WISO-Tipp: Nach dem Klinikaufenthalt

Ihre Rechte auf weitere Versorgung

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Mit dem Ende des Klinikaufenthaltes ist die Behandlung oft nicht beendet, Nach- und Folgebehandlungen stehen an sowie die Versorgung mit Medikamenten. Entlassmanagement heißt das Zauberwort. Was sich dahinter verbirgt: das erklärt der WISO-Tipp.

Beitragslänge:
4 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 02.10.2018, 19:35

Das neue gesetzlich festgeschriebene Entlassmanagement ist Teil des Versorgungsstärkungsgesetzes. Es regelt die lückenlose medizinische Versorgung eines Patienten im Anschluss an eine Krankenhausbehandlung. Ab dem 01.10.2017 sind Kliniken gesetzlich verpflichtet, nach klar geregelten Verantwortlichkeiten sowie verbindlichen Standards die Entlassung eines Patienten aus dem Krankenhaus vorbereiten. Hierzu muss die Klinik frühzeitig Kontakt aufnehmen zu:

  • Angehörigen oder Betreuern
  • Weiterbehandelnden (Physio-, Ergo-, Logotherapie, Hausarzt, Facharzt)
  • Rehabilitationseinrichtungen
  • Pflegeeinrichtungen
  • Ambulante Pflege
  • Spezialisierte ambulante Palliativversorgung

Damit soll die Versorgung der Patienten verbessert und die Überleitung in die häusliche Umgebung oder in eine weiterversorgende Einrichtung erleichtert werden.

Das Entlassmanagement folgt den medizinischen Notwendigkeiten, die im sogenannten Entlassplan von der Klinik für jeden Patienten individuell ausgearbeitet werden. Diese Ausarbeitung geschieht während des gesamten Krankenhausaufenthaltes in Zusammenarbeit mit dem Patienten. Dabei arbeitet ein multiprofessionelles Team aus Ärzten, psychologischen Psychotherapeuten, Pflegepersonal, Sozialdienst und Krankenhausapothekern zusammen. Das Krankenhaus ist verpflichtet, die im Entlassplan erforderlichen Maßnahmen frühestmöglich einzuleiten. Bei Bedarf und Einwilligung des Patienten schaltet die Klinik die Kranken- oder die Pflegekasse des Patienten zur Unterstützung ein.

Checkliste für den Entlassungstag - das sollten Sie bekommen

Entlassgespräch: Am Entlassungstag bespricht der behandelnde Arzt noch einmal mit dem Patienten die weiterführende medizinische Versorgung. Dabei händigt er dem Patienten den Entlassbrief aus. Dieser ist wichtiger Bestandteil des neuen gesetzlichen Entlassmanagements. In der Regel sollte der Brief in der endgültigen Version übergeben werden. Ist zum Zeitpunkt der Entlassung die Mitgabe eines endgültigen Entlassbriefes nicht möglich, muss mindestens ein vorläufiger Entlassbrief ausgestellt werden.

Entlassbrief: Der Entlassbrief enthält alle Informationen, die für die Weiterbehandlung und medizinische Anschlussversorgung des Patienten nach dessen Entlassung aus dem Krankenhaus erforderlich sind. Dieser Brief besteht mindestens aus den folgenden Informationen:

  • Patientenstammdaten, Aufnahme- und Entlassdatum
  • Name des behandelnden Krankenhausarztes und Telefonnummer für Rückfragen
  • Kennzeichnung „vorläufiger“ oder „endgültiger“ Entlassbrief
  • Grund der Einweisung
  • Diagnosen (Haupt- und Nebendiagnosen) einschließlich Infektionen oder Besiedelungen durch multiresistente Erreger
  • Entlassungsbefund
  • Epikrise (= fein differenzierende Beurteilung, enthält Anamnese, Diagnostik, Therapien inklusive Prozeduren)
  • Weiteres Prozedere/weitere Empfehlungen
  • Arzneimittel (inklusive Angaben zu Wirkstoffbezeichnung/-stärke; Darreichungsform inklusive Erläuterung bei besonderen Darreichungsformen; Dosierung bei Aufnahme/Entlassung mit Therapiedauer, Erläuterung bei Veränderungen, bekannte Arzneimittelunverträglichkeiten)
  • Medikationsplan
  • Information über mitgegebene Arzneimittel
  • Alle veranlassten Verordnungen und Information über Bescheinigung der Arbeitsunfähigkeit
  • Nachfolgende Versorgungseinrichtung
  • Mitgegebene Befunde

