Werbungskosten absetzen

So zahlen Sie weniger Steuern!

Verbraucher | WISO - Werbungskosten absetzen

Es ist wie jedes Jahr: Am 31. Mai muss die Steuererklärung für 2015 beim Finanzamt sein. Den wenigsten Deutschen macht die Steuererklärung Spaß, aber damit können Sie sich Geld vom Fiskus zurückholen.

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4 min
Datum:
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Video verfügbar bis 29.04.2017, 14:00

Es ist wie jedes Jahr: Am 31. Mai muss die Steuererklärung für 2015 beim Finanzamt sein. Den wenigsten Deutschen macht die Steuererklärung Spaß, aber damit können Sie sich Geld vom Fiskus zurückholen. Es kann sich also lohnen, den Schuhkarton mit den Belegen zu öffnen, die so genannte Anlage N sorgfältig auszufüllen und damit die Werbungskosten geschickt abzurechnen. Unser WISO-Tipp zur Steuererklärung!

Werbungskosten sind die Ausgaben, die bei der Ausübung Ihrer Arbeit oder bei der Jobsuche entstehen. Jeder Arbeitnehmer bekommt hierfür pauschal 1000 Euro gut geschrieben – der so genannte Arbeitnehmerpauschbetrag. Liegen Ihre beruflich bedingten Ausgaben über der 1000 Euro-Grenze, sollten Sie die Werbungskosten in der Steuerklärung angeben. Dadurch reduziert sich Ihr zu versteuerndes Einkommen und somit die Steuerlast.

Pendlerpauschale

Ob Sie mehr als 1000 Euro an Werbungskosten geltend machen können – und ob sich das Ausfüllen der Anlage N lohnt -, können Sie am ehesten anhand der Pendlerpauschale ermitteln. Jeder Arbeitnehmer kann für jeden Tag, an dem er arbeitet, 30 Cent pro Kilometer des Arbeitsweges geltend machen. Das gilt beispielsweise auch, wenn Sie zu Fuß, mit dem Fahrrad oder einer Mitfahrgelegenheit zur Arbeit kommen.

Dazu müssen Sie zunächst berechnen, an wie vielen Tagen Sie gearbeitet haben – also wie häufig Sie diesen Arbeitsweg zurückgelegt haben. Krankheits- oder Urlaubstage dürfen nicht berechnet werden. Durchschnittlich sind das 220 Tage. Liegt Ihre Arbeitsstätte 15 Kilometer entfernt, haben Sie schon fast 1000 Euro an Werbungskosten zusammen. Dies berechnet sich folgendermaßen:

0,30 (Euro) x 220 (Tage) x 15 (km) = 990 (Euro)

Liegt Ihre Arbeitsstätte also mindestens 15 Kilometer entfernt von Ihrem Wohnort, könnte es sich für Sie lohnen, Werbungskosten abzusetzen.

Weitere Pauschalbeträge

Neben der Entfernungspauschale gibt es einige wenige weitere Pauschalbeträge, die das Finanzamt ohne den Nachweis von Belegen anerkennt. So kann jeder Arbeitnehmer pro Jahr pauschal 16 Euro an Kontoführungsgebühren geltend machen.

Zudem wird auch der so genannte Verpflegungsmehraufwand mittels Pauschalen angegeben. Wenn Sie berufsbedingt reisen, bzw. auswärts tätig sind und mehr als 8 Stunden von Ihrer Arbeitsstätte oder Ihrer Wohnung entfernt sind, dürfen Sie Pauschalbeträge für Verpflegung geltend machen. Sie müssen keine Belege nachweisen. Das bedeutet aber auch, dass Sie keine höheren Beträge angeben dürfen, selbst, wenn Sie mehr ausgegeben haben. Die Pauschalbeträge variieren, je nachdem wie lange Sie auswärts tätig waren und in welches Land Ihre Dienstreise Sie geführt hat.

Wurde Ihnen während der Reise vom Arbeitgeber ein Frühstück oder eine andere Mahlzeit zur Verfügung gestellt, müssen Sie die Pauschalbeträge entsprechend kürzen.
Mehr zum Verpflegungsmehraufwand und die Pauschalen für Reisen ins Ausland, finden Sie beispielsweise hier: Reisekostenabrechnung.com (Das ZDF ist für Inhalte externer Internetseiten nicht verantwortlich.)

