"Ach wie gut, dass niemand weiß ..."

Tarnung - ein Erfolgsrezept der Natur

Täuschen und Tarnen gehören zur Natur der Natur. Tiere geben sich als Teil einer Pflanze aus oder imitieren das Aussehen anderer Arten. Wer übermächtigen Feinden ausgeliefert ist, wer zu schwach oder zu klein ist, um zu fliehen, dem verschafft Tarnung einen entscheidenden Überlebensvorteil.

Schneehuhn verbirgt sich hinter Schneewähe
Schneehuhn verbirgt sich hinter Schneewähe Quelle: BR

Räuber im Tierreich warten auf Signale, mit denen sich ihre Beute verrät. Deshalb haben viele Tiere im Lauf ihrer Evolution eine Tarntracht entwickelt: Sie passen sich in ihrer Farbe und Gestalt so gut an ihren Lebensraum an, dass sie von Fressfeinden nicht mehr oder nur schwer erkannt werden. Biologen nennen diese Tarntracht Mimese.

Schneehase, eingegraben Quelle: BR

Tarnung und Lebensraum

Eine bestimmte Tarnung funktioniert nur in bestimmten Lebensräumen. Im Winter zum Beispiel kann sie davor bewahren, von Jägern entdeckt zu werden. Im Laufe von Jahrtausenden hat die Natur die Tiere mit ihrer Tarntracht ausgestattet. Doch wie lange wird sie ihnen noch nützen? Der Klimawandel verändert allmählich ihren Lebensraum. Es ist eine Frage der Zeit, bis immer weniger Schnee fällt. In einer Landschaft ohne geschlossene Schneedecke hat der Adler leichtes Spiel beim Aufspüren seiner Beute. Die Schneehasen sind wie leuchtende Punkte weithin sichtbar: Ihre Tarnung fliegt auf. So könnte der Schneehase bald zu den Verlierern des Klimawandels zählen. Seine Nachkommen brauchen eine neue Tarnung: ein geflecktes Fell.

Etwas vortäuschen, das man nicht ist, erweist sich vielfach als perfekte Überlebensstrategie. Wer besser täuschen kann, lebt länger und kann eine größere Zahl von Nachkommen in die Welt setzen. Was sich die Natur dabei einfallen lässt, ist atemberaubend. Die Spannerraupe wäre ihren Fressfeinden hilflos ausgeliefert, würde sie nicht so perfekt ihre Umgebung imitieren: In der Bewegung erstarrt und mit gestrecktem Körper sieht sie exakt aus wie ein kleines Ästchen. Vom Blattwerk eines Baumes kann man sie dann kaum noch unterscheiden. Das Risiko ist jedoch: Verschwindet die Wirtspflanze, sinken auch die Überlebenschancen der Raupe.

Meister der Täuschung

Tintenfisch Quelle: dpa


Je trügerischer die Anpassung, je perfekter die Tarnung, umso größer die Chance, Feinden zu entgehen. Der Aufwand für die Anpassungsstrategien lohnt sich. Ein wahrer Meister der Verstellung ist der Krake. Er kann sich in jeder Umgebung praktisch unsichtbar machen und verändert dazu Form und Farbe. Bis zu 1000 Mal am Tag wechselt er sein Aussehen: Er kann die Form der Pigmentzellen in seiner Haut verändern und mithilfe winziger Muskelfasern seiner Oberfläche ganz unterschiedliche Strukturen verleihen. Und auch wenn ein schlauer Räuber die Camouflage durchschaut - ein Krake gibt sich nicht so schnell geschlagen. Wenn er flüchtet, hinterlässt er Feinde in einer trüben Wolke seiner "Tinte".

Geierschildkröte Quelle: dpa


Auch die im Wasser lebende Geierschildkröte ist perfekt getarnt. Diese Schildkröte gräbt sich mit weit aufgerissenem Maul im Schlamm ein. Auf ihrer Zunge sitzt ein rötlicher Fortsatz, der Ähnlichkeit mit einem kleinen Wurm hat. Indem die Geierschildkröte mit ihrem Zungenfortsatz die Bewegungen eines Wurms nachahmt, angelt sie sich regelrecht ihre Beute. Wagt sich ein Fisch zu nah heran, schnappt die Falle mit enormer Geschwindigkeit und Kraft zu.

Für jeden der geeignete Köder

Die Natur hat das Angeln schon lange vor den Menschen erfunden: eine verbreitete Strategie, denn sie verspricht Erfolg. Und sie ist Energie sparend, denn sie erfordert keine kräftezehrende Verfolgungsjagd. Auch der Mensch macht sich solche Täuschungsmanöver zunutze. Angler wählen den Köder aus, mit denen sich Fische am besten täuschen und anlocken lassen. Für Forellen sind Insekten an der Wasseroberfläche eine Delikatesse. So lassen sich die beliebten Speisefische beim Fliegenfischen von künstlichen Insekten täuschen und gehen dem Menschen an die Angel.

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