QUELLE: Rahmenvertrag über ein Entlassmanagement beim Übergang in die Versorgung nach Krankenhausbehandlung nach § 39 Abs. 1a S. 9 SGB V

Bei Bedarf – Verordnungen: Mit dem neuen Gesetz bekommen die Kliniken eine sogenannte Verordnungsermächtigung übertragen. Das bedeutet, dass Krankenhausärzte für einen Zeitraum von bis zu sieben Tagen nach der Entlassung eines Patienten Verordnungen ausstellen dürfen. Dazu zählen:

  • Verordnungen für Hilfsmittel wie Bandagen, orthopädische Hilfsmittel, Rollstuhl
  • Verordnungen für Heilmittel, wie Physio- oder Ergotherapie
  • Verordnungen für häusliche Krankenpflege
  • Verordnungen für Soziotherapie
  • Verordnungen für Arzneimittel

Zu beachten!

Ist der Patient einverstanden, wird eine Kopie seines Entlassbriefs an den weiterbehandelnden Arzt sowie einweisenden Arzt geschickt, sofern dieser nicht an der weiteren Versorgung des Patienten beteiligt ist. Auch die weiterversorgenden pflegerischen Leistungserbringer, beispielsweise Reha- oder Pflegeeinrichtungen, erhalten aufgrund dieser Einwilligung alle notwendigen Informationen zur weiteren pflegerischen Versorgung.

Voraussetzung für eine wirksame Einwilligung des Patienten ist, dass dieser über Grund, Art, Konsequenzen und Risiken der ärztlichen Maßnahmen sowie über alternative Behandlungsmöglichkeiten in verständlicher Art und Weise aufgeklärt wird. Nach dieser Aufklärung muss er im Rahmen seiner geistigen Fähigkeiten in der Lage sein, Pro und Contra der Behandlung abzuwägen und sich begründet für oder gegen die Maßnahme zu entscheiden.

Ist die Demenzerkrankung des Betroffenen bereits fortgeschritten, kann diese Entscheidung meist nicht mehr vom Patienten selbst getroffen werden. In diesem Fall müssen befugte Angehörige oder Betreuer die Entscheidung treffen. Diese Entscheidung muss „im Sinne des Patienten sein und dessen Willen entsprechen, soweit sie nicht dem Wohl des Patienten schaden,“ so Bärbel Schönhof, Vizepräsidentin der Deutschen Alzheimer Gesellschaft e.V. „Sie haben dann das Recht, über die Behandlung informiert zu werden und können die Behandlung auch verweigern, sofern der Patient dies wünscht. Sie haben das Recht, jederzeit in die Patientenakte Einsicht zu nehmen und Fragen zu stellen, Gespräche mit den behandelnden Ärzten zu führen,“ so Rechtsanwältin Schönhof.

Da der Arzt in der Regel nicht befugt ist, aufgrund seiner Schweigepflicht Angehörigen Auskunft zu erteilen, ist es ratsam, die betreffende Vollmacht für den Aufenthalt im Krankenhaus einzupacken. Achtung: Medizinische (lebensrettende) Notfallbehandlungen stellen eine Ausnahme dar und dürfen auch ohne explizite Einwilligung des Patienten oder Angehörigen durchgeführt werden.

Entlassmanagement? Nur mit Zustimmung des Patienten!

Für die Durchführung des Entlassmanagements muss die Klinik das Einverständnis des Patienten schriftlich einholen. In der Regel geschieht dies bereits zu Anfang des Klinikaufenthalts. Da die Kranken- oder Pflegekassen gesetzlich verpflichtet sind, bei Bedarf das Entlassmanagement zu unterstützen, muss der Patient dieser Unterstützung ebenfalls – sofern gewünscht – schriftlich zustimmen.

