Ausland gekauft haben. Sie dürfen nur geringe Mengen und nur zum persönlichen Gebrauch dabei haben. Sie könnten gegen das Arzneimittelgesetz verstoßen.

Berechnung der Einfuhrabgaben

Wenn Sie die Reisefreigrenze überschreiten, müssen Sie Abgaben bezahlen. Doch was versteht man darunter und wie viel ist das überhaupt? Die Abgaben bestehen einerseits aus den Zöllen und andererseits aus der sogenannten Einfuhrumsatzsteuer. Wie hoch die Abgaben sind, hängt vom Wert Ihrer Waren ab und ob Sie die Einkäufe für den privaten Gebrauch oder als Geschenk nutzen wollen und im Privatgepäck einführen. Sie müssen also immer genau belegen können, wie viel Sie für die Waren bezahlt haben! Können Sie das nicht, schätzt der Zoll den Wert Ihrer Waren selbst.

Pauschalierte Abgabe

Sind Ihre Waren weniger als 700 Euro wert, wendet der Zoll für die Berechnung der Abgaben eine Pauschale an. Diese beträgt 17,5 Prozent des Warenwerts. Mit manchen Ländern hat Deutschland gewisse Zollpräferenzen vereinbart. Dazu gehören beispielsweise Urlaubsländer wie Ägypten oder die Türkei, Island oder die Schweiz. Die pauschalierte Abgabe liegt hier bei 15 Prozent des Warenwerts.

Zolltarif

Wird die Pauschale nicht angewendet, werden die Abgaben einzeln berechnet. Dabei kommt es nicht nur auf den Wert, sondern auch auf die Art und Beschaffenheit der Waren an. Die Einfuhrumsatzsteuer beträgt – je nach Ware – genau wie die Mehrwertsteuer sieben Prozent oder 19 Prozent. Hinzu kommt, ob es sich um sogenannte verbrauchersteuerpflichtige Waren wie Zigaretten, Kaffee oder Bier handelt. Dann kommen eventuell Tabaksteuer, Kaffeesteuer oder Biersteuer hinzu.

Eine weitere Abgabe ist der Zoll. Für eingeführte Textilien werden beispielsweise 12 Prozent erhoben, für Schmuck zwischen 2,5 und 4 Prozent. Weitere Beispiele für die Einfuhrabgaben bestimmter Waren finden Sie auf der Webseite des Zolls:
Beispiele für Zollsätze

Kein Kavaliersdelikt!

Zollvergehen können teuer werden: Sie müssen nicht nur Zölle und Steuern nachzahlen, sondern auch ein Bußgeld. Zahlen Sie die Abgaben umgehend! Bei mehr als 130 Euro versäumter Abgaben kann Ihnen sogar eine Straftat zur Last gelegt werden. Eine Anklage droht. Wenden Sie sich in diesem Fall an einen Fachanwalt für Strafrecht.

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