Egal ob für Telefonkosten oder die Anschaffung von Arbeitsmitteln. Im Internet kursieren einzelne Beträge, die das Finanzamt angeblich pauschal als Werbungskosten anerkennt - ohne dass man diese anhand von Quittungen belegen muss. Doch hier raten Experten zur Vorsicht! Setzen Sie nur Beträge ab, die Sie auch nachweisen können und die eindeutig berufsbedingt angefallen sind.

Das häusliche Arbeitszimmer

Zu den Werbungskosten gehören auch die so genannten Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer. Auf Seite zwei der Anlage "N" befindet sich in Zeile 43 das Feld „Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer“. Um die Kosten für ein Arbeitszimmer aber überhaupt absetzen zu können, müssen bestimmte Voraussetzungen gegeben sein:

Steht Ihnen kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung, können Sie für Ihr häusliches Arbeitszimmer bis zu 1.250 Euro geltend machen. Das gilt zum Beispiel für Lehrer oder Mitarbeiter im Außendienst, die an ihrem eigentlichen Arbeitsort keinen Schreibtisch stehen haben. Bildet das Arbeitszimmer in Ihrer Wohnung den Mittelpunkt Ihrer gesamten beruflichen Tätigkeit, können die Kosten, die hierfür entstehen, komplett als Werbungskosten abgesetzt werden. Dies trifft auf Arbeitnehmer zu, die komplett von zuhause aus arbeiten.

Beim häuslichen Arbeitszimmer muss es sich um einen abgeschlossenen Raum Ihrer Wohnung handeln. Eine kleine Ecke in Ihrem Wohnzimmer, in der ein Schreibtisch und ein Bücherregal stehen, wird nicht als häusliches Arbeitszimmer anerkannt. Wichtig ist, dass Sie den Raum zu mindestens 90 Prozent für Ihre berufliche Tätigkeit nutzen. Selbst, wenn Sie eine Ausklappcouch dort zu stehen haben, könnte es zu Schwierigkeiten mit dem Finanzamt kommen.

Kosten anteilig berechnen

Wie können Sie die Kosten für Ihr häusliches Arbeitszimmer berechnen? Hier ist die Größe, beziehungsweise die anteilige Größe des Zimmers in Ihrer Wohnung entscheidend. Eine Beispielrechnung: Ist Ihre Wohnung 100 Quadratmeter und Ihr Arbeitszimmer 15 Quadratmeter groß, beträgt der Anteil des Arbeitszimmers 15 Prozent. Diese 15 Prozent können Sie wiederum auf die Gesamtkosten der Wohnung anwenden. Addieren Sie sämtliche Kosten, die im Jahr anfallen: Mietkosten, Betriebskosten, Kosten für Reinigung, Versicherungen, Müllabfuhr. Bei Immobilienbesitzern können statt der Mietkosten die anfallenden Zinsen für einen Immobilienkredit oder die Grundsteuer sein. Nach der Beispielrechnung könnten 15 Prozent dieser Gesamtkosten als Aufwendungen für das Arbeitszimmer geltend gemacht werden.

Die Kosten für Arbeitsmittel, also für das Mobiliar, einen Computer oder Schreibutensilien gehören nicht dazu – sie werden extra aufgeführt.

Werbungskosten und die Rente

Auch Rentner können Werbungskosten von der Steuer absetzen. Das Gesetz definiert diese als Kosten, die zum Erwerb, der Sicherung oder zum Erhalt der Rente aufgewendet wurden. Haben Sie sich also von einem Experten zum Thema Rente oder Versicherungen beraten lassen? Zahlen Sie Kontoführungsgebühren oder Gewerkschaftsbeiträge? Oder holen Sie sich bei der Erstellung Ihrer Steuererklärung Hilfe von einem Experten?

Dann sind dies Kosten, die Sie absetzen können. Genau wie bei Arbeitnehmern gibt es jedoch auch für Rentner eine Werbungskostenpauschale, die jeder Rentner automatisch angerechnet bekommt. Sie liegt bei 102 Euro. Übersteigen Ihre Aufwendungen diesen Betrag, lohnt es sich, die Werbungkosten zu addieren und in der Anlage R der Steuererklärung anzugeben.

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