Der Patient hat die Möglichkeit, dem Entlassmanagement insgesamt zuzustimmen oder dies komplett abzulehnen. Auch ist es möglich, dem Entlassmanagement durch die Klinik zuzustimmen, die Unterstützung durch die Kranken- oder Pflegekasse hingegen abzulehnen.

Achtung: In einigen Fällen sind genehmigungspflichtige Maßnahmen für die Zeit nach der Entlassung notwendig. Dazu gehören zum Beispiel die Aufnahme in eine Kurzzeit- oder Langzeitpflege, Rehabilitationsmaßnahmen, Physiotherapie und ähnliches. Diese Maßnahmen muss die Kranken- oder Pflegekasse des Patienten genehmigen. Dazu muss die Klinik frühzeitig Kontakt mit der Kasse aufnehmen, damit das Genehmigungsverfahren rechtzeitig aufgenommen werden kann. Dies darf sie nur nach vorheriger schriftlicher Einwilligung des Patienten tun. Liegt diese nicht vor, kann die Klinik notwendige Maßnahmen nicht rechtzeitig einleiten.

Kein Entlassmanagement gewünscht?

„Wenn der Patient kein Entlassmanagement wünscht und/oder die Kranken-/Pflegekassen dabei nicht unterstützen sollen, dokumentiert er dies gegenüber dem Krankenhaus. Der Patient verzichtet damit keinesfalls grundsätzlich auf bestimmte anschießende Leistungen oder notwendige weiterführende Maßnahmen wie Reha, häusliche Krankenpflege, Hilfsmittel oder Heilmittel. Der Anspruch kann unter Umständen jedoch erst später entstehen beziehungsweise entsprechende Leistungen können erst später beginnen. Der Patient muss also gegebenenfalls mit einem zeitlichen Verzug rechnen, wenn er auf das Entlassmanagement verzichtet – vor allem, wenn es sich um Leistungen handelt, die bei der Kasse beantragt werden müssen,“ gibt Ann Marini, stellvertretende Pressesprecherin vom Spitzenverband Bund der Krankenkassen (GKV-Spitzenverband) zu bedenken.

Auch wenn der Patient kein Entlassmanagement wünscht, hat er dennoch Anspruch auf einen Entlassbrief. „Bemerkt er einige Zeit nach der Entlassung, dass er doch medizinische oder therapeutische Hilfe benötigt, bekommt er diese natürlich auch. Nur muss er sich dann selbst darum kümmern und kann diese koordinierenden Leistungen nicht mehr vom Krankenhaus erwarten,“ so Ann Marini vom GKV-Spitzenverband.

Kann ich meine Zustimmung zum Entlassmanagement widerrufen?

Ja – jederzeit! Der Widerruf muss schriftlich erfolgen und kann teilweise oder insgesamt geschehen. „Betrifft der Widerruf ausschließlich die Unterstützung durch die Kassen, muss dies schriftlich gegenüber der Klinik und der Kranken-/Pflegekasse erfolgen. Möchte der Patienten vom Entlassmanagement insgesamt zurücktreten, reicht eine entsprechende schriftliche Information an die Klinik,“ so Ann Marini, GKV-Spitzenverband.

Worauf Angehörige von Patienten mit Demenz bei Klinikaufenthalt und Entlassung beachten sollten

Die Zahl älterer und mehrfach kranker Patienten in Kliniken nimmt zu: Seit 2006 ist sie um 80 Prozent auf zwei Millionen angestiegen. Der Anteil von Patienten mit Demenz steigt ebenfalls kontinuierlich an. Teilweise werden akut erkrankte Patienten mit Nebendiagnose Demenz eingeliefert; in vielen Fällen bleibt die Demenz unerkannt. Die meisten Krankenhäuser sind bislang nicht gezielt auf Patienten mit Demenz eingestellt und bieten keine spezielle, demenzsensible Behandlung. Daher ist es sinnvoll, im Voraus abzuklären, ob ein stationärer Krankenhausaufenthalt zwingend notwendig ist oder die Behandlung ambulant durchgeführt werden kann. Ein Ortswechsel bereitet den Patienten mit Demenz zusätzlichen Stress und sie drohen, die Orientierung zu verlieren.

Ist ein stationärer Aufenthalt unumgänglich, sollten die Angehörigen – dazu gehören nicht nur unmittelbare Verwandte sondern auch zum Beispiel der Lebenspartner, Freunde, Nachbarn, rechtliche Betreuer, Pflegepersonen – ein ganz besonderes Augenmerk auf Aufenthalt, Behandlung, Betreuung und Entlassung ihrer Familienmitglieder mit Demenz oder Freunde richten. Demenziell erkrankte Menschen sind oft nicht in der Lage, selbst darüber entscheiden zu können. „Angehörige sind nicht automatisch aufgrund des Verwandtschaftsverhältnisses berechtigt, Entscheidungen für den Erkrankten zu treffen. Sie benötigen dafür eine Legitimation, zum Beispiel eine Vorsorgevollmacht, Generalvollmacht oder gerichtliche Betreuerbestellung,“ informiert Bärbel Schönhof, Rechtsanwältin und Fachanwältin für Sozialrecht.

Nicht allein lassen!

Vor der Krankenhausbehandlung können Angehörige die Möglichkeit abklären, per „Rooming-In“ ebenfalls aufgenommen zu werden. Dies kann gegen Gebühr und bei Verfügbarkeit eines Doppelzimmers möglich sein. „Die Möglichkeit der Kostenübernahme durch die Krankenkassen ist in § 11 Absatz 3 SGB V geregelt,“ so Rechtsanwältin Bärbel Schönhof. Weitere Tipps zur Aufnahme eines Patienten mit Demenz finden Sie auf den Internetseiten der Deutschen Alzheimer Gesellschaft e.V. (www.deutsche-alzheimer.de)

Während des Krankenhausaufenthalts ist es für die Angehörigen wichtig zu wissen, dass eine medizinische Versorgung nur mit wirksamer Einwilligung des Patienten vorgenommen werden darf. Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V. gibt dazu folgende Tipps:

Allgemein:

  • Welche Pflege und Betreuung des Patienten mit Demenz wird konkret nach seiner Entlassung notwendig sein?
  • Sind Medikamente ausreichend vorhanden oder verordnet, um gegebenenfalls mehrere Tage überbrücken zu können, bis der Hausarzt die Behandlung fortsetzen kann?
  • Muss mit Verhaltensänderungen der Person mit Demenz gerechnet werden?
  • Was können die Angehörigen leisten und welche Unterstützung brauchen sie z.B. von externen Dienstleistern?
  • Bei notwendiger Kurzzeit- oder Langzeitpflege: Kann rechtzeitig ein Platz organisiert werden?


Zuhause:

  • Kann die Versorgung zuhause nahtlos gewährleistet werden?
  • Wie können Pflege und Betreuung zuhause bestmöglich organisiert werden?

Anschlussversorgung für Demenzkranke

Benötigt ein Patient mit Demenz eine medizinische Anschlussversorgung nach seiner Entlassung, muss die Klinik Bevollmächtigte oder Betreuer des Patienten frühzeitig in das Entlassmanagement einbinden. Kann der Patient nicht selbst die Entscheidung über ein Entlassmanagement treffen, muss diese die dafür verantwortliche Person treffen und schriftlich zustimmen oder ablehnen.

„Soweit die Ärzte im Rahmen des Entlassmanagements Kontakt zu weiterbehandelnden Ärzten aufnehmen oder Leistungsanträge bei den Krankenkassen stellen wollen, bedürfen sie der Zustimmung der Bevollmächtigten oder Betreuer,“ informiert Rechtsanwältin Bärbel Schönhof, Rechtsanwältin und Fachanwältin für Sozialrecht.

Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V. rät Angehörigen und Betreuern von Patienten mit Demenz, vor der Entlassung folgende Fragen mit der Klinik klären:

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