Zahnbehandlung im Ausland

Checklisten und Qualitätssiegel helfen bei Auswahl

Verbraucher | WISO - Zahnbehandlung im Ausland

Seit 2004 ist es erlaubt, sich im EU-Ausland die Zähne behandeln zu lassen. In Ungarn, Polen oder Spanien sind diese Behandlungen teilweise erheblich günstiger. Doch dabei gilt es einiges zu beachten.

Beitragslänge:
5 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 20.03.2017, 00:00

Aufwendige Zahnbehandlungen im Ausland werden immer beliebter. Seit 2004 ist es generell erlaubt, sich auch im EU-Ausland behandeln zu lassen. Und: In Ungarn, Polen oder Spanien sind diese Behandlungen teilweise erheblich günstiger. Doch dabei gilt es einiges zu beachten. Dazu unser WISO-Tipp!

Sie planen eine aufwendige Zahnbehandlung im EU-Ausland? Doch wie finden Sie den passenden Zahnarzt im Ausland? Gerade für aufwendige Zahnbehandlungen wie das Einsetzen von Implantaten bedarf es eines guten Vertrauensverhältnisses gegenüber Ihrem Zahnarzt. WISO hat einige objektive Kriterien zusammengestellt, anhand derer Sie bereits von zuhause aus einen verlässlichen Zahnarzt finden können. Ob ein Zahnarzt Ihr Vertrauen gewinnt, können Sie wahrscheinlich erst bei einem persönlichen Treffen entscheiden.

Qualitätssiegel mit unterschiedlichen Bewertungskriterien

Zahlreiche unabhängige Organisationen und Institutionen vergeben Zahnärzten und Zahnkliniken Zertifikate oder so genannte Qualitätssiegel. Diese sind jedoch nicht direkt miteinander zu vergleichen, denn allen liegen unterschiedliche Bewertungskriterien zugrunde. Die einen beurteilen das Qualitätsmanagement einer Praxis, wieder andere die Qualifikation des behandelnden Arztes. WISO hat einige dieser Zertifikate zusammengestellt.

Gewährleistungsansprüche und Garantie

Sie sollten wissen: Sie können sich noch so gut über Ihren behandelnden Zahnarzt im Ausland und dessen Praxis informieren – auch beim besten Arzt kann etwas schief gehen. Lassen Sie sich in Deutschland behandeln, gilt deutsches Recht. Lassen Sie sich aber in Polen oder Ungarn behandeln, gilt der dortige Gerichtsstand. Das bedeutet: Falls nach einer Behandlung im Ausland Probleme oder Mängel auftreten, müssen Gewährleistungsansprüche in der Regel beim behandelnden Arzt im Ausland geltend gemacht werden.

Das bedeutet: Sie müssen wieder ins Ausland fahren, um nachbessern zu lassen. Immerhin: Für Laborarbeiten gelten in allen Ländern der Europäischen Union zwei Jahre Gewährleistung. Allerdings fallen dann erneut Fahrt- und evtl. Übernachtungskosten an, die Sie selbst bezahlen müssen.

Manche Zahnkliniken werben mit bis zu 5 oder sogar 10 Jahren Garantie auf die verwendeten Materialien. Lassen Sie sich dies in jedem Fall schriftlich bestätigen!

Nachbesserung durch einen deutschen Zahnarzt

Lassen Sie Ihren ausländischen Zahnersatz in Deutschland korrigieren, müssen Sie dies in den meisten Fällen auch selbst zahlen. Er kann die Behandlung sogar ablehnen, da er evtl. für die Nachbesserung haftbar gemacht werden kann.

WISO-Tipp: Achten Sie darauf, dass die ausländische Zahnklinik Ihrer Wahl mit Zahnärzten in Deutschland kooperiert. Dann können Sie auch dort nachbessern lassen.

Schadensersatz oder Schmerzensgeld

Beachten Sie: Falls Sie mit der Behandlung so unzufrieden sein sollten, dass Sie Schadensersatz oder gar Schmerzensgeld fordern müssen, gilt in der Regel der Gerichtsstand des Landes, in dem Sie sich behandelt haben lassen. In diesem Fall brauchen Sie einen Anwalt vor Ort, der Ihre Interessen vertritt.

Kooperationen mit deutschen Krankenkassen

Einige wenige gesetzliche Krankenkassen kooperieren mit Zahnkliniken oder zahnmedizinischen Dienstleistern im europäischen Ausland. Dies erleichtert zum einen die Suche nach der passenden Klinik und die Abrechnung. In manchen Fällen bedeutet dies sogar, dass im Zweifelsfall ein Rechtsstreit vor einem deutschen Gericht ausgefochten wird.

Falls Sie eine Zahnbehandlung im Ausland planen, sollten Sie in jedem Fall frühzeitig Ihre gesetzliche Krankenversicherung kontaktieren.

Zahnzusatzversicherungen bei Auslandsbehandlungen

Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen den so genannten Festzuschuss einer Zahnbehandlung – auch im EU-Ausland. Das bedeutet, Ihre Krankenkasse übernimmt in der Regel die Kosten für dieselben Leistungen wie bei einer Behandlung in Deutschland. Was jedoch nicht der so genannten Regelversorgung entspricht oder nicht im Leistungskatalog Ihrer Krankenversicherung erfasst ist, müssen Sie selbst zahlen. Daher sollten Sie über eine private Zahnzusatzversicherung nachdenken. Diese erstattet Ihnen einen Teil Ihrer zu zahlenden Eigenleistung.

In der Regel sollten private Zahnzusatzversicherungen auch Zahnbehandlungen im EU-Ausland beinhalten. Es gibt jedoch Ausnahmen bei einzelnen Tarifen. Lesen Sie hierzu die Versicherungsbedingungen Ihres Tarifs.

Versicherung rechtzeitig abschließen

Beachten Sie: Schließen Sie eine Zahnzusatzversicherung rechtzeitig ab! Üblicherweise gelten nämlich nach Abschluss einer neuen Police acht Monate Wartezeit bis die Zahnzusatzversicherung Kosten übernimmt. In dieser Zeit bekommen Sie keine Leistungen erstattet.

WISO-Tipp: Informieren Sie vor Beginn der Behandlung nicht nur Ihre gesetzliche Krankenversicherung über Ihre geplante Zahnbehandlung im Ausland, sondern auch den Träger Ihrer Zahnzusatzversicherung